Die westliche Allianz zerfällt

Zum Antikriegstag haben wir einen Artikel des Wirtschaftswissenschaftlers Peter Koenig übersetzt, in dem er ausführt, warum die NATO über kurz oder lang zerfallen wird.

Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein

LP 098/19 – 01.09.19 (luftpost)

 

Von Peter Koenig

Global Research, 02.08.19

( https://www.globalresearch.ca/western-alliance-falling-apart/5685408 )

Seit Imran Khan (s. dazu auch https://de.wikipedia.org/wiki/Imran_Khan ) im August 2018 der 22. Premierminister Pakistans, wurde, hat sich der Wind gedreht. Seine Vorgänger ha ben sich zwar auch schon überwiegend nach Osten orientiert, sind aber immer wieder zwischen den USA und China hin und her gependelt. Khan hat sich für den Osten und besonders für China entschieden. Das ist gut für Pakistan, gut für den Mittleren Osten und gut für die ganze Welt.

Vor ein paar Tagen hat RT berichtet, dass China – zusätzlich zur Erweiterung des neuen Hafens Gwadar in Belutschistan (s. unter https:// de.wikipedia.org/wiki/Gwadar ) – mit Pakistan außerdem den Bau eines neuen Militärflugplat-zes und einer neuen chinesischen Stadt für rund eine halbe Million Menschen vereinbart hat. Zusätzlich sollen im Rahmen eines Projek-tes zu Verbesserung des Eisenbahn- und Straßennetzes eine Autobahn zwischen den Städten Karatschi (s. https://de.wikipedia.org/wiki/ Karatschi ) und Lahore (s. https://de.wikipe-dia.org/wiki/Lahore ) gebaut, der Karakorum Highway (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Kara-korum_Highway ) von Hasan Abdal (s. https://

de.wikipedia.org/wiki/Hasan_Abdal ) bis zur chinesischen Grenze erneuert und noch 2019 eine Eisenbahnlinie zischen Karatschi und Peschawar fertiggestellt werden, auf der Züge mit einen Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h fahren können.

Durch den Ausbau der rückständigen pakistanischen Transportinfrastruktur wird nicht nur das Bruttoinlandsprodukt Pakistans um 2 bis 3 Prozent ansteigen, dadurch entsteht auch ein neuer Transportweg für Erdöl und Erdgas aus dem Iran. Außer per Schiff durch die Straße von Hormus können beide Energieträger jetzt auch mit der Bahn zu dem neuen Hafen Gwadar gebracht werden, der übrigens auch ein neuer chinesischer Flottenstützpunkt ist. Von Gwadar aus können iranisches Erdöl und Erdgas ungehindert nach China, Afrika und Indien verschifft werden. Über das verbesserte Straßen- und Schienennetz können die Energieträger sogar auf dem Landweg nach China gelangen.

Durch diese Infrastrukturverbesserungen und mehrere mit Erdöl betriebene Kraftwerke lässt sich auch die chronische Energieknappheit in Pakistan beheben, und Pakistan kann in die chinesische Belt an Road Initiative (BRI, s. dazu auch https://de.wikipedia.org/wiki/ One_Belt,_One_Road ), die Neue Seidenstraße, einbezogen werden. All diese Maßnah-men finden im Rahmen des Projektes China-Pakistan Economic Corridor (CPEC, s.https://de.wikipedia.org/wiki/China-Pakistan_ Economic_ Corridor ) statt, das 2015 bei einem Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping vereinbart und in 51 Vorverträgen im Wert von insgesamt 46 Milliarden US-Dollar festgehalten wurde. Pakistan hat sich da-mit endgültig aus dem Einflussbereich der USA entfernt.

Die Kosten der bereits in Bau befindlichen oder geplanten CPEC-Vorhaben werden heute auf über 60 Milliarden US-Dollar geschätzt. Rund 80 Prozent dieser Kosten werden durch Investitionen mit beträchtlicher pakistanischer Beteiligung finanziert; China streckt 20 Pro-zent der Kosten zu besonders günstigen Bedingungen vor. Dass Pakistan zu einem engen Verbündeten Chinas geworden ist, schränkt natürlich die führende Rolle der USA im Mittleren Osten ein.

Die von Washington angestrebte Vorherrschaft über den Mittleren Osten schwindet schneller als erwartet dahin. Zum gleichen Ergebnis kommt auch Michel Chossudovsky in seiner Analyse „US Foreign Policy in Shambles: NATO and the Middle East. How Do You Wage War Without Allies?“ (Die US-Außenpolitik ist ein Scherbenhaufen: Wie wollen die USA und die geschwächte NATO ohne Verbündete im Mittleren Osten in dieser Region Krieg führen? die unter https://www.globalresearch.ca/us-foreign-policy-shambles-nato-middle-east/5684713 aufzurufen ist.)





Vor einigen Tagen hat die Bundesrepublik Deutschland die Aufforderung Washingtons abgelehnt, sich an einer US-geführten Marinemission in der Straße von Hormus zu beteili-gen, mit der angeblich die Durchfahrt der Öltanker durch diesen vom Iran kontrollierten schmalen Seeweg gesichert werden soll. In Wirklichkeit geht es dabei nur darum, unter Androhung von Waffengewalt die nicht unter westlichen Flaggen fahrenden Öltanker zu kontrollieren und iranische Öllieferungen an Staaten zu verhindern, gegen die der Westen Sanktionen verhängt hat.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hat letzten Mittwoch in der polnischen Haupt-stadt Warschau erklärt, die gegenwärtige Krise im Persischen Golf könne „nicht mit militä-rischen Mitteln gelöst werden“; deshalb habe Berlin die Aufforderung Washingtons abge-lehnt, sich der von den USA, Großbritannien und Frankreich geplanten „Operation zum Schutz des Seeverkehrs in der Straße von Hormus vor iranischen Angriffen“ anzuschlie-ßen.

Diese Idee haben Washingtoner Kriegsfalken entwickelt, nachdem der Iran völlig legal den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker „Stena Impero“ (s. https://www.vesselfin-der.com/de/vessels/STENA-IMPERO-IMO- 9797400-MMSI-232010294 ) festgesetzt hat, weil er ein iranisches Fischerboot gerammt hatte. Dabei wurde die Wochen vorher vermut – lich von den USA angeordnete illegale Kaperung des iranischen Tankschiffs „Grace I“ (s. unter https://www.marinetraffic.com/de/ais/details/ships/shipid:287957/mmsi:249173000/ vessel:GRACE%20I ) in spanischen Gewässern von der Küste Gibraltars völlig ignoriert. Die Mannschaft der Grace 1 ist zwar inzwischen wieder frei, das Tankschiff ist aber immer noch von den Briten beschlagnahmt: Darüber berichten die westlichen Medien nichts, sie beschäftigen sich nur mit der Kaperung des britischen Tankers in der Straße von Hormus. (Infos zur weiteren Entwicklung sind nachzulesen unter http://parstoday.com/de/news/ world-i48570-grace_1_wurde_aufgrund_internationaler_gesetze_umbenannt , https://ww-w.welt.de/politik/ausland/article198759531/Iranischer-Supertanker-Grace-1-unterwegs-in-Richtung-Griechenland.html und https://www.nrz.de/politik/iranischer-tanker-adrian-darya-1-faehrt-in-richtung-tuerkei-id226877503.html )

Die Bundesrepublik Deutschland setzt sich weiterhin für die Einhaltung des 2015 vereinbarten Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA, s. https://www.consilium.europa.eu/ de/policies/sanctions/iran/jcpoa-restrictive-measures/ ) ein. Weil die USA vor einem Jahr

einseitig aus diesem Abkommen ausgestiegen sind, werden die Deutschen nicht an der Seite der USA im Persischen Golf intervenieren.

Das NATO-Mitglied Türkei, das wegen seiner strategischen Bedeutung und der Stärke seiner Armee von besonderer Bedeutung für die NATO ist, wendet sich immer stärker dem Osten zu und könnte schon bald ein Verbündeter Russlands werden, denn es hat die Warnungen Washingtons vor dem Ankauf des innovativen russischen Flugabwehrsystems S-400 einfach ignoriert. Wegen „Kollaboration mit dem Feind“ und der Annäherung an Russland haben die USA die Wirtschaft der Türkei bereits durch Manipulation der türkischen Währung bestraft: Der Wert der türkischen Lira ist seit Anfang 2018 um rund 40 Prozent gefallen. Auch deshalb bemüht sich die Türkei – wie der Iran – darum, Mitglied der Shanghai Cooperation Organization (SCO, s. dazu auch https://de.wikipedia.org/wiki/ Shanghaier_Organisation_f%C3%BCr_Zusammenarbeit ) zu werden.

Für die NATO ist die Türkei de facto bereits zur „Lame Duck“ (s. https://de.wikipedia.org/ wiki/Lame_Duck ) geworden. Sollte sie bald offiziell aus der NATO austreten, wäre das ein gewaltiger Rückschlag für die Allianz, weil auch andere europäische NATO-Mitglieder auf die gleiche Idee kommen könnten. Das wird nicht über Nacht passieren, aber von der Möglichkeit, aus der NATO auszutreten (s. https://www.dw.com/de/wie-man-aus-der-nato-austritt/a-44648154 ), könnten demnächst noch weitere NATO-Mitglieder Gebrauch machen.

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Sicherheit und die wirtschaftliche Zukunft Europas nur durch die Orientierung nach Osten zu garantieren sind. Europa braucht unbedingt bessere Beziehungen zu Russland, zu Zentralasien und letztendlich auch zu China.

Die sind besonders dann notwendig, wenn der Brexit Realität wird – was aber noch keineswegs sicher ist. Für den Fall, dass es dazu kommen könnte, hat Großbritannien bereits einen bilaterale Handelsvertrag mit China vorbereitet, der unterzeichnet werden soll, wenn Großbritannien die EU verlässt.

Wird auch der zuverlässigste US-Verbündete Großbritannien das sinkende Schiff USA verlassen? Das ist nicht besonders wahrscheinlich, denn die Briten haben schon immer versucht, auf zwei Hochzeiten zu tanzen. Das haben sie von ihren Herrn und Meistern in Washington gelernt, die ihrerseits von den in Jahrhunderten gesammelten Erfahrungen der britischen Kolonialmacht profitiert haben.

Ein von den USA angezettelter Krieg des Westens gegen den Iran ist deshalb eher unwahrscheinlich, denn es steht zu viel auf dem Spiel – vor allem weil die USA im Mittleren Osten keine zuverlässigen Verbündeten mehr haben, die ihnen die Drecksarbeit abnehmen würden.

Die Drohungen und ärgerlichen Provokationen der USA und einiger ihrer europäischen Verbündeten werden noch einige Zeit anhalten – aus Propagandagründen. Denn einpacken und einfach verschwinden gehören nicht zu Uncle Sams Stärken. Die NATO ist aber schon lange nicht mehr, was sie einmal war. In Wirklichkeit fällt sie gerade auseinander, und der Iran weiß das auch.

Peter Koenig ist ein Wirtschaftswissenschaftler und geopolitischer Analyst. Er ist auch Ex-perte für Trinkwasser und Umweltschutz. Er hat mehr als 30 Jahre lang für die Weltbank und die Weltgesundheitsorganisation rund um die Welt in den Problemfeldern Trinkwasser und Umweltschutz gearbeitet. Er hält Vorlesungen an Universitäten in den USA, in Europa und in Südamerika. Er schreibt regelmäßig für Global Research. Information Clearing House, RT, Sputnik, PressTV, The 21st Century, TeleSUR, The Saker, The New Eastern

 

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Die westliche Allianz zerfällt
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4 Kommentare

  1. Die westliche Allianz zerfällt

     

    Schön wäre es. Allerdings glaube ich dies erst, wenn es tatsächlich passieren sollte.

    Aber es wäre ein Jubeltag, wenn dieser Massen mordende Verein namens NATO endlich verschwinden würde.

    • Dem kann ich mich nur anschließen.

      Vielleicht kann man Hoffnung daraus schöpfen, dass die Entwicklung bei den Rändern des Bündnisses beginnt.

      Allerdings bereiten sich die USA gezielt auf das Platzen der Geldblase vor und werden dann gezielt auf Raub- und Einkaufszug gehen und das, was noch deutsch ist, an der Börse aufkaufen.

      Deutschland wird den USA mangels Souveränität sowieso nicht von der Schlachtbank hüpfen (können)… Sichtbarer Terrorkrieg ist in Deutschland zum Glück nicht mehrheitsfähig.

      So bleibt immer nur die in der öffentlichen Wahrnehmung fragmentierbare Unterstützung des Nordatlantischen Terrorpaktes.

      • Lieber Martin,

        "Sichtbarer Terrorkrieg ist in Deutschland zum Glück nicht mehrheitsfähig"

        Würdest Du diesen Satz bitte etwas genauer definieren, speziell "mehrheitsfähig"?

         

        • Sichtbarer Terrorkrieg = z.B. der laufende Völkermord im Yemen, der 1. und 2. Überfall auf den Irak, usw…

          Mehrheitsfähig ist immer die Frage, ob die Gutmenschen in den hinteren Reihen Parteien und auf den Sofas vorm Lügenfernsehen, dann weiter letargisch das Geschehen beobachten oder doch feststellen, dass es gegen ihren Wertekanon so stark verstößt, dass sie auf die Barikaden gehen.

          Deswegen greift die Bundeswehr dann nicht direkt mit an, sondern beurlaubt dann Spezialeinheiten, die sich während des Urlaubs z.B. in Syrien dann unter amerikanischem Kommando befinden.

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