Geht Deutschland bald das Gas aus?

Die Füllstände der Gasspeicher in Deutschland sind so niedrig wie nie. Wenn der Winter hart wird, könnte es schon Ende Februar zu Problemen mit der Gasversorgung kommen, sollte der Winter mild werden, könnte alles gut gehen.

Geht Deutschland bald das Gas aus?Quelle: anti-spiegel

Die Gasspeicher in Deutschland sind derzeit nur noch zu 44,7 Prozent gefüllt. Sollte der Stand auf 25 Prozent fallen, könnte kein Gas mehr aus den Speichern geholt werden, denn bei der eingespeicherten Gasmenge unterscheidet man zwischen Arbeitsgas und Kissengas. Das Arbeitsgas steht tatsächlich für die Ausspeicherung und Nutzung zur Verfügung, das Kissengas wird dagegen für den Grundbetrieb des Speichers benötigt, zum Beispiel um einen gewissen Mindestdruck aufrecht zu erhalten.

Niedrigste Füllstände aller Zeiten

Die aktuellsten Angaben der Füllstände sind vom 13. Januar und mit 44,7 Prozent so niedrig, wie noch nie zuvor an einem 13. Januar. Die beiden kritischsten Jahre waren bisher 2021 und 2022. 2021 lag der Füllstand am 13. Januar bei 61,1 Prozent, 2022 waren es 48,4 Prozent. Im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021 lag der Füllstand am 13. Januar bei 68,7 Prozent. Am höchsten war der Füllstand in den letzten Jahren an einem 13. Januar im Jahr 2020, damals waren es 93,8 Prozent.

Da es in den letzten Wochen in Deutschland recht kalt war, sind die Füllstände täglich teilweise um ein Prozent zurückgegangen. Am 31. Dezember lagen sie mit 56,6 Prozent noch etwa 12 Prozent höher als jetzt, allerdings hat sich die Abnahme nun verlangsamt und liegt bei etwa einem halben Prozent pro Tag.

Die beiden aus Sicht der Speicherstände schlechtesten Jahre 2021 und 2022 zeigen, dass die aktuellen Zahlen nicht zwangsläufig einen kommenden Gasmangel bedeuten, denn in den beiden Jahren ist Deutschland daran noch knapp „vorbeigerutscht”, obwohl die Füllstände in beiden Jahren knapp unter die kritischen 25 Prozent gefallen sind, bevor sie wieder angestiegen sind. 2022 lagen die Füllstand vom 8. bis zum 23. März zwischen 24 und 25 Prozent, 2021 schwankten sie fast den ganzen April um diese kritische Marke.

Es muss nicht zwangsläufig zu einer Gaskrise kommen

Laut der Bundesnetzagentur ist die Versorgung trotz sinkender Füllstände gesichert, weil es derzeit ausreichend Gas auf dem Weltmarkt gebe. Die LNG-Terminals seien nicht vollständig ausgelastet, Reserven seien daher noch vorhanden. Dass die Preise an den Handelsplätzen bislang stabil seien, sei ein Zeichen dafür, dass es aktuell keine akute Knappheit gebe. Die Bundesnetzagentur schätze die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein, werde die Lage aber fortlaufend beobachten.

Allerdings gibt es eine Einschränkung: Sollte der Winter weiterhin hart bleiben und lange andauern, könnte sich das Blatt wenden. Dann würde der Gasbedarf auch bei den Exportländern Norwegen, Belgien und und anderen steigen und sie würden weniger exportieren. Die deutschen Gasspeicher würden sich dann deutlich schneller leeren als als jetzt, weil jetzt von dort genug Gas nach Deutschland kommt. Ob der LNG-Markt in einem solchen Fall genügend flexible Kapazitäten bieten würde, ist ungewiss.

Auch wenn die nackten Zahlen der Füllstände mathematisch auf ein Erreichen der kritischen 25 Prozent in maximal 40 Tagen, also Ende Februar hindeuten, muss dieses Szenario also nicht eintreten.

Bei steigender Gasknappheit würden die Großhandelspreise allerdings deutlich steigen, was dazu führen würde, dass energieintensive Betriebe ihre Produktion einschränken oder ganz einstellen müssten. Im äußersten Fall, also wenn der Winter kalt bleibt und länger als normal andauert, käme es zur Rationierung von Gas. Dabei würde die Industrie als Erstes vom Netz genommen und Privathaushalte würden bevorzugt beliefert. Für Gasheizungen dürfte es also genug Gas geben. Allerdings warnen Experten, dass ein solches Szenario für die deutsche Wirtschaft verheerend wäre.

Das Problem ist mal wieder die EU

Eines zeigt die Situation in jedem Fall: Die Versorgungssicherheit mit Gas ist in Deutschland zu einem Lotteriespiel geworden, bei dem man auf milde Winter hoffen muss. Das gab es früher, als Deutschland noch das billige russische Gas importiert hat, nicht.

Allerdings zeigt das Beispiel des Jahres 2021, dass das Problem auch noch weitere Ursachen hat. Und zwar die Gasmarktreform der EU-Kommission unter Kommissionschef Juncker, die den Weiterverkauf von Gas an der Börse erlaubt hat, der zuvor verboten war. Das hat dazu geführt, dass die Importeure zu wenig Gas importiert haben, das sie von Gazprom zu einem festgelegten, niedrigen Preis von 200 bis 300 Dollar pro tausend Kubikmeter bekommen haben, um den Börsenpreis hochzutreiben und so ihre Gewinne zu erhöhen. Daher lag der Gaspreis an der Börse im Oktober 2021, auf dem Höhepunkt der ersten Gaskrise, plötzlich bereits bei bis zu 2.000 Dollar, weshalb die Gasspeicher im Herbst 2021, zu Beginn der Heizsaison, mit knapp über 70 Prozent so gering befüllt waren, wie nie zuvor oder auch danach, was dann zu den niedrigen Füllständen im Winter 2021/2022 geführt hat.

Wenn Sie Füllstände selbst beobachten wollen, empfehle ich Ihnen zwei Seiten: Auf dieser Seite des NDR kann man die aktuellen Füllstände mit dem Durchschnitt der Jahre Jahre 2017 bis 2021 vergleichen, auf dieser Seite von t-online kann man die Füllstände der Jahre 2019 bis heute einzeln vergleichen.

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1 Kommentar

  1. Na spätestens dann, wenn es kalt wird in der poltisch korrkten Heimstatt, erkennt der Bürger, also, der Bürgende, für die selbstgewählte Politik, für politisch korrekte Haltung, was er geopfert hat! Russisches Gas ist böse und dringend durch teureres zu ersetzen! Und wenn das nicht bezahlbar oder ausreichend lieferbar ist, dann frieren wir hier halt ebenso wie jene in der Ukraine! Nolens volens, ohne daß je ein Schuß von Seiten Rußlands gegen uns gefallen wäre… Was soll man dazu NOCH sagen, man höre, ob all der Mutmaßlichkeiten, wir seien die nächsten, die zu überfallen wären?

    Na dann, viel Spaß bei der Eroberung Herr Putin! Die Bahn, Baustellen ohne Ende, des Führers Autobahnen, Baustellen ohne Ende und, ich weiß jetzt nicht ganz so genau, was leichter zu bewerkstelligen ist? Dieses typisch Deutsche „Ent-„, mittlerweile hat es ja so einen gewissen eigenen Charme entwickelt… hat ja nie so ganz funktioniert… schlägt ja mittlerweile auch bei den Grünen durch, was Gedankliche Methodik gegenüber Andersdenkenden angeht betrifft, wie könnte man eine Entbürokratisierung, analog…, durchführen?
    Wer friert, wird von alleine weich? Ja gut, das schafft EU alleine!

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