«Die USA finanzierten diese Hochrisiko-Experimente»

Martina Frei (infosperber)

Obwohl der US-Sponsor um die Sicherheitsmängel am Institut in Wuhan wusste, floss weiter Geld in die hochriskante Forschung.

Der deutsche Professor Roland Wiesendanger trägt seit fast drei Jahren Indizien zusammen, die darauf hinweisen, dass das Corona-Pandemievirus aus einem Labor stammt. Im ersten Teil dieses Interviews legte er dar, wie gut vernetzt die Wissenschaftler sind, die diese These zu Beginn der Pandemie sofort vom Tisch gewischt haben, ohne dafür eine Begründung zu liefern. Im folgenden zweiten Teil beschreibt Wiesendanger, was hinter den Kulissen lief. Er gehört zu den Wissenschaftlern, die ein sofortiges Moratorium für die Forschung mit gefährlichen, potenziell pandemie-auslösenden Erregern fordern.

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Chinesische Medien haben wiederholt behauptet, das Virus stamme aus einem US-Labor. Tatsächlich gab es in Fort Detrick, wo das US-Militär mit gefährlichen Erregern experimentiert, im Jahr 2019 gröbere Pannen. Die «New York Times» berichtete im August 2019 davon. Die Forschungsanlage in Fort Detrick musste monatelang stillgelegt werden, nachdem Lecks innerhalb von Labors und Probleme mit der Desinfektion von kontaminierten Abwässern entdeckt wurden. Begonnen hatten die Probleme schon im Mai 2018. 

Es trifft zu, dass es in Fort Detrick immer wieder Laborunfälle gab, auch im Jahr 2019. Dabei ging es aber nicht um Coronaviren. Auch in anderen Laboren der Welt ereigneten sich im Jahr 2019 diverse Laborunfälle. Aber es gibt keinerlei Hinweise, dass das Virus zuerst in den USA ausgebrochen ist. Dies passt auch nicht zu all den anderen Erkenntnissen, die wir haben.

Welche Erkenntnisse zum Labor in Wuhan haben Sie?

Wir wissen aus mehreren unabhängigen Quellen, dass sich eine junge chinesische Wissenschaftlerin in Wuhan zuerst infiziert hat. Diese Nachricht ging in China durch die Social Media. Viele Einwohner in Wuhan litten bereits im Herbst 2019 an COVID-19-ähnlichen Symptomen. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs waren 14 US-Diplomaten in Wuhan vor Ort. Die USA hatten daher sehr frühzeitig Zugang zu wesentlichen Informationen. Aufgrund all der Indizien, die inzwischen bekannt sind, kann es als gesichert gelten, dass es in Wuhan spätestens Ende August, Anfang September 2019 zu einem gravierenden Zwischenfall mit Sars-CoV-2 Erregern in einem Labor kam. In der ersten Oktoberhälfte hat eine chinesische Behörde dann vor Ort eine Untersuchung durchgeführt. Deren Ergebnisse durfte die Welt bisher nicht erfahren. Vom 18. bis zum 27. Oktober 2019 fanden in Wuhan die Militärweltspiele statt. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete von Sportlerinnen und Sportlern, die sich möglicherweise schon damals mit COVID-19 ansteckten.

«Verbreitung weit vor der offiziellen Berichterstattung kann als gesichert gelten»

Die Leitung der deutschen Delegation hat später gegenüber derselben Zeitung aber dementiert, dass es irgendwelche Auffälligkeiten gegeben habe.

Es gibt mehrere unabhängige medizinische Berichte, dass bereits im Herbst 2019 in Italien und Frankreich Menschen an COVID-19 erkrankt sind. Man hat dies erst rückblickend anhand von Lungenaufnahmen und Blutanalysen identifizieren können. Die Verbreitung von Sars-CoV-2 weit vor der offiziellen Medienberichterstattung Ende Dezember 2019 beziehungsweise Anfang Januar 2020 kann damit als gesichert gelten.

Die USA haben in Wuhan Forschungsprojekte in Auftrag gegeben und finanziert. Bereits 2019 berichteten US-Diplomaten von erheblichen Sicherheitsmängeln im Institut für Virologie in Wuhan. Hätte der Sponsor der Experimente in Wuhan, die US-«National Institutes of Health», angesichts dessen da nicht die Reissleine ziehen müssen?

Sicher. Die Verantwortung tragen nicht nur chinesische, sondern auch US-Behörden und US-Wissenschaftler. Die «National Institutes of Health» finanzierten diese hoch risikoreichen Experimente in Wuhan bereits seit vielen Jahren – und zwar auch noch, als sie von den Sicherheitsmängeln Kenntnis hatten. In dem erwähnten Bericht wurde eingehend vor den Sicherheitsrisiken gewarnt, aber diese Forschung wurde weiter finanziert, mit US-Steuergeldern, und dies bis heute. Die US-amerikanische Seite hat umfangreiche Informationen. Sie könnte unglaublich viel zur Offenlegung des Pandemieursprungs beitragen, wie auch Jeffrey Sachs, der Vorsitzende der Lancet-Kommission zu COVID-19 und selbst US-Amerikaner, zuletzt immer wieder betont hat. Aber sie tut es bislang noch nicht.

Zur Person

Roland Wiesendanger
R. Wiesendanger © RWiesend, via Wikimedia Commons CC-BY-SA 4.0

Professor Dr. Dr. h.c. Roland Wiesendanger ist ein dutzendfach ausgezeichneter Wissenschaftler. Der gebürtige Basler schloss sowohl die Matura als auch das Physikstudium und seine Doktorarbeit mit Bestnoten ab. Seit Anfang 1993 ist Wiesendanger Professor für Experimentelle Festkörperphysik an der Universität Hamburg. Er ist unter anderem Mitglied der deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften «Leopoldina», Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften, Ehrendoktor der Technischen Universität Posen und Ehrenprofessor des chinesischen «Harbin Instituts für Technologie». Über 600 Fachartikel hat der Physiker bisher (mit-)verfasst und circa 600 Vorträge in aller Welt gehalten. Durch seine berufliche Tätigkeit verfügt der 61-Jährige über viele Kontakte in aller Welt.

Pandemieübung im Oktober 2019: «Insider waren bereits über den Ausbruch informiert»

Wenn die Geheimdienste angeblich schon im Herbst 2019 wussten, dass da ein gefährliches Virus entkommen ist: Was lief hinter den Kulissen?

Die Existenz der Furinspaltstelle des Sars-CoV-2 Virus war bereits im Herbst 2019 den Geheimdiensten bekannt und zu diesem Zeitpunkt noch als «classified information» kategorisiert. Am 18. Oktober 2019 veranstalteten die Johns Hopkins University, die Bill & Melinda Gates Stiftung und das WEF eine Pandemieübung, das «Event 201». Dabei wurde der Ausbruch einer Coronavirus-Pandemie simuliert, wobei Massnahmen wie Lockdowns und die Beeinflussung der Medien thematisiert wurden. Wir wissen heute, dass dies zu einem Zeitpunkt geschah, als Insider bereits über den Ausbruch des Sars-CoV-2 Erregers informiert waren.

Angenommen, die These, dass das Corona-Pandemievirus aus einem Labor stammt, würde bestätigt: Welche Konsequenzen hätte das?

Dann könnte nach US-Recht wohl nicht nur Anthony Fauci verurteilt werden. Die Republikaner haben die Frage nach dem Ursprung des Sars-CoV-2 Virus zu einem ihrer drei Top-Wahlkampfthemen gemacht. Sie wollen in naher Zukunft umfangreiche Anhörungen vor dem US-Kongress durchführen. Man darf gespannt sein, was nun ab Beginn des kommenden Jahres geschehen wird.

Braucht es angesichts dessen dann trotzdem ein Forschungsmoratorium für gefährliche Forschung mit gentechnisch erzeugten Krankheitserregern, wie Sie und andere Wissenschaftler es fordern?

Ja. Die Virologie hat in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Ein Teil dieser Forschung befasst sich damit, neue Viren im Labor zu erschaffen oder bereits existierende so zu verändern, dass sie für den Menschen ansteckender und tödlicher werden können. Diese Art der «gain of function»-Forschung ist extrem beunruhigend, und die daran beteiligten Wissenschaftler bedenken die Gefahren zu wenig, die sie heraufbeschwören. Da ist ein Umdenken gefordert.

Internationale Aufsicht für die Forschung mit gefährlichen Erregern

Wieso haben Sie sich als Physikprofessor mit der Frage beschäftigt, woher das Pandemievirus stammt?

Durch meine berufliche Tätigkeit habe ich diverse Verbindungen mit Kollegen im asiatischen Raum. Ich war auch beruflich oft in China und in Fernost. So erfuhr ich sehr frühzeitig von dem Ausbruchsgeschehen in Wuhan. Das ging dort von Mund zu Mund. Ab Anfang 2020 habe ich dann umfangreiche Recherchen unternommen, woran am Institut für Virologie in Wuhan geforscht wurde. Im Februar 2020 veröffentlichten zwei chinesische Wissenschaftler auf der Plattform «ResearchGate», einen Artikel, demzufolge das Virus höchstwahrscheinlich aus einem Labor in Wuhan stammte. Diese Arbeit wurde aber sehr schnell wieder vom Netz genommen. Inzwischen sind viele starke Indizien bekannt, die eindeutig darauf hindeuten, dass das Virus in einem Labor in Wuhan erzeugt wurde. Dazu gehört insbesondere ein öffentlich bekannt gewordener Forschungsantrag, der die Absicht der Wissenschaftler dokumentiert, im Wuhan Institut für Virologie so genannte Furinspaltstellen in Coronaviren einzubauen. Die Details dieses Forschungsantrags mit dem Titel «DEFUSE» entsprechen einer Anleitung zur Erzeugung von Sars-CoV-2. Damit wird auf schlüssige Weise erklärt, warum die Coronapandemie gerade in Wuhan im Jahr 2019 ausgebrochen ist, und warum man bei dem Erreger Sars-CoV-2 von Anfang an diese Furinspaltstelle im Erbgut gefunden hat, die ansonsten bei keiner anderen natürlich vorkommenden Coronavirenart der Untergattung, zu der Sars-CoV-2 gehört, vorkommt.

Der Forschungsantrag «DEFUSE» wurde von der Förderorganisation DARPA, die dem Pentagon unterstellt ist, aber mit dem Verweis auf die Risiken abgelehnt.

Unmittelbar nach dieser Ablehnung durch die DARPA hat der Leiter dieses Projekts, Peter Daszak, aber neue Fördermittel für seine Gain-of-function-Forschung gemeinsam mit dem Institut für Virologie in Wuhan erhalten. Sponsor waren die «National Institutes of Health», genauer gesagt die von Anthony Fauci geleitete Unterabteilung.

Was schlagen Sie für die Zukunft vor?

Die Vereinten Nationen sollten die Forschung mit gefährlichen Erregern, die eine Pandemie auslösen könnten, beaufsichtigen und regulieren. Nach dem Vorbild der «Internationalen Atomenergie Agentur» (IAEA) sollte man eine «International Pandemic Pathogen Agency» schaffen, die solche Vorhaben überwacht und notfalls verbietet. Hierzu haben wir kürzlich aufgerufen.

Sie exponieren sich seit über einem Jahr. Gab es Druckversuche von Seiten der Politik oder der Universität Hamburg?

Von Seiten der Universität sicher nicht. Der damalige Präsident hat mich 2021 lobenswerterweise dabei unterstützt, meine Recherchen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Innerhalb der Wissenschaft gilt es allerdings weithin als Nestbeschmutzung, einen Laborursprung und damit die Wissenschaft als Ursache für die Pandemie ins Gespräch zu bringen. Die Frage, ob das Virus aus einem Labor stammt, wird in Wissenschaftsorganisationen nicht offen diskutiert. Man klammert das Thema einfach aus. Das gleiche Verhalten ist von Seiten der Politik zu beobachten.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Professor Wiesendanger.

Man steckt sich vor allem in geschlossenen Räumen an

Red. Am häufigsten kommt es zu Corona-Ansteckungen, wenn sich viele Menschen in geschlossenen Räumen nahekommen, vor allem wenn noch viel geredet, gesungen oder gejubelt wird.
Weiter kommt es darauf an, wie lange man sich und wie nahe man sich in der Nähe von Ansteckenden aufhält.
Häufiges Lüften reduziert das Risiko in solchen Innenräumen. Auch Masken reduzieren das Risiko. In schlecht belüfteten Innenräumen braucht es FFP2-Masken, die gut schliessen.
Regelmässige körperliche Bewegung und ein gesunder Lebensstil sorgen dafür, dass das körpereigene Abwehrsystem gegen Viren besser schützt.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

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