Federal Reserve: Schrecken ohne Ende mit schrecklichem Ende

Henning Lindhoff (ef-magazin)

Das desaströse Erbe Ben Bernankes

Wenige Wochen nach dem 100. Geburtstag der US-Zentralbank Federal Reserve räumte Ben Bernanke am 1. Februar 2014 seinen Posten für die langjährige Fed-Mitarbeiterin und Bill Clintons ehemalige Wirtschaftsberaterin Janet Yellen.

Wie „CBS News“ kürzlich berichtete, hinterließ „Helikopter-Ben“ – ef-Autor Claus Vogt nannte ihn so in seinem „Greenspan-Dossier“, weil Bernanke einst anregte, Dollars im Deflationsfall tatsächlich mit dem Hubschrauber abwerfen zu lassen – eine um monströse 391 Prozent aufgeblähte Bilanzsumme. Während seiner achtjährigen Amtszeit als Zentralbankchef erhöhten sich Passiva und Aktiva der Fed um mehr als drei Billionen Dollar auf nunmehr insgesamt 4,102 Billionen Dollar. Vor allem die Fed-Rettungsaktionen für die US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac sowie die Quantitative Easing-Programme, die Politik des leichten Geldes, ließen es so weit kommen. Mittels massiven Anleihenankaufs versuchte Bernanke die Zinsen und damit die Kosten für die US-Regierung im Zuge der Geldbeschaffung zu drücken. Natürlich stellten auch seine Ankaufprogramme selbst nichts anderes als eine einfache Möglichkeit für Bush und Obama zur Geldbeschaffung dar. Schon im Jahr 2001, nach Zusammenbruch des „Neuen Marktes“, begann die Fed mit der sukzessiven Ausweitung ihrer Anleihenankäufe – zum Zwecke der wirtschaftlichen Erholung.

Die angehäuften Berge von Hypotheken- und US-Staatsanleihen in den Tresoren der Fed führten und führen jedoch unweigerlich zu Verzerrungen am Kapitalmarkt. Marktteilnehmern wird auf diesem Wege jede Grundlage genommen, die realistische Höhe von Zinsen als Preise für Anleihen zu ermitteln. Folglich wird falsch investiert und der heftige Knall folgt der Blase auf Schritt und Tritt.

Angetrieben von der Schuldensause boomte die US-Wirtschaft über viele Jahre. Während die Schulden der privaten Haushalte und der Unternehmen im Januar 2000 noch bei insgesamt 17 Billionen Dollar gelegen hatten, waren es im Januar 2006 bereits 28 Billionen Dollar. In diesen sechs Jahren explodierte der durchschnittliche Hauspreis in den USA von 178.500 Dollar auf 268.200 Dollar. Viele Bürger hatten den steigenden „Wert“ ihrer Häuser genutzt, um immer mehr Hypotheken für immer mehr Konsum aufzunehmen. Die Sause lief auf Hochtouren. Der Knall auf dem Immobilienmarkt folgte konsequent. Nachdem die Immobilienpreise im Jahr 2006 ihren Höhepunkt erreichten, fielen sie immer schneller in den Keller. Es war der Beginn der bislang größten aller Finanz- und letztlich auch Schuldenkrisen.

Ein reguläre Erholung der Märkte gestattete die Fed unter Ben Bernanke nicht. Er senkte die Zinsen, ließ in drei Runden Hypothekenanleihen in einem insgesamt 13-stelligen Dollar-Volumen aufkaufen und führte die US-Wirtschaft in die Abhängigkeit von immer neuen Finanzspritzen. Die Staatsschulden stiegen auf 17,3 Billionen Dollar und damit auf über 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Im Dezember 2013 lag die offizielle Inflationsrate bei 1,5 Prozent. Seit Oktober war sie um 0,5 Prozentpunkte gestiegen. Die tatsächliche Inflation wird jedoch deutlich höher ausfallen, da ein wichtiger Teil der Daten für die Berechnung der Inflation von den staatlichen Statistikern nicht gemessen sondern nur geschätzt wird.

Wie Bernankes Nachfolgerin Janet Yellen es nun auch drehen und wenden will: Die Fed wird aller Voraussicht nach eine wirtschaftliche Rezession ungeahnten Ausmaßes auslösen. Geht sie den beschrittenen Weg des unbegrenzten Staatsanleihenankaufes weiter, wird die Inflation in einer Hyperinflation enden. Kehrt sie um und senkt die Ordervolumen der Fed – und dieser Weg ist der wahrscheinlichere, weil schon eingeleitete –, werden die Zinsen und damit die Kreditpreise für private Unternehmen explodieren. Der Schuldenstand der privaten Haushalte und Unternehmer hat in den USA heute schon einen Stand von mehr als 40 Billionen Dollar erreicht. Diese flexibel verzinsten Kredite können dann kaum noch bedient werden. Insolvenz, Obdachlosigkeit und ein bitterer Kampf um die Lebensgrundlagen werden die unausweichlichen Folgen für viele Bürger sein.

Der schöne Schein des Schuldenrausches hat das Unheil nicht bloß nur hinausgezögert. Die Interventionen der Fed haben dafür Sorge getragen, dass der endgültige Schrecken weitaus größer ausfallen wird als bei einer natürlichen Erholung des Marktes. Ben Bernanke ist abgetreten. Doch sein desaströses Erbe wird nicht mehr abzuwenden sein. Die USA und mit ihr der Rest der Welt werden die Folgen seiner lockeren Geldpolitik noch massiv zu spüren bekommen.

 

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