Frankreich: Rückruf von potenziell gefährlichen FFP2-Masken

Tobias Tscherrig (infosperber)

Das Ministerium für Öffentliche Gesundheit hat Millionen FFP2-Masken zurückgerufen, die an Pflegekräfte verteilt worden waren.

Wie französische Medien Ende Mai berichteten, musste das Ministerium für Öffentliche Gesundheit in Frankreich rund 17 Millionen potenziell gefährliche FFP2-Masken zurückrufen, die zuvor an Pflegefachkräfte verteilt worden waren. Als Ursache für den Rückruf gaben die französischen Behörden eine darin enthaltene Modifikation von Kohlenstoff – sogenannte Graphen – an, die als potenziell giftig gelten. Der Inhaltsstoff sei zwar auf dem Beipackzettel der Masken aufgeführt gewesen, die Gesundheitsbehörden hätten den Vermerk aber nicht gesehen.

Gefährlichkeit nicht restlos geklärt

Mehr als ein Jahr nach Beginn der globalen Gesundheitskrise, hat Frankreich seine diversen Probleme mit Atemschutzmasken noch immer nicht gelöst. Am 25. Mai veröffentlichte die staatliche französische Organisation zur öffentlichen Gesundheitspflege, «Santé publique France» (SPF), ein Dokument der Nationalen Agentur für Arzneimittelsicherheit (ANSM), das zuerst nur wenig Beachtung fand. Das Dokument ist mit der Überschrift «Dringend – Sicherheitsinformationen» betitelt und richtet sich vor allem an die französischen Krankenhäuser.

Darin steht unter anderem: «Ihre Einrichtung hat wahrscheinlich Masken mit der Aufschrift ‚Biomasse Graphen‘ erhalten. Während des Wartens auf die Bewertung des möglichen Risikos im Zusammenhang mit dem Vorhandensein von Graphen in diesen Masken und als Vorsichtsmassnahme, bitten wir Sie, diese nicht mehr zu verwenden.»

Ob Graphen aber wirklich toxisch sind, ist nicht restlos geklärt. «Auch die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind sehr unterschiedlich. Das macht einfache und allgemeingültige Aussagen fast unmöglich», schrieb zum Beispiel die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) im 2019 veröffentlichten Bericht «Is Graphene Safe?».

Bei den in Frankreich zurückgerufenen Atemschutzmasken handelt es sich um FFP2-Masken, die zum staatlichen Lagerbestand gehören und die vom chinesischen Hersteller «Shandong Shengquan New Materials» geliefert wurden. Alle französischen Einrichtungen, die derartige Masken besitzen, müssen sie nun an die Behörden zurücksenden.

Masken wurden bereits im Jahr 2020 verteilt

In der französischen Region Île-de-France wird dieser Aufruf durch ein Schreiben der regionalen Gesundheitsagentur (ARS) begleitet, das sich an die ansässigen Krankenhausleitungen richtet. In diesem Dokument wird unter anderem erwähnt, dass «zum jetzigen Zeitpunkt 60,5 Millionen FFP2-Masken mit CE-Kennzeichnung identifiziert wurden, die potenziell Graphen enthalten könnten.» 16,9 Millionen dieser Masken seien bereits im Jahr 2020 verteilt worden, was 28 Prozent der total erhaltenen Bestände entspreche.

Weiter gibt die ARS an, dass «diese Masken hauptsächlich an Gesundheits- und medizinisch-soziale Einrichtung verteilt wurden.» Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass medizinisches Fachpersonal im ambulanten Bereich die betroffenen Masken erhalten hätten.

Kanadisches Gesundheitsministerium schlug Alarm

Das Graphen, das bei der Herstellung der betroffenen Masken verwendet wurde, war zuerst vom kanadischen Gesundheitsministerium als «potenziell lungenschädigend bei Tieren» klassifiziert worden. Bereits vor mehr als zwei Monaten riefen die kanadischen Behörden Millionen dieser Masken zurück.

Anfang April veröffentlichten die kanadischen Gesundheitsbehörden eine Mitteilung, in der Kanadierinnen und Kanadier aufgefordert wurden, keine Masken zu tragen, die Graphen enthalten. Das Einatmen von Graphen könne ein Gesundheitsrisiko darstellen. Das kanadische Gesundheitsministerium rät in seiner Mitteilung dringend dazu, «einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie eine Maske getragen haben, die Graphen enthält» und anschliessend gesundheitliche Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Unwohlsein oder Atembeschwerden aufgetreten seien.

Erst zwei Monate nach den erstmaligen Warnungen der kanadischen Behörden, unternahm die französische Regierung Schritte, um die Masken zurückzurufen und die Bevölkerung so vor einem potenziellen Gesundheitsrisiko zu schützen.





Masken hätten nicht nach Frankreich gelangen dürfen

Die nationale französische Forschungsorganisation «Centre national de la recherche scientifique» hatte Graphen in ihrer Fachzeitschrift bereits früher als «revolutionäres Material» vorgestellt. Es sei «flexibel, leicht, ultra-resistent, transparent und vor allem ein hervorragender Leiter.»

In den betroffenen französischen Masken ist das potenziell gefährliche Graphen enthalten, weil es auch antivirale Eigenschaften besitzt. Damit fällt es allerdings unter die Kategorie der Biozide, wie sie von der Nationalen Agentur für Lebensmittel-, Umwelt- und Arbeitsschutz (Anses) definiert werden: «Stoffe oder Zubereitungen, die dazu bestimmt sind, als schädlich angesehene Organismen zu zerstören, abzustossen oder unschädlich zu machen.»

Der Einsatz derartiger Biozide ist für «Santé publique France» allerdings verboten. Die betroffenen Masken hätten also niemals in die Hände von Pflegefachkräften gelangen dürfen. Trotzdem gelangten im Total 60.5 Millionen potenziell gefährliche Atemschutzmasken nach Frankreich.

Maskenbeschaffung in Zeiten der Verknappung

Das französische Online-Portal «Mediapart» wollte von «Santé publique France» wissen, weshalb diese Masken überhaupt ins Land gelangt sind und dann an die Pflegefachkräfte verteilt wurden. «Santé publique France» erklärte, dass der Auftrag über die betroffenen Masken im April 2020 erteilt worden sei und dass es damals eine positive Stellungnahme der Nationalen Agentur für Arzneimittelsicherheit gegeben habe.

Allerdings sei das Vorhandensein von Graphen sowohl in einem Testbericht wie auch in einer Mitteilung des Herstellers als ‚Biomass Graphene‘ aufgeführt worden. Erwähnungen, die den Behörden anscheinend entgangen sind. Trotzdem bittet die staatliche französische Organisation zur öffentlichen Gesundheitspflege um Nachsicht: Die Erwähnung des potenziell gefährlichen Stoffes wäre wahrscheinlich offensichtlicher gewesen, wenn sie als Biozid-Aktivität deklariert worden wäre. Im Übrigen seien die Masken in einer Zeit der massiven Maskenanschaffungen gekauft worden. Hinzu sei noch die damalige Verknappung der begehrten Atemschutzmasken gekommen.

In der Tat haben die französischen Behörden damals auf die Schnelle Hunderte von Millionen Atemschutzmasken gekauft. In einem Bericht des französischen Senats vom Dezember, werden diese Käufe als «Eil-Käufe» zu «Wucherpreisen» bezeichnet.

NGOs forderten europaweiten Rückruf

Nach dem kanadischen Entscheid, graphenhaltige Masken zurückzurufen, forderten vier Nichtregierungsorganisationen am 6. April die Europäische Union auf, die betreffenden Masken europaweit zurückzurufen. Denn die Masken werden vom chinesischen Hersteller auf der ganzen Welt vertrieben. «Menschen benutzen diese potenziell giftigen Masken bereits jetzt, darunter Kinder, medizinisches Personal und Angestellte», heisst es im Brief der NGOs an die Europäische Kommission.

In der Zwischenzeit haben die EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission die Europäische Chemikalienagentur um eine Risikobewertung gebeten. Die Auswertung steht noch aus. Bis es soweit ist, erinnert «Santé publique France» daran, dass – auch wenn an Labortieren eine «akute Toxizität» durch das Einatmen von Graphen beobachtet wurde – dies beim Menschen noch nicht nachgewiesen wurde.

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