Hoher US-Diplomat in Nordsyrien prangert Kriegsverbrechen an

Christa Dettwiler (infosperber)

Von der Türkei bezahlte Islamisten hätten in der nordsyrischen «Pufferzone» ethnische Säuberungen und Kriegsverbrechen begangen.

Kurdische Frauen in Uniform sind für arabische IS-Kämpfer eine Provokation. © Souleiman

Der oberste US-Diplomat in Nordsyrien hat die Trump-Regierung scharf kritisiert, weil sie zu wenig getan habe, um die türkische Militäroffensive letzten Monat zu verhindern. Er bezichtigte die von der Türkei unterstützten syrischen Milizen der «Kriegsverbrechen und ethnischen Säuberungen». Unter diesen Milizen befinden sich viele fundamentalistische Terroristen, welche die Kurden als Todfeinde betrachten.

Es war eine ungewöhnlich scharfe Kritik, die William V. Roebuck in einem Memo festhielt, das der «New York Times» vorliegt. Er schrieb, der politische und militärische Aufruhr, den die Vorgehensweise der US-Regierung in Nordsyrien auslöste, sei zwar eine «Sideshow» im jahrelangen blutigen Syrienkrieg, allerdings eine katastrophale und vor allem eine selbst verschuldete. Die US-Regierung habe die verbündeten syrischen Kurden im Stich gelassen und einem möglichen Erstarken des Islamischen Staates Tür und Tor geöffnet.

Roebuck, seit 27 Jahren Diplomat und ehemaliger US-Botschafter in Bahrein, sandte das Memo am 31. Oktober an seinen Vorgesetzten James F. Jeffrey, Sonderbeauftragter des US-Aussenministeriums für Syrien, und an rund vier Dutzend weitere mit Syrien befasste Offizielle im Aussendepartement, im Weissen Haus und im Pentagon. Zwar wurde seit Beginn der türkischen Militäroffensive verschiedentlich Kritik am Vorgehen der USA in Syrien geäussert, wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand.

William V. Roebucks schriftliche Aussagen haben Gewicht. Der Diplomat ist seit zwei Jahren in Nordsyrien engagiert, wo er mit den Demokratischen Kräften Syriens (DKS) zusammenarbeitet. Seine vehementeste Kritik gilt der türkischen Militäroffensive, insbesondere der Verlegung von syrisch-arabischen Kämpfern im Vorfeld. Roebucks Ausführungen bestätigen die Vorwürfe von Menschenrechtsgruppen, diese Truppen hätten kurdische Gefangene getötet, darunter einen, der mit auf dem Rücken gefesselten Händen am Boden lag. Im Zug der Räumung grosser, kurdisch bewohnter Zentren in Nordsyrien seien weitere Gräueltaten begangen worden.

«Die türkischen Militäroperationen in Nordsyrien, angeführt von bewaffneten islamistischen Gruppen, sind ein absichtlicher Versuch der ethnischen Säuberung», schrieb William V. Roebuck und verurteilte die Misshandlungen klar und deutlich als «Kriegsverbrechen».

 

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