Haltlos grenzenlos!

Dass wir Grenzen brauchen, überall Grenzen existieren und Grenzenlosigkeit noch nie so richtig funktioniert hat, ist eine Banalität. Doch nicht erst seit der Flüchtlingskrise wird um die Bedeutung und Notwendigkeit von Grenzen gerungen.

Nicht erst seit 2008 wissen wir um die Grenzenlosigkeit, die Menschen im Spielfieber befällt. Von der Tulpen-Mania bis zum aktuellen Geschehen an den Börsen gab und gibt es Menschen, die sämtliche Schranken vergessen. Auch Herr Draghi hat in seinem schiefen Turm zu Frankfurt offensichtlich jegliche Vernunft verloren.

Noch bedenklicher wird es, wenn ethisch-moralische Schranken fallen wie bei den Kopfabschneidern des IS oder auch jener Slowenin, die eine ihrer Eizellen mit Hundezellen befruchten ließ, sich hat einpflanzen lassen und ihre Tat als biopolitische Botschaft verstanden wissen wollte. (Quelle)

Der Neurologe und Psychiater Dr. Voß entzaubert die massive, immer weiter um sich greifende Unkultur der Entgrenzung um jeden Preis. In den abartigen Beglückungsfantasien sind altbekannte Mechanismen am Werk.

Seine Analyse zeigt, wie aberwitzig dieses Konzept der Entgrenzung ist und dass man sich wundern muss, wie es überhaupt bei denkenden Menschen verfangen kann. Die anhaltend unkontrollierte Grenzöffnung für praktisch jedermann ist nur der Höhepunkt einer gesellschaftlichen Entwicklung, die sich in vielen anderen Bereichen manifestiert. Ob in Partnerschaft, Erziehung, Psychologie, Philosophie, Politik oder Finanzwelt – überall wird das „Prinzip Grenzenlosigkeit“ als Lösungsschlüssel par excellence offeriert. Doch im Resultat schafft dieser Ansatz wesentlich mehr Probleme.

Um für diese Gefahr die Augen zu öffnen, geht Voß bis zum Urknall zurück. Er weist nach, dass Grenzen seit jeher ein elementares, lebensbejahendes Prinzip sind, das man nicht ungestraft aufgeben darf. Denn Grenzen stellen biologisch, psychologisch, wirtschaftlich und politisch eine anthropologische Konstante dar.

Gegen die selbstzerstörerischen Tendenzen dieser Ideologie setzt Voß die Forderung nach klaren Trennungen, Identifizierungen und Identitäten in einer zunehmend werterelativistischen, orientierungslosen Zeit.

Burkhard Voß, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, zeigt, wie die Gesellschaft systematisch erst durchpsychologisiert, dann psychopathologisiert wird.
Kein Wunder, wenn sich nachdenkende Menschen kaputtpsychologisieren. Solche überdrehten Zeitgenossen sind mit ihrem ständigen Psychologisieren und Problematisieren nervtötend und merken selbst nicht, wie sie für sich wichtige Entscheidungen blockieren. Im auferlegten Wohlfühl-Diktat (gilt auch für´s Gutmenschentum) wird jegliche individuelle Freiheit eingeschränkt.

Nährboden für diese ungesunde Entwicklung sieht er historisch in Psychoanalyse, postmoderner Philosophie und Gender-Mainstreaming. Leitende Wertmaßstäbe sind dann die Mythen der Reflexivkultur: „Alle Menschen sind gleich“, „Wir müssen achtsam sein“ oder „Wir müssen wertschätzend miteinander umgehen“. Reflexivkultur ist für Voß die kultische Verehrung reflexiven Denkens, das die Aufmerksamkeit von der Umwelt aufs eigene Selbst lenkt. Im Übermaß auf selbstverständliche Lebensprozesse angewandt, wirkt reflexives Bewusstsein zersetzend. Natürliches und Selbstverständliches wird zu Grabe getragen. Künstliche Probleme sprießen hervor. Und den Bürgern werden gebetsmühlenartig Partialsichtweisen aufgedrängt, die als herrschende Meinung ausgegeben werden, aber kritischer Überprüfung nicht standhalten – eine reale Gefahr für Demokratie und Freiheit. Voß ruft uns deshalb zu: Schluss mit der Therapiegesellschaft! Nehmt Euch selbst nicht mehr so wichtig. Denn eine Gesellschaft, in der sich jeder dauersensibel seine Privatwirklichkeit zurechtzimmert und immer mehr Gruppen nicht mehr miteinander reden können, ist in einer Sackgasse gelandet. Jenseits der Reflexivkultur wird es wieder um Projekte und Ideen gehen und nicht darum, wer was wann gesagt und wie gemeint hat.

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