Die Woke-Kultur säubert

von Brendan O’Neill (theblogcat)

https://www.spiked-online.com/2021/01/09/the-woke-purge/

Dass Twitter Donald Trump sperrt, ist ein fröstelndes Zeichen der kommenden Tyrannei.

Löschkultur gibt es nicht, so sagen sie. Dennoch: Soeben haben milliardenschwere Kapitalisten, die echt niemand gewählt hat, mit einem Tastenbefehl einen Menschen zum Schweigen gebracht, der immer noch der demokratisch gewählte Präsident der Vereinigten Staaten ist. Mit einem Knopfdruck in ihren riesigen Tempeln der Technologie haben die neuen kapitalistischen Oligarchen aus dem Silicon Valley einen Mann – der vor zwei Monaten die zweithöchste Stimmenzahl in der Geschichte der amerikanischen Republik erzielt hat (74 Millionen Stimmen) – daran gehindert, sich mit seinen Unterstützern (und Kritikern) auf dem neuen Marktplatz des Internetzeitalters zu unterhalten.

Die Löschkultur, sie existiert nicht nur – sie ist das Mittel, mit dem die mächtige, unverantwortliche Oligarchie des Internetzeitalters und ihre unwissenden Cheerleader der liberalen Eliten in den demokratischen Prozess eingreifen und Stimmen eliminieren, die ihnen nicht passen. Die permanente Löschung von Donald Trump durch Twitter bestätigt das.

Das Abschalten des demokratisch gewählten Präsidenten der USA durch die neuen Kapitalisten ist ein sehr markanter Wendepunkt in der Politik und Kultur der westlichen Welt. Wir unterschätzen die Bedeutung dieser einseitigen Säuberung – auf eigene Gefahr. Es zeigt, dass die größte Gefahr für Freiheit und Demokratie nicht von Dummköpfen und rechten Clowns ausgeht, die das Kapitol gestürmt haben, sondern von den technokratischen Eliten, die im Sturm auf das Kapitol eine Gelegenheit sehen, ihre kulturelle Macht und ihre politische Vorherrschaft zu festigen.

Der Twitter-Bannstrahl gegen Trump ist aus mehreren Gründen außerordentlich. Erstens, dies Arroganz. Macht euch nichts vor, dieses Spiel heißt Bosse gegen Demokratie; Konzerne gegen das Volk. Ungemein reiche und abgehobene Eliten bestimmen, welche gewählten Politiker sich Online engagieren dürfen. Im Internet, wo im 21. Jahrhundert der Großteil der politischen und öffentlichen Debatte stattfindet. Wer nicht erkennen kann, wie bedenklich und finster es ist, dass eine Handvoll Big-Tech-Firmen sich quasi ein Monopol über die soziale Seite des Internets gesichert haben und jetzt ihre monopolistische Macht ausnutzen, um zu diktieren, welche politischen Meinungen man in diesen Foren vertreten und ausdrücken darf, der braucht dringend einen Weckruf.

Zweitens ist da Twitters zutiefst verstörende Rechtfertigung, warum man Trump suspendiert hat. Es heißt, dass Trumps Account „Gefahr“ lief, „Gewalt anzustacheln“. Aber die beiden Tweets von ihm, die dort zitiert werden, tun nichts dergleichen. In einem beschreibt Trump seine Wähler als „große amerikanische Patrioten“ und pocht darauf, dass sie in der Zukunft eine „GIGANTISCHE STIMME“ haben werden. Im anderen bestätigt er, dass er der Amtseinführung Bidens nicht beiwohnen wird. Das ist alles. In welchem moralisch verdrehten Universum können solche gewöhnlichen, pompösen Äußerungen Trumpscher Art als Aufruf zu Gewalt interpretiert werden?





Dort, in jenem moralisch verdrehten Universum aus präventiver, vorsorglicher Zensur, das von unseren Techno-Zaren erschaffen wird.Bemerkenswert, dass Twitter sagt, ihre Zensur des Präsidenten beruhe darauf, wie andere Menschen seine Worte lesen und interpretieren könnten. Man sagt, Grund der Zensur sei „ausdrücklich“ die Frage, „wie [Trumps Tweets] auf und außerhalb von Twitter empfangen und interpretiert werden“. Trumps Kommentare „müssen“ im breiteren Kontext „gelesen werden“, wie bestimmte Aussagen „von verschiedenen Zielgruppen mobilisiert werden können“, so verordnet Twitter. Trumps Worte sind also streng genommen nicht das Problem, sondern die Möglichkeit, das Risiko, dass jemand sie auf eine bestimmte Art und Weise interpretieren könnte.

Dies ist ein erschreckender Präzedenzfall für das Internetzeitalter. Es legitimiert ein neues Regime der Online-Zensur, das nicht nur aufrührerische Äußerungen bestraft – was schon schlimm genug wäre – sondern auch normale, legitime politische Äußerungen bestraft, weil andere, nicht benannte Personen oder Gruppen darauf reagieren könnten.

Es gäbe dann kein Ende für das, was zensiert werden könnte. Trans-skeptische Feministinnen, die bereits Opfer von Silicon Valleys „Säuberung der Woke-Kultur“ geworden sind, würden komplett ausgelöscht werden, weil irgendein Idiot ihre intellektuelle, nicht-bigotte Kritik an Genderfluidität als eine Anweisung interpretieren könnte, eine Trans-Person zu schlagen. Christen, die der Homo-Ehe skeptisch gegenüberstehen, Lebensschützer, die über Abtreibung wütend sind, radikale Linke, die sagen: „Zerschlagt das System“ – sie alle könnten potenziell mit diesem neuen Diktat in Konflikt geraten, das besagt, dass wir nicht nur für das verantwortlich sind, was wir selbst denken und sagen, sondern auch für die unzähligen Interpretationen, die jeder andere – vom Mann auf der Straße bis zum verrückten Incel – aus dem macht, was wir denken und sagen.

Auf dieser Basis sollte das White Album verboten werden, da die Songs „Helter Skelter“ und „Piggies“ „von verschiedenen Zuhörern“ zu schrecklichen Zielen mobilisiert wurden – den Morden von Charles Mansons Family. Der Fänger im Roggen? Zensiert es. Erinnert ihr euch nicht daran, wie es Mark David Chapman ‚mobilisierte‘, John Lennon zu töten? Was die Bibel, den Koran und eine beliebige Anzahl politischer Texte und Hymnen betrifft – die Risiken der „Mobilisierung“, die sie darstellen, sind eindeutig zu groß, also sollten wir sie sicherheitshalber auch wegputzen.

Es ist nicht nur Twitter. Mark Zuckerberg (null Stimmen) hatte Trump (74 Millionen Stimmen) bereits auf unbestimmte Zeit von Facebook verbannt. Reddit hat seinen Donald-Trump-Thread geschrubbt. Alle Social-Media-Accounts, die die verrückte Qanon-Verschwörungstheorie verbreiten, wurden gesperrt. Mike Flynn und Sidney Powell sind von Twitter verbannt worden. YouTube verbietet jetzt jedes Video und jeden Account, der sagt, dass die amerikanische Wahl gefälscht wurde. Dies zeigt, wie ideologisch die Silicon Valley Oligarchen geworden sind. Vier Jahre lang haben führende Mitglieder der Medien und der kulturellen Eliten in den USA und Großbritannien gesagt, dass die amerikanischen Präsidentschaftswahlen und das EU-Referendum von 2016 Betrug waren. Dass sie manipuliert wurden, illegitim waren und gekippt werden sollten. Sie werden Zehntausende von Videos auf YouTube finden, in denen Leute sagen, dass die Abstimmung für den Brexit ein abgekartetes Spiel der Russen war oder eine „nicht bindende“ Abstimmung, die betrügerisch in eine anweisende umgewandelt wurde. Die werden nicht heruntergenommen werden. Weil unsere Techno-Zaren offen politische Zensur begehen.

Und dann ist da noch Parler, die libertäre Alternative zu Twitter. Google hat diese Woche die Parler-App aus seinem Store entfernt mit der Begründung, sie kontrolliere die Hetzreden ihrer Nutzer nicht streng genug. Apple droht damit, das gleiche zu tun. All jene, die sagten: „Macht doch einfach eure eigene Social-Media-Plattform“, haben offensichtlich die tyrannische Entschlossenheit der wachen Eliten unterschätzt, „anstößige Sprache“ aus jedem Viertel des Internets zu tilgen. Dies ist eine vollständige Säuberung von jeder Stimme, die signifikant gegen die Weltsicht der anti-populistischen Eliten läuft.





Dass die Linke dies bejubelt, ist eine Idiotie der bemerkenswertesten Art. Sie geben grünes Licht für den gründlichsten Angriff auf die Redefreiheit, den die kapitalistischen Eliten je durchgeführt haben. Sie sanktionieren die Kontrolle der Rede durch Milliardäre. Sie feiern, wie sich Konzernoligarchien direkt in den demokratischen Prozess einmischen. Sie machen einen Fetisch aus privaten Eigentumsrechten und bestehen darauf, dass die Unternehmensrechte von virtuellen Monopolen wie Twitter und Facebook, in diesem Fall ihr Recht, Leute von ihren Plattformen zu werfen, über dem sozialen, demokratischen Gut der freien öffentlichen Debatte stehen.

Ich weiß, dass dies in absehbarer Zeit unwahrscheinlich ist – angesichts des völlig bescheuerten und pseudo-„linken“ Auftretens der Silicon-Valley-Eliten – aber stellt euch vor, wenn die Techno-Zaren irgendwann in der Zukunft entscheiden, dass Bernie Sanders oder irgendein wütender Organisator von Protesten vor dem Google-Hauptquartier „das Publikum mobilisieren“ könnte, um etwas Schlimmes zu tun, und beschließen, sie zu verbieten? Was wird die Linke dazu sagen? Vermutlich nichts. Oder nichts, was ernst genommen werden sollte, da sie geholfen haben, dieses Netz der Tyrannei zu schaffen. Sie haben den Schrei des wahren Radikalen Thomas Paine vergessen:

„Wer seine eigene Freiheit sichern will, muss auch seinen Feind vor Unterdrückung schützen; denn wenn er diese Pflicht verletzt, schafft er einen Präzedenzfall, der bis zu ihm selbst reicht.“

Es gibt eine Gefahr im gegenwärtigen Moment. Sie geht nicht von gehörnten Idioten und rassistischen Drecksäcken aus, die eine Stunde lang durch das Capitol-Gebäude paradierten, sondern von jenen, die diesen verabscheuungswürdigen Vorfall zum Gründungsmythos einer neuen Ära des Autoritarismus der Woke-Kultur machen wollen. Die wirtschaftlichen und politischen Eliten, die entschlossen sind, das populistische Experiment der letzten Jahre zu zerstören, werden fleißig Kriege gegen den „inländischen Terrorismus“ führen, gegen aufrührerische Reden vorgehen, jeden mit „unkorrektem“ Gedankengut aus dem Internet und von den Arbeitsplätzen verbannen und diejenigen auf eine schwarze Liste setzen, die glauben, dass Populismus der Technokratie vorzuziehen ist. Sie tun es bereits. Die Biden-Administration ist noch nicht einmal an der Macht und dies geschieht bereits. Stellt euch vor, wie ermutigt die neuen Oligarchien und ihre wachen Mobs werden, sobald Biden und Co regieren. Haltet euch fest; das ist nur der Anfang der Säuberung.

*

Brendan O’Neill ist Redakteur von spiked und Gastgeber des spiked-Podcasts, The Brendan O’Neill Show. Abonnieren Sie den Podcast hier. Und finden Sie Brendan auf Instagram: @burntoakboy

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Die Woke-Kultur säubert
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4 Kommentare

  1. 29.09.2000 – Steward Swerdlow: "Wir wissen Jetzt, wie die moslemischen Fundamentalisten weg sollen. Da bleibt nur noch die USA als Problem einer globalen Weltregierung, und die Lösung haben sie schon: ein finanzieller Kolaps! USA wird in Distrikte aufgeteilt werden. New York City – das Heim der UNO – wird eine Internationale Zone." – Kein Link mehr, aber DAS WIRD HIER BESTÄTIGT:
    http://s.wsj.net/public/resources/images/P1-AO116_RUSPRO_NS_20081228191715.gif
    http://online.wsj.com/news/articles/SB123051100709638419

    • Die Karten des Zerfalls der USA gibt es schon lange und jetzt nicht unbedingt im Zusammenhang mit dem Great Reset.

      Es ist einfach so, dass es völlig unterschiedliche Gebiete gibt, die politisch immer weiter auseinander driften. Das spiegelt sich auch in der Konfrontation zwischen unterschiedlichen Teilen des Establishments wieder, die in der Trumpzeit populär sichtbar wurde.

      Diese Unterschiede vertiefen sich weiter und die Idee, dass die USA auseianderbrechen könnten oder werden, könnte sich halt auch an wesentlich politschen Fragen entzünden.

      Es gab auch irgendwo noch detailierte Erklärungen zu den Karten. Der nördliche Teil ist geprägt von weissen Amerikanern. Im Süden sind es dagegen immer Latinios, die Mehrheit stellen. Und in den Metropolen an der Ost- und Westküste ist ein Mix hoher Repräsentation von Schwarzen.

      Und diesen Gebieten, dem postestanitschen landwirtschaftlichen Norden, dem immer katholischer werdenden Süden und den "linken" Metropolen, die sich mit Gender und Sozialismus beschäftigen, gibt es kaum Gemeinsamkeiten. 

      Die Frage ist halt nur, wie lange die Prozesse brauchen und ob jetzt eine Finanzkrise mit einer geschwächten Zentralmacht, die Staaten zur Abspaltung ermuntert, oder ob die dann nicht mit anderen Problemen beschäftigt sind…

  2. Es zeigt sich das längst Vermutete: Politik wurde nur selten von Politikern, sondern nahezu ausschließlich von Weltkonzernen und der mit diesen verwurzelten Finanz"industrie" gemacht. Wer etwas "gesetzter" ist, kann sich sicher noch an den Flick-Skandal der 70-Jahre erinnern. Da waren sie fast alle drin, die feinen Herren der Politik und haben sich schmieren lassen bis zum geht nicht mehr.
     
    Und der Aufdecker des Skandals, ein standhafter Finanzbeamter, wurde dafür gestraft. Wer am Hebel des Steuers sitzt, bestimmt die Richtung. Jeglicher Glaube an Recht, Gerechtigkeit, Menschenrechte oder gar Demokratie sind pure Hirngespinste.
     
    Man spürt aber auch beim Lesen der Nachrichten, wie in immer weiteren Kreisen der Bürgerschaft purer Hass gegen Behörden und den sogenannten Staat aufsteigt. Denke, das wird böse enden. Man hört auch nichts von den explodierenden Zahlen häuslicher Gewalt und Selbstmorde.
     
    Selbstmorde – OK, das muss jeder selbst entscheiden. Aber die häusliche Gewalt in einer Zeit, wo Zusammenstehen täglich wichtiger wird, das verstehe ich gar nicht. Man darf nie vergessen: Umso mehr Leute zusammen auftreten, umso höher ist deren Macht.
     
    Scharren wir unsere Lieben und Bekannten um uns für das, was bevorsteht. Heute hetzen sie die Polizei auf uns und morgen das Militär. Und ob die heute noch sagen, wir schießen nicht auf's eigene Volk, wage ich zu bezweifeln. Wes Brot ich ess', des Lied ich sing.

  3. Eine Diktatur kann nicht mehr durch Wahlen entfernt werden.

    Es bleibt einzig die rumänische Lösung!

    Dies ist nun kein Aufruf zur Gewalt, wie es heutzutage hingedreht wird.

    Diese Aussage ist nichts anderes als meine private Meinung, die jeder teilen kann, aber nicht teilen muss.

    Doch wird die Zukunft diese Aussage vollumfänglich bestätigen.

    Amen!

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