Irre, irrer, Deutschlands Elite

von Vera Lengsfeld

Henryk Broder hat schon vor einiger Zeit festgestellt, dass Deutschland einer geschlossenen Anstalt gleicht. Inzwischen sind wir schon weiter. Verglichen mit den Gebaren unserer Eliten, geht es in jedem Irrenhaus vergleichsweise geordnet zu. Leider ist keine Rettung in Sicht. Man weiß schon nicht mehr, wohin man SOS senden soll, denn allmählich ist ganz Europa angesteckt.

Das hat die gestrige Entscheidung der Regierungsschefs in Brüssel überdeutlich gezeigt. Nach wochenlangem Postengeschacher, das an sich schon offenbart hat, worum es in der EU hauptsächlich geht, hat man sich jetzt mit einer Enthaltung auf ein „Personaltableau“ geeinigt, von dem man sich verzweifelt fragt, wie das ernst gemeint sein kann.

Ursula von der Leyen als Kommissionschefin! Soll das grünes Licht für das endgültige Ruinieren der EU bedeuten? Man kann das nur sarkastisch kommentieren, wie es Peter Grimm auf der Achse des Guten getan hat: „Ausgerechnet auf Ursula von der Leyen konnten sich alle einigen. Vielleicht wirkte eine Deutsche, die die deutsche Armee in die weitgehende Kampfunfähigkeit reformiert hat, auf Länder, die einst von der deutschen Wehrmacht überfallen wurden, irgendwie beruhigend.“

Andere wollen wenigstens etwas Positives an der Entscheidung sehen. Die Bundeswehr könne jetzt aufatmen. Wenn man sich da nicht Illusionen macht! Dem Heer droht Peter Tauber, Merkels Spezialist fürs Totalitäre. Der hätte dann als oberster Kommandierender sogar die Macht, den von ihm favorisierten Entzug der Grundrechte für Andersdenkende mit bewaffneter Gewalt durchzusetzen. Unmöglich? In den goldenen Kohl-Jahren hätte man sich auch nicht vorstellen können, dass eine deutsche Regierung permanenten Gesetzes-und Vertragsbruch begeht und dafür von den Haltungsmedien gefeiert wird. Mehr noch: Wer auf Einhaltung von Recht und Gesetz besteht, wird als rechts gemaßregelt. Charakteristisch für die Zeitgeisthaltung ist der Eintrag eines linken Facebooknutzers: „Was mich besorgt, das ist der bizarre Rechtspositivismus … Motto: Was immer auch Gesetz in einem Rechtsstaat ist, ist unbedingt und situationsunabhängig zu beachten.“
Damit wird das Erfolgsmodell des Westens, der Rechtsstaat für obsolet erklärt. Damit sind wir auf dem abschüssigen Pfad zur Diktatur.

Zurück zu von der Leyen: Sie hat die Bundeswehr endgültig ruiniert und zum Gespött gemacht. Zwei Abstürze innerhalb kurzer Zeit haben ein tödliches Schlaglicht auf den desolaten Zustand der Truppe geworfen. Ein Verteidigungsminister Franz Josef Strauß oder Volker Rühe wäre von Opposition und Medien innerhalb von Stunden zum Rücktritt gezwungen worden. Bei von der Leyen ist trotz all ihrer Berater-, Begünstigungs- und Vernachlässigungsaffären nichts davon zu spüren. Trotz oder soll man sagen, wegen ihrer erwiesenen Unfähigkeit wird sie nicht gefeuert, sondern befördert.





„Hast Du einen Opa, schick ihn nach Europa“ – mit diesem neckischen Slogan haben früher die linken ihrer Verachtung des EU-Parlaments Ausdruck gegeben. Heute wird die Entsendung einer Oma, die bisher nur bewiesen hat, dass sie außer Herunterwirtschaften nichts kann, von den Haltungsmedien als Coup begrüßt.

An Peinlichkeit nicht zu überbieten ist die Schlagzeile von Focus online:
„War von der Leyen Muttis letzter großer Coup?“.
Wer so etwas veröffentlicht, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Die „Analyse“ lautet, Merkel, die den Spitzenkandidaten Manfred Weber nie unterstützt hat und statt seiner den Sozialdemokraten Timmermanns als Kommissionschef vorschlug, hätte das nur getan, weil sie wusste, dass dieser scheitern und den Weg für von der Leyen frei machen würde. Damit hätte sie drei Ziele erreicht: Sie hätte den Posten nach Deutschland und sogar in ihre eigene Partei geholt und von der Leyen einen Gefallen getan.
Eine Merkel-Marionette aus der Fraktion, Katja Leikert, behauptet tatsächlich:
„Die Nominierung Ursula von der Leyens zeigt auch das Ansehen, das Deutschland und insbesondere Angela Merkel auf europäischer Ebene genießen. Ohne die deutsche Bundeskanzlerin wäre der ausgewogene Personalkompromiss nicht zustande gekommen.“

So werden das verspielte Ansehen Deutschlands und die Klatschen für die Kanzlerin auf EU-Ebene schön geredet. Damit dient man sich auf dem sinkenden Schiff vom Maschinenraum auf das Lakaien-Deck. Nur rettet das nicht vor dem Untergang. Auch Honecker genoss noch im Sommer 1989 angeblich etwas wie stille Verehrung innerhalb und außerhalb der DDR. Nur wenige Monate später war er Geschichte.

Die EU hat sich in den letzten Tagen auf eine Weise demontiert, die an Selbstzerstörung grenzt. Ein Gremium, das nicht in der Lage ist, die Abschaffung der Zeitumstellung durchzuführen, weil es sich nicht auf die Normalzeit einigen kann, hat nun vorgeführt, dass es kein fähiges, skandalfreies Personal zu bieten hat. Wie sollen da die Zukunftsfragen gelöst werden?

Von Martin Schulz, als er noch EU-Parlamentspräsident war, gibt es den unvergessenen Ausspruch, dass die EU, müsste sie einen Aufnahmeantrag in die EU stellen, wegen ihrer Demokratiedefizite nicht aufgenommen werden würde. Seither hat sich daran nichts geändert. Bestandteil des „Personaltableaus“ der Regierungschefs ist auch der Posten des Parlamentspräsidenten. Nichts zeigt deutlicher, dass es sich beim EU-Parlament nur um eine „Quasselbude“ handelt, wie der letzte deutsche Kaiser einmal den Reichstag abqualifizierte.

Bei der Europawahl sollten wir alle abstimmen, um das demokratische Projekt zu retten. Nun haben die Regierungschefs unmissverständlich demonstriert, dass sie sich nicht um demokratische Prinzipien scheren.

Die Wähler in Deutschland lehnen die Nominierung von der Leyens mit Zweidrittelmehrheit ab. Leider ist zu befürchten, dass dies bei der Entscheidung unserer Vertreter im EU-Parlament keine Rolle spielen wird.

Irre, irrer, Deutschlands Elite
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7 Kommentare

  1.  Nun, mit der Hochlobung von U.v.D. Leyen sollte auch den Letzten die Stallaternen aufgegangen sein, welchen Wert "zu Wählen" mit sich bringt?

     Selbst der DLF (Deutscher Landfunk) hat darauf hingewiesen, daß eine Ungewählte dieses Amt bekleiden soll … was fast schon einer kleinen Sensation gleichkommt …

     Und dabei hatte Sie immer eine soo gute Figur gemacht, bei Truppenabnahmen! Immer den goldenen Helm auf!

     Meinetwegen sollen sie Sie in (die) Kommission nehmen; ich erwarte allerdings eine ordentliche Abwrackprämie für dieses Auslaufmodell!

  2. Von der Leyen ist alter Reichsadel. Ihr steht ein Posten an der Spitze qua Geburt zu. So wie etwa 25% der Abkommen des Hochadels Berufspolitiker in Landtägen, Europa oder dem Bundestag sind. Weiter 30% sind CEOs von Unternehmen (oft auch den eigenen).

    Man sollte nie vergessen, dass Demokratie nur eine Hülle für die Oligarchie dahinter ist. Und da geben sich Adel- und Geld(finanz)-adel die Klinken in die Hand.

    Von der Leyen hätte eigentlich Merkel-Nachfolgerin werden sollen. Aber dazu ist sie in Deutschland einfach zu unbeliebt. Das kann man selbst mit Wahlfälschung nicht hinbiegen… Und das obwohl sie sich in jedem Ministerium Dutzende Mitarbeiter allein zur Persönlichkeitspräsentation geleistet hat.

    Aber sie kommt halt einfach zu kaltherzig und emotional tot rüber und hat in keinem Posten irgendwas anderes als Luftblasen produziert. Die Bundeswehrberater teilweise aus dem Bekanntenkreis sind da nur ein letztes Ausrufungszeichen. Die 10 Euro pro Monat für Harz 4 Kinder mit einem bürokratischen Monster und dummer Werbekampagne waren auch so eine Glanzleistung…

    Traditionell werden unfähige Politiker gerne nach Brüssel weggelobt. So wie der Martin Schmidt. der schon vorher in der Kommunalpolitik als Bürgermeister total versagt hatte.

    Auch in den obskuren Kleinparteien sitzen oft ehemalige Adelige, mit langen Stammbäumen.

    Aber das muss uns ja nicht interessieren, deswegen wird darüber auch nie im Oligarchenfernsehen berichtet…

    •  Abstammung spielt sicherlich eine Rolle, aber, mir scheint, in diesem Falle hat es durchaus, und überwiegend, pragmatische Gründe! 🙂

  3. Leute, ihr müßt das wie das Murksel von hinten denken:

    Was alles hätte die krankhaft Ehrgeizige Unfähige in Germoney noch alles an Porzellan zerdeppern können, wäre sie nicht entsorgt worden. 

    Wir sollten Angola Murksel für diesen Coup dankbar sein.

    • Ja, Odonata, nicht wahr!

      Zumal man davon ausgehen konnte, dass die Wähler sowieso zu 100 Prozent verarscht werden. Das war übrigens schon immer so. Die Masse merkt es leider nur nicht, dass sie gar keine Wahl hat. Alles der gleiche Sumpf, der angekreuzt wird.

       

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