Die Tragikomödie in der Ukraine – Made in the USA

Justin Raimondo  (antikrieg)

Erinnern Sie sich noch an den „unmittelbar bevorstehenden“ russischen Einmarsch in die Ukraine, der vor über einem Jahr stattfinden sollte? Ja, er steht immer noch „unmittelbar bevor.“

Präsident Poroschenko hat gerade angekündigt, dass die Russen eine „ausgewachsene“ Invasion seines Landes unternehmen wollen und dass deshalb das Militärbudget erhöht werden muss, während „Verräter,“ die sich der Einberufung zum Militär entziehen – und die weiterhin seine Regierung kritisieren – hart bestraft werden müssen.

Während nahezu täglich Demonstranten vor dem Parlament in Kiew aufmarschieren, schlägt Poroschenko die Kriegstrommel, um ihren Protest zu übertönen, und redet von der „kolossalen Gefahr,“ die dieser ständig unmittelbar bevorstehende russische Blitzkrieg darstellt. Es ist natürlich nur ein Zufall, dass der demnächst stattfindende G-7-Gipfel – von dem die Russen dezidiert ausgeschlossen sind – mit Gewissheit die bekannte Kriegspropaganda gegen den Krems abbeten wird.

Während die westlichen Medien uns die übliche pro-Kiew-Variante auf die Nase binden, indem sie Poroschenkos Anschuldigungen nachplappern, dass neuerliche Kämpfe von den Rebellen begonnen worden sind, schildern die OSZE-Beobachter eine andere Geschichte: anscheinend begann der Kampf mit dem Beschuss von Dörfern im Rebellengebiet durch die ukrainische Armee, wobei mindestens 19 Menschen getötet wurden. Wenn Sie die OSZE-Website anklicken, finden Sie zwei interessante Fakten: 1) die Beobachter beharren darauf, alle Einheiten und offiziellen Titel der Rebellen in Anführungszeichen zu setzen, und 2) beschreibt der Bericht eine Reihe von Protesten auf dem von der Regierung kontrollierten Territorium, welche hauptsächlich gegen Korruption im öffentlichen Bereich und gegen Preissteigerungen gerichtet sind. Die Eingeborenen werden unruhig.

In der Ukraine, wo Tragödie und Komödie untrennbar miteinander verbunden sind, kommt nie Langeweile auf: die jüngste Tragikomödie spielt´s in der Nachricht, dass Poroschenko den ehemaligen starken Mann von Georgien, Mikheil Saaksahvili, zum neuen Gouverneur von Odessa bestellt hat. Saakashvili und seine Bande mussten aus Georgien flüchten, nachdem sie von empörten Wählern aus dem Amt gejagt worden waren. Saakashvili floh aus dem Land, als Anklage wegen seiner gewaltsamen Niederschlagung von Demonstrationen im Jahr 2007 gegen ihn erhoben wurde. Er wurde auch angeklagt wegen der Unterschlagung von Regierungsmitteln für seinen Eigenbedarf. Die New York Times führt die Anklagepunkte auf, darunter:

„Verwendung öffentlicher Mittel unterem anderem für Hotelkosten für eine Modeberaterin, Hotel und Reisekosten für zwei Modemodels, Botoxinjektionen und Haarentfernung, Miete einer Yacht in Italien und Ankauf von Werken der Londoner Künstlerin Meredith Ostrom, die mit ihrem nackten bemalten Körper Eindrücke auf Leinwand fabriziert.

„Herr Saakashvili wird auch beschuldigt, öffentliche Mittel für das Einfliegen seiner Massagetherapeutin Dorothy Stein 2009 nach Georgien verwendet zu haben. Herr Saakashvili sagte, er habe ‚nur bei einer Gelegenheit’ eine Massage von Frau Stein bekommen, aber Frau Stein sagte, sie habe Euro 2.000 für mehrfache Massagen bekommen, darunter ihre spezielle ‚bite massage.’ ‚Er gab mir einen Haufen Geschenke,’ sagte Frau Stein, die ihre Arbeitszeit zwischen Berlin und Hoboken aufteilt.“

Hilfsgelder aus den Vereinigten Staaten von Amerika fließen weiterhin in die Ukraine, und ein Teil von diesen wird zweifelsohne dem neuen Gouverneur von Odessa für „Massagen” zugutekommen. Ebenfalls fließen in dieses von Krieg zerrissene Land militärische „Berater“ der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie haben die Aufgabe, die ukainische Armee auszubilden, die aus Wehrpflichtigen und Neonazi-Freiwilligen besteht, die eine besonders jämmerliche Figur gemacht haben, als sie es mit den entschlossenen Bewohnern der Ostukraine zu tun bekamen.

Während das Poroschenkoregime weiterhin dissidente Journalisten verhaftet, „Wehrdienstverweigerer“ einsperrt und oppositionelle Politiker vertreibt (von denen viele unter sehr merkwürdigen Umständen „Selbstmord begangen haben“), arbeiten die unerschrockenen Verteidiger der ukrainischen „Demokratie“ in Amerika und Europa auf eine Konfrontation mit Russland hin.

Der Kolumnist der New York Times und unverfrorene Unterstützer des Kriegs gegen den Irak Roger Cohen ist der jüngste Zugang zum Putin-ist-Hitler-Wettbewerb, vergleicht die für 2018 in Russland angesetzte Weltmeisterschaft mit der Olympiade 1936 in Berlin und bejammert die fortschreitende Niederlage des Westens in der Ukraine. In seiner überhitzten Polemik fand sich keine Erwähnung von München, aber ich bin mir sicher, dass er das nur übersehen hat.

Mittlerweile ist trotz der weithin verdammten russischen „Aggression” gegen die Krim noch immer keine Spur von Widerstand von Seiten deren Bewohner zu bemerken: vielleicht hat das zu tun mit der Geschichte der Region, die seit den Zeiten von Katharina der Großen russisch war, bis Nikita Chrustschow sie in der Zeit der Sowjetunion 1951 an die Ukraine anschloss.

Anders als die ruhige Krim befindet sich die Ostukraine in blutigem Aufruhr, da sich die Bewohner weigern, sich der Herrschaft in Kiew zu beugen. Das mag einiges zu tun haben mit den erbarmungslosen Schlägen, die sie vom ukrainischen Militär bekommen haben, welches tausende von Zivilisten mit Angriffen auf Städte und Orte aus der Luft ermordet hat. Kiews Einstellung zu seinen Bürgern in den östlichen Teilen des Landes wurde von Poroschenko prägnant zusammengefasst, der den berühmten Ausspruch von sich gab:

“Unsere Kinder werden in die Schule, in den Kindergarten gehen, während die ihren sich in Kellern verkriechen werden. Das ist es, wie wir diesen Krieg gewinnen werden.“

Seine Äußerung war das erste Mal in der aufgezeichneten Geschichte, dass ein Regierungsführer groß damit angegeben hat, im Krieg gegen Kinder loszugehen.

Poroschenko und seine Hintermänner in den Vereinigten Staaten von Amerika sind entschlossen, das Minsker Abkommen, das von den Deutschen vermittelt worden ist und das bis jetzt eine wackelige Waffenruhe aufrecht erhalten hat, zu Fall zu bringen. Nachdem sich aber die interne politische und wirtschaftliche Situation in der Ukraine dem Siedepunkt nähert, und Kiews rapid steigende Schulden drohen, das Regime zusammenkrachen zu lassen, braucht Poroschenko eine Ablenkung – eine neue externe „Krise“ – um mehr Unterstützung aus dem Westen zu bekommen und um den öffentlichen Ärger gegen den russischen Schwarzen Mann zu lenken.

Obwohl ich nicht genau sagen kann, wie vertrauenswürdig diese gehackeden Emails angeblich zwischen dem Milliardär George Soros und Poroschenko sind, so schockiert es nicht wirklich, wenn der erstere tatsächlich bei der Notenbank lobbyiert, etwas gegen die wachsenden Schulden der Ukraine zu unternehmen. Wir wissen ja schon immer, dass die Steuerzahler in den Vereinigten Staaten von Amerika die umwerfende Rechnung zahlen werden.

Soros war lange ein bedeutender Player im Bereich des Balkan, darauf aus, den Einfluss Russlands zurückzudrängen, seine eigenen beträchtlichen Investitionen zu schützen und Unfrieden zu stiften, wo immer nur möglich. Er war eine bedeutende Finanzquelle für die kriegstreiberischen Gruppen im Kosovo-Krieg und spielt heute wieder die gleiche Rolle. Als bedeutendere Geldquelle für die demokratische Partei ist Soros drauf aus, entscheidenden Einfluss auf die wiederhergestellte Clinton-Administration zu haben – worüber sich die beiden großen Parteien einig sind, da die für die Republikaner zuständigen Neokonservativen auch auf eine Konfrontation mit Putin hingearbeitet haben.

Die größte Bedrohung für Poroschenkos Regierung bilden nicht die Russen oder die Ostukrainer, sondern sein eigenes Volk, das sich unter der Last der aufgebürdeten Sparprogramme aufregt und schwer leidet. Angesichts der unumwundenen Faschisten wie dem Rechten Sektor und dessen Verbündeten, die in den Startlöchern sitzen, würden Poroschenkos Hintermänner im Westen seinen wahrscheinlichen Nachfolger nur ungern akzeptieren, sollte der „Schokoladekönig“ stürzen.

Wie ich bereits an dieser Stelle bemerkt habe, basteln sie deshalb eilig eine weitere fabrizierte „Krise“ im benachbarten Mazedonien zusammen, wo westliche NGOs sich für einen Regimewechsel stark machen, um die vorgeschlagene russische Pipeline zu blockieren, welche Erdgas auf europäische Märkte bringen wird. Das Ziel ist Russland zu isolieren, sowohl wirtschaftlich als auch politisch, und letztendlich die westliche Operation Regimewechsel in das russische Herzland vorzutreiben, um die Herrschaft der Oligarchen wiederherzustellen – ihrer Oligarchen, im Gegensatz zu den Oligarchen Putins – und die energische Kritik des russischen Anführers am Hegemonismus der Vereinigten Staaten von Amerika zum Schweigen zu bringen.

Diese Politik ist völlig gegen unsere nationalen Interessen gerichtet, denen mit dem Beginn eines neuen Kalten Kriegs mit Russland nicht gedient ist. Immerhin stehen die Russen vor der gleichen Bedrohung wie wir: islamischer Terrorismus hat die ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens zerrissen und Tod und Zerstörung nach Russland selbst gebracht. Wir jedoch haben die Islamisten gefördert und ihre tschetschenische Abteilung offen unterstützt, nicht anders als wir islamistische Rebellen in Syrien finanzieren und mit Waffen beliefern – alles im Namen der „Demokratie,“ natürlich.

Das ist eine selbstmörderische Politik, eine, für die es keine vernünftige Erklärung oder Rechtfertigung gibt: aber auch hier gilt, dass das nichts neues ist, wenn es darum geht, Washingtons Motive zu verstehen.

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