Eine Warnung vor einem Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank

Robert Muth (wirtschaftlichefreiheit)

In jüngster Zeit sprechen sich einzelne hochrangige Vertreter der Bundesregierung sowie der staatlichen Bankenaufsicht wiederholt für einen „nationalen Champion“ in der Bankbranche in Deutschland aus (vgl. Ohne Verfasser (2018)).

Allerdings warnte die Monopolkommission bereits 2004 sehr deutlich vor der Bildung eines solchen „nationalen Champions“ in der Finanzbranche (Monopolkommission (2004), Textziffer 30):

„Als besonders bedenklich erscheint das Engagement der Bundesregierung zugunsten der Schaffung eines “nationalen Champions” im Bankwesen. Hier geht  es neben dem Ausmaß der aktiven und bewussten Förderung eines solchen “Champions” auch um das Ausmaß einer möglichen Staatsgarantie für Zeiten der Krise und um die Anreizwirkungen, die eine solche Garantie auf die Betroffenen haben kann. Seit Mitte der siebziger Jahre ist in Finanzsektoren weltweit ein dramatischer Strukturwandel zu beobachten. Im Zuge dieses Strukturwandels ist es vielfach zu Bankenkrisen gekommen, von der großen Sparkassenkrise in den achtziger Jahren in den USA über die skandinavischen Bankenkrisen Anfang der neunziger Jahre bis zu den Bankenkrisen im asiatischen Raum in der zweiten  Hälfte der neunziger Jahre. Ob diese Krisen als Übergangsphänomen des Strukturwandels oder aber dauerhaft als Element einer neuen Struktur mit stärker ausgeprägten Zins-, Währungs- und Konjunkturrisiken zu betrachten sind, ist noch nicht abzusehen. In der empirischen Forschung besteht aber Übereinstimmung darüber, dass diese Krisen um so eher auftreten und ein um so größeres Ausmaß annehmen, je mehr sich die Banken darauf verlassen, dass sie “too big to fail” sind und dass der Staat sie im Zweifel nicht fallen lassen wird. In einigen der genannten Fälle, so etwa in den skandinavischen Ländern, erwies sich dann die Übernahme der gescheiterten Banken durch den Staat als ein allzu großer Brocken, so dass dem Fiskus jegliche Fähigkeit abhanden kam, der Rezession der Wirtschaft entgegenzuwirken.”

Sowie in Monopolkommission (2004), Textziffer 31:

Für Deutschland ist hier daran zu erinnern, dass das Wechselspiel von Bankenkrise und Währungskrise im Sommer 1931 maßgeblich mit bestimmt wurde durch die Politik der Großbanken mit Zweigstellennetzen (Deutsche Bank, Danatbank, Dresdner Bank, Commerzbank), die sich in hohem Maße kurzfristig im Ausland refinanziert hatten und eine – im Vergleich zu anderen Instituten – relativ unvorsichtige Liquiditätspolitik verfolgten im Vertrauen darauf, dass die Reichsbank sie wie auch schon in der Vergangenheit bei der Liquiditätsversorgung bevorzugen würde (vgl. I. Schnabel, Macroeconomic Risks and Financial Crisis – A Historical Perspective, Diss. Univ. Mannheim 2003). Im Run der ausländischen Anleger auf Währung und Banken war die Reichsbank nicht mehr in der Lage, diese Erwartung zu erfüllen; die danach ausbrechende Bankenkrise zog eine erhebliche weitere Vertiefung der Wirtschaftskrise nach sich. Die Identifikation von Größe der Banken und Stärke der Banken erwies sich als Illusion, die Privilegierung der Großbanken mit Zweigstellennetzen durch die staatliche Geldpolitik als Aufforderung zu einem Verhalten, dessen katastrophale Folgen das ganze Land in Mitleidenschaft zogen. Die Lehre, die aus dieser Erfahrung zu ziehen ist, ist immer noch aktuell; die Erfahrungen, die andere Länder in den letzten drei Jahrzehnten mit staatlichen Bestandsgarantien und Rettungsaktionen für Banken gemacht haben, zeigen, dass staatliche Privilegierungen großer Finanzinstitute auch heute noch dramatische Folgen haben können. Insofern ist dringend vor einem Engagement zur Schaffung eines “nationalen Champions” im Finanzsektor zu warnen.”

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Literaturhinweise:

Admati, A. / Hellwig, M. (2013), Des Bankers neue Kleider, Was bei Banken wirklich schiefläuft und was sich ändern muss, München

Gries, L. (2018), Commerzbank und Dresdner Bank, Verschluckt, vom 31.08.2018 (https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/commerzbank-dresdnerbank-101.html)

Hellwig, M. (2018), Germany and the Financial Crises 2007 – 2017, Preliminary Draft,
June 2018 (https://www.riksbank.se/globalassets/media/konferenser/2018/germany-and-financial-crises-2007-2017.pdf)

Monopolkommission (2004), XV. Hauptgutachten 2002/2003: Wettbewerbspolitik im Schatten „Nationaler Champions“, Baden-Baden

Muth, R. (2018), Ist die Deutsche Bank eine gesunde, eine kranke oder eine Zombie-Bank?, Wirtschaftliche Freiheit, Blog-Beitrag vom 22.03.2018 (http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=22536)

Ohne Verfasser (2018), BaFin warnt: „Deutschland braucht eine große, globale Bank“, vom 24.08.2018 (https://boerse.ard.de/anlagestrategie/branchen/deutschland-braucht-grosse-globale-bank100.html)

Schnabel, I. / Zimmer, D. (2017), Bankenrettung – Lasst die Banken nicht riesig werden, in: Die Zeit, Nr. 31/2017, vom 27.07.2017 (https://www.zeit.de/2017/31/bankenrettung-finanzkrise-probleme)

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