Während Schwarze-Meer-Häfen brennen und Kiew zehn Milliarden an Exporten verliert, zahlt die EU 41 Euro mehr pro Tonne für US-Getreide. US-Mais erobert zwei Fünftel des EU-Marktes – ein Geschenk an Trump, finanziert von europäischen Steuerzahlern und ruinierten Viehzüchtern. Von «l’AntiDiplomatico»
Quelle: transition-news
Es gibt einen perversen Mechanismus, fast einen Automatismus der Katastrophe, den die Europäische Union stur nicht beim Namen nennen will. Europa ist in Not: Die Dürre hat die Ernten dezimiert und der Alte Kontinent muss 25 Millionen Tonnen Mais importieren, um seine eigenen Viehbestände zu retten. Die einzige logische, geografische und wirtschaftliche Lösung wäre: ukrainisches Getreide.
Doch die EU hat diese Selbstverständlichkeit in ihrer Kriegstreiber-Obsession und blinden Unterordnung gegenüber Washington in einen logistischen Albtraum verwandelt.
Die Häfen am Schwarzen Meer, die einst 90 Prozent der Agrarexporte Kiews abwickelten, sind heute ein Schlachtfeld. Das ist keine abstrakte Blockade: Es sind 35 russische Raketenangriffe auf Odessa in einem Monat, 22 Angriffe auf Schiffe, 67 auf die Infrastruktur. Das mit Mais beladene Schiff Golden Leo wurde getroffen und versenkt. Die See-Exporte sind um 75 Prozent eingebrochen.
Aber es handelt sich nicht um einen einseitigen Krieg: Am 12. August trafen ukrainische Drohnen Noworossijsk, einen entscheidenden Knotenpunkt für den russischen Export am Asowschen Meer. Das Ergebnis dieser Eskalation, die vom Kiewer Regime – unterstützt von den üblichen bekannten westlichen Kriegstreibern – gewollt ist, liegt für alle offen zutage.
Und hier schnappt die Falle zu, die die Brüsseler Bürokraten heuchlerisch «Solidaritätskorridore» nennen. Enorme Getreidemengen auf dem Landweg mit Zügen und Lastwagen durch Moldau, Rumänien und Polen zu transportieren, ist langsam, chaotisch und vor allem unbezahlbar. Der ukrainische Verband UCAB schätzt, dass der Ersatz des Seetransports durch den Landtransport pro einzelner Tonne 41 Euro an Zusatzkosten verursacht. Ein Aufpreis von über 1,1 Milliarden Euro, den niemand bereit ist zu zahlen.
Und genau hier betritt der wahre Gewinner dieses Krieges die Bühne: die Vereinigten Staaten von Amerika.
Während das ukrainische Getreide in den Silos verrottet oder an den verstopften Grenzen Osteuropas strandet, richten die europäischen Käufer – verzweifelt und mit bereits leeren Geldbörsen – ihren Blick über den Atlantik. Der US-amerikanische Mais, der ohnehin auf dem Vormarsch war, nimmt mittlerweile mehr als zwei Fünftel aller EU-Importe ein.
Dabei handelt es sich nicht um einen «freien Markt», sondern um einen erzwungenen Transfer von Wohlstand. Europa nutzt das Geld seiner Steuerzahler und seiner Viehzüchter (die bereits unter den Selbstkosten verkaufen, wie die spanischen Schweinehalter anprangern), um die US-Landwirtschaft zu retten. Es ist ein «kommerzieller Erfolg», der Washington wie gerufen kommt. Während die globalen Spannungen die Düngemittel- und Treibstoffkosten für die US-Farmer in die Höhe treiben, bietet sich Europa freiwillig als Absatzmarkt an und schenkt Donald Trump und seiner republikanischen Wählerbasis einen kolossalen propagandistischen und finanziellen Sieg – für das Weiße Haus völlig kostenlos.
Und auch die ukrainischen Bauern verlieren. Agrarminister Taras Wysozkyj ist gezwungen, das Offensichtliche einzuräumen: Ohne das Schwarze Meer werden 30 Millionen Tonnen Agrarprodukte (über zehn Milliarden Dollar) nicht exportiert werden. Das BIP wird um bis zu fünf Prozent einbrechen. In der nächsten Saison werden sieben Millionen Hektar unbestellt bleiben. «Wir können unser Getreide weder exportieren noch zu einem normalen Preis verkaufen. Es ist Diebstahl», prangert der Landwirt Alexander Gramatik an, wie Politico berichtet.
Und während die kleinen ukrainischen Bauern pleitegehen, wer kauft ihr Land zu Schleuderpreisen auf? Die US-amerikanischen Agribusiness-Multis Cargill, Dupont und Monsanto, mit Finanzgiganten wie BlackRock und Blackstone im Rücken, kontrollieren bereits bis zu 17 Millionen Hektar ukrainisches Ackerland.
Das Paradoxon ist unglaublich, aber gewohnt schlüssig im Rahmen der Raubzug-Strategien von US-Konzernen in jedem Bereich: Wie die ukrainische Wirtschaftsministerin Julija Swrydenko einräumte, hat Kiew 2022–2023 zwar mehr Getreide exportiert, aber weniger eingenommen (20,7 Milliarden Dollar gegenüber 22,1 Milliarden). Die Mengen sind gestiegen, aber der Profit landete an der Wall Street.
Unterdessen zerbröckelt die europäische «Solidarität» an der Realität. In Moldau haben die Bauern dem Regierungschef ein Ultimatum gestellt: Die Transitbedingungen überprüfen oder massenhaft auf die Straße gehen, weil das billige ukrainische Getreide ihren Markt zerstört. In Rumänien sind die Terminals verstopft, so dass die einheimische Ernte keinen Platz mehr findet. In Polen haben wir es bereits gesehen: Landwirte, die Güterwaggons mit Flex-Schleifern öffnen und das ukrainische Getreide auf den Asphalt kippen.
Europa hat seine Nahrungssouveränität und die seines Nachbarn, den es angeblich unterstützen will, auf dem Altar der NATO geopfert. Es hätte eine Getreideallianz zwischen Russland, der Ukraine und Kasachstan geben können – eine Art «Getreide-OPEC», die Kiew zu einem globalen Akteur gemacht hätte. Stattdessen hat der Maidan-Putsch den Kurs in Richtung «westliche Zivilisation» eingeschlagen.
Das Ergebnis ist ein perfekter Betrug: Europa zahlt mehr, die Ukraine geht unter, und die Vereinigten Staaten kassieren ab.
Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von l’AntiDiplomatico übersetzt und übernommen.
Quelle:
l’AntiDiplomatico: Suicidio agricolo europeo: Bruxelles compra mais USA per salvare l’economia di Trump – 10. September 2026
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