Große fressen Kleine

Dieser Blogeintrag ist mir insofern wichtig, dass es hier um ein gesundes Unternehmen aus meiner Heimatstadt Münster geht. Die Münchener Allianz will die Provinzial schlucken. Die Provinzial ist einer der größten Arbeitgeber in der Region und Gewerbesteuerzahler in Münster. Die Westfälische Provinzial Versicherung betreut nach eigenen Angaben 1,8 Millionen Menschen im Bereich Westfalen. Damit ist sie Marktführer in der Region. Mit der Übernahme durch die Allianz stehen viele Arbeitsplätze auf dem Spiel. Das kann nicht im Interesse der Eigentümer sein.

Geht die Provinzial an die Allianz, wird die Region und die Stadt Münster auf Grund weniger Steuereinnahmen geschwächt. Sollte es soweit kommen, werde ich mich dafür einsetzen, dass die Kunden ihre Verträge kündigen.

Wir wollen keine Allianz im Münsterland!

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Belegschaft will für Verbleib von Versicherungsunternehmen bei der Sparkasse kämpfen. Angriff auf Vorstandschef überschattet Betriebsversammlungen

Von Frank Biermann

Albert Roer, Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Provinzial-Versicherungskonzerns gilt als ruhiger und bedächtiger Mann. Seit Freitag vergangener Woche versteht der Gewerkschafter die Welt nicht mehr: »Da wollen einfach ein paar Politiker unser kerngesundes und profitables Unternehmen verticken. Und den Beschäftigten wird die Existenz unter den Füßen weggezogen«, sagt er und kündigt im gleichen Atemzug den energischen Widerstand der Belegschaft gegen die Pläne an.

Durch einen Bericht in der Financial Times Deutschland war am Freitag bekanntgeworden, daß die Münchener Allianz ein Übernahmeangebot von 2,25 Milliarden Euro für die Provinzial abgegeben hat. Von einem den beiden Haupteigentümer der Provinzial, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, in dem die Städte und Kreise Westfalens das Sagen haben, gab es ein Dementi. Der andere, der Westfälische Sparkassenverband, schwieg. »Das hat in der Belegschaft Unverständnis, Wut und Verzweiflung ausgelöst«, berichtete Roer, der gerade von einer außerordentlichen Betriebsversammlung kam, am Mittwoch nachmittag den wartenden Journalisten.

Die Provinzial Nordwest, das sind rund 3000 Mitarbeiter an den beiden Hauptsitzen Münster und Kiel, aber auch in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Dazu kommen noch einmal etwa gleich viel Beschäftigte in den Geschäftsstellen auf dem flachen Land. Sie alle müssen bei einer Übernahme durch die Allianz nach Einschätzung von Frank Fassin, Fachbereichsleiter Finanzen im verdi-Landesbezirk NRW, um den Arbeitsplatz bangen. »Es werden zwar nicht alle auf einen Schlag ihren Job verlieren, aber auf lange Sicht braucht so ein großer Player wie die Allianz die Beschäftigten der Provinzial nicht.« Seine Einschätzung: »Von der Provinzial bleibt langfristig nicht viel über.«

Gemeinsam wollen Betriebsrat, Beschäftigte und Gewerkschaft die Pläne der privaten Finanzwirtschaft, in die Domäne der öffentlich-rechtlichen Versicherer einzubrechen, verhindern. Denn eins ist für Albert Roer klar: »Die Provinzial Nordwest ist ein wichtiger Dominostein, wenn der fällt, fallen andere auch.« Und das habe schädliche Folgen für die gesamte Gesellschaft. »Wir sind auch dem Gemeinwohl verpflichtet und nicht nur der Profitmaximierung wie die privaten Versicherer.«

Auf eine Großdemo soll wegen des vorweihnachtlichen Gedrängels in der Münsteraner Innenstadt verzichtet werden. Aber an einem permanenten Infostand sollen Unterschriften für den Erhalt der Provinzial gesammelt werden. Fassin und Roer, beide Mitglieder im Aufsichtsrat, haben inzwischen einen Antrag auf eine außerordentliche Sitzung des Gremiums gestellt. Von dieser erwarten sie, daß die Eigentümer eine eindeutige Erklärung abgeben, daß die Provinzial nicht an einen privaten Investor verkauft wird. Das Gleiche erhoffen sie sich von der Landesregierung.

Der Tag der Betriebsversammlung hatte dramatisch begonnen: Der Vorstandsvorsitzende der Versicherung, Jürgen Rüther, der an der Zusammenkunft teilnehmen und berichten wollte, wurde auf dem Weg von der Tiefgarage des Unternehmens zu seinem Büro von einem vermummten Unbekannten angegriffen und zweimal mit einem Schraubenzieher in die Brust gestochen. Er wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und soll inzwischen wieder zu Hause sein. Der Täter ist flüchtig. Ob es einen Zusammenhang mit den Verkaufsplänen gibt, bblieb gestern unklar. Albert Roer stellt unmißverständlich klar. »Für so ein Verhalten gibt es keine Rechtfertigung.«

Quelle: jungewelt
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