Imperium in Schutt und Asche (Teil 3): Der Ausverkauf Amerikas – Wie die Elite das Land ausschlachtet

Imperium in Schutt und Asche (Teil 3): Der Ausverkauf Amerikas – Wie die Elite das Land ausschlachtet
Shahed Bolsen vergleicht die Situation von Gesellschaften wie der in den USA mit der Abholzung eines Waldes: Die Bäume (die Bevölkerung) und das Holzfällerunternehmen (die Elite) machen zwei völlig verschiedene Erfahrungen mit dem, was abläuft; Bild: Matthias Behr von Pexels/Canva

Shahed Bolsen, politischer Autor und Analyst, zeichnet in Teil 3 seiner vierteiligen Serie das Bild eines Systems, das auf maximale Extraktion ausgerichtet ist und nun Waffen, die früher gegen andere Länder gerichtet waren, gegen die eigene Bevölkerung einsetzt.

Quelle: transition-news

Ich sage es ganz direkt und ohne jede Beschönigung: So wie eine Private-Equity-Firma ein Unternehmen übernimmt, ohne die Absicht, es langfristig zu führen oder nachhaltig zu entwickeln, sondern mit dem klaren und kalten Ziel, es systematisch auszuschlachten, Vermögenswerte zu verkaufen, Kosten radikal zu drücken, zusätzliche Schulden aufzunehmen und es anschließend hochverschuldet in den Ruin zu treiben, genau so verfahren sie gerade mit den Vereinigten Staaten von Amerika.

Zusammenbruch hier, obszöne Bereicherung da

Während die große Mehrheit der Amerikaner in den letzten Jahren ihre Jobs verloren hat, ihre Häuser durch Zwangsräumungen einbüßte, Rekordschulden anhäufte, in Obdachlosigkeit abrutschte, mit explodierenden Kreditkartenschulden kämpfte und die eigene Kaufkraft kontinuierlich schwinden sah, erlebte die oberste Elite in derselben Zeitspanne eine beispiellose, geradezu obszöne und historisch einmalige Bereicherung. Es passierte im selben Land, in denselben Jahren, unter denselben politischen Slogans wie «Build Back Better»* und «Make America Great Again», doch die Erfahrungen könnten unterschiedlicher nicht sein.

Es ist wie bei der Abholzung eines Waldes: Die Bäume und das Holzfällerunternehmen machen zwei völlig verschiedene Erfahrungen mit demselben Vorgang. Ich habe in den vorherigen Teilen ausführlich über den Niedergang gesprochen – über die Insolvenzen von mehr als 25.000 Unternehmen im Jahr 2025, die Massenentlassungen von mehr als 1,2 Millionen Arbeitsplätzen, die Rekordobdachlosigkeit mit 771.000 Menschen in einer einzigen Nacht, die explodierenden Schulden von 39 Billionen Dollar, die Polizeigewalt mit durchschnittlich 3,5 Toten pro Tag und die steigende Zahl an Selbstmorden, die erstmals zu den Top-10-Todesursachen gehören.

All das ist real und betrifft euch direkt und schmerzhaft. Gleichzeitig geschah jedoch etwas ganz anderes für die Elite. Während ihr leidet, werden sie reicher als je zuvor in der Geschichte. Schaut euch allein die Aktienrückkäufe an. Die im S&P 500 gelisteten Unternehmen gaben im Jahr 2024 zusammen rekordverdächtige 942 Milliarden Dollar für den Rückkauf eigener Aktien aus. Für 2025 werden mehr als 1,1 Billionen Dollar erwartet.

Apple gab 2024 110 Milliarden Dollar und weitere 100 Milliarden im Folgejahr aus. Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, investierte im selben Jahr 61 Milliarden in eigene Aktien. Die 20 größten Konzerne sind für 51 Prozent aller Rückkäufe verantwortlich.

Statt in produktive Investitionen wie neue Fabriken, höhere Löhne, bessere Ausrüstung oder Forschung zu gehen, kaufen sie eigene Aktien zurück. Dadurch steigt der Aktienkurs künstlich, die Boni der Führungskräfte explodieren, und sie bereichern sich direkt aus dem Unternehmensvermögen. Das nennt man Finanzialisierung.

Der reale Wert des Unternehmens, die langfristige Stabilität oder die Zukunft des Landes interessieren sie nicht mehr. Es geht nur noch darum, virtuellen Reichtum für die Aktionäre und sich selbst zu erzeugen.

Vermögensanhäufung gigantischen Ausmaßes

Das Vermögen der amerikanischen Milliardäre stieg allein 2025 um 1,4 Billionen Dollar. Das entspricht etwa drei Millionen Dollar pro Sekunde. Elon Musk steigerte sein Vermögen seit März 2020 um 2.800 Prozent auf 726 Milliarden Dollar. 30 Milliardärsfamilien, die Donald Trump massiv unterstützt haben, erzielten allein im Jahr 2025 eine Rendite von 37,5 Prozent auf ihre politischen Investitionen.

Oxfam hat berechnet, dass allein der Zuwachs des weltweiten Milliardärsvermögens im Jahr 2025 ausgereicht hätte, um extreme Armut auf dem gesamten Planeten 26-mal zu beseitigen. Die Gehälter der CEOs haben absurde Höhen erreicht. Ein durchschnittlicher S&P-500-CEO verdiente 2024 knapp 19 Millionen Dollar – das 285-Fache dessen, was ein Durchschnittsarbeiter im selben Unternehmen erhielt.

Bei Starbucks lag das Verhältnis bei 6.666 zu 1. Ein normaler Barista müsste mehr als 6.000 Jahre arbeiten, um das Jahresgehalt seines CEOs zu verdienen.

Seit 1978 ist das Verhältnis von CEO- zu Arbeitnehmergehalt von 31:1 auf 281:1 gestiegen. Bei den Unternehmen mit den schlechtesten Löhnen liegt es sogar bei 632:1.

Gleichzeitig profitierten genau diese Konzerne massiv von der Inflation. Die Federal Reserve Bank of Kansas City stellte fest, dass Unternehmensaufschläge und Gewinnspannen mehr als die Hälfte der Verbraucherpreisinflation verursachten. Die Preise stiegen, die Gewinne der Unternehmen wuchsen, während die reale Kaufkraft der normalen Amerikaner um fünf Prozent sank.

Auch Trumps Zölle nutzten viele große Unternehmen als willkommenen Vorwand, um Preise zu erhöhen – selbst bei Produkten, die gar nicht von den Zöllen betroffen waren. Ihr bezahlt zweimal: einmal direkt an der Kasse und einmal über eure Steuern.

Die Banken bereiten unterdessen den nächsten großen Crash vor. Die Kapitalanforderungen wurden deutlich gesenkt, damit die Institute wieder mehr spekulieren und riskantere Geschäfte eingehen können. Die Risiken trägt am Ende wieder die Öffentlichkeit, genau wie bei der Finanzkrise 2008.

Das große 1,2-Billionen-Dollar-Infrastrukturprogramm entpuppte sich als gigantische Umverteilung von unten nach oben. Beim Breitband-Programm mit 42 Milliarden Dollar wurden nach drei Jahren null Haushalte mit Hochgeschwindigkeitsinternet versorgt. Experten schätzen, dass durch Betrug, überhöhte Beraterhonorare und Ineffizienz bis zu 225 Milliarden Dollar verloren gingen.

Reiche bereiten eigenen Abgang vor

Die Reichen wissen genau, wohin die Reise geht. Sie bereiten ihren eigenen Abgang vor. Die Nachfrage amerikanischer Bürger nach Zweitwohnsitzen und alternativen Staatsbürgerschaften stieg um 183 Prozent. Große Konzerne wie Oracle, Tesla und Hewlett-Packard verlegen ihre rechtlichen Sitze in steuergünstige Staaten wie Texas oder Florida, nutzen aber weiterhin die Infrastruktur und die ausgebildeten Arbeitskräfte der teuren Bundesstaaten.

Warren Buffett saß Ende 2024 auf 334 Milliarden Dollar in bar und Staatsanleihen – ein klares Misstrauensvotum gegenüber der Zukunft der amerikanischen Wirtschaft. Das gesamte System gleicht einem klassischen Leveraged Buyout (mit hohem Fremdkapitalanteil finanzierte Unternehmensübernahme) auf nationaler Ebene. Sprich, die wirtschaftliche und politische Elite lobbyiert systematisch dafür,

  • … dass der Staat mehr ausgibt als er einnimmt (Steuersenkungen, massive Subventionen und Staatsaufträge) und die staatliche Schuldenlast ins Astronomische steigt (von 23 Billionen im Jahr 2020 auf 39 Billionen heute).
  • … dass öffentliche Vermögenswerte privatisiert werden.
  • … dass hohe Verwaltungsgebühren kassiert werden und so weit wie möglich alles Wertvolle extrahiert wird.

Hör zu, ich beschreibe keine Comicbuch-Bösewichte, die in einem Raum sitzen und deine Zerstörung planen. Ich beschreibe eine Klasse von Menschen, die rational innerhalb der Anreizstrukturen handelt, die sie selbst geschaffen hat. Verstehst du? Sie haben ein System aufgebaut, das Extraktion über Investitionen belohnt, das kurzfristigen Gewinn über langfristiger Stabilität belohnt, das individuelle Bereicherung über kollektives Wohlergehen und Gesundheit belohnt.

Das System hat keinen Mechanismus zur Selbstkorrektur

Und dann haben sie sich rational gemäß diesem System verhalten. Sie haben sich logisch darin verhalten, übrigens vollkommen im Einklang mit der fundamentalen US-amerikanischen und westlichen Moral – also ohne jegliche Moral. Das Problem ist nicht, dass sie einzigartig böse sind. Verstehst du mich? Das Problem ist, dass das System, das sie gebaut haben, über keinen Mechanismus zur Selbstkorrektur verfügt. Und es hat keinen Mechanismus zur Selbstkorrektur, weil sie aus einer Kultur kommen, die ebenfalls keinen Begriff von Selbstkorrektur hat.

Am Ende bleiben die Trümmer und die volle Rechnung für die normale Bevölkerung zurück. Besonders bitter ist die historische Parallele. Dieselben Methoden – Regime Change, erzwungene Privatisierungen, Ressourcenraub und wirtschaftliche Unterwerfung – haben die USA jahrzehntelang im Globalen Süden angewandt: 1953 im Iran gegen Mossadegh, 1954 in Guatemala für die United Fruit Company, 1973 in Chile gegen Allende, 2003 im Irak und durch den IWF in unzähligen anderen Ländern.

Damals habt ihr geschwiegen oder es sogar unterstützt, weil ihr selbst von billigem Benzin, billigen Bananen und günstigen Konsumgütern profitiert habt.

Euer gesamter Nachkriegswohlstand – die Einkaufszentren, die Vorstadthäuser, der billige Treibstoff und der Rasensprenger – wurde auf der systematischen Ausbeutung anderer Länder und Regionen aufgebaut. Jetzt wenden dieselben Kräfte, dieselbe Logik und dieselben Mechanismen diese Ausbeutung konsequent auf euch selbst an.

Es ist nichts Neues. Ihr seht nur zum ersten Mal die andere Seite der Medaille. Ich weiß, dass viele von euch das alles tief im Inneren spüren, aber aus kognitiver Dissonanz heraus nicht aussprechen wollen. Die Politiker, Medien und das Bildungssystem erzeugen ständig Verwirrung, damit ihr das Offensichtliche nicht beim Namen nennt. Doch die nackten Zahlen lügen nicht.

Während die Mehrheit leidet und verzweifelt ist, werden die wenigen an der Spitze reicher als je zuvor in der Geschichte. Besser für sie bedeutet schlechter für euch. Großartig für sie bedeutet Elend für euch. Das ist der Kern der aktuellen amerikanischen Realität.

Der Ausverkauf erfolgt planmäßig und hochprofitabel

Es ist kein Zufall und kein simples Missmanagement. Es ist ein planmäßiger, systematischer und hochprofitabler Ausverkauf eines ganzen Landes. Die Elite baut keinen Wohlstand für das Land auf. Sie extrahiert alles, was noch Wert hat, und bereitet ihren Abgang vor, während die breite Bevölkerung die Trümmer erbt.

Die kognitive Dissonanz, die viele von euch fühlen, kommt daher, dass ihr jahrzehntelang glaubtet, dieses System diene auch euch. Doch es diente immer nur einer kleinen Klasse.

Jetzt dreht sich die Maschine gegen euch selbst. Und das ist kein Unfall. Das ist das logische Ende eines Systems, das Extraktion statt Produktion, kurzfristigen Gewinn statt langfristige Stabilität und individuelle Bereicherung statt kollektives Wohlergehen belohnt. Versteht den Kontext. Versteht die Geschichte. Nur dann könnt ihr eine echte Strategie entwickeln, um damit umzugehen.

Das System hat sich nicht plötzlich verändert. Es wendet sich lediglich nach innen – gegen diejenigen, die früher von der Ausbeutung profitiert haben. Jetzt seid ihr selbst die Ressource, die extrahiert wird. Und genau das ist der bittere, aber notwendige Realitätscheck, den dieser Teil der Serie liefert.

Ich wiederhole es noch einmal zum Schluss: Besser für sie bedeutet schlechter für euch. Großartig für sie bedeutet Elend für euch. Das ist keine Meinung. Das sind die Zahlen. Das ist die Realität, in der ihr lebt. Und solange ihr das nicht erkennt, werdet ihr weiterhin die Verlierer dieses Spiels sein.

Die Maschine läuft weiter – nur diesmal seid ihr das Rohmaterial. Die ganze Serie zeigt ein klares Muster. Die Eliten haben das Land wie ein Unternehmen behandelt, das man nicht rettet, sondern plündert. Sie haben die Regeln so geändert, dass sie immer gewinnen – egal ob die Wirtschaft wächst oder zusammenbricht.

Das System wendet sich nun gegen die eigene Bevölkerung

Und jetzt, wo die Konsequenzen für die normale Bevölkerung sichtbar werden, bereiten sie sich darauf vor, die Konsequenzen nicht selbst tragen zu müssen. Das System hat sich nicht plötzlich verändert. Es wendet sich lediglich nach innen. Die gleichen Waffen, die früher gegen andere Länder gerichtet waren, werden nun gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. Die gleiche Logik der Extraktion, die früher den Globalen Süden traf, trifft jetzt euch. Und viele von euch spüren das, können es aber wegen der jahrelangen Indoktrination nicht offen aussprechen.

Die Wahrheit ist hart, aber notwendig. Nur wer sie erkennt, hat eine Chance, sich darauf vorzubereiten. Die Elite handelt rational innerhalb eines Systems, das sie selbst geschaffen haben – ein System, das Extraktion belohnt und langfristige Verantwortung bestraft. Und genau dieses System wendet sich nun gegen die amerikanische Bevölkerung selbst. Das ist kein Versagen des Systems. Das ist das System, das genau so funktioniert, wie es konzipiert wurde.

  • «Build Back Better» (BBB) ist ein Konzept zur nachhaltigen Erholung nach Krisen, das darauf abzielt, Infrastruktur und Gesellschaft resilienter und sicherer aufzubauen als zuvor. Bekannt wurde der Begriff als US-Regierungsprogramm unter Joe Biden.

Dieser Teil 3 ist in ausführlicher deutscher Übersetzung am 1. Mai auf Seniora.org erschienen. Teil 1 «Falsche Flammen des Widerstands» und Teil 2 «Der Zusammenbruch in Zahlen» hat TN auch in kompakter Form veröffentlicht. Insgesamt gibt es vier Teile.

Shahed Bolsen ist ein politischer Autor und Analyst, der sich kritisch mit Kapitalismus, Machtstrukturen, Aufstandsbekämpfung und staatlicher beziehungsweise unternehmerischer Überwachung auseinandersetzt. Der in den USA Geborene versteht sich selbst als Muslim und formuliert seine politischen Analysen teilweise aus einer Perspektive, die Erfahrungen aus muslimischen Gesellschaften (unter anderem Nahost/Ägypten-Kontext nach dem Arabischen Frühling) einbezieht.

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