Explosive Gaspipeline im Mittelmeer

von Manlio Dinucci (voltairenet)

Im östlichen Mittelmeer, wo große Offshore-Erdgasfelder entdeckt wurden, gibt es einen erbitterten Streit um die Definition von exklusiven Wirtschaftszonen bis zu 200 Meilen vor der Küste, in denen jedes der Küstenländer die Rechte an der Feldausbeutung hat. Die direkt betroffenen Länder sind Griechenland, die Türkei, Zypern, Syrien, Libanon, Israel, Palästina (dessen Gaza-Gasfelder sich in den Händen Israels befinden), Ägypten und Libyen. Die Konfrontation zwischen Griechenland und der Türkei, die beide Mitglieder der NATO sind, ist besonders angespannt. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Fragen. Das eigentliche Spiel, das im östlichen Mittelmeerraum gespielt wird, ist geopolitischer und geostrategischer Natur und betrifft die großen Weltmächte. Die EastMed-Pipeline, die einen Großteil des Gases aus diesem Gebiet in die EU bringt, passt in diesen Rahmen.

Die Realisierung wurde zwischen dem israelischen Premierminister Netanjahu, dem griechischen Premierminister Tsipras und dem zypriotischen Präsidenten Anastasiades auf dem Gipfel am 20. März 2019 in Jerusalem beschlossen. Netanjahu betonte, dass „die Pipeline von Israel über Zypern und Griechenland nach Europa führen wird“ und Israel damit zu einer „Energiemacht“ wird (die den Energiekorridor nach Europa kontrollieren wird), während Tsipras betonte, dass „die Zusammenarbeit zwischen Israel, Griechenland und Zypern nach ihrem sechsten Gipfel strategisch geworden ist“. Dies wird durch den Militärpakt bestätigt, den die Regierung Tsipras vor fünf Jahren mit Israel unterzeichnet hat [1].

Der US-Außenminister Mike Pompeo nahm am Jerusalemer Gipfel teil (seine Akten wurden von der US-Botschaft in Zypern veröffentlicht) und betonte, dass das EastMed-Projekt, das von Israel, Griechenland und Zypern, „grundlegenden Partnern der USA für die Sicherheit“, ins Leben gerufen wurde, „unglaublich zeitgemäß“ sei, da „Russland, China und der Iran versuchen, einen Fuß in den Osten und den Westen zu setzen“.

Die Strategie der USA wird erklärt: die russischen Gasexporte nach Europa zu reduzieren und schließlich zu blockieren und sie durch Gaslieferungen oder anderweitige Kontrollen der USA zu ersetzen. Im Jahr 2014 blockierten sie die SouthStream-Pipeline durch das Schwarze Meer, die russisches Gas zu wettbewerbsfähigen Preisen nach Italien gebracht hätte, und versuchen dasselbe mit TurkStream, die russisches Gas über das Schwarze Meer in den europäischen Teil der Türkei transportiert, um es in die EU zu bringen. Gleichzeitig versuchen die USA, die Neue Seidenstrasse zu blockieren, das Infrastrukturnetz, das China mit dem Mittelmeer und Europa verbinden soll. Im Nahen Osten haben die USA durch den Krieg den Energiekorridor blockiert, der iranisches Gas im Rahmen eines Abkommens von 2011 durch den Irak und Syrien in den Mittelmeerraum und nach Europa transportiert hätte.

Zu dieser Strategie gesellt sich Italien, wo (in Apulien) EastMed eintreffen wird, um Gas in andere europäische Länder zu bringen.

Der italienische Wirtschaftsentwicklungsminister Patuanelli (M5S) bezeichnete die von der EU genehmigte Gaspipeline als eines der „europäischen Projekte von gemeinsamem Interesse“, und die italienische Unterstaatssekretärin für Wirtschaftsentwicklung, Frau Todde (M5S), führte Italien zum EastMed Gas Forum, dem Sitz des „Dialogs und der Zusammenarbeit“ über Gas aus dem östlichen Mittelmeerraum, an dem neben Israel, Griechenland und Zypern auch Ägypten und die Palästinensische Autonomiebehörde beteiligt sind. Auch Jordanien gehört dazu, obwohl es über nicht an das Mittelmehr angrenzt, über keine Offshore-Gasfelder verfügt, Gas es jedoch aus Israel importiert. Dagegen sind Libanon, Syrien und Libyen vom Forum ausgeschlossen, obwohl ihnen ein Teil des Gases im östlichen Mittelmeerraum gehört. Die Vereinigten Staaten, Frankreich und die EU haben ihren Beitritt zum Forum angekündigt. Die Türkei nimmt wegen des Streits mit Griechenland, der jedoch von der NATO beigelegt werden soll, nicht daran teil: „Militärdelegationen“ der beiden Länder haben sich bereits sechs Mal im NATO-Hauptquartier in Brüssel getroffen. Unterdessen ist im östlichen Mittelmeer und im benachbarten Schwarzen Meer ein zunehmender Einsatz von US-Marineeinheiten in Europa im Gange, deren Hauptquartier sich in Neapel Capodichino befindet. Ihre „Mission“ besteht darin, „die Interessen der USA und der Alliierten zu verteidigen und einer Aggression entgegenzuwirken“. Dieselbe „Mission“ haben auch die strategischen US-B-52-Bomber, die über dem östlichen Mittelmeer fliegen und von griechischen und italienischen Jägern flankiert werden.

Manlio Dinucci

Übersetzung
K. R.

[1] „Militärischer Pakt zwischen Griechenland und Israel“, von Manlio Dinucci, Übersetzung Horst Frohlich, Il Manifesto (Italien) , Voltaire Netzwerk, 31. Juli 2015.

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