Henry Kissinger: Die USA sind dafür verantwortlich, dass sie sich selbst an den Rand eines Krieges mit China und Russland gebracht haben

Der 99-jährige ehemalige Außenminister warnte davor, die Spannungen mit den beiden Mächten zu schüren

Dave DeCamp (antikrieg)

Der ehemalige Außenminister Henry Kissinger hat in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem Wall Street Journal vor den Gefahren der US-Politik gegenüber Russland und China gewarnt.

„Wir befinden uns am Rande eines Krieges mit Russland und China in Fragen, die wir zum Teil selbst verursacht haben, ohne eine Vorstellung davon zu haben, wie das Ganze enden wird oder wozu es führen soll“, sagte Kissinger.

Der 99-jährige ehemalige Diplomat warnte davor, die Politik gegenüber Taiwan zu ändern, nachdem Washington seine Unterstützung für die Insel verstärkt und damit den Zorn Chinas auf sich gezogen habe.

„Die Politik, die von beiden Parteien verfolgt wurde, hat die Entwicklung Taiwans zu einer autonomen demokratischen Einheit ermöglicht und den Frieden zwischen China und den USA 50 Jahre lang bewahrt“, sagte er. „Man sollte daher sehr vorsichtig sein mit Maßnahmen, die die grundlegende Struktur zu verändern scheinen.“

Kissinger hatte bereits im Mai für Schlagzeilen gesorgt, als er in einer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum vorschlug, die Ukraine solle Territorium an Russland abtreten, um Frieden zu schaffen. Er sagte dem Journal, die USA hätten einen Fehler gemacht, als sie der Ukraine eine künftige NATO-Mitgliedschaft versprachen, eine Position, die er schon lange vertritt.

Polen und andere „traditionelle westliche Länder“ seien logische NATO-Mitglieder, aber die Ukraine sei anders, weil viele ihrer Gebiete historisch gesehen russisch seien. „Ich war für die volle Unabhängigkeit der Ukraine, aber ich war der Meinung, dass sie am besten eine Rolle wie Finnland spielen sollte“, sagte er.

Kissingers allgemeine Botschaft war, dass die USA akzeptieren müssen, dass in der Welt ein „Gleichgewicht“ herrschen muss. Er sagte, ein Aspekt des Gleichgewichts erfordere ein „Gleichgewicht der Kräfte, mit einer Akzeptanz der Legitimität von manchmal gegensätzlichen Werten“.

Kissinger ist vor allem dafür bekannt, dass er als nationaler Sicherheitsberater von Präsident Richard Nixon die geheimen US-Bombardierungen von Kambodscha und Laos geleitet hat. Er spielte auch eine wichtige Rolle bei der Öffnung gegenüber China, indem er 1971 eine geheime Reise in das Land unternahm, ein Jahr bevor Nixon Mao Tsetung die Hand schüttelte.

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6 Kommentare

  1. Wer glaubt denn was der Mann erzählt? Der gehört in den gleichen Sack wie der Rest der s.g. „Eliten“, die die Welt nach ihren Vorstellungen gerade umkrempeln wollen.

    • Hallo,
      wie kann man so voreilig solche Schlüsse ziehen? Der Mann hat doch in vielen Punkten , Recht!!
      In Deutschland gibt es nicht einen einzigen klugen Diplomaten! Sh. Ukraine. sonst wäre der Krieg wohl längst beendet! Aber die USA schmiert mit neu gedruckten Dollars alle Welt.

      • Ich ziehe keine Schlüsse. Kissinger gehört z.Bsp. zur oberen Bilderberger Riege und ist ganz sicher kein unbeschriebenes Blatt. Was auch immer er beim WEF von sich gab, es dient alles nur den Interessen der USA. Und was das bedeutet, wissen wir ja mittlerweile. Wir kennen doch das Spiel mit verschiedenen Äußerungen. Good Cop, bad Cop. Es ist immer das gleiche Vorgehen. Man sollte sich nicht täuschen lassen.

      • Abgesehen davon, von meiner Antwort an Dich, solltest Du wissen, dass Kissinger der Mentor von Klaus Schwab war. Nur mal so, um das Ganze abzurunden.

    • Nun, wenn Old Henry was von sich gibt, ist es niemals, nicht von Bedeutung. Allerdings kommt er jetzt daher wie die alt Fasnet; dabei hätte (nicht nur) er zumindest es doch vorher schon einschätzen können, das es so nicht geht?

      Was also, ist da jetzt Sinn und Zweck der Übung? Der Anfang vom Ende der derzeitigen Konfrontationspolitik dürfte eingeläutet sein. Fragt sich nur, wer da noch wie Gesichtswahrend herauskommt?

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