Goldman Sachs: Gold-ETF-Bestände im 2.Quartal um 551% aufgestockt

Goldman Sachs: was ist die Wahrheit?

André Doerk (Gastbeitrag) in Rohstoff Daily

Goldman Sachs Analyst Jeffrey Currie hat erneut sein Verkaufsurteil für Gold und ein Kursziel von 1.050 US$ bekräftigt. Sein Arbeitgeber selbst ist aber im 2.Quartal zum sechstgrößten Anteilseigner des Gold-ETFs SPDR Gold Trust aufgestiegen.  Auf welches der beiden Signale sollten Sie nun hören? Ich glaube: Die wahre Meinung bekommen Sie nur zu hören, wenn Geld im Spiel ist.

Natürlich wechseln Analysten ihre Meinungen. Auch ich tue das. Kein anderes Haus scheint mir aber so oft zwischen „Buy“ und „Sell“ hin und her zu wechseln, wie Goldman Sachs. Zumindest was den Goldpreis anbelangt. Seit Anfang September lautet der Ratschlag wieder offiziell „verkaufen“. Als Kursziel wurde 1.050 US$ je Unze ausgegeben. Begründet wurde diese Einschätzung mit einem baldigen Ende der lockeren Geldpolitik. Wie wahrscheinlich dieses Szenario heute noch ist, habe ich in den letzten Wochen zur Genüge diskutiert: Direkt unterhalb der Schuldenobergrenze kann die FED den armen Barrack Obama unmöglich alleine lassen. Eine festere Geldpolitik ist wieder in weite Ferne gerückt. Am Dienstag letzte Woche hat Jeffrey Currie sein Kursziel erneut bekräftigt. Hauptargument jetzt: Sobald der Haushaltsstreit in den USA beigelegt ist, brechen beim Gold alle Dämme. Lächerlich, wenn man die aktuelle Entwicklung betrachtet.

Goldman Sachs hat seine Gold-ETF-Bestände im 2.Quartal um 551% aufgestockt

Wenn ein Analyst eine Prognose rechtfertigen möchte, findet er immer einen neuen Grund. Also nichts Neues. Was mich aber  zutiefst erstaunt, ist die Differenz zwischen dem, was ein Goldman-Analyst sagt und der Tatsache, wie Goldman Sachs handelt. Im 2. Quartal 2013 hat Goldman Sachs seine Bestände im SPDR Gold Trust um 3,74 Mio. Anteile auf 4,43 Mio. Anteile aufgestockt. Dies entspricht einem Zuwachs von 551% gegenüber dem 1. Quartal. Nun kann es natürlich sein, dass Goldman Sachs seinen Anteil im 3.Quartal wieder drastisch reduziert hat. Möglich wäre dies, gehört habe ich aber noch nichts.

Die physische Nachfrage passt zu den Käufen von Goldman Sachs

Wie Sie ja wissen, sind der Terminmarkt, der den Preis bestimmt, und der physische Markt, auf dem tatsächlich gehandelt wird, zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Nachfrage auf dem physischen Markt ist insbesondere in Asien nach wie vor sehr hoch. So lange Gold zu Preisen um 1.300 US$ (oder weniger) verfügbar ist, wird dies mit Sicherheit auch so bleiben. Bis Ende August sind in diesem Jahr bereits 600 Tonnen Gold über Hong Kong nach China weiter transportiert worden. Auf das Jahr hochgerechnet, entspricht dies einer Nachfrage von rund 1.000 Tonnen. Oder anders ausgedrückt: Knapp 40% der Jahresproduktion 2013.

Die Gold-Importe nach Hong Kong erreichten im  August sogar ein neues Allzeithoch: Fast 300 Tonnen wurden importiert. Natürlich ist es möglich, dass ein Teil dieser Nachfrage aus Umzügen in Hong Konger Freilager resultiert. Irgendwo müssen die aus der COMEX (Warenterminbörse New York) und anderen Lagerhäusern abgezogenen Gold-Bestände ja bleiben. Dennoch spricht diese Zahl für sich.

Quelle: Goldchartsrus.com

Die Nachfrage aus China ist weiter stark: Alleine über Hong Kong wurden im August 2013 erneut 110 Tonnen Gold importiert. Darin inbegriffen sind noch nicht etwaige Käufe der chinesischen Notenbank auf anderen Wegen.

Gold: Käufer vs. Verkäufer

Ende September gab die Chinesische Zentralbank zudem bekannt, die Importe von Gold nach China vereinfachen zu wollen: Es soll weiteren Instituten erlaubt werden, Gold zu importieren. Auch die Regeln zum privaten Erwerb sollen vereinfacht werden. Die Botschaft ist klar: Wir akkumulieren so viel Gold wie möglich, auch über unsere Bürger.

Das World Gold Council rechnet zudem damit, dass auch die indische Nachfrage im 4. Quartal stark anzieht. Nach der Monsun-Zeit rechnet man dort mit einer Nachfrage von 300 Tonnen im 4. Quartal 2013. Damit würde Indien auf eine jährliche Nachfrage von 1.000 Tonnen kommen.

Käufer vs. Verkäufer: Wer gewinnt dieses Spiel?

Der Unterschied zwischen der Goldpreis-Entwicklung am Terminmarkt und der physischen Nachfrage muss sich irgendwann auflösen. In welche Richtung, hängt davon ab, welcher Seite zuerst die Luft ausgeht. Lassen die physischen Käufe aus Asien nach, hätten die westlichen Spieler gewonnen. Der Terminmarktpreis wäre wohl der wahre Preis. Sollte aber auf der Nachfrageseite das Gold ausgehen, wären unmittelbare Preissteigerungen am Terminmarkt zu erwarten.

Meine Meinung kennen Sie: Der physischen Nachfrage traue ich den längeren Atem zu, weil Sie echt ist. Das Überangebot am Terminmarkt steht in keinem Zusammenhang mehr mit den wirklich verfügbaren Beständen. Hier wird ein so hohes Überangebot simuliert, welches es gar nicht gibt. Die physische Nachfrage gibt es dagegen wirklich. Wenn diese falsche Blase platzt, kann der Goldpreis schlagartig nach oben schnellen. Für diesen Tag sollten Sie gewappnet sein.

Herzliche Grüße
André Doerk

Chefredakteur Rohstoff Investor (Rohstoff Investor ist der Investment-Dienst für hohe Gewinnchancen mit Rohstoffen)

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Es ist kein Geheimnis, dass GS seine Kunden mit dubiosen Empfehlungen über Jahre auf’s Glatteis geführt hat. Auf Empfehlungen von GS würde ich keinen Pfifferling setzen. Hinterher trifft nicht selten das Gegenteil ein.

Die Nachfrage nach physischem Gold aus Asien ist nach wie vor ungebrochen. Mittlerweile ist China weltweit der größte Goldproduzent. Nebenbei auch noch der größte Dollar-Gläubiger. Und das beste was China derzeit mit seinen Dollar-Reserven machen kann, ist, den Dollar in Gold zu tauschen. China blickt weit voraus, denn der US-Dollar wird nicht mehr lange als Weltleitwährung akzeptiert werden. Eine mögliche goldgedeckte Währung könnte dann den US-Dollar als Weltleitwährung ablösen. Daher würde es Sinn machen, dass die starken Industrieländer über möglichst viele Goldreserven verfügen.

Vor diesem Hintergrund wird Gold heute zu Schleuderpreisen verschenkt. Dass dieses nicht sachgedeckte Papiergeldsystem, das nur auf Schulden aufgebaut ist, eines Tages zusammenbrechen wird, steht außer Frage. Welchen Wert Gold bei einem goldgedeckten Geldsystem haben wird, ist nicht zu prognostizieren. Auf jeden Fall aber wird Gold wesentlich wertvoller sein, als im heutigen Schuldgeldsystem.

 

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