Europas Bürger zwischen allen Fronten. (Teil 1/3)

Es ist noch ein Traum, dem die Bürger Europas nach dem Willen ihrer gewählten Regierungen hinterher träumen sollen. Doch dieser an sich schöne Traum hat nun spürbar Risse, da die Fundamente, die diesen Traum abstützen sollen, ebenfalls schon tief gehende Beschädigungen aufweisen, denn zu schwer wiegen die Fehlentscheidungen der Regierungen Europas, zu schwer deren Folgen. Besonders die Einführung des Euro und die nachfolgenden Vertragsbrüche, welche die Regeln zum Funktionieren einer Gemeinschaftswährung zerstörten.

In Griechenland wird uns gerade ein Paradebeispiel politischen Unvermögens vorexerziert, indem entgegen jeder ökonomischen Kompetenz einer Verlängerung der Hilfsmaßnamen zugestimmt wird, um eine politische wie auch wirtschaftliche Fehleinschätzung zu verdecken. Griechenland hat und wird auch künftig kein Geschäftsmodell haben, um Schulden dieser Höhe von 322 Milliarden Euro zu bedienen, oder auch nur die Zinsen dafür bezahlen zu können. Punkt!

Weiter möchte ich auf diese mittlerweile vielen, allzu vielen sattsam bekannten Argumente nicht eingehen, da ein Verbleiben dieses wirtschaftlich unbedeutenden Landes in der Eurozone nicht mehr logisch erklärt werden kann und so nur noch mit einer zwar politisch logischen, nämlich dem zwangsweisen Erhalt der Eurozone begründet wird, aber mit derart rechtlich wie ökonomisch verqueren Argumentationen trotzdem nicht mehr zu rechtfertigen ist.

Den Entscheidungsträgern in Berlin werden künftig ihre Austeritätsargumente aus der Hand geschlagen, da die Mehrheit der Schuldenstaaten bereits in allen Institutionen und Gremien der EU und EZB die Oberhand haben und Deutschland über die vertragswidrigen Rettungsbürgschaften zur Kasse bitten!

Schon jetzt werden wir in Kürze wieder einen Bundestag erleben, der entgegen dem Willen des Souveräns, der diesen in Amt und Würden gewählt hat, einer Verlängerung diese Daueralimentation Griechenlands zustimmen wird. Der Wille des Bürgers ist absolut nebensächlich und die Logik der Ökonomie wird unter die Teppiche der Parteien und Fraktionsdisziplin gekehrt. Wieder einmal. Wie oft denn noch? Mit Sicherheit wird am Ende der Laufzeit des jetzigen Hilfsprogramms wieder ein neues aufgelegt!

Die Ratlosigkeit steht mittlerweile allen Regierungschefs Europas auf der Stirne geschrieben, so ist es kein Zufall, sondern Absicht, dass die Möchtegerngößen der EU-Kommission mitsamt Kommissionspräsident Junkers den Griechen in der Formulierung ihrer Sparmaßnamen helfen, um den zustimmungspflichtigen Parlamenten wie in Deutschland eine Scheinrechtfertigung für ihr unseriöses Handeln zu liefern! So werden auf Unwahrheiten und Vertuschungen basierende europäische Gemeinsamkeiten beschworen und die europäische Vision doch gleichzeitig zertrampelt!!!

Wir werden nach den Wahlen in Griechenland, Spanien, dann in Frankreich und den Unzufriedenheiten in Italien, dessen Kreditausfallrisiko mittlerweile, Bad Debt genannt, bei 183,673 Mrd. Euro liegt ein Europa erleben, welches auseinanderstrebt, doch gleichzeitig auf Deutschland als Endzahler schielt.

Und Deutschland wird ganz alleine dastehen und Verpflichtungen einhalten müssen, welche unter gänzlich anderen vertraglichen Bedingungen eingegangen wurden!!! Die verständliche Angst der Politikgrößen in Europa vor den kommenden demokratischen Entscheidungen in den Mitgliedsländern der Eurozone schweißt diese sichtbar zusammen, um weiter wider bessere Wissen das Gegenteil dessen zu tun, was sie tun müßten um uns anschließend dann davon zu überzeugen, dass das Falsche das Richtige sei!

Die Konstellationen in Europa werden künftig strikt auf Egoismus und die Wahrung der Interessen von Staaten gestellt sein, die finanziell mit dem Rücken zur Wand stehen und die Fassade eines einigen Europas wird bröckeln und so den Kern eines schlechten, auf der Gemeinschaftwährung Euro aufgebauten Fundamentes bloßlegen.

Die vor dem Euro existierenden europäischen Strukturen gaben so eher Anlass und Hoffnung für das Vollenden einer europäische Vision, als es der Zustand 13 Jahre nach der Euroeinführung heute zeigt!

Mir fällt es sehr schwer, von den schönen Träumen eines einigen Europas abzulassen, doch gerade werden wieder einmal wie schon seit Mai 2010 die Grundlagen dafür der Rettung einer nicht auf Dauer zu haltenden Eurowährung untergeordnet!

In diese Gemengelage stoßen dann zusätzlich auch noch die schon immer vorhandenen Interessenlagen der USA und Russlands, die erkennen, das dieses Europa wohl nie mehr mit einer Stimme sprechen kann, sosehr uns allen Merkel und Hollande und die Scheinblüten in Brüssel und Straßburg dies suggerieren wollen.

Das große Zittern um den Frieden in der Ukraine ist einer permanenten Machtlosigkeit Europas geschultert, das die Avancen Putins in seiner Rede vor dem deutschen Bundestag im September 2001 missachtete und nun mit einem frustrierten Putin rechnen muss, der seine eigenen Vorstellungen einer europäischen Sicherheitsstruktur durchsetzten will und so mit einer Wertegemeinschaft kollidiert, die es mit Werten, die unter Führung der USA in deren Interessen definierte werden, selbst nicht so ernst nahm, um nun darauf pochen zu können.

Europa, nicht als eigenständige souveräne Macht wahrnehmbar, bekommt nun seine Unfähigkeiten von beiden Seiten vor Augen geführt und wird zum Spielball von Russland und den USA!

Deutschland, welches nach den Worten seines Finanzministers Schäuble nie so richtig souverän war und nach dessen Willen am Liebsten in einem einigen Europa verschmelzen sollte um dort sein wirtschaftliches Gewicht auch politisch einzusetzen, steht auf einmal wieder als der ungeliebte aber gebrauchte Staat in der Mitte Europas dar, der eine Hegemonrolle spielen soll, das aber nicht will, aber wenn er denn dann wollte, er es nicht darf!

Und hier grinst einen das Jahr 1914 wieder an und das Jahr 2015 sagt:“das hatten wir doch schon einmal!”nur hat zum Unterschied zu 1914 Deutschland eine erbarmungswürdige Ausstattung seiner Armee und muss vor jeder Laune seiner Nachbarn Angst haben. Das allerdings kann man im Rückblick auf die letzten hundert Jahre heute auch positiv sehen!

Nach nüchtererner desillusionierter Bertrachungsweise der Konstellationen in Europa muss Deutschland seinen Europa und Eurobesoffenen Kurs einmal richtig überdenken und sich seiner Rolle als Herzland Europas bewusst werden. Dabei wird es feststellen, dass es trotz einiger Bedenken eine Führungsrolle unter Rücksichtnahme auf seine Nachbarn aufgrund seiner ökonomischen Stärke anstreben muss. Denn es kann doch nicht sein, dass das ökonomisch stärkste Land des Kontinents sich von den schwächeren Nationen wie auch von Ministaaten in die Sümpfe ihrer Probleme und Schulden am Nasenring durch die Manege ziehen lässt und seine eigenen Interessen hintenanstellt.Wo bleiben die ungeheuren Handesbilanzüberschüsse der vergangenen Jahre, die Begleichung der Target2 Risiken, die schon geleisteten Rettungsschirmleistungen in Höhe von über 200 Milliarden, wenn das reicht? Deutschlands vertraglich verbotene Risiken für andere Staaten gehen mittlerweile in die Billionen!!Was kommt da noch?

Wie sieht die sichere Versorgung unserer Energielieferungen aus Russland in Zukunft aus, wenn wir unter Zwang der USA unsouverän unsere Handelsinteressen verleugnen und infolge uns Russlands Putin den Hahn zudrehen kann, da der Handel Deutschlands mit seinem Land durch die Sanktionen um 25% schon eingebrochen ist und weitere von den USA geforderte Sanktionen im Raum stehen Was dann?

Was bilden sich unsere Entscheidungsträger eigentlich ein, wie sie mit einer Großmacht Russland und deren Präsidenten Putin umspringen können, die sie an allen Ecken und Problenregionen der Welt zur Befriedung und als Energielieferanten brauchen? Zuerst tritt man Putin aus fadenscheinigen Gründen dreist mit Sanktionen gegen das Schienbein und erbittet anschließend von ihm Rücksichtnahme, um das eigene Gesicht der Souveränität im Handeln nicht zu verlieren, um dann anschließend mit weiteren Schienbeintritten zu drohen. Ein solcherlei absurdes Theater habe ich in meinem Leben noch nicht sehen können.

Europa wird wegen dieser Eiertänze nun weder von Russland, noch von den USA ernst genommen und zum Spielball beider.

Wie sieht der Zank um die Verteilung des Gases dann aus, wenn es nur noch an die Osteseeküste angeliefert wird und die Leitungen in der Ukreaine leer bleiben? Wenn die Türkei dann doch noch nachgibt und den Gasleitungen aus Russland über ihr Gebiet zustimmt, welche Abhängigkeiten bestehen vor dem Hintergrund der Verweigerung, die Türkei in die EU aufzunehmen denn dann?

Wir sehen allerorten keinerlei Konzept und ein Europa, welches wieder einmal durch die Geschichte taumelt und Deutschland gleich mit.

Hier fehlt ein großer Wurf, doch dieser ist im Kleinklein der heutigen europäischen Politik nicht zu erkennen. Entsetzt steht der europäische Bürger, insbesondere der Deutsche wieder einmal zwischen allen Fronten und kann durch die anstehenden Wahlen nichts Positives mehr bewirken, denn wählt er die etablierten Parteien, wählt er diejenigen, die ihm dies alles eingebrockt haben. Wählt er frustriert die neuen auf dem Plan erschienenen Parteien, wählt er noch mehr nationalen Egoismuss und das Auseinanderstreben Europas mit allen Folgen, die das weitere Versinken Europas in der Bedeutungslosigkeit beinhalten.

Oder sollte man etwa besser die neuen sich durch Wahlen bildenden demokratischen Strukturen in ein paar Jahren begrüßen, die ein Ende dieser verfilzten Politik bedeuten können? Wo geht Europa hin?

Ein Regierungswechsel in 2 Jahren in Frankreich, der eine Frau als Präsidentin in die Staatsspitze bringt, wird die absurde Eurorettung beenden und den Euro gleich mit. Können wir uns das vorstellen?

Ein Teufelskreis, über den noch viel zu schreiben ist.

Der weise Feldherr und Staatsmann „Gato“ des alten Roms hatte die Angewohnheit nach jeder seiner brillanten Reden zu erwähnen: „Und im Übrigen bin ich der Meinung, das Karthago zerstört werden muss“!

Ich erlaube es ihm gleich zu tun und sage: „Und im Übrigen bin ich der Meinung, das der Euro abgeschafft werden muss“!

Heiner Hannappel

heiner.hannappel@gmx.de

Meine Homepage auf Fortuna Netz:

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