Donald Trump 1987 über Iran: «Marschier ein und nimm ihr Öl»

Donald Trump 1987 über Iran: «Marschier ein und nimm ihr Öl»
Das Bild zeigt Donald Trump im Jahr 1987 bei einem Interview mit der Journalistin Barbara Walters in der ABC-Sendung 20/20; Quelle: Facebook-Kanal von Marius Comper

In einem Interview aus den späten 1980ern präsentiert der jetzige US-Präsidenten eine auffällig harte, rohe realpolitische Vorstellung von Außenpolitik: Macht, Militär und wirtschaftliche Interessen werden darin direkt miteinander verknüpft – eine Logik, die im Rückblick frappierend aktuell wirkt.

Quelle: transition-news

Im Jahr 1987 führt die Journalistin Barbara Walters in der ABC-Sendung 20/20 ein Interview mit Donald Trump, der damals noch kein Politiker war, sondern als Immobilienunternehmer in der amerikanischen Öffentlichkeit steht. Das Gespräch findet vor dem Hintergrund wachsender Spannungen im Nahen Osten statt, insbesondere im Kontext des Iran-Irak-Krieges und der Rolle der USA in der Region.

In diesem Interview entwickelt Trump eine bemerkenswert direkte Linie zur Iran-Politik, die erstaunliche Parallelen zum heutigen Vorgehen aufweist. Auf die Frage nach möglichen Reaktionen der USA auf iranische Aggressionen stellt er zunächst eine provokante Gegenfrage:

«Der wahre Übeltäter ist der Iran. Warum könnten wir nicht einfach einmarschieren und einen Teil ihres Öls an der Küste beschlagnahmen?»

Daraufhin fragt Walters:

«Wie würden Sie das machen? Würden Sie die Marines schicken? Würden Sie das Risiko eines Krieges eingehen?»

Trump:

«Lass ihnen den Iran. Nimm dir ihr Öl.»

Als Walters dann nochmal nachhakt, wie eine solche Maßnahme konkret aussehen solle und ob dies einen Krieg bedeuten würde, konkretisiert Trump seine Vorstellung weiter in Richtung einer militärisch-ökonomischen Intervention:

«Wenn der Iran dieses Land das nächste Mal angreift, marschiert ein und schnappt euch eine ihrer großen Ölförderanlagen, und ich meine, schnappt sie euch und behaltet sie.»

Und er fasst seine Grundüberzeugung in eine knappe Formel:

«Wenn man schwach ist, wird es Krieg geben.»

Das Interview ist dabei kein strukturierter außenpolitischer Entwurf, sondern ein konfrontatives Gespräch, in dem Barbara Walters immer wieder kritisch nachfragt, wie solche Vorschläge praktisch umgesetzt werden sollten («Wie soll man da hineingehen?»). Gerade diese Dynamik ist wichtig: Trumps Aussagen entstehen nicht als ausgearbeitete Strategie, sondern im spontanen Dialog, wirken jedoch in ihrer Grundlogik bemerkenswert eindeutig – militärische Stärke wird direkt mit wirtschaftlicher Aneignung verknüpft.

Die Originalaufnahme zeigt zudem, dass der Kontext entscheidend ist: Walters’ Nachfragen sind deutlich skeptisch, teilweise insistierend, und sie zwingt Trump immer wieder zur Konkretisierung seiner hypothetischen Szenarien. Dadurch entsteht ein Gesprächsverlauf, der weniger wie ein politisches Programm wirkt, sondern eher wie ein Gedankenspiel unter Druck – allerdings eines, das zentrale Denkmuster offenlegt: Machtprojektion, Ressourcenpolitik und die Idee, ökonomische Verluste durch territoriale oder infrastrukturelle Kontrolle auszugleichen.

Gerade im Rückblick gewinnt dieses Interview eine besondere Aufmerksamkeit, weil ähnliche Begrifflichkeiten und Denkfiguren Jahrzehnte später erneut im politischen Diskurs auftauchen.

Auch in jüngeren Äußerungen Trumps als Präsident wurde im Kontext der Spannungen mit dem Iran wieder über die strategische Bedeutung iranischer Energieinfrastruktur gesprochen, insbesondere über zentrale Exportanlagen und deren Verwundbarkeit als Druckmittel. Medienberichte verweisen darauf, dass dabei erneut Überlegungen anklingen, iranische Energieanlagen im Konfliktfall gezielt unter Druck zu setzen oder zu «kontrollieren»:

Die Parallele liegt dabei weniger in einer identischen politischen Situation als in der Wiederkehr eines bestimmten Denkrahmens. Sowohl 1987 als auch in späteren politischen Debatten erscheint Iran in dieser Logik nicht nur als geopolitischer Gegner, sondern zugleich als Träger einer strategischen Ressource – Öl –, deren Kontrolle als legitimes Mittel der Machtprojektion gedacht wird.

Bemerkenswert auch, dass Trump das 1987er-Interview selbst auf Truth Social postete, wie etwa Newsweek am 30. März berichtete.

Während das Interview von 1987 jedoch ein spontaner, konfrontativer Austausch zwischen Journalistin und Unternehmer war, bewegen sich spätere Äußerungen im Spannungsfeld realer Regierungsverantwortung und konkreter internationaler Krisen.

So entsteht über fast vier Jahrzehnte hinweg ein bemerkenswertes Echo: Ein ursprünglich hypothetisch formuliertes Gedankenspiel über das «Nehmen von Öl» wirkt im heutigen Kontext nicht mehr nur als rhetorische Provokation, sondern als Teil eines wiederkehrenden geopolitischen Vokabulars, das in aktuellen Konflikten erneut Anschluss findet.

Al Jazeera: «Öl-Logik hinter Trumps Krieg»

Die Parallele liegt freilich weniger in der tatsächlichen Aneignung von Ölanlagen, sondern in der fortbestehenden Vorstellung, dass Energieinfrastruktur ein legitimer Hebel geopolitischer Macht ist. Was 1987 als direkte Inbesitznahme gedacht war, erscheint heute in indirekter Form wieder – als Kontrolle über Exportwege, Einnahmen und Verwundbarkeiten eines zentralen Rohstoffs.

Al Jazeera spricht von einer strategischen «Öl-Logik hinter Trumps Krieg gegen den Iran». Demnach stehe im Hintergrund das Interesse, den globalen Ölfluss zu sichern, weil dieser eine zentrale Grundlage der Weltwirtschaft bildet. Militärische Maßnahmen würden daher weniger darauf abzielen, iranische Ressourcen direkt zu zerstören, sondern vielmehr darauf, Kontrolle über Transportwege und Förderstrukturen auszuüben und so geopolitischen Einfluss zu sichern.

Besonders wichtig seien dabei Engstellen wie die Straße von Hormus, deren Stabilität für den internationalen Energiemarkt entscheidend ist. Insgesamt beschreibt der Artikel den Krieg als Teil einer langfristigen Strategie, mit der die USA ihre Position im globalen Energiesystem absichern wollen. Al Jazeera:

«Im Kern geht es in diesem Krieg darum, den ununterbrochenen Fluss von Öl sicherzustellen, der die Weltwirtschaft antreibt.»

Trump kokettiert bereits 1987 mit Präsidentenamt

Bemerkenswert ist derweil auch, dass sich das 1987er-Interview mit Trump auf eine Rede von ihm bezieht, in der er sagt:

«Da ich für das Präsidentenamt kandidiere, bin ich hier, weil ich es persönlich satt habe, mitanzusehen, wie unser großartiges Land ausgebeutet wird.»

Im Umfeld des Interviews mit Barbara Walters gab es 1987/88 tatsächlich eine Phase, in der Trump öffentlich mit einer Kandidatur liebäugelte. Die New York Times schrieb dazu am 2. September 1987 Folgendes:


Quelle: New York Times vom 2. September 1987, Seite 31

Er trat in mehreren TV-Formaten auf und äußerte sich zunehmend politisch. Er schaltete sogar ganzseitige https://flaglerlive.com/wp-content/uploads/donald-trump-1987-nyt-ad_edited-1.pdf zur US-Außenpolitik. Formal hat er nie offiziell kandidiert. Und so ist seine Aussage «Because I’m running for the presidency» höchstwahrscheinlich rhetorisch oder zugespitzt formuliert und – ein Beispiel für seinen damals schon typischen Stil, Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Quelle:

Youtube-Kanal @LaraTrump-TRV: Trump Speaks Out Against Iran – in 1987! – 2. April 2026

Newsweek: Trump Reposts 1987 Interview Where He Urged Seizing Iran’s Oil – 30. März 2026

Al Jazeera: The oil logic behind Trump’s war on Iran – 18. April 2026

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