Ein Stillstand des Verstandes

Robert C. Koehler (antikrieg)

 In einem Verzweiflungskampf der Dummheit sperrt die Regierung zu.

Nur ein Teil wird zugesperrt, natürlich. Der Teil, der offen bleibt, ist der Teil, der sich im Krieg befindet. „Die Uniformträger unter euch bleiben im normalen Dienst,“ sagte der Präsident. „Die Bedrohungen unserer nationalen Sicherheit haben sich nicht geändert, und wir brauchen euch, damit ihr bereit seid für den Eventualfall. Laufende militärische Operationen, wie unsere Bemühungen in Afghanistan, werden fortgesetzt.“

Wie ich einmal bemerkte, gibt es so etwas wie ein entspanntes Land nicht. Es kann zusperren, was es richtig macht, wenn auch schwerfällig, etwa Menschen mit Nahrung zu versorgen, ihnen Bildung zu geben und ihnen bei Schwierigkeiten zu helfen, aber es wird sein räuberisches Identitätsgefühl nur abschalten in einem Zustand der totalen Unterwerfung durch einen grösseren Räuber. Es nie dazu kommen zu lassen, ist seine endlose Obsession.

Das ist der durchtriebene, primitive, irrationale Teil der Regierung: ihre Reptilhirn-Funktion. Die ist noch immer in voller Funktion. Wir sind weiter dabei, Länder der Vierten Welt zu überfallen, zu bombardieren und zu terrorisieren und weltweit sinnlos Metadaten zu sammeln. Wir „vollenden“ noch immer unsere „Mission“ in Afghanistan. Wir lassen nur die Funktionen der Regierung auslaufen, die einen Wert haben. Vielleicht sollten wir über ein Abschalten der Vernunft reden.

Es ist grotesk, dass die irrationalen Funktionen der Regierung üblicherweise unter dem Titel „Sicherheit“ laufen, obwohl sie natürlich nichts mit vernünftiger Sicherheit zu tun haben. Vor vier Jahrzehnten beschrieb Norman Mailer in ‚Miami and the Siege of Chicago’ die irrationale Sicherheit, die die nationalen politischen Verhaltensmuster des Landes umgab: „… Helikopter, die über einem herumfahren wie Achterbahnen, Polizisten mit Magnums an ihren Hüften, Motorräder, dennoch keine reale Sicherheit, nur Mächte der Vergeltung.“

An dieses Zitat musste ich denken, als ich vor kurzem von Miriam Carey hörte, der jungen Mutter mit psychischen Problemen, die mit ihrem Auto in eine Sperre vor dem Weissen Haus geriet und in der folgenden Verfolgungsjagd in der Nähe des Kapitols in einem Hagel von Polizeikugeln getötet wurde.

Brittney Cooper schrieb von kurzem in Salon: „Unter anderem ist Careys Tod ein abschreckendes Beispiel für das, was in einem Land passieren kann, das systematisch diejenigen ignoriert, denen es schlecht geht. Man fragt sich, ob sie all die soziale Unterstützung bekommen hat in einem Land, das nicht nur glaubt, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung mehr ein Privileg ist als ein Recht, das aber geistige Krankheit auch stigmatisiert.“

Cooper fährt fort, dass Careys Tod „vor dem Hintergrund eines Angriffs der Regierung auf kämpfende und gefährdete Mütter steht“ und einer „irrationalen Obsession mit terroristischer Bedrohung, übersteigerter Überwachung marginalisierter Gesellschaftsbereiche und einem Mangel von Einfühlungsvermögen für die schwächsten von diesen, wobei das alles mit einer Angst vor braunen Menschen zusammenhängt.“

Der Regierungs-Stillstand lässt das um einiges besser erkennen als die normale Situation. Während wir darauf warten, dass die schwerfälligen, schwer beeinträchtigten Kräfte der Rationalität sich wieder Geltung verschaffen, macht es Sinn, die Aktivitäten zu beobachten, die in dieser gemachten politischen Krise funktionieren, weil diese in erster Linie das sind, was wir ändern müssen.

Wir stecken noch immer fest mit einer Regierung, die glaubt, dass ihre Rolle darin besteht, uns zu definieren, anstatt auf uns zu hören. Eine Demokratie sollte anders sein, aber wir verehren Macht und entschlossenes Vorgehen in diesem Land um ein Vielfaches mehr als wir den „Stillstand“ verehren, der oft genug das ist, als das der langsame Prozess einer gewaltfreien Konfliktlösung erscheint.

Wenn unsere Massenmedien etwas für den demokratischen Prozess übrig hätten, hätten die politischen Räuber eine ernsthafte Überprüfung ihrer Handlungen, aber die ganze alte Rechtschaffenheit bricht zusammen. Die konzerneigenen Massenmedien sind immer verzweifelt auf der Jagd nach der grossen Schlagzeile. Hörer oder Leser an sich zu ziehen ist viel wichtiger, als über Neuigkeiten mit Tiefgang, Mitgefühl oder Ernst zu berichten.

So wurde ein NPR-Bericht über die neulichen Operationen der Sonderkommandos der Vereinigten Staaten von Amerika in Libyen und Somalia mit dem Enthusiasmus eines nicht länger gelangweilten Zehnjährigen gebracht. „Präsident Obama beschloss, etwas zu unternehmen – und so geschah es,“ schwärmte Weisses Haus-Korrespondent Ari Shapiro.

In Libyen wird ein bedeutender übler Bursche gefangen. In Somalia wurde ein weiterer übler Bursche von Navy-SEALs getötet oder auch nicht. Das ist wichtig, denn wenn solche Dinge nicht geschehen, „dann könnten sich Alliierte und Gegner Amerikas zu fragen beginnen, ob der Präsident und die Vereinigten Staaten von Amerika schwach sind – am Platz angefroren,“ sagte Shapiro. „Mit diesem Hintergrund beginnen die Aktionen in Libyen und Somalia wie ein wichtiger Auftrieb für Obama auszusehen …“

„In einer weiteren Abweichung von der Norm wurden diese Wochenend-Aktionen von Leuten in beiden Parteien gelobt.“

USA! USA! Wir sind noch immer Raubtier Nummer eins da draussen. Vielleicht Tausende von amerikanischen Kindern wurden ausgeschlossen von Vorschulklassen, wie Zoe Carpenter in The Nation schreibt. Vielleicht neun Millionen Frauen und Kinder haben jetzt keinen Zugang zu Lebensmitteln und Kindermilch durch das Women, Infants and Children Program, und inländische Gewaltprogramme und Notunterkünfte müssen zusperren, aber was hat das mit nationaler Sicherheit zu tun?

Diese Programme haben natürlich alles mit nationaler Sicherheit zu tun, aber nicht genügend von uns haben das schon begriffen. Die Macht fliesst in Richtung Vernunft mit entmutigender Langsamkeit.

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