von Jochen Mitschka (tkp)
Der US-Ex-Oberst Lawrence Wilkerson macht sich Sorgen darüber, dass die USA vor der Zahlungsunfähigkeit stehen könnten. Was steckt dahinter?
Bis Ende 2025 läuft etwa ein Drittel der marktfähigen Schulden aus, was rund 9,2 Billionen US-Dollar betrifft. Das sind bildlicher dargestellt 9.200.000.000.000. Da wir uns bereits am 24. Dezember 2025 befinden, sind die meisten Fälligkeiten in diesem Jahr bereits eingetreten, mit verbleibenden Beträgen in den letzten Tagen (z. B. Bills und Notes, die wöchentlich oder monatlich fällig werden). Ähnliche Schätzungen sprechen von etwa 9,3 Billionen US-Dollar, die zwischen April und Dezember 2025 fällig wurden. Im Jahr 2026 läuft ein weiteres Drittel der Schulden aus, mit Schätzungen zwischen 9 und 10 Billionen US-Dollar. Dies umfasst eine „Maturity Wall“, bei der große Volumen an Bills, Notes und Bonds(1) fällig werden, verteilt über das gesamte Jahr. Insgesamt beläuft sich die auslaufende Schuld in den nächsten drei Jahren (einschließlich 2026) auf über 14 Billionen US-Dollar.
Wie soll das refinanziert werden?
Das US-Finanzministerium refinanziert auslaufende Schulden routinemäßig durch die Ausgabe neuer Treasury Securities (Bills, Notes, Bonds, TIPS usw.) in regelmäßigen Auktionen. Dies geschieht, um die Schulden zu „rollen“ – also alte Schulden durch neue zu ersetzen, oft zu aktuellen Marktzinsen.
Im Quartal Oktober–Dezember 2025 plant das Treasury, netto 569 Milliarden US-Dollar an neuen marktfähigen Schulden aufzunehmen, um laufende Ausgaben und Refinanzierungen zu decken. Angeblich bleibt die Nachfrage robust bisher, da US-Anleihen, so die westliche Sicht, als sichere Anlage gelten. Es gebe starkes Interesse an den neu emittierten US-Staatsanleihen, gemessen am Bid-to-Cover-Ratio (Verhältnis von Geboten zu angebotenem Volumen). Ein Ratio über 2 deute auf „oversubscription“ hin, was auf hohe Nachfrage hinweise.
Wie sehen die Zinsen aus
Die Renditen blieben größtenteils im Bereich von 4% bis 5% für längere Laufzeiten, was Analysten vorhersagten. Tatsächlich ging die Verzinsung sogar zurück, und die 10-Jahres-Anleihen wurden trotzdem verkauft. Schwäche zeigen die 2-Jahres-Anleihen, die unter Druck stehen wegen eines höheren Angebotes. Die Renditen für 3-Monats- und 6-Monats-Bills sanken sogar, waren im Dezember aber stabil bei 3,5 bis 3,6%. Also insgesamt ergibt sich im Jahr 2025 noch kein Katastrophenszenario für den US-Finanzminister.
Zwischenergebnis 2025
Basierend auf den Daten gab es 2025, gibt es also keine US-Schuldenkrise – die US-Schulden haben zwar weiter zugenommen (auf 38 Billionen USD), und das Defizit betrug rund 1,8 Billionen USD im Fiskaljahr 2025, aber das System hat gehalten, ohne Panik oder Zahlungsausfälle. Allerdings stiegen die Nettozinszahlungen auf fast 970 Milliarden USD (von 345 Milliarden USD in 2020), aber dies wurde durch starke Nachfrage nach Treasuries und eine stabilisierende Wirtschaft aufgefangen, heißt es.
Was wird für 2026 erwartet?
Für 2026 zeichnet sich ein gemischtes Bild ab, wenn man westlichen Experten vertraut: Keine akute Krise wird erwartet, aber die Zinslast wird weiter steigen, und die Renditen könnten leicht anziehen, was die Refinanzierung teurer macht, also noch mehr Zinsen vom Finanzminister verlangt. Zinszahlungen werden die 1-Billionen-USD-Marke überschreiten und zur „neuen Normalität“ werden – für das Fiskaljahr 2026 werden Nettozinsen von rund 1 Billion USD prognostiziert, steigend auf 1,8 Billionen USD bis 2035. Dies wird natürlich den US-Haushalt weiter unter Druck setzen. Bis November 2025 beliefen sich die Zinsausgaben bereits auf 200,7 Milliarden USD, und für 2026 könnten sie 13,85% der Haushaltsausgaben ausmachen. Für den Haushalt wird auch noch ein Defizit von ca. 2 Billionen USD erwartet, was dann noch einmal die Zinsausgaben erhöhen wird.
Ist das ein Schneeballsystem?
Das US-Schuldensystem wird von den meisten Ökonomen und Finanzexperten nicht als Schneeballsystem (Ponzi-Schema) bezeichnet, obwohl es „oberflächlich“ Ähnlichkeiten gebe. Als Schneeball-Schema wird ein betrügerisches Investitionsmodell angesehen, bei dem Renditen für frühere Investoren aus den Einlagen neuer Investoren bezahlt werden, ohne echte wirtschaftliche Wertschöpfung – es kollabiert, wenn keine neuen Investoren mehr hinzukommen. Aber hier handele es sich ja nicht um ein Betrugssystem, sondern um die Finanzierung eines Staates, deshalb sei das nicht zu vergleichen. Schauen wir uns die Details an.
Die USA finanzieren steigende Zinszahlungen und anhaltende Haushaltsdefizite hauptsächlich durch die Ausgabe neuer Staatsanleihen (Treasuries), die wiederum Zinsen kosten – ein Prozess, der als „Debt Rollover“ bekannt ist. Solange Investoren (In- und Ausländer, Zentralbanken, Fonds) bereit sind, diese neuen Anleihen zu kaufen, kann das System funktionieren. Der US-Dollar als Weltreservewährung und die Wahrnehmung von Treasuries als „sichere Hafen“ sorgen für starke Nachfrage, was die Zinsen relativ niedrig hält im Vergleich zu anderen Ländern. Dies ermöglicht es, alte Schulden durch neue zu ersetzen, ohne sofortige Krise. Allerdings ist das langfristig nicht nachhaltig: Steigende Schulden (aktuell ca. 38 Billionen USD oder 125% des BIP) erhöhen das Risiko von Inflation, höheren Zinsen und das im Wettbewerb mit privater Investitionen stehen, da mehr Haushaltsmittel für Zinsen ausgegeben werden. Experten warnen schon länger vor einem „nicht nachhaltigen Weg„, bei dem Defizite (aktuell ca. 1,9 Billionen USD jährlich) und Zinsen sich gegenseitig verstärken, was zu potenziellen Szenarien wie höheren Steuern, Ausgabenkürzungen, Inflation oder – im Extremfall – einer Schuldenkrise führen könnte. Die Finanzierung hängt von wirtschaftlichem Wachstum ab (das höher sein sollte als die Zinsen), aber bei langsamerem Wachstum (prognostiziert 1,9% für 2026) wird es schwieriger.
Wie werden die Zinszahlungen steigen?
Die Nettozinsausgaben sollen bis 2030 auf etwa 1,3 Billionen USD anwachsen, verglichen mit 952 Milliarden USD im Jahr 2025. Kumulativ von 2026 bis 2035 belaufen sie sich auf 13,8 Billionen USD. Zinsen könnten bis 2030 den zweiten oder dritten Platz unter den Ausgaben einnehmen (nach Sozialversicherung und Gesundheit), mit einem Anteil von 10–15% der gesamten Bundesausgaben, steigend auf über 20% langfristig.
Die Dollar-Bombe
Vieles hängt natürlich davon ab, dass der US-Dollar die Welt-Leit-Währung ist. Es gibt zahlreiche Analysen von westlichen Institutionen wie J.P. Morgan, der Federal Reserve, dem Atlantic Council, der Brookings Institution und Goldman Sachs, die die potenziellen Konsequenzen eines verstärkten Ausstiegs des Welthandels aus dem US-Dollar (De-Dollarisierung) beleuchten. Diese Studien basieren auf aktuellen Trends wie dem Rückgang des USD-Anteils an Devisenreserven (von 72 % im Jahr 2001 auf 58 % im Jahr 2025), dem zunehmenden Einsatz alternativer Währungen in Rohstoffmärkten (z. B. Yuan für russisches Öl) und geopolitischen Spannungen. Die Analysen betonen, dass eine vollständige De-Dollarisierung unwahrscheinlich ist, da Netzwerkeffekte und die Stabilität des USD sie behindern, aber ein verstärkter Trend könnte signifikante Auswirkungen haben.
Eine verstärkte De-Dollarisierung würde zu einer breiten Abwertung des USD führen und US-Finanzanlagen (Aktien und Anleihen) schwächen. Jede Reduzierung ausländischer Holdings von US-Treasuries um 1 Prozentpunkt des BIP (ca. 300 Milliarden USD) könnte die Renditen um über 33 Basispunkte steigen lassen, was die Schuldenfinanzierung teurer macht. Dies würde das „exorbitante Privileg“ des USD beenden, welches es den USA erlaubt, Defizite günstig zu finanzieren, und zu höheren Zinsen sowie zu einer Schrumpfung des fiskalischen Spielraums der USA führen – mit Schulden, die bis 2035 auf 118 % des BIP steigen könnten.
Politische Dysfunktionen, steigende Schuldenquoten und Kreditabstufungen könnten das Vertrauen aber weiter erodieren, was zu Kapitalabflüssen und höherer Volatilität, also starken Schwankungen in US-Märkten führt, wodurch Panikreaktionen möglich werden. Auch das Wachstum in den BRICS-Ländern lockt Investoren aus dem Dollar. Die USA würden anfälliger für Währungskrisen werden, mit steigenden Importkosten und einer Verschlechterung der Handelsbedingungen. Die Fähigkeit, große Defizite zu finanzieren, würde schrumpfen, was zu schwierigen Entscheidungen zwischen Militärausgaben, Sozialprogrammen und anderen Prioritäten zwingen würde. Insbesondere könnten die Ausgaben für den MIK, den militärisch-industriellen Komplex nicht mehr in dem Maße fließen. Deshalb hat Donald Trump Ländern gedroht, welche die Dollardominanz angreifen. Abgesehen von den fiskalen Probleme, hat sinkende Dollarnutzung natürlich auch Einfluss auf die Sanktionsmacht der USA.
Kommentar
Die Situation wird also bei den Experten nicht so dramatisch gesehen wie im Internet diskutiert wird. Allerdings gibt es natürlich, wie bei allen Voraussagen, einige große Unbekannte. Hatte man noch vor wenigen Jahren die USA einen Krieg anstrebend gesehen, um die Schulden loszuwerden, könnte derselbe heute durch die Macht Chinas und Indiens das Gegenteil verursachen. Auch eine größere Bankenkrise könnte unerwartete Folgen mit sich bringen. Die Zeit bleibt spannend. Hochgerechnet ergibt sich bei nicht eintretenden Sonderfällen bis zum Jahr 2050 eine Verschuldung der USA von 140 bis 150% des Bruttoinslandsproduktes. Was bei Annahme eines gleichbleibend starken Dollars ein Anteil an den Staatsausgaben für Schulden von ca 20-25% bedeuten würde.
Es sind „Modellrechnungen“, was auch immer damit gesagt sein soll. Oberst Wilkerson scheint diesen nicht so sehr zu vertrauen.
Im Vergleich zu Russland
Interessant ist ein Vergleich mit der Finanzpolitik Russlands. % insbesondere wegen Sanktionen) und sinkende Öleinnahmen unter Druck steht.
(1) Der Hauptunterschied zwischen Bills, Notes und Bonds liegt in ihrer Laufzeit (Laufzeit bis zur Fälligkeit) und der Zahlungsweise von Zinsen: Bills (Schatzwechsel) sind kurzfristig (unter 1 Jahr) und werden mit einem Abschlag gekauft (Zinsen bei Fälligkeit); Notes (Schatznoten) sind mittelfristig (2–10 Jahre) und zahlen halbjärliche Zinsen; Bonds (Staatsanleihen) sind langfristig (über 10 Jahre) und zahlen ebenfalls halbjährliche Zinsen, wobei sich Laufzeit und Zinsstruktur unterscheiden, um kurz-, mittel- und langfristige Finanzierungsbedürfnisse der Regierung zu decken.
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„Allerdings gibt es natürlich, wie bei allen Voraussagen, einige große Unbekannte.“
Stimmt, weswegen es sich nicht lohnt einen Entscheidungsbaum für die vielen Alternativen zu überlegen und zu gewichten. Diejenigen Leute, die uns über ihre Medien behrrschen, bezahlen zahlreiche intelligente Leute, um uns in die Pfanne zu hauen. Zur Zeit wollen sie unbedingt einen Krieg mit Rußland, der uns genügend Probleme verursachen würde, um nicht mehr an was anderes zu denken.
Und wie geht das im Nahen Osten weiter? Der syrische Bürgerkrieg beruhte nur darauf, daß man die alawitische Führung unter Assad beseitigen wollte, weil er mit dem schiitischen Iran verbündet war. Zunächsrt finanzierte man den IS und dann bekämpfte man ihn, weil er seinen fanatischen Auftrag gegen Ungläubige Alawiten usw. ernst nahm. Sobald Assad mit Hilfe des Muslim-Bruders Erdogan beseitigt war, rückte Israel bis vor Damaskus vor und Baerbock spendierte dem ehemaligen Alkaida Kämpfer Al Sharaa ca. 280 Millionen Euro, obwohl er sich weigerte dem graziösen Weib die Hand zu geben. Und Trump hat jetzt Al Sharaa empfangen und ließ alle Sanktionen gegen Syrien aufheben, weil dieser offensichtlich heimlich mit Israel zusammenarbeitet. Und Al Sharaas Leute dürften auch für das Attentat gestern in der alawitischen Moschee von Homs verantwortlich sein, bei der 8 Alawiten umkamen.
Fazit: Der ganze Bürgerkrieg in Syrien seit 2014 beruhte nur darauf, daß verhindert wird, daß der Iran hinischtlich der Atomwaffen mit Israel gleichzieht. Dies muß auch in Zukunft unter allen Umständen verhindert werden und könnte unsere Ölversorgung aus dem Nahen Osten durchaus einmal in Mitleidenschaft ziehen, so daß alle Zukunftsperspektiven ziemlich unsicher sind!
Historische Angriffe Israels laut Google KI:
“ Syrien (2007): Israel zerstörte einen mutmaßlichen, mit nordkoreanischer Hilfe gebauten Reaktor in der Nähe von Deir ez-Zor, den Syrien als militärische Anlage deklariert hatte.
Irak (1981): Der berühmte Angriff auf den irakischen Reaktor „Tamuz I“ (auch Osirak genannt) bei Bagdad, der mit F-15 und F-16 Jets durchgeführt wurde, um Irans nukleare Ambitionen zu stoppen.
Jüngste Angriffe (Juni 2025):
Iran: Im Zuge einer Eskalation griff Israel gezielt mehrere iranische Nuklearanlagen an, darunter:
Arak: Ein Schwerwasserreaktor, dessen „Kerndichtung“ getroffen wurde, um die Produktion von waffenfähigem Plutonium zu verhindern.
Natans & Fordo: Anlagen zur Urananreicherung wurden angegriffen, um das Atomprogramm zu verzögern.
Ziel dieser Angriffe ist es, zu verhindern, dass diese Staaten Atomwaffen entwickeln können, was Israel als existenzielle Bedrohung ansieht.“ Während diese Staaten die Atomwaffen Israels als Bedrohung ansehen, so daß das Problem friedlich nicht lösbar ist und das Ende der UN einleiten wird!
Im Sudan geht es dem Muslim-Bruder Erdogan darum seine Brüder von der Militärjunta in Khartum zu unterstützen, während die Anti-Muslim-Brüder: Ägypten, Saudi-Arabien und Vereinigten Arabischen Emirate die RSF (rapid support forces) mit Waffen versorgen. Das perfide Albion ist angeblich nicht beteiligt, sondern sorgt nur für ungeheure Waffenmengen an die Vereinigten Arabischen Emirate dafür, daß die RSF versorgt wird. Diese relativ einfachen Zusammenhänge werden von keinen Medien erläutert. Man muß sich ein bißchen auskennen, um die Zusammenhänge zu verstehen.