Ein törichter, schlecht geführter Krieg

Eric Margolis (antikrieg)

Die russische Invasion in die Ukraine war kein Blitzkrieg. Marschall Schukow, der berühmte Panzergeneral der Sowjetunion, würde sich sicher im Grab umdrehen. Wäre Stalin noch im Kreml, hätte man die russischen Generäle und den Verteidigungsminister schon längst erschossen. Damals glaubte man, dass die Rote Armee mit ihren 50.000 Panzern in der Lage sei, durch die Fuldaer Pforte und Zentralösterreich durchzubrechen und innerhalb einer Woche den wichtigen US-Nachschubstützpunkt Rotterdam zu erreichen.

Nach drei Monaten ergebnisloser Kämpfe ist es der russischen Armee gelungen, einige Grenzgebiete in der Ukraine und den wichtigen Verkehrsknotenpunkt Mariupol zu besetzen und die Ukraine von ihrem Zugang zum Schwarzen Meer abzuschneiden. Die für die Ukraine sehr wichtigen Getreideexporte wurden blockiert, was die Wirtschaft des Landes unterminiert, aber keinen entscheidenden Schritt zur Beendigung des Krieges zwischen der selbsternannten unabhängigen Ukraine und ihren westlichen Verbündeten auf der einen Seite und Russland und dem benachbarten Belarus auf der anderen Seite darstellt. Der vorgeschlagene Beitritt Finnlands und Schwedens zur NATO ist ein politischer Rückschlag für den Kreml, bedeutet aber aus militärischer Sicht wenig, da beide Länder seit langem verdeckte NATO-Verbündete sind. Auch die „neutrale“ Schweiz ist ein nicht ganz so heimliches Mitglied der Allianz.

Tatsächlich aber befinden sich die USA und ihre NATO-Verbündeten in einem bösen, verdeckten Krieg gegen Russland, der jederzeit in einen konventionellen und dann nuklearen Konflikt auszubrechen droht. Dieser Quasi-Krieg ist das Ergebnis der Weigerung der USA und der NATO, ihr Bündnis aus dem ehemals sowjetisch beherrschten Osteuropa herauszuhalten und es bis an die Grenzen Russlands zu treiben. Der Konflikt hat gefährliche Probleme wieder zum Leben erweckt, die auf das Ende des Ersten Weltkriegs zurückgehen, als die siegreichen Briten und Franzosen zusammen mit den leichtgläubigen Amerikanern versuchten, die Landkarte Europas zu verändern. Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland wurden weite Teile ihres Territoriums entrissen, was bis heute zu gefährlichen Streitigkeiten geführt hat.

Was ist heute mit Russlands heutiger Armee, die einst der Schrecken Europas war, nicht in Ordnung? Erstens: Sie ist zu klein. Schon früh ordnete Präsident Wladimir Putin an, die Größe der damals riesigen russischen Streitkräfte erheblich zu reduzieren. China tat dasselbe. Das war in Friedenszeiten in Ordnung, aber nicht für die Kriegsführung. Russland schickte nur 100.000 Mann, um die Ukraine zu besetzen und zu unterwerfen, ein riesiges Gebiet von der Größe Westeuropas. Ich vermute, dass Putins Ziel darin bestand, wichtige Grenzregionen zu annektieren und dann die auf Unabhängigkeit bedachte Ukraine isoliert und in großer wirtschaftlicher Not zurückzulassen. Der zu erwartende Wirtschaftskrieg des Westens gegen Russland würde durch die wirtschaftliche/finanzielle Notlage des Westens und seiner Vasallenstaaten wie Ägypten teilweise abgemildert werden.

Ein russischer Luftangriff auf die Hauptstadt Kiew scheiterte kläglich an westlichen Spezialkräften und an einer neuen Lieferung von Panzerabwehrwaffen für den Spitzenangriff. Der normalerweise zuverlässige russische militärische Geheimdienst wurde ignoriert. Der zivile Geheimdienst durfte die militärische Kampagne planen, die, wie wir gesehen haben, in eine Pattsituation mündete. Es ist kein Zufall, dass Putin ein ziviler KGB-Geheimdienstoffizier und sein mächtiger Verteidigungsminister Sergej Schoigu nie ein Militäroffizier war. Russlands Streitkräfte litten unter logistischen Problemen. Dies war überraschend, da die sowjetischen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs Meister der schnellen Nachschubunterstützung wurden. Dies war ein faszinierendes Thema, mit dem ich mich während meines Dienstes in der US-Armee – wo ich auch Militärstrategie und -geschichte unterrichtete – eingehend beschäftigt habe. Krieg ist zu wichtig, um ihn Zivilisten zu überlassen.

Wie sieht es mit der Luftmacht aus, die als die Königin der Schlacht gepriesen wird? Davon war in der Ukraine nicht viel zu sehen. Die NATO wagt es nicht, offen in der Ukraine zu intervenieren, und zwar aus dem guten Grund, dass Russland wahrscheinlich mit taktischen Raketen gegen NATO-Luftwaffenstützpunkte und große Waffendepots zurückschlagen wird. Willkommen im Dritten Weltkrieg. Konvois mit Panzern, gepanzerten Fahrzeugen, Versorgungslastwagen, Treibstoff und Soldaten sind legitime Ziele für Russlands taktische Raketen, insbesondere für die präzisen Iskander-Raketen. Aus Angst vor dem Verlust wertvoller Kampfflugzeuge, die es sich nicht leisten kann, hat das klamme Russland seine Luftangriffe auf ein bescheidenes Maß beschränkt – ein Problem, das ich auch in Afghanistan erlebt habe, wo die tödlichen US-Stinger-Raketen die russische Luftwaffe in Schach hielten.

Wir haben bisher großes Glück gehabt, dass es noch nicht zu einem umfassenden Zusammenstoß zwischen den USA und Russland wegen der Ukraine gekommen ist, einem Land, das für die Vereinigten Staaten keinerlei Bedeutung hat, für Russland jedoch von grundlegender Bedeutung ist. In der Flut der antirussischen Propaganda vergisst man leicht, dass die Ukraine 1990 noch ein fester Bestandteil der Sowjetunion war. Oder dass die USA einen Staatsstreich in der Ukraine inszenierten, der ein US-freundliches Regime an die Macht brachte, das heute mit der Faust nach Moskau schlägt. Die US-Geheimdienste und die NATO hatten ungewöhnlich schnell gehandelt und die Ukraine mit modernsten Panzer- und Flugabwehrwaffen sowie riesigen Mengen an Munition aufgerüstet. Allein die militärische und wirtschaftliche Hilfe der USA für die Ukraine belief sich auf über 40 Milliarden Dollar.

Es besteht kein Zweifel, dass Russland den Informationskrieg in der Ukraine verloren hat. Die Massenmedien des Westens haben als Amen-Chor für das Kiewer Regime gewirkt. Die Ukraine ist zu einem weiteren „tapferen kleinen Belgien“ geworden, wie es im Ersten Weltkrieg bekannt war. Biden hat soeben 40 Milliarden Dollar mehr an US-Militär- und Wirtschaftshilfe angeordnet, zusätzlich zu den etwa 25 Milliarden Dollar, die Washington zur Stützung der Regierung in Kiew ausgegeben hat. Zweifellos werden weitere Milliarden benötigt werden.

Unterdessen beschuldigen das amerikanische, britische und kanadische Fernsehen Russland massiver Kriegsverbrechen in der Ukraine. Als die USA in wichtige Teile des Irak, Syriens, Libyens, Jemens oder Somalias einmarschierten und sie zerstörten, gab es kaum solche Berichte. Afghanistan wurde fast 20 Jahre lang verwüstet, wobei schwere B-52-Bomber eingesetzt wurden, um Dörfer und Städte zu zerstören. Alle Kriege sind ein Verbrechen an der Menschheit. Es gibt keine „guten“ Kriege.

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Ein törichter, schlecht geführter Krieg
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6 Kommentare

  1. Folgendes stimmt:

    „Wir haben bisher großes Glück gehabt, dass es noch nicht zu einem umfassenden Zusammenstoß zwischen den USA und Russland wegen der Ukraine gekommen ist, einem Land, das für die Vereinigten Staaten keinerlei Bedeutung hat, für Russland jedoch von grundlegender Bedeutung ist. In der Flut der antirussischen Propaganda vergisst man leicht, dass die Ukraine 1990 noch ein fester Bestandteil der Sowjetunion war. Oder dass die USA einen Staatsstreich in der Ukraine inszenierten, der ein US-freundliches Regime an die Macht brachte, das heute mit der Faust nach Moskau schlägt. Die US-Geheimdienste und die NATO hatten ungewöhnlich schnell gehandelt und die Ukraine mit modernsten Panzer- und Flugabwehrwaffen sowie riesigen Mengen an Munition aufgerüstet. Allein die militärische und wirtschaftliche Hilfe der USA für die Ukraine belief sich auf über 40 Milliarden Dollar.“

    „Es besteht kein Zweifel, dass Russland den Informationskrieg in der Ukraine verloren hat. Die Massenmedien des Westens haben als Amen-Chor für das Kiewer Regime gewirkt. Die Ukraine ist zu einem weiteren „tapferen kleinen Belgien“ geworden“, wie es im Ersten Weltkrieg war, als die Presse behauptete die Deutschen würden den kleinen belgischen Kindern die Hände abschneiden. Diese Aussage ist Quatsch. Der Informationskrieg geht gegen Rußland schon seit 25 Jahren, als der russische Verbündete Jugoslawien zerstört wurde. Der Informationskrieg war schon vorher dem Einmarsch unisono, genauso wie Corona unisono war und ist.

    Der Autor mutmaßt über russische Anfangs-Irrtümer, die letztlich niemand genau weiß außer Putin selbst, und die er nur von den verlogenen anglo-zionistischsen Massenmedien abgeschrieben haben kann.

    • Ich denke, im Hintergrund, ist es durchaus ein Messen der Kräfte, die allerdings einseitiger Provokation entspringen … Jetzt (zum guten Schluß?) werden Waffen geliefert, die auch Rußland territorital erreichen könnten … in der Unterstellung, sie würden nie als solche benutzt werden … darauf einen Dujardun! Das ist alles so lächerlich und durchschaubar …

  2. Also, wenn man nur von falschen Annahmen ausgeht …
    Wenn man rtde.team glauben kann, dann sind es ukrainische Minen, die den Wasserweg zur Ausführung von deren Weizen blockieren … Und, wer hat gesagt, daß Rußland die gesamte Ukraine besetzen wollte? Ein Beitrag für die Tonne!

      • Sehe ich auch so, lohnt sich auch gar nicht zu kommentieren, absoluter Müll, hatte mich hinterher geärgert, daß ich meine Zeit mit dem Lesen dieses Artikels verschwendet habe.

  3. Hier mal zwei Beiträge zum aktuellen Stand im Ukraine Krieg:

    https://www.youtube.com/watch?v=UcQ9-asg8gg
    https://www.youtube.com/watch?v=0RRdxyIYOjk

    Es sieht so aus, als wenn die Ukraine der russischen Artillerie nichts entgegen zu setzen hat und nach zwei Monaten Zermürbung und hohen Verlusten, nun die Ukraine weder genug ausgebildete Truppen noch genug Material hat, um den Donbass halten zu können.

    Die Russen haben den Durchbruch geschafft und die Ukrainer haben Einheiten, die für Wachdienst vor irgendwelchen Lagerhäusern trainiert und ausgerüstet sind, nun den schwer bewaffneten Russischen Verbänden entgegen gestellt.

    Und nun gibt es massenweise Videos von Verbänden, die sich nicht verheizen lassen wollen, wenn sie z.B. ohne jede Artillerie oder Panzerabwehrwaffe mit Waffen aus dem 1. Weltkrieg Russische Panzer stoppen sollen und gleichzeitig weder mit Wasser noch mit Nahrungsmitteln versorgt werden…

    Wie löst man solche Probleme als Ukrainischer Präsident? Richtig in guter Tradition versucht man ein Gesetz durch zu bekommen, nach dem dann solche Leute bestraft oder erschossen werden können… Das gab es auch schon beim Volkssturm. Dem hat man aber immerhin noch Panzerfäuste gegeben…

    Dummerweise hat das ukrainische Parlament da zumindest noch nicht mitgespielt.

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