Hong Kong, Kashmir: Eine Geschichte zweier Besetzungen

Pepe Escobar
Aus dem Englischen. Einar Schlereth

Hong Kong Kravalle

Leser aus unzähligen Breitengraden haben mich nach Hongkong gefragt. Sie wissen, dass es eines meiner früheren Wohnorte ist. Seit der Übergabe 1997 habe ich eine komplexe, vielschichtige Beziehung zu Hongkong aufgebaut, die ich ausführlich behandelt habe. Im Moment, wenn ihr erlaub, komme ich lieber zur Sache.

Zur großen Sorge der Neokonservativen und humanitären Imperialisten wird es kein blutiges Durchgreifen des chinesischen Festlandes gegen Demonstranten in Hongkong geben – ein Tiananmen 2.0 [Tiananmen hat im übrigen gar nie stattgefunden. D.Ü.} Warum? Weil es sich nicht lohnt.

Peking hat die in den Protesten eingebaute Provokation der Farbrevolution klar identifiziert – mit dem NED, der sich als CIA soft auszeichnet und die Ausbreitung der fünften Kolumnisten erleichtert, selbst im öffentlichen Dienst.

Es gibt natürlich noch andere Komponenten. Die Tatsache, dass Hong Kongers Recht haben, wütend zu sein über eine de facto Tycoon Club Oligarchie, die jeden Winkel der Wirtschaft kontrolliert. Die lokale Gegenreaktion gegen „die Invasion der Festlandbewohner“. Und der unerbittliche kulturelle Krieg der Kantonesen gegen Peking, Nord gegen Süd, Provinz gegen politisches Zentrum.

Was diese Proteste beschleunigt hat, ist die Überzeugung Pekings, dass Hongkong als Schlüsselknoten im massiven Integrations-/Entwicklungsprojekt Chinas sein Vertrauen nicht wert ist. Peking investierte nicht weniger als 18,8 Milliarden Dollar in den Bau der Hong Kong-Zhuhai-Macau-Brücke als Teil der Greater Bay Area, um Hongkong in das Festland zu integrieren, nicht um es zu verachten.
Jetzt hat ein Haufen nützlicher Idioten zumindest grafisch bewiesen, dass sie keine Vorzugsbehandlung mehr verdienen.

Die große Geschichte in Hongkong sind nicht einmal die wilden, kontraproduktiven Proteste (stellen Sie sich vor, dies wäre in Frankreich der Fall, wo die Armee von Macron tatsächlich Gilets Jaunes/Yellow Vests verstümmelt und sogar getötet hat). Die große Story ist die verrottende HSBC [gigantische britische Großbank. D. Ü.] – die alle Voraussetzungen des neuen Deutsche Bank-Skandal hat.

HSBC hält 2,6 Billionen Dollar an Vermögen und eine intergalaktische Horde von Kakerlaken in ihrem Keller – was nach ernsthafte Fragen über Geldwäsche und zweifelhafte Geschäfte schreit, die von globalen turbokapitalistischen Eliten betrieben werden.

Am Ende wird Hongkong seinen eigenen, intern korrodierenden Angelegenheiten überlassen – die sich langsam zu ihrem endgültigen geschmacklosen Status als chinesisches Disneyland mit westlichem Furnier verschlechtern. Shanghai ist bereits dabei, zum wichtigsten Finanzplatz Chinas aufzusteigen. Und Shenzhen ist bereits heute das Top-High-Tech-Drehkreuz. Hongkong wird nur eine Fußnote sein.





Macht euch auf einen Backlash gefasst

Während China „Occupy Hong Kong“ als eine rein westlich inspirierte und instrumentalisierte Handlung identifizierte, entschied sich Indien seinerseits für Full Occupy in Kaschmir.

Im ganzen Kaschmir-Tal wurde Ausgangssperre verhängt. Das Internet wurde unterbrochen. Alle kaschmirischen Politiker wurden zusammengetrieben und verhaftet. Tatsächlich wurden alle Kaschmiris – Loyalisten (von Indien), Nationalisten, Sezessionisten, Unabhängige, Unpolitische – als The Enemy gebrandmarkt. Willkommen in der indischen „Demokratie“ unter der kryptofaschistischen Hindutva.

„Jammu und Kaschmir“, wie wir es kennen, gibt es nicht mehr. Sie sind heute zwei getrennte Einheiten. Das geologisch spektakuläre Ladakh wird direkt von Neu-Delhi verwaltet. Ein Rückschlag ist garantiert. Schon jetzt entstehen Widerstandskomitees.

In Kaschmir wird der Rückschlag noch größer sein, da es so bald keine Wahlen geben wird. Neu-Delhi will diese Art von Belästigung nicht – ebenso wenig wie den Umgang mit legitimen Vertretern. Es will die volle Kontrolle, Punkt.

Seit Anfang der 90er Jahre war ich einige Male auf beiden Seiten von Kaschmir. Die pakistanische Seite fühlt sich wie Azad („Frei“) Kaschmir. Die indische Seite ist unverkennbar das besetzte Kaschmir. Diese Analyse ist ebenso gut, als zu zeigen, was es bedeutet, im IOK (im von Indien besetzten Kaschmir) zu leben.

BJP-Leute [die faschistische Hindu-Partei von Modi. D.Ü.] in Indien schreien, dass Pakistan „illegal“ Gilgit-Baltistan – oder die nördlichen Gebiete – als ein von der Regierung verwaltetes Gebiet ausgewiesen hat. Es ist nichts Illegales daran. Ich habe Ende letzten Jahres in Gilgit-Baltistan berichtet, nach dem China-Pakistan Wirtschaftskorridor (CPEC). Niemand beklagte sich über eine „Illegalität“.

Pakistan sagte offiziell, dass es „alle möglichen Optionen ausüben wird, um den illegalen Schritten[Indiens] entgegenzuwirken“ in Kaschmir. Das ist extrem diplomatisch. Imran Khan will keine Konfrontation – auch wenn er weiß, dass Modi den Hindutva-Fanatikern nachgibt, mit dem Ziel, eine muslimische Mehrheits-Provinz in eine hinduistische Mehrheits-Provinz zu verwandeln. Auf lange Sicht wird jedoch zwangsläufig etwas Unvermeidliches entstehen – fragmentiert, als Guerillakrieg oder als Einheitsfront.

Willkommen in der Kaschmirischen Intifada.

Pepe Escobar ist Korrespondent bei Asia Times. Sein neuestes Buch heißt ‘2030’. Folgen Sie ihm auf Facebook.
Mit Hilfe  von DeepL translator übersetzt.

Quelle – källa – source

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1 Kommentar

  1. Ich war vor einigen Jahren in Hongkong zu einer Studienreise. Der Kontrast zwischen Arm und Reich ist unvorstellbar.

    Es gibt keinerlei soziales Netz und selbst die Lebensmittelhilfen von freien Trägern sind strikt auf 3 Monate begrenzt.

    Auf der anderen Seite die Multimillionäre, die ihren 6 jährigen Kindern das Investieren an der Börse beibrigen.

    Arbeit ist so billig, dass selbst der Fahrstuhl in einem Hostelhochhaus einen Fahrstuhlbediener hat, in dem sie seit 20 Jahren nicht mehr die Wände gestrichen haben…

    Eine Kultur des Lernens ohne Ende für die Kinder, die bis zum Abend in Schulähnlichen Einrichtungen verbleiben.

    Hongkong ist übrigens die Großstadt mit dem größten Anteil Frauen weltweit. Das liegt daran, dass die Hongkonger Männer meistens keine emanzipierten Hongkonger Frauen heiraten sondern solche aus Dörfern in China. Die haben nach fünf Jahren dann ihr von der Ehe unabhängiges Aufenthaltsrecht und lassen sich dann meist scheiden. Und so gibt es einen stehten Zufluss von Frauen.

    In wie weit wieder die westlichen Dienste hinter den Protesten in Hongkong stehen oder diese zumindest schüren, um den Rivalen China zu destablisieren, kann man nur vermuten.

    Sicher ist aber dass die Vogelgrippe ein biologischer Kampfstoff war, der ausschließlich Menschen mit asiatischem Genom töten konnte, aber damals mit rund 120 Toten keine ausreichende Wirkung erzielt hat, um China ins Chaos zu stürzen.

    Damals konnte man übrigens die Millionärsappartments für einen Apfel und ein Ei in Hongkong kaufen, weil die schnellst möglich ins Flugszeug gestiegen sind und die Seuche woanders ausgesessen haben.

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