Goldman Sachs

Ende November wurde der mit Philipp Hildebrand bestens bekannte Kanadier Mark Carney  oberster Notenbankchef Englands. »Wenn überhaupt«, hieß es in der Basler Zeitung [1] »so schlug nicht Carneys Nationalität, sondern sein Werdegang als ehemaliger Banker bei Goldman Sachs Wellen. Empörung verursacht auch die Gehaltserhöhung von 305.000 auf 480.000 Pfund, die England dem neuen Gouverneur im Vergleich zum abtretenden Mervyn King gewährt. Die eigentliche Frage jedoch – ob die Geldpolitik des Landes in Zukunft von einem Ausländer bestimmt werden soll – wird kaum diskutiert. Die City ist ganz offensichtlich stolz auf ihre Offenheit. Stillschweigend akzeptiert wird Schatzkanzler George Osbornes Fazit: Carney sei ganz einfach der beste, erfahrenste und am besten qualifizierte Mann für den Job.« Mit der Ernennung von Mark Carney zum künftigen Chef der Bank of England ist die Führungsriege von Goldman Sachs weltweit und besonders in Europa fast perfekt; denn damit wird sie in Europa komplettisiert. Die Bank hat damit in fast allen wichtigen Ländern resp. Bankeninstitutionen ihre Finger im Spiel. Nicht zuletzt ist ja auch der EZB-Chef Draghi ein Abkömmling dieser wichtigsten US-Investmentbank. Goldman Sachs dürfte damit nicht nur den totalen Durchblick über die Geschehnisse in Europa haben, sondern diese auch zu seinem Vorteil steuern, befürchten Insider.  [2]

Goldman Sachs, »die siegreiche Mafia« 
Experten für organisierte Kriminalität wissen, daß die Geschichte der Mafia durch Phasen charakterisiert ist, in denen ein Clan über alle anderen herrscht. Man nennt das la mafia vincente, die siegreiche Mafia. Der Wechsel der Macht von einer Familie zu einer anderen geht oft mit blutigen Mafiakriegen einher. Jedoch sind diese Familien alle nur Räder einer größeren  Maschinerie, die in das internationale Finanzsystem integriert ist. Die siegreiche Mafia der internationalen Finanzwelt der vergangenen Jahrzehnte war und ist immer noch Goldman Sachs. Das zeigte sich zuletzt an zwei sensationellen Entwicklungen: Der Ernennung von Mark Carney als neuer Gouverneur der Bank von England und das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Fall der griechischen Swaps. In beiden Fällen hieß der Sieger Goldman Sachs. In der 318 Jahre langen Geschichte der Bank von England ist Mark Carney der erste Gouverneur in der Threadneedle Street, der kein britischer Staatsbürger ist. Er ist Leiter der Bank von Kanada und des von der G-20 geschaffenen Financial Stability Board [FSB], dem Trojanischen Pferd der Finanzspekulation, wie es der ehemalige italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti nannte. Vor allem aber war Carney 13 Jahre lang führender Mitarbeiter von Goldman Sachs, u.a. als Vizepräsident der Abteilung für Länderrisiken. Er war 1998 in die Finanzkrise des russischen Staats verstrickt, die dadurch verschärft wurde, daß Goldman Sachs Rußland in Finanzfragen beriet, aber gleichzeitig Finanzwetten gegen Rußlands Fähigkeit zur Rückzahlung seiner Schulden abschloß. [d.h. d.h. Goldman Sachs selbst spekulierte auf einen fallenden Rubel]  Carneys Antritt markiert einen Machtwechsel in London, wo die Bank von England unter Mervyn King starker Befürworter einer Glass-Steagall-Bankentrennung war. King opponierte gegen die Lieblingslösung der City, das von Premierminister Cameron, Finanzminister Osborne und der Vickers-Kommission vertretene Ringfencing [Einzäunen]. Osborne wählte Carney aus, nachdem der wahrscheinlichste Nachfolger Kings in der Bank, Mark Tucker, durch Medienkampagnen, die ihn und die Bank von England für den Libor-Skandal verantwortlich machten, geschwächt worden war.  Carney hat kürzlich einen weiteren hochrangigen Vertreter der Bank von England, Andrew Haldane, in einem Interview mit Euromoney wegen dessen Unterstützung für Glass-Steagall angegriffen. Das zweite Ereignis war am 29. 11. das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das es der EZB gestattete, Unterlagen über griechische  Swap-Geschäfte weiterhin geheim zu halten, da eine Freigabe das öffentliche Interesse in Bezug auf die Wirtschaftspolitik der EU und Griechenlands gefährden würde. Eine Journalistin bei Bloomberg, Gabi Thesing, hatte im August 2010 von der EZB verlangt, Unterlagen zu den berüchtigten Swapgeschäften von Goldman Sachs 2002 und den Titlos-Geschäften von 2009, in die Goldman Sachs ebenfalls verstrickt war, herauszugeben. Anfang 2002 hatten die Verwalter der griechischen Staatsschulden einem riesigen Geschäft mit Goldman Sachs mit sogenannten Devisenswaps zugestimmt: In Dollar und Yen ausgewiesene Staatsschulden wurden für einen gewissen Zeitraum in Euros eingetauscht, um sie zu einem späteren Zeitpunkt in die ursprünglichen Währungen  zurückzutauschen. Dadurch konnte Griechenland einen Teil seiner Schulden aus der Bilanz  verschwinden lassen und so die Kriterien für die Teilnahme am Euro erfüllen. Im Februar 2009 gab die neu gegründete Firma Titlos in London 5,1 Milliarden € Swap-Wertpapiere aus, die von Moody’s die Bewertung A1 erhielten, und verkaufte sie an die private National Bank of Greece. Die NBG benutzte sie als Sicherheit für Gelder von der EZB, mit denen sie in einem Carry Trade hochverzinste Wertpapiere kaufen konnte. Auch dieses Geschäft wurde von Goldman Sachs arrangiert. Mario Draghi, der heutige EZB-Chef, war von 2004 bis 2005 Europa-Direktor von Goldman Sachs. Er behauptet, von den Geschäften aus dem Jahr 2002 nichts gewußt zu haben. Aber im Juni 2003 hatte Draghi zusammen mit Robert Merton und Francesco Giavazzi ein Papier Transparenz, Risikomanagement und internationale finanzielle Fragilitätverfaßt, in dem gerade solche Swapgeschäfte als Möglichkeit der Diversifizierung des Risikos eines Landes behandelt werden.

Mit seiner »überraschenden« Ernennung zum neuen Gouverneur der Bank of England, schreibt Paul Joseph Watson [4], festigt Mark Carney den beherrschenden Einfluß der Investmentbank Goldman Sachs auf alle größeren europäischen Volkswirtschaften. Vor knapp sechs Monaten hatte Carney am diesjährigen Treffen der Bilderberger vom 31. 5. bis 3. Juni 2012 in Chantilly, Virginia, teilgenommen.  [5]  Die Ernennung Carneys zum britischen Zentralbankchef markiert den vorläufigen Abschluß der Bemühungen von Goldman Sachs, in praktisch jeder wichtigen europäischen Volkswirtschaft über die Besetzung von Schlüsselpositionen die Kontrolle an sich zu reißen. »Hier handelt es sich um eine Bande von Kriminellen, die uns diese finanzielle Katastrophe beschert haben. Genauso gut könnte man Brandstifter auffordern, das Feuer zu löschen«, kommentierte der Chefredakteur Alessandro Sallusti von Il Journale. Das Internetportal Zero Hedge hatte ebenfalls vorhergesagt, Carney würde allen Widerständen zum Trotz neuer Chef der britischen Zentralbank und schrieb am 26. November: »Um zu erkennen und zu verstehen, wie die Dinge laufen, muß man sich nur eines klarmachen und darf es nie vergessen: Goldman Sachs schmeißt den Laden; alles andere ist zweitrangig.« Goldman Sachs gehört im übrigen zu den größten Spendern für den Wahlkampf Obamas und hat so maßgeblich zu dessen Wiederwahl beigetragen.

Als der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou auch nur erwog, das griechische Volk in einer Volksabstimmung [über die drakonische Sparpolitik] entscheiden zu lassen, wurde er innerhalb weniger Tage durch den früheren stellvertretenden Präsidenten der EZB, Harvard-Gastprofessor und ehemaligen Chefvolkswirt der Federal Reserve in Boston, Loukas Papadimos, ersetzt. Papadimos stand an der Spitze der griechischen Zentralbank (1994 – 2002), als diese fragwürdige Derivatgeschäfte mit Goldman Sachs, mit denen Griechenland das tatsächliche Ausmaß seiner Schulden verschleierte, abwickelte, was dann letztlich mit zur europäischen Schuldenkrise führte. Weder Papadimos noch Mario Monti, der soeben seinen baldigen Rücktritt angekündigt hat, sind durch demokratische Wahlen legitimiert. Der eigentliche Grund dafür hängt, wie Stephen Faris vom Time Magazine festhielt, damit zusammen, daß sie »der Öffentlichkeit gegenüber nicht unmittelbar verantwortlich sind«. Dies ist nur ein weiterer Beweis für die grundlegend diktatorische und undemokratische Grundlage der Europäischen Union. Monti, der zur internationalen Beratergruppe von Goldman Sachs gehört, ist europäischer Vorsitzender der u.a. von David Rockefeller gegründeten Trilateralen Kommission und ebenfalls ein führendes Mitglied der Bilderberger.

Die nachstehende Aufzählung verdeutlicht, wie Volkswirtschaften von EU-Ländern von Personen kontrolliert werden, die über direkte Verbindungen zu Goldman Sachs verfügen. Dieser internationale Bankenriese, der für seine Korruption und seinen Insiderhandel berüchtigt ist, verfügt nun über einen immensen Einfluß auf praktisch jede größere westliche Volkswirtschaft weltweit:

Belgien: Karel Van Miert, früherer EU-Wettbewerbskommissar und internationaler Berater von Goldman Sachs.
Irland: Peter Sutherland, früherer Generalstaatsanwalt von Irland, war maßgeblich an den Rettungspaketen für Irland beteiligt, gehört als sogenannter »Non-Executive Director« zum Goldman-Sachs-Vorstand.
Frankreich: Antonio Borges, früherer stellv. Vorstandschef von Goldman Sachs International, leitete bis diesen November die Europa-Abteilung des Internationalen  Währungsfonds.
Italien: Mario Monti, der italienische Regierungschef gehört zum internationalen Beratergremium von Goldman Sachs.
Griechenland: Petros Christodoulou, Leiter der griechischen Schuldenagentur, begann seine Karriere bei Goldman Sachs.
Deutschland: Otmar Issing, ehemaliges Mitglied des Direktoriums der Bundesbank (Chefvolkswirt),  EZB-Ratsmitglied und Berater von Goldman Sachs; wurde 2008 Vorsitzender der von Merkel berufenen Expertengruppe zur Reform der Finanzmärkte.

Als Mario Monti zum Führer einer westlichen Nation ernannt wurde, hielt Paul Schreyer im Dezember letzten Jahres fest [6], erkannten manche darin ein System. So sprach der britische Independent ganz unverhohlen vom Goldman Sachs Project: »Kurz gesagt geht es darum, Regierungen zu umarmen. (…) Goldman ist da, um Regierungen zu beraten, zu finanzieren, eigene Leute in den Staatsdienst zu schicken und Regierungsmitarbeiter mit Jobs zu versorgen. Das Projekt soll einen so tiefgreifenden Austausch von Menschen, Ideen und Geld fördern, daß es unmöglich wird, zwischen dem öffentlichen Interesse und dem Interesse von Goldman Sachs zu unterscheiden. Kontakte, die sich nun auszahlen – nicht nur für Goldman Sachs. Denn die derzeitige sogenannte Staatsschuldenkrise oder Eurokrise ist in Wahrheit nichts anderes als eine Fortsetzung der Bankenkrise. Es geht darum, die Gläubiger von Griechenland, Irland, Portugal usw. herauszukaufen, im wesentlichen also Banken und die oberen Zehntausend, deren Vermögen sie verwalten. Dies ist ganz offenbar auch Sinn und Zweck der EFSF, der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität, wie die zungenbrecherische Abkürzung mit vollem Namen lautet. Dieses Konstrukt leitet Steuergelder in Milliardenhöhe bei Bedarf in die Taschen der Gläubiger – von den nationalen Parlamenten, denen lange öffentliche Debatten zum Sinn und Unsinn des Ganzen allerdings nicht erlaubt wurden, abgenickt. Die Einrichtung der EFSF wurde im Mai 2010 quasi innerhalb eines Wochenendes vorgeschlagen und beschlossen. Der ab 2012 geplante Nachfolger ESM soll den Mechanismus nochmals erleichtern und das Schröpfen der öffentlichen Kassen automatisieren.«

[1]  http://bazonline.ch/wirtschaft/konjunktur/Ein-Auslaender-fuer-das-Pfund/story/27704897
27. 11. 12
[2]  http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/11388-goldman-sachs-regiert-europa
27. 11. 12
[3]  Strategic Newsletter Jahrgang 25  Nr. 49 vom 5. 12. 21
[4]  http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/paul-joseph-watson/goldman-sachs-festigt-seine-wirtschaftliche-uebernahme-europas.html;jsessionid=D6664B3C777534E59C2A323A10A4608B    27. 11. 12  Goldman Sachs festigt seine wirtschaftliche Übernahme Europas – Von Paul Joseph Watson
[5]  Siehe http://www.bilderbergmeetings.org/participants2012.html  
[6]  http://www.heise.de/tp/artikel/36/36097/1.html    18. 12. 11  Geld aus dem Nichts  –  Paul Schreyer

Quelle: politonline

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