Fehlender Mut zur Wahrheit

Tageskommentar 24. + 25. 07. 2013: fortunato,
Fehlender Mut zur Wahrheit.

von fortunato (fortunanetz)

Zbigniew Brzezinski, die graue Eminenz der amerikanischen Außenpolitik und Berater in der Regierung Jimmy Carter, brachte es in seinem Werk „The Grand Chessboard“ schon lange vor den aktuellen Enthüllungen auf den Punkt: ‚Demokratie ist Staffage‘. Diese Wahrheit formulierte er schon 1997. Und daran hat sich, gemessen an dem was sich derzeit alles ‚enthüllt‘, seitdem nichts geändert.

Edward Snowden begann seine Karriere beim amerikanischen Geheimdienst mit der Überzeugung, dass es ehrenhaft ist, für sein Land zu spionieren, bzw. für die Spionage die technischen Voraussetzungen zu schaffen. Schließlich gilt das Argument, dass jeder Staat dieser Erde in irgendeiner Weise einen Geheimdienst für Spionage und Gegenspionage benötigt. Dabei gilt auch das richtige Wort von Sun Tsu: „Erkenne die Fehler deiner Gegner und deine eigenen und du bist unbesiegbar.“ Am Besten beobachtet man sich immer gleich mit, damit man nicht sich selbst gegenüber betriebsblind wird. Geheimdienste sind ein notwendiges Mittel, solange es Staaten auf der Welt gibt.

Doch Edward Snowden musste im Laufe seiner Zeit feststellen, dass er zunehmend in einer Welt lebt, in der praktisch jede Handlung und sei sie noch so intim, von Fremden protokolliert, beobachtet und analysiert wird. Dabei handelt es sich auch um Handlungen, die in keiner Weise etwas mit Spionage und Gegenspionage zu tun haben, sondern um ganz normale, private Handlungen von Menschen. Dass dabei gegen geltendes Recht verstoßen wird, trübt das gute Gewissen der Täter in keiner Weise und anscheinend haben deren Helfer, hier zuerst seien Merkel, Friedrich, Gauck und Co. genannt, ebenfalls mit Recht oder gar Moral keinerlei Probleme. Im Gegenteil! Sie stellen sich absichtlich dumm und behaupten von nichts gewusst zu haben. Darüber lacht sogar der Ex-Chef der NSA!

Für die amerikanische Führung müssen die letzten Tage wahrhaft köstlich gewesen sein, zeigen sie doch, auf welch niedrigem Niveau sich ‚unsere‘ politische Elite bewegt. Für die USA sind diese Leute wirklich kein Problem, wissen sie doch immer dann nichts, wenn es ernst wird. Gegenwehr muss der große Bruder da wohl nicht befürchten. Das ist jetzt deutlich dokumentiert. Und es ist auch deutlich dokumentiert, dass es den USA egal ist, was wir denken! Sie teilen uns lediglich mit, dass wir nun wissen was sie tun! Hier worten die Herren! Einer ist der Herr, der andere der Hund. Sie dürfen raten, wer gerade mit dem Schwanz wedelt!

Die deutsche Bevölkerung reagiert zwiespältig auf die Enthüllungen von Snowden. Die eine Gruppe ruft: ‚Wir haben es schon immer gewusst! Die USA respektieren unsere Rechte nicht und die Bundesregierung ebenso wenig!‘ Die andere Gruppe ruft:‘ Es war schon immer bekannt, dass die spionieren. Also was soll’s?‘ In diesen wenigen Nuancen unserer Sprache manifestieren sich unterschiedlichste Welten, sowohl im Denken wie auch im Erleben. Die einen sind empört, die anderen verstecken sich hinter der billigen Strategie, dass sich doch eigentlich nichts geändert hätte. Dabei vergessen sie die Frage überzeugend zu beantworten, weshalb denn nun die USA Snowden jagen wie ein tollwütiger Hund sein Opfer, wenn der Mann andauernd nur das sagt, was schon bekannt ist? Also so wirklich ehrlich ist das nicht, wenn man behauptet es schon immer gewusst zu haben.


Was ist angesichts der Erkenntnis, vom ‚besten Freund‘ bis auf die Unterhose ausgeforscht zu werden, von dieser Freundschaft zu halten? Die Antwort darauf ist einfach: Es ist keine Freundschaft und Demokratie ist Staffage, wie schon Brzezhinski richtig sagte. Die Wahrheit ist: Seit dem Zweiten Weltkrieg ist Deutschland ein besetztes Land und ist es geblieben. Alle Regierungen und Parteien der BRD werden von den USA lediglich geduldet. Die deutsche Bevölkerung ist ebenfalls nur geduldet, weil es nicht mehr ‚ihr‘ Territorium ist. Und weil das so ist, werden die Deutschen auch flächendeckend ausgespäht.

Vielleicht haben die Enthüllungen Snowdens zur Folge, dass die Schnüffelei in den USA gegenüber der amerikanischen Bevölkerung gestoppt wird, für die Deutsche Bevölkerung sehe ich da eher schwarz. Nicht nur die Reaktionen von Keith Alexander sprechen da Bände, sondern auch die völlige Ahnungslosigkeit von Frau Kanzler und ihrem Innenminister, der wirklich glaubt, dass mit einem Virenprogramm auf dem PC ein wirksamer Schutz gegen die Verarbeitung von Daten bei Facebook und Co. hergestellt werden kann.

Die BRD ist eine Art Protektorat der USA, vergleichbar beispielsweise mit Puerto Rico oder dem Panama Kanal. Wobei ich den Eindruck habe, dass man Panama mehr Respekt entgegen bringt und ihnen deshalb den Kanal zurück gab, während wir die US-Militärbasen aus deutschen Steuergeldern schultern ‚dürfen‘. Das ist eben der Unterschied zwischen Panama und Deutschland!

Leider ist es vielen Deutschen nicht möglich, sich einmal ehrlich im Spiegel anzuschauen und der Wahrheit ins Gesicht zu blicken. Da würde man folgendes erkennen: Ich bin nicht in Deutschland, sondern auf einem unsinkbaren Schlachtschiff der USA in Europa. Ich bin keine Person, sondern nur Personal. Ich darf aber wählen, auch wenn es nicht wirklich was nützt, denn ich habe eine Regierung, die nichts davon ‚weiß‘, dass ich überwacht werde und es ist ihr auch egal.

Dieser fehlende Mut zur eigenen Wahrheit sowohl der Regierung wie der Bevölkerung Deutschlands wird sich noch rächen. Die Wahrheit kommt dann eben nicht in Form einer klaren Erkenntnis, sondern ‚irgendwann‘. Sie kommt dann aber nicht zu unseren Bedingungen, sondern zu den Bedingungen, die uns andere diktieren, die diese Wahrheit schon lange im Blick haben und zu ihren Gunsten nutzen werden, während wir weiterhin damit beschäftigt sind, die Augen zu verschließen,

meint

fortunato

 

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