!!! Interview mit Sergej Glasjew !!!

Sergej Glasjew, geboren in der Ukraine, ist Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, Berater und ein guter Freund von Russlands Präsident Putin. Er ist Ökonom und kennt sich bestens aus, was hinter den Kulissen in der Ukraine abläuft. Nicht umsonst hat die USA ihn auf die Sanktionsliste gesetzt. Im Jahr 2004 stand er sogar als Präsidentschaftskandidat in Russland zur Wahl. Im Interview (rechts) klärt er die Hintergründe zum Ukraine-Krieg auf.

Hier ein weiteres Interview über den „Eurofaschismus“von ihm, das er vor der Amtseinführung von Petro Poroschenko am 21. März 2014 dem russischen Rundfunksender Radio Radonesch gab und von „Neue Solidarität“ auf Deutsch übersetzt wurde:

„Die derzeitigen Ereignisse in der Ukraine werden vom bösen Geist des
Faschismus und Nazismus begleitet, obwohl dieser nach dem Zweiten Weltkrieg
längst verschwunden schien. Siebzig Jahre nach dem Krieg ist der Geist wieder
aus der Flasche entwichen, was eine Bedrohung darstellt nicht nur in Form der
Insignien und Rhetorik von Hitlers Handlangern, sondern auch aufgrund eines
zwanghaften Drangs nach Osten. Die Flasche wurde dieses Mal von den
Amerikanern entkorkt. Genauso wie vor 76 Jahren in München, als die Briten und
Franzosen Hitlers Marsch nach Osten absegneten, so werden heute Jarosch,
Tjahnybok und andere Nazis in der Ukraine von Washington, London und Brüssel
zum Krieg gegen Rußland angestiftet. Man ist zu der Frage gezwungen: Warum das
im 21. Jahrhundert? Und warum beteiligt sich das jetzt in der Europäischen
Union zusammengeschlossene Europa an der Entfachung eines neuen Krieges, als
wenn es einen Totalverlust seines historischen Gedächtnisses erlitten
hätte?

Die Beantwortung dieser Fragen erfordert zunächst eine genaue Definition
des Geschehens. Das wiederum muß damit beginnen, auf Grundlage der Fakten die
wichtigen Einzelteile der Ereignisse zu ermitteln. Die Tatsachen sind
allgemein bekannt: [Der frühere ukrainische Präsident] Janukowitsch weigerte
sich, das Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen, wozu die Ukraine
gedrängt werden sollte. Danach entfernten ihn die Vereinigten Staaten und ihre
NATO-Verbündeten von der Macht, indem sie in Kiew einen gewaltsamen Putsch
organisierten und eine Regierung einsetzten, die illegitim, ihnen aber völlig
hörig war. In diesem Artikel wird sie „die Junta“ genannt.

Ziel dieser Aggression war es, die Annahme des Assoziierungsabkommens zu
erreichen, was durch den Umstand belegt ist, daß es von der EU-Führung und der
Junta nur einen Monat nach deren Machtübernahme vorzeitig unterschrieben
wurde. Es wurde berichtet (das Dokument mit ihren Unterschriften ist noch
nicht veröffentlicht!), daß nur der politische Teil des Abkommens
unterzeichnet worden sei – jener Teil, der die Ukraine verpflichtet, die
Außen- und Verteidigungspolitik der EU zu befolgen und sich unter EU-Aufsicht
an der Lösung regionaler ziviler und militärischer Konflikte zu beteiligen.
Mit diesem Schritt ist die Annahme des gesamten Abkommens nur noch eine
Formsache.

Die „Euro-Besatzung“ der Ukraine

Im wesentlichen bedeuten die Ereignisse in der Ukraine die erzwungene
Unterordnung des Landes unter die Europäische Union – was man auch
„Euro-Besatzung“ nennen könnte. Die EU-Führer, die uns ständig über
Gesetzestreue und rechtsstaatliche Grundsätze belehren, setzen sich in diesem
Fall selbst über die Rechtsstaatlichkeit hinweg, indem sie einen
unrechtmäßigen Vertrag mit einer unrechtmäßigen Regierung schließen.
Janukowitsch wurde gestürzt, weil er diesen nicht unterschreiben wollte. Diese
Weigerung muß überdies nicht nur mit Blick auf den Inhalt des Abkommens
verstanden werden, sondern auch aufgrund der Tatsache, daß es zu dessen
Annahme keine Rechtsgrundlage gab, denn das Assoziierungsabkommen verstößt
gegen die ukrainische Verfassung, die keine Übertragung staatlicher
Souveränität auf eine andere Seite vorsieht.

Nach der ukrainischen Verfassung kann ein internationales Abkommen, das mit
der Verfassung in Widerspruch steht, nur dann unterzeichnet werden, wenn zuvor
die Verfassung geändert wird. Die von den USA und der EU eingesetzte Junta
ignorierte diese Bedingung. Daraus folgt, daß die USA und die EU den Sturz der
legitimen ukrainischen Regierung organisierten, um das Land seiner politischen
Unabhängigkeit zu berauben. Der nächste Schritt wird sein, der Ukraine durch
den Beitritt zum Wirtschaftsteil des Abkommens ihre bevorzugte Wirtschafts-
und Handelspolitik aufzunötigen.

Auch wenn sich die heutige Euro-Besatzung von der Besatzung der Ukraine
1941 insofern unterscheidet, daß sie ohne die Invasion fremder Truppen
stattfand, so besteht dennoch an dem Zwangscharakter keinerlei Zweifel.
Genauso wie die Faschisten der Bevölkerung der besetzten Ukraine sämtliche
Bürgerrechte entzogen, behandeln die heutige Junta und ihre amerikanischen und
europäischen Hinterleute die Gegner der Eurointegration als Kriminelle,
beschuldigen sie grundlos des Separatismus und Terrorismus, inhaftieren sie
oder senden sogar Nazi-Guerillas aus, um sie zu erschießen.

Solange Präsident Janukowitsch auf Kurs war, das Assoziierungsabkommen mit
der EU zu schließen, wurde er von verschiedenen EU-Politikern gelobt und
umschmeichelt. Jedoch in dem Moment, wo er ablehnte, begannen amerikanische
Einflußagenten (sowie auch offizielle US-Repräsentanten wie der amerikanische
Botschafter in der Ukraine, die Außenamtsstaatssekretärin und Vertreter der
Geheimdienste) zusammen mit europäischen Politikern, ihn an den Pranger zu
stellen und seine politischen Gegner zu rühmen. Mit massiver
propagandistischer, politischer und finanzieller Unterstützung wurden die
Euromaidan-Proteste von ihnen zu einer Bühne der Putschvorbereitungen gemacht.
Viele der Protestaktionen, darunter verbrecherische Angriffe auf
Sicherheitsbeamte und Besetzungen von Regierungsgebäuden, begleitet von
Mordanschlägen und physischen Attacken auf eine Vielzahl von Leuten, wurden
unter Beteiligung der amerikanischen Botschaft und europäischen Politikern
unterstützt, geplant und organisiert, die sich damit nicht nur in die inneren
Angelegenheiten der Ukraine „einmischten“, sondern auch mit Hilfe der von
ihnen selbst kultivierten Nazi-Guerillas eine Aggression gegen das Land
verübten.

Nazis und religiöse Fanatiker zu benutzen, um die politische Stabilität in
verschiedenen Regionen der Welt zu erschüttern, ist eine Lieblingsmethode
amerikanischer Dienste. Sie wurde gegen Rußland im Kaukasus, in Zentralasien
und jetzt sogar in Osteuropa eingesetzt. Das Programm „Östliche
Partnerschaft“, das auf Betreiben der USA von Polen und der EU in Gang gesetzt
wurde, war von Anfang an gegen Rußland gerichtet, mit dem Ziel, daß frühere
Sowjetrepubliken ihre Beziehungen zu Rußland abbrechen. Der Bruch sollte durch
den Abschluß rechtsgültiger Assoziierungsabkommen zwischen diesen Ländern und
der EU endgültig vollzogen werden.

Die „Entscheidung für Europa“

Um die politische Grundlage für solche Abkommen zu schaffen, wurde eine
Kampagne gestartet, um eine Russophobie zu entfachen und den Mythos einer
„Entscheidung für Europa“ zu verbreiten. Diese mystische „Entscheidung für
Europa“ wurde künstlich dem eurasischen Integrationsprozeß entgegengestellt,
wobei westliche Politiker und die Medien letzteren fälschlich als Versuch
bezeichneten, die UdSSR wiederherzustellen.

Das Programm „Östliche Partnerschaft“ ist in jeder einzelnen früheren
Sowjetrepublik gescheitert. Belarus hat bereits seine eigene Entscheidung
getroffen, indem es einen Unionsstaat mit Rußland bildete. Kasachstan, ein
weiteres wichtiges eurasisches Land (wenngleich nicht formal Ziel der
Östlichen Partnerschaft), entschied sich ebenfalls für einen eigenen Weg,
indem es eine Zollunion mit Rußland und Belarus einging. Armenien und
Kirgistan haben beschlossen, sich ebenfalls diesem Prozeß anzuschließen. Die
Moldau-Provinz Gaugasien verurteilte jede Russophobie als Ausrichtung der
moldawischen Politik; in einem Referendum lehnten die Gaugasier die
europäische Integration zugunsten der Zollunion ab und stellten damit die
Rechtmäßigkeit der von Chisinau [Hauptstadt Moldawiens, d.Red.] angestrebten
„Entscheidung für Europa“ in Frage. Georgien, die einzige Republik, die eine
halbwegs rechtmäßige Entscheidung zugunsten einer Assoziierung mit der EU
getroffen hat, bezahlte seine „Entscheidung für Europa“ mit dem
Kontrollverlust über einen Teil seines Staatsgebietes, wo die Menschen nicht
unter einer Euro-Besatzung leben wollen. Das gleiche Szenario wird jetzt in
der Ukraine durchgespielt – Verlust eines Teils des Staatsgebiets, wo die
Bürger die von der Führung verkündete „Entscheidung für Europa“ nicht
akzeptieren.

Bild: Wikimedia Commons/Dim Grits/CC BY-SA 3.0

Erst bei der Gründung der Ukrainischen Sowjetrepublik 1918 wurde die zuvor als
„Neurußland“ bezeichneten Region der Ukraine zugeschlagen, die Krim sogar erst
1954.

In den Druck auf die Ukraine, das EU-Assoziierungsabkommen zu
unterzeichnen, mischte  sich Russophobie als Reaktion auf die Entscheidung der
Menschen auf der Krim, sich der Russischen Föderation anzuschließen, die das
öffentliche Bewußtsein der Ukraine verletzte. Da sich die Mehrheit der
Ukrainer nicht automatisch als von Rußland getrennt betrachtet, wurde stark
daraufhin gewirkt, daß diese Episode als russische Aggression und Annexion
eines Teils ihres Staatsgebietes empfunden wurde. Deswegen spricht Brzezinski
von der „Finnlandisierung“ der Ukraine, um die Gehirne unserer politischen
Elite zu betäuben, während in einer amerikanischen Operation die Bindungen der
Ukraine zum historischen Rußland gekappt werden. Unter dieser Narkose sollen
wir Russen Schuldgefühle wegen der angeblichen Unterdrückung des ukrainischen
Volks akzeptieren, während letzterem Haß auf Rußland eingeflößt wird, gegen
das man seit Ewigkeiten um Kleinrußland und Neurußland gekämpft hat
(siehe Karte)1.

Aber nur ein oberflächlicher Beobachter dürfte in der augenblicklichen
antirussischen Hysterie in den ukrainischen Medien, die sich vor wilder
Russophobie geradezu überschlagen, eine spontane Reaktion auf das Krimdrama
sehen. Tatsächlich ist es ein Beweis dafür, daß der gegen Rußland angestrengte
Krieg jetzt in seine offene Phase tritt. Zwei Jahrzehnte lang waren wir
gegenüber den Äußerungen der Nazi-Ideologie in der Ukraine recht tolerant und
nahmen sie angesichts des offensichtlichen Fehlens deutlicher Voraussetzungen
für Nazismus nicht sonderlich ernst. Diese fehlenden Voraussetzungen wurden
jedoch durch das ständige Säen von Russophobie durch die Unterstützung
zahlreicher nationalistischer Organisationen völlig kompensiert. Die
Diskrepanz zwischen ihrer Ideologie und der historischen Wahrheit stört die
Führer dieser Organisationen nicht. Als Gegenleistung für ein Almosen aus den
NATO-Ländern geben sie sich völlig ungehemmt, Rußland als das neue Feindbild
hinzustellen. Das Ergebnis ist wegen unserer gemeinsamen Geschichte, Sprache
und Kultur nicht überzeugend: Kiew ist die Mutter aller russischen Städte, das
Kiewer Höhlenkloster ist eine wichtige heilige Stätte der orthodoxen Welt, und
an der Kiew-Mohyla-Akademie nahm die moderne russische Sprache feste Gestalt
an.

Wir können die historische Bedeutung von Kleinrußland (Ukraine) nicht
vergessen. In unserem Denken gab es nie eine Trennung zwischen Rußland und
Ukraine. Ich selbst bin in der Ukraine aufgewachsen; wir fühlten uns nie nach
ethnischer Herkunft unterschieden, weder in der Schule noch in der
Nachbarschaft oder bei der Arbeit. Wir lebten als ein Volk zusammen, sprachen
die gleiche Sprache, hatten den gleichen Glauben und das gleiche Verständnis
von der Bedeutung des Lebens. Und wir alle – Russen, Ukrainer, Juden und
andere ethnische Gruppen, die in Saporoschje und fast überall sonst in der
Ukraine lebten, ausgenommen nur der westlichste Teil – wußten, daß wir ein
Volk sind, auch wenn uns bekannt war, daß es in den Wäldern der Westukraine
einige Nazis gab, die noch immer nicht begriffen hatten, daß der Krieg vorbei
war. Als ich noch zu Sowjetzeiten einmal Lwiw besuchte, war ich entsetzt über
die Anfeindungen gegen Leute, die russisch sprachen. Da ich fließend
Ukrainisch spreche, war das für mich kein Problem, aber mir ist nicht
entgangen: Solange man mit ihnen auf Ukrainisch sprach, war alles in Ordnung,
doch wenn man ins Russische wechselte, war die Spannung spürbar.

Wilde Lügen sind in Umlauf, die mit tragischen Episoden in unserer
gemeinsamen Geschichte herumspielen, wie etwa die Revolution und der
Bürgerkrieg sowie die Holodomor-Hungersnot der 1930er Jahre, die fälschlich
allein der russischen Tyrannei zugeschrieben wird. Auf Nazismus gründende
Russophobie wird zum Eckpfeiler der ukrainischen Nationalidentität
gemacht.

„Ukrainischer Nazismus“

In diesem Artikel geht es nicht darum, die objektive Absurdität der
hysterischen Russophobie der ukrainischen Nazis aufzuzeigen, sondern vielmehr
darum, die Gründe für ihr Wiedererstarken im 21. Jahrhundert zu ergründen. Das
setzt die Erkenntnis voraus, daß ein solcher „ukrainischer Nazismus“ ein
künstliches Konstrukt ist, das von den uralten Feinden der russischen Welt
erschaffen wurde. Der vom Ausland in der Ukraine kultivierte ausschließende
Nationalismus und Faschismus hat sich immer gegen Moskau gerichtet. Zuerst
wurde er von Polen gefördert, das die Ukraine als ihr eigenes Randgebiet
betrachtete, und seine eigene vertikale Machtstruktur errichtete, um es zu
verwalten. Dann kam Österreich-Ungarn, das über lange Zeiträume große Summen
Geld investierte, um den ukrainischen Separatismus zu stärken.

Während der deutschen Nazibesatzung bildeten diese separatistischen
Tendenzen den Boden, auf dem die Bandera-Bewegung und die Polizei entstanden,
die den deutschen Faschisten dabei halfen, ihre Ordnung in der Ukraine zu
errichten, u.a. mit harten Strafaktionen und der Unterjochung der Bevölkerung.
Ihre heutigen Anhänger verhalten sich genauso: Unter Anleitung ihrer
amerikanischen Ausbilder führen die Guerillas des Banderistischen Rechten
Sektors Strafaktionen gegen die Bevölkerung im Donbass aus, helfen der von den
USA eingesetzten Junta, die Städte von „Unterstützern“ eine engeren Bindung an
Rußland zu „säubern“, und übernehmen Polizeifunktionen für die Errichtung
einer proamerikanischen, antirussischen Ordnung.

Es ist offensichtlich, daß weder der Putsch noch die Kiewer Junta ohne
ständige amerikanische und europäische Unterstützung möglich gewesen wären.
Leider, wie es so schön heißt, „lehrt uns die Geschichte, daß uns die
Geschichte nichts lehrt.“ Das ist eine Katastrophe für Europa, das mehr als
nur einmal mit einem protofaschistischen Regierungsmodell, wie es sich jetzt
in der Ukraine herausbildet, hat fertig werden müssen. Es geht dabei im
wesentlichen um eine symbiotische Beziehung zwischen Faschisten und
Großkapital. Eine Symbiose dieser Art verhalf Hitler zum Aufstieg, der von
deutschen Großkapitalisten unterstützt wurde, die die Gelegenheit nutzten,
unter dem Schutz nationalsozialistischer Rhetorik Reibach mit
Regierungsauftragen und der Militarisierung der Wirtschaft zu machen. Das galt
nicht nur für deutsche Kapitalisten, sondern auch für europäische und
amerikanische. Es gab Kollaborateure mit dem Hitler-Regime in praktisch allen
europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten.

Nur wenige Leute erkannten, daß den Fackelumzügen die Verbrennungsöfen in
Auschwitz folgten und daß Zigmillionen Menschen in den Bränden des Zweiten
Weltkriegs umkommen würden. Die gleiche Dynamik erleben wir jetzt wieder in
Kiew, nur daß der Ruf „Heil Hitler“ durch den Ruf „Ruhm den Helden“ ersetzt
wurde – Helden, deren Großtat es war, in Babi-Yar wehrlose Juden hinzurichten.
Obendrein finanziert die ukrainische Oligarchie – darunter auch die Führer
einiger jüdischer Organisationen – die Antisemiten und Nazis des Rechten
Sektors, die das bewaffnete Bollwerk des jetzigen Regimes in der Ukraine sind.
Die Maidan-Förderer haben vergessen, daß in der symbiotischen Beziehung
zwischen Nazis und Großkapital immer die Nazis die Oberhand über die liberalen
Geschäftsleute gewinnen. Letztere sehen sich entweder gezwungen, selbst Nazis
zu werden oder das Land zu verlassen. Genau das geschieht in der Ukraine
bereits: Die Oligarchen, die im Land bleiben, wetteifern mit den kleinen
Führern des Rechten Sektors auf dem Gebiet der russophoben und
antimoskowitischen Rhetorik und auch dabei, sich das Eigentum ihrer
Geschäftskollegen, die das Land verlassen haben, unter den Nagel zu
reißen.

Die jetzigen Machthaber in Kiew rechnen mit dem Schutz ihrer amerikanischen
und europäischen Gönner und versprechen ihnen täglich neu, gegen die
„russische Besatzung“ bis zum letzten lebenden „Moskowiter“ zu
kämpfen.2 Sie unterschätzen offenbar, wie gefährlich Nazis sind,
denn Nazis glauben wirklich, sie seien eine „höhere Rasse“, während alle
anderen, auch die Geschäftsleute, die sie aushalten, in ihren Augen
„Untermenschen“ sind, gegen die Gewalt jeder Art zulässig ist. Deswegen setzen
sich Nazis in ihrer symbiotischen Beziehung mit der Bourgeoisie immer durch,
die sich dann beugen oder aus dem Land fliehen muß. Es gibt keinen Zweifel
daran, daß, wenn die Bandera-Anhänger nicht gewaltsam gestoppt werden, sich
das Nazi-Regime in der Ukraine entwickeln, expandieren und weiter vordringen
wird. Das einzig zweifelhafte ist dabei noch Ukraines „Entscheidung für
Europa“, da das Land immer stärker nach dem Faschismus vor 80 Jahren riecht.

Die Eurobürokratie

Der heutige Eurofaschismus unterscheidet sich natürlich sehr von den
deutschen, italienischen und spanischen Abarten des 20. Jahrhunderts. Die
europäischen Nationalstaaten sind eine Sache der Vergangenheit; sie sind der
Europäischen Union beigetreten und haben sich der Eurobürokratie unterworfen.
Letztere ist zur führenden politischen Macht in Europa geworden, die leicht
jeden Souveränitätsanspruch einzelner europäischer Länder unterdrücken
kann.

Die Macht der Bürokratie beruht nicht auf einer Armee, sondern auf ihrem
Monopol über die Ausgabe der Währung, über die Massenmedien und über die
Regulierung des Handels, was von der Bürokratie sämtlich im Interesse des
europäischen Großkapitals organisiert wird. In jedem Konflikt mit nationalen
Regierungen im letzten Jahrzehnt hat sich stets die Eurobürokratie
durchgesetzt, wobei sie die europäischen Nationen zwingt, technokratische
Regierungen und deren Politik zu akzeptieren.

Diese Politik basiert auf der durchgängigen Ablehnung sämtlicher nationaler
Traditionen, von christlichen Moralstandards bis zu Herstellungsweisen von
Wurst. Der geschlechtsneutrale, ideenfreie Durchschnitts-Europolitiker ähnelt
nur sehr wenig den rabiaten Führern des Dritten Reichs. Was ihnen gemein ist,
ist eine manische Überzeugung, Recht zu haben, und ihre Bereitschaft, Menschen
zum Gehorsam zu zwingen. Die Nötigungsformen der Eurofaschisten erscheinen
zwar viel sanfter, sind aber doch eine harsche Methode. Widerspruch wird nicht
geduldet, und Gewalt ist zulässig, bis einschließlich der physischen
Ausschaltung jener, die sich der Brüsseler Politik widersetzen. Die Tausenden,
die während des Werbefeldzugs zur Einführung „europäischer Werte“ in
Jugoslawien, Georgien, Moldau und jetzt der Ukraine gestorben sind, lassen
sich natürlich nicht mit den Millionen Opfern der deutschen Faschisten während
des Zweiten Weltkriegs vergleichen. Aber wer hat die indirekten menschlichen
Opfer der Förderung von Homosexualität und Drogenkonsum, des Niedergangs des
produzierenden Sektors oder des kulturellen Zerfalls zusammengezählt? Ganze
europäische Nationen verschwinden im Schmelztiegel der europäischen
Integration.

Das italienische Wort fascio, wovon sich „Faschismus“ ableitet,
bedeutet Einheit oder etwas Zusammengebundenes. In seiner jetzigen Lesart
bezieht es sich auf Vereinigung, ohne daß die Identität dessen, was
eingebunden wird, erhalten bleibt – seien es Menschen, soziale Gruppen oder
Länder. Die heutigen Eurofaschisten versuchen nicht nur, die nationalen
wirtschaftlichen und kulturellen Unterschiede zu beseitigen, sondern auch die
Vielfältigkeit der menschlichen Individuen, insbesondere die Unterscheidung
nach Geschlecht und Alter.

Überdies erinnert die Aggressivität, mit der die Eurofaschisten für die
Erweiterung ihres Einflußbereichs kämpfen, manchmal an die Paranoia von
Hitlers Schergen, neuen „Lebensraum“ für die arische Herrenrasse zu erobern.
Es genügt, hierbei an die Hysterie europäischer Politiker zu erinnern, die auf
dem Maidan und in den ukrainischen Medien auftraten. Sie rechtfertigten die
Verbrechen der Befürworter einer Eurointegration und verleumdeten grundlos
jene, die mit Ukraines „Entscheidung für Europa“ nicht einverstanden waren,
wobei die alte Goebbels-Methode herhalten mußte, je ungeheuerlicher eine Lüge,
desto mehr ähnele sie der Wahrheit.

Der heutige Motor hinter dem Eurofaschismus ist die Eurobürokratie, die
ihre Anweisungen aus Washington erhält. Die Vereinigten Staaten unterstützen
die Osterweiterung von EU und NATO auf alle erdenkliche Weise, sehen sie doch
in diesen Organisationen wichtige Teile ihres globalen Imperiums. Die USA üben
Kontrolle auf die EU über supranationale Institutionen aus, die die Nationen,
die der EU beigetreten sind, kaputtgemacht haben. Ihrer wirtschaftlichen,
finanziellen, außenpolitischen und militärischen Souveränität beraubt,
unterwerfen sie sich den Weisungen der Europäischen Kommission, die unter
starkem Druck aus den USA beschlossen werden.

Im Grunde ist die EU ein bürokratisches Imperium, das die Angelegenheiten
in seinem Wirtschaftsraum im Interesse des europäischen und amerikanischen
Kapitals unter US-Kontrolle regelt. Wie jedes Imperium ist es auf Erweiterung
aus, was dadurch geschieht, daß Nachbarstaaten in Assoziierungsabkommen
hineingezogen werden, unter denen sie ihre Souveränität an die Europäische
Kommission abgeben. Um diese Länder dazu zu bringen, zu EU-Kolonien zu werden,
wird Panikmache über eine äußere Bedrohung eingesetzt, wobei die US-gelenkten
Medien Rußland als aggressiv und kriegerisch hinstellen. Unter diesem Vorwand
beeilten sich EU und NATO nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, sich die
Länder Osteuropas zu vereinnahmen; der Balkankrieg wurde zu diesem Zweck
organisiert. Die nächsten Opfer des Eurofaschismus waren die baltischen
Republiken, die von russophobischen Nazis zum Beitritt in EU und NATO genötigt
wurden. Dann erreichte der Eurofaschismus Georgien, wo Nazis unter
amerikanischer Anleitung einen Bürgerkrieg anzettelten. Heute wenden die
Eurofaschisten das Georgien-Modell auf die Ukraine an, um das Land zur
Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU zu zwingen und so einen
Untertanenstaat und einen Brückenkopf zum Angriff auf Rußland zu schaffen.

Eurasische Integration

Die Hauptgefahr für ihre Pläne, der Eurobürokratie die postsowjetischen
Gebiete anzuvertrauen, sehen die USA in dem eurasischen Integrationsprozeß,
der sich im Zuge der Zollunion von Rußland, Belarus und Kasachstan erfolgreich
entwickelt. Die EU und die USA haben mindestens 10 Mrd. $ für den Aufbau
antirussischer Netzwerke aufgewendet, um die Ukraine daran zu hindern, sich an
diesem Prozeß zu beteiligen. Parallel dazu wiegeln die Vereinigten Staaten mit
Unterstützung von Rußlandfeinden in Polen und dem Baltikum sowie von Medien
unter Kontrolle amerikanischer Medienmogule europäische Funktionäre gegen
Rußland auf, mit dem Ziel, die früheren Sowjetrepubliken vom eurasischen
Integrationsprozeß zu isolieren. Das von ihnen angeregte Programm Östliche
Partnerschaft ist ein Deckmantel für Aggression gegen Rußland im früheren
Sowjetgebiet. Diese Aggression tritt so in Erscheinung, daß frühere
Sowjetrepubliken gezwungen werden, EU-Assoziierungsabkommen einzugehen, womit
sie ihre souveränen Wirtschafts-, Handels-, Außenpolitik- und
Verteidigungsfunktionen an die Europäische Kommission abgeben.

Für die Ukraine bedeutet das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen
Union die Übertragung ihrer souveränen Zuständigkeit für die Regulierung des
Handels und anderer außenwirtschaftlicher Beziehungen, für technische
Standards sowie die tierärztliche, gesundheitliche und seuchenhygienische
Aufsicht an Brüssel und auch die Öffnung ihrer Märkte für europäische Güter.
Das Abkommen enthält eintausend Seiten von EU-Direktiven, welche die Ukraine
befolgen müßte. In jedem Bereich ist vorgeschrieben, daß ukrainische Gesetze
mit den Brüsseler Anforderungen in Übereinstimmung gebracht werden. Darüber
hinaus verpflichtet sich die Ukraine, nicht nur die jetzigen Brüsseler
Verfügungen zu befolgen, sondern auch alle zukünftigen, an deren Entstehung
die Ukraine gar nicht beteiligt sein wird.

Im Klartext, nach Unterzeichnung des Abkommens wäre die Ukraine eine
Kolonie der Europäischen Union und müßte deren Forderungen blind gehorchen.
Vielen dieser Vorschriften kann die ukrainische Industrie gar nicht
nachkommen, was der ukrainischen Wirtschaft Schaden zufügen wird. Die Ukraine
muß ihren Markt völlig für europäische Güter öffnen, was die ukrainischen
Importe um 4 Mrd.$ erhöhen und nicht wettbewerbsfähige ukrainische
Industrieprodukte vom Markt verdrängen wird. Die Ukraine wird gezwungen sein,
sich europäischen Standards anzupassen, wozu Investitionen von 150 Mrd. € für
die Wirtschaftsmodernisierung aufzubringen wären. Für solche Geldbeträge sind
keine Quellen in Sicht.

Nach Einschätzung ukrainischer und russischer Ökonomen erwartet die Ukraine
nach Unterzeichnung des Abkommens eine Verschlechterung ihrer bereits
negativen Handels- und Zahlungsbilanz und infolgedessen die
Zahlungsunfähigkeit. In diesem Jahr hat die Ukraine voraussichtlich ein
Zahlungsbilanzdefizit von etwa 50 Mrd.$. Ihre Währungsreserven reichen nur für
drei Monate – ein Quartal. Selbst wenn sämtliche Hilfszahlungen, die in
verschiedenen Gesprächen erwähnt wurden, zustande kämen, würde das Land nur
einen oder zwei weitere Monate dazugewinnen. Unter ihrem jetzigen Regime
dürfte die Ukraine einen Rückgang des Lebensstandards nicht nur um 15 oder 20
Prozent, sondern um die Hälfte oder zwei Drittel erleben, wobei die Bewohner
im Südosten der Ukraine am härtesten betroffen wären.

Die EU zöge bestimmte Vorteile aus einem Assoziierungsabkommen mit der
Ukraine, denn es erweiterte sich der Markt für ihre Produkte, und sie könnte
ukrainische Anlagen unter Wert aufkaufen. US-Konzerne erhielten ihrerseits
Zugang zu den Schiefergasvorkommen, die sie mit einer Pipeline-Infrastruktur
und einem Markt für Brennstäbe von Kernkraftwerken ergänzen wollen.

Das Hauptziel ist jedoch ein geopolitisches: Nach Unterzeichnung des
Assoziierungsabkommens darf sich die Ukraine nicht mehr an der Zollunion mit
Rußland, Belarus und Kasachstan beteiligen. Um das zu erreichen, verlegten
sich die USA und die EU auf eine Aggression gegen die Ukraine und
organisierten die bewaffnete Machtübernahme ihrer Schützlinge. Sie
beschuldigen Rußland, die Krim annektiert zu haben, wo sie doch selber die
gesamte Ukraine übernommen haben, indem sie eine unter ihrer Kontrolle
stehende Junta installierten. Die Aufgabe der Junta ist es, der Ukraine ihre
Souveränität zu entziehen und das Land durch Unterzeichnung des
Assoziierungsabkommens der EU zu unterstellen.

Man kann das Desaster in der Ukraine Aggression der USA und ihrer
NATO-Verbündeten gegen Rußland nennen. Das ist die heutige Version des
Eurofaschismus, die sich vom früheren Gesicht des Faschismus während des
Zweiten Weltkriegs dadurch unterscheidet, daß er „weiche“ Machtausübung mit
nur wenigen bewaffneten Aktionen im äußersten Notfall und die Naziideologie
nur als ergänzende und nicht als absolute Ideologie einsetzt. Eines der
bestimmenden Elemente des Eurofaschismus ist jedoch erhalten geblieben, und
das ist die Unterteilung von Bürgern in bessere (jene, die die „Entscheidung
für Europa“ unterstützen) und in schlechtere, die kein Recht auf ihre eigene
Meinung haben und gegen die alles erlaubt ist. Ein anderer Aspekt ist die
Bereitschaft, im Umgang mit politischen Gegnern Gewalt einzusetzen und
Verbrechen zu verüben. Der letzte Aspekt, der verstanden werden muß, ist der
Grund für die Wiedergeburt des Faschismus in Europa; ohne ein Verständnis
davon ist es unmöglich, einen Widerstandsplan zu entwickeln und die russische
Welt vor dieser jüngsten Bedrohung einer Eurobesatzung zu schützen.

Neocons: Verrückte Menschenfeinde

Die Theorie der langfristigen Wirtschaftsentwicklung kennt einen
Zusammenhang zwischen langen Wellen der Wirtschaftsaktivität und langen Wellen
militärischer und politischer Spannungen. Periodische Übergänge von einer
vorherrschenden technologischen Form zur nächsten wechseln mit
wirtschaftlichen Depressionen ab, wobei steigende Ausgaben der Regierung als
Anreiz zur Überwindung der Krise dienen. Diese Ausgaben konzentrieren sich auf
den militärisch-industriellen Komplex, denn nach der liberalen
Wirtschaftsideologie ist eine erweiterte Rolle des Staates nur für nationale
Sicherheitsziele zulässig. Deswegen werden militärische und politische
Spannungen gefördert und internationale Konflikte geschürt, um die gestiegenen
Rüstungsausgaben zu rechtfertigen.

Genau das geschieht zur Zeit: Die USA versuchen ihre angehäuften
wirtschaftlichen, finanziellen und industriellen Ungleichgewichte auf Kosten
anderer Länder zu lösen, indem sie internationale Konflikte eskalieren, was es
ihnen erlaubt, Schulden abzuschreiben, sich das Vermögen im Besitz anderer
anzueignen und ihre geopolitischen Rivalen zu schwächen. Als das gleiche
während der Großen Depression in den 1930er Jahren geschah, war das Ergebnis
der Zweite Weltkrieg.

Die amerikanische Aggression gegen die Ukraine verfolgt alle oben genannten
Ziele. Erstens, Wirtschaftssanktionen gegen Rußland sollen Milliarden von
Dollar amerikanischer Schulden mit Rußland aus der Welt schaffen. Ein zweites
Ziel ist die Übernahme des ukrainischen Staatsvermögens, darunter das
Erdgastransportsystem, die Mineralvorkommen, die Goldreserven des Landes sowie
wertvolle Kunst- und Kulturgegenstände. Drittens, der Einstieg amerikanischer
Konzerne in wichtige ukrainische Märkte wie Nuklearbrennstoffe, Flugzeugbau,
Energiequellen und andere. Viertens, nicht nur Rußland, sondern auch die
Europäische Union zu schwächen, deren Wirtschaft durch Sanktionen gegen
Rußland geschätzte mehrere Billionen Dollar einbüßen würde. Fünftens,
Fluchtgelder aus dem instabilen Europa nach Amerika zu ziehen.

Somit ist Krieg in der Ukraine ein gutes Geschäft für die Vereinigten
Staaten. Nach Medienberichten zu urteilen, haben die USA ihre Ausgaben für die
Orangene Revolution und den Maidan bereits wieder hereingeholt, indem sie
Schätze aus dem geplünderten Nationalen Museum für Russische Kunst und dem
Nationalen Historischen Museum weggebracht, potentielle Gasfelder übernommen
und die ukrainische Regierung gezwungen haben, von russischen auf
amerikanische Brennstofflieferungen für ihre Kernkraftwerke umzusteigen. Zudem
schreiten die Amerikaner zügig auf ihr langfristiges Ziel zu, die Ukraine von
Rußland abzuspalten, wodurch das einstige „Kleinrußland“ zu einem
rußlandfeindlichen Staat würde, um es daran zu hindern, sich dem eurasischen
Integrationsprozeß anzuschließen.

Diese Analyse läßt keinen Zweifel an der langfristigen und konsequenten
Natur der amerikanischen Aggression gegen Rußland in der Ukraine zu. Wenn man
analysiert, wer die amerikanische Politik beeinflußt, kann man unschwer sehen,
daß die Verantwortlichen für diese Entscheidungen eine Handvoll
geistesgestörter radikaler Extremisten sind, die sog. Neocons, die die gesamte
Welt nur aus dem Blickwinkel ihres Krieges zur Übernahme der Weltmacht sehen.
Das ist eine kleine Gruppe der amerikanischen Oligarchie. Und das ist auch
Faschismus auf ganz eigene Art, der nicht auf radikalem Nationalismus, sondern
auf globalem Hegemonismus beruht. Die Neocons sind wirkliche Menschenfeinde
und Satanisten, die sogar bereit sind, Atombomben abzuwerfen!

Wenn man die Lage in den USA studiert, stellt man jedoch gleichzeitig fest,
daß es dort viele vernünftig denkende Menschen gibt. Die amerikanische
Geschäftswelt ist wenig begeistert von Sanktionen gegen Rußland; darunter
verstehe ich normale Geschäftsleute, die nicht aus Finanzspekulation und der
Zerstörung anderer Ländern, sondern aus Investitionen in Produktion und
Zusammenarbeit einen Gewinn erwirtschaften wollen. Die meisten amerikanischen
Bürger verstehen genausowenig, warum man mitten in Europa einen Krieg
anzetteln soll. Deswegen liegt ein weiterer Faktor, der den zukünftige Verlauf
der Ereignisse bestimmen wird, darin, inwieweit sich in Washington die
Vernunft durchsetzt.

Womit wir es heute zu tun haben, ist nicht Amerika, nicht das amerikanische
Volk, sondern es sind die Organisatoren einer Kette von Kriegen, angefangen
mit dem Irak, dann Jugoslawien, dann Libyen, der Rest Nordafrikas, Syrien und
jetzt die Ukraine. Die Gruppierung verrückter Menschenfeinde, die Neocons,
will die gesamte Welt ins Chaos stürzen, um ihre Weltvormachtstellung zu
sichern.

Krieg gegen Rußland

Hierzu weist Washington seine Kiewer Marionetten an, den Konflikt zu
eskalieren, anstatt ihn zu entspannen. Auch das ukrainische Militär wird gegen
Rußland aufgehetzt, mit dem Ziel, russische Bodentruppen in einen Krieg gegen
die Ukraine hineinzuziehen. Die Nazis dort werden angehalten, neue
Kampfoperationen in Gang zu setzen. Das ist ein wirklicher, von den
Vereinigten Staaten und ihren NATO-Verbündeten organisierter Krieg. Es ist
nicht nur zu einem Staatsstreich und zu einem unerwarteten Ausbruch
antirussischem Nazismus gekommen. Es herrscht Krieg – ein Krieg, den man lange
Zeit nicht bemerkt hat, aber er wurde Schritt für Schritt vorbereitet und trat
dann vor einigen Monaten in seine offene Phase. Es ist nicht einmal ein Krieg
für die Ukraine, sondern ein Krieg gegen uns, gegen Rußland. Das sind die
Ziele der Kräfte, die hinter den Nazi-Guerillas stehen. Und dieser gut
vorbereitete, bezahlte und organisierte Krieg stellt eine Aggression
relevanter Kreise in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, der EU und der
NATO gegen die Ukraine und gegen Rußland dar. Ziel dieses Krieges ist es,
Rußland zu besiegen, zu zerteilen und auszulöschen. Genauso wie vor 75 Jahren
führen die Eurofaschisten mit Hilfe für diesen Zweck kultivierter ukrainischer
Nazis Krieg gegen Rußland.

Wir sollten kein Blatt vor den Mund nehmen. Die Leute, die das
Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der EU unterschrieben haben – jene
Naziregierung, die auf Maschinengewehren beruht und auf Menschen schießt -,
sind Eurofaschisten. Leider ist die Europäische Kommission zu einer
„Eurofaschistischen Kommission“ geworden. Ich bestehe auf dieser Definition,
die historisch und konzeptionell zutreffend ist. Und es ist merkwürdig und
traurig zugleich, wie unsere europäischen Partner auf das Niveau von
Faschisten im 21. Jahrhundert herabsinken.

Die Position der europäischen Länder ist überraschend, die den USA
hinterherlaufen und nichts unternehmen, um eine weitere Eskalation der Krise
zu verhindern. Sie sollten eigentlich besser als jeder sonst verstehen, daß
man Nazis nur mit Gewalt stoppen kann. Je früher dies geschieht, desto weniger
Opfer und weniger Zerstörung wird es in Europa geben. Die Welle von Kriegen,
die Leute aus den USA in Nordafrika, dem Nahen Osten, auf dem Balkan und jetzt
in der Ukraine angezettelt haben, bedroht vor allen Dingen Europa; und die
Zerstörung Europas in zwei Weltkriegen ließ das amerikanische
Wirtschaftswunder im 20. Jahrhundert entstehen. Aber die Alte Welt wird einen
Dritten Weltkrieg nicht überleben. Um einen solchen Krieg zu verhindern, muß
es zu der internationalen Erkenntnis kommen, daß das Vorgehen der USA eine
Aggression darstellt und daß die Verantwortlichen in der EU und den USA, die
sie ausführen, Kriegsverbrecher sind. Es ist wichtig, diese Aggression mit der
rechtlichen Definition „Eurofaschismus“ zu belegen und das Vorgehen der
europäischen Politiker und Offiziellen zu verurteilen, die sich an der
Wiederbelebung des Nazismus unter dem Deckmantel der Östlichen Partnerschaft
beteiligen.


Anmerkungen

1. Malorossiya („Kleinrußland“ oder „Kleineres Rußland“) ist ein Begriff,
der auf griechische Ortsnamen für Siedlungsgebiete der Ostslawen nahe
(„Kleineres Rußland“) oder weiter nördlich („Größeres Rußland“) vom Schwarzen
Meer zurückgeht. Er diente zu verschiedenen Zeiten zur Bezeichnung der
gesamten heutigen Ukraine oder vor allem der Nordostukraine oder des linken
Ufers des Dnjepr. „Neurußland“ kam im 18. Jahrhundert auf als Bezeichnung der
Ländereien, die sich das Russische Reich unter Katharina II. in Kriegen mit
dem Osmanischen Reich angeeignet hat. Dazu gehörten die Schwarzmeerküste vom
Dnjestr bis zur Krim, von der Küste des Asowschen Meers ostwärts fast bis zur
Mündung des Don sowie Gebiete entlang des Unterlaufs des Dnjepr.

2. Moskal oder „Moskowiter“ ist ein abfälliger ukrainischer Ausdruck für
einen Russen.“

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