Drei Ebenen der Krisenvorsorge

Ist Selbstversorgung die Lösung?

Kurz zum Autor: Ich heiße Jaromir Ctrnacty, bin 32 Jahre alt. Seit drei Jahren betreibe ich den Shop Krisenvorsorgeshop Sicherstadt (www.sicherstadt.de).

Krisenvorsorge ist ein ganz wichtiges und aktuelles Thema. Man soll vorbereitet sein, man soll sich vor dem kommenden Crash schützen und möglichst unabhängig sein. Doch was versteht man unter diesem Begriff eigentlich? In diesem Artikel schauen wir uns das Konzept der Krisenvorsorge genauer an und versuchen eine Antwort auf die Frage zu finden – Ist eine umfassende Krisenvorsorge möglich, ohne sich von der Gesellschaft trennen zu müssen, ohne Aussteiger zu werden?
Es gibt zwar keine offizielle Wikipedia-Definition von Krisenvorsorge, doch ich glaube, dass man bei Krisenvorsorge drei Ebenen unterscheiden kann. Am Anfang sei noch vermerkt – wir reden hier über physische Krisenvorsorge, nicht über die finanzielle (Gold, Silber,…).

1) Krisenvorsorge durch Produkteinkauf – die meisten aktiven “Vorsorger” gehören in diese Gruppe. Sie wissen, dass irgendwie vorbereitet zu sein wichtig ist. Einfach gesagt: überhaupt nichts zu Hause zu haben ist dumm. Man hat aber auch seine Arbeit, seine Hobbys, seine Familie – und damit sehr wenig Zeit um sich mit dem Thema zu befassen. Dann kauft man also wenigstens einige passende Vorräte und Produkte ein (Wasserfilter, Notrationen, Kurbelradio). Zwar gibt man mehrere Hundert Euro aus, das Thema ist dann aber vom Tisch und man hat schon ein Notpaket, an den man bei Bedarf zurückgreifen kann. Immerhin – 95 Prozent der Menschen in Deutschland kommen nicht mal so weit. Falls Sie also schon irgendwie vorgersorgt haben, gehören Sie zu den Menschen mit der größten Weitsicht. Glückwunsch.

2) Krisenvorsorge durch Selbsthilfe – ein paar Vorsorger sind vielleicht noch einen Schritt weiter gegangen, indem sie nicht nur Produkte und Lebensmittel einkaufen, sondern in der Lage sind die Lebensmittel selbst zu verarbeiten – Getreide zu lagern, Mehl zu mahlen, Brot zu backen, Obst, Gemüse und Fleisch zu dörren und zu lagern, verschiedene Lebensmittel zu einkochen und zu konservieren. Klar, man braucht dann auch entsprechend mehr Zeit und das Ganze muss schon teilweise zu Hobby werden. Man kann aber viel Geld sparen und auch das Niveau an Unabhängigkeit ist dann höher, als wenn man nur fertige Produkte einkaufen muss.

3) Krisenvorsorge durch Selbstversorgung. Selbstversorgung muss nicht unbedingt heißen, dass man zum Aussteiger wird und sich von der Gesellschaft isoliert. Es heißt einfach nur – man ist dazu fähig mit eigenen Mitteln zu überleben, wenn es nötig ist. Man muss also eigene Lebensmittel anbauen, nicht nur einkaufen oder verarbeiten.

Selbstversorgung und moderne Gesellschaft. Wie passt das zusammen?!

Eine interessante Idee – sich selbst zu versorgen. Es ist leider viel einfacher gesagt als getan. Man müsste dann sein bisheriges Leben aufgeben, wahrscheinlich auch die Stadt verlassen, seine Hobbys grundsätzlich ändern… oder doch nicht? Ich persönlich bin ein Stadtmensch und ich genieße die Vorteile eines solchen Lebens. Die Supermärkte, die Unterhaltungsmöglichkeiten, die Freunde, die ich hier habe. Ich will NICHT zum Aussteiger werden. Aber doch möchte ich mich auch selbst versorgen können, wenn es mal nötig ist. Also, was nun? Unten biete ich ein paar Regeln an, die eine (Teil)Selbstversorgung in einer Stadt für mich möglich machen. Sei auch gesagt, dass ich noch am Anfang des Experimentes bin und dass es erfahrenere Menschen als mich gibt, was die Selbstversorgung betrifft. Aber immerhin – ich habe schon etwas herausgefunden:

  1. Auf Fleisch verzichten. Man kann auch ohne Fleisch leben, offensichtlich. Tiere muss man füttern, dann töten, zerlegen, das Fleisch dann verarbeiten, kochen oder konservieren, lagern… viel zu kompliziert.
  2. Möglichst viele Kalorien auf kleinstmöglichem Raum anbauen. Tomaten und Salate kann man zwar einpflanzen, die helfen aber nicht viel, wenn man Hunger hat. Man braucht Essen, keine Beilagen und Salate. Kalorien und Eiweiße.
  3. Solche Pflanzen wählen, deren Früchte man einfach und lange lagern kann und die nicht kompliziert verarbeitet werden müssen.
  4. Solche Pflanzen wählen, für die man kein Grundstück braucht, die man auch alternativ anbauen kann. Nicht jeder hat ja einen großen Garten oder ein Feld.

Also, gibt es so was überhaupt? Viele Kalorien, einfach lagerfähig, einfach verzehrbar, ohne Grundstück „anbaubar“? O ja. Kartoffeln und Stangenbohnen.

Kartoffeln – lassen sich entweder im Boden anbauen, im Eimer oder einfach im Sack. Wenn man eine geeignete Sorte wählt, kann man den Sack im Laufe der Saison immer wieder hochkrempeln und etwas mehr Erde zuschütten. Die Kartoffeln wachsen dann in „Schichten“ übereinander, man treibt seinen kleinen Garten quasi in die Höhe, weil man auf der Veranda wenig Platz hat. Wenn man Kartoffel Ende April einpflanzt und dann wieder Ende Juli, kann man bis Oktober zweimal ernten. Und nicht zuletzt – es reicht dann die Knollen auszugraben, 15 Minuten zu kochen und fertig, einen guten Appetit. Nichts mit mahlen, Teig machen, Brot backen… Gut gelagert (kühl, trocken) halten die Kartoffeln mehrere Monate lang.

Stangenbohnen – aus einer einzigen Bohne wird eine 2-3 m hohe Pflanze, die auch einem unerfahrenen „Farmer“ locker einen Ertrag von 0,5 kg bringt. Da es sich um eine Rankpflanze handelt, braucht man für den Anbau wirklich wenig Platz. Das Lagern ist noch einfacher als bei Kartoffeln. Und außer Kalorien gewinnt man mit Bohnen auch reichlich Eiweiße und Vitamine.

Klingt bisher gut, oder? Es reichen also ein paar Säcke Kartoffeln und zehn Bohnenpflanzen irgendwo auf dem Balkon, um Selbstversorger zu werden? So einfach ist es leider nicht. Schauen wir mal, ob die Zahlen stimmen.
Man braucht pro Tag ca 2000 kcal, um nicht zu hungern. Ein Kilo Kartoffeln enthält ca 800 kcal, ein Kilo Bohnen enthält ca 1500 kcal (je nach Sorte). Also braucht man theoretisch ca 3 kg Kartoffel oder 1,3 kg Bohnen pro Tag und Person. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man mit 2 Kartoffelsäcken rechnen, um 3 Kilo Ernte zu bekommen und mit 3 Bohnenpflanzen. Wenn man einen Balkon oder eine Veranda mit 6 m2 Fläche hat, kann man hier theoretisch 24 Kartoffelsäcke haben (4 pro Quadratmeter) und ca 20 Bohnenpflanzen an der Wand (Abstand 15 cm). Wenn alles klappt, bekommt man schließlich 10 kg Bohnen und 72 kg Kartoffeln (1,5 kg pro Sack mal 24 mal zwei Ernten). Insgesamt also Essen für höchstens 30 Tage. Praktisch werden es weniger sein – es kommen Schädlinge, Fröste, eigene Fehler… aber im Prinzip kann man sagen:
ein Balkon kann Sie mit Essen für 10-15 Tage versorgen. Kein Wunder. Aber für den Anfang auch gar nicht schlecht.

Fazit – Selbstversorger JA. Aussteiger NEIN

Ich habe aus diesen Überlegungen zwei Schlüsse gezogen. Wenn man alle drei Ebenen der Krisenvorsorge kombiniert, ist eine (Teil)Selbstversorgung möglich, selbst in einer Stadt. Und zweitens – man muss nicht und SOLLTE nicht zum Aussteiger werden, man sollte nicht sein Leben aufgeben und die Gesellschaft verlassen. Denn falls es wirklich eine Verschwörung gibt, die uns entmachten und enteignen will, hätten wir dadurch verloren, wir hätten uns verdrängen lassen. Die Lösung ist woanders. Bleiben wir einfach mittendrin, nur stärker und unabhängiger!

(Visited 10 times, 1 visits today)
Drei Ebenen der Krisenvorsorge
4 Stimmen, 5.00 durchschnittliche Bewertung (99% Ergebnis)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


Ich akzeptiere

*