Die Lastenverteilung in der Schuldenkrise

Tageskommentar 21. 12. 2012: Dr. Norbert Leineweber,
Die Lastenverteilung in der Schuldenkrise oder: Wie Hedgefonds mit einem blauen Auge davonkommen, genüsslich zwinkern oder auch nicht. Ein Lehrstück, was Börse bedeutet.

Nun es hat einen Hedgefonds gegeben, der hat durch die Griechenlandrettung beim Schuldenrückkauf eine halbe Milliarde Euro verdient.
Wir fragen, ob da was schiefgelaufen ist. Zunächst zitieren wir Prof. Sinn und ergänzen ihn mit blau, wo wir dies als nötig erachten.

„Die EZB hat den Gläubigern der südlichen Staaten gesagt dass im Zweifel die Steuerzahler der noch gesunden Länder für die Rückzahlung ihrer Schulden aufkommen. Ob das gut oder schlecht ist hängt davon ab ob man Finanzanleger oder Steuerzahler ist. Im Grunde geht es in der Eurokrise um einen Verteilungsstreit zwischen drei Gruppen. Es gibt die Länder Südeuropas die sich privat und öffentlich über alle Maßen verschuldet haben.“

Die öffentlichen Schulden stammen aus der staatlichen Überkonsumption der letzten Jahrzehnte, die privaten Schulden aus Fehlallokationen, denen der Staat nicht entgegegewirkt hat, z.B. in der irischen und spanische Immobilienkrise. Hier haben wir ein doppetes Staatsversagen. Dazu muss man sagen: Wer sich das eingebrockt hat, muss eben nach üppigen Jahrzehnten ein Jahrzehnt mit Sparhaushalten hinnehmen. Wieso die EZB auf dem Standpunkt steht, dass die sparsamen Länder für deren Schulden haften ist nicht nachvollziehbar. Und wer auf den Papieren jetzt noch sitzt hat eben Pech gehabt (s.u.).

„Dann gibt es … Gläubiger, also Banken und Investoren aus aller Welt, und schließlich sind da noch die Steuerzahler der noch solventen Länder die man jetzt mit ins Boot holt. Nun ist es so das Gläubiger und Schuldner ein Problem miteinander haben. Die Schuldner können nicht zahlen und die Gläubiger suchen jetzt jemand anderen der an Stelle der Schuldner zurückzahlt. Und das sind am Ende vor allem wir, also die Steuerzahler Deutschlands.“

Bei den Gläubigern handelt es sich zunächst um Banken, die auf faulen Staatspapieren sitzen. Hier sind die Aktionäre durch Kapitalerhöhungen noch nicht adäquat beteiligt, was wir schon mehrfach bemängelt haben. Werden die Banken über den ESM freigekauft, ist der Steuerzahler der, der letztendlich belastet wird. Die Banken haben dann jemanden gefunden, bei dem sie sich schadlos halten.

Und dann haben wir noch die Hedgefonds, und für die nehmen wir den letzten Satz der Bewertung Sinns:

„Wir sind die Verlierer, wir dürfen freikaufen und sicherstellen dass Hedgefonds und Finanzinvestoren keine Verluste erleiden.“

Tja, am Ende bleibt eben nicht der insolvente Staat als Verlierer, der wird schließlich über den ESM gerettet, sondern der Steuerzahler in den noch solventen Ländern, das wird am Ende allein Deutschland sein. Und zwar, weil man noch immer am Euro festhält.

Man mus sich nur die Horrormeldungen vom 20.12. 2012 vor Augen halten: Schuldenschnitt für Zypern und 39 Mrd. für die spanischen Banken, laut FAZ.

Man wird hier die altbewährte Salamitaktik wie in Griechenland verfolgen, um nicht mit großen Zahlen unangenehm aufzufallen. Sagen wir einmal so: Man hat eine erste Tranche mit 39 Mrd. Wenn man bedenkt, dass Zypern vor dem Schuldenschnitt steht, wird das Ausmaß deutlich, das in einem Monat an die Oberfläche kommt: Griechenland 90 Mrd., Zypern 17 Mrd. und Spanien 39 Mrd. Wie lange soll das noch gehen?

Portugal und Spanien sind genauso pleite wie Zypern. Auch für diese Länder wird ein Schuldenschnitt kommen.

Merkel will das bis zur Bundestagswahl unter allen Umständen weggipfeln. Im Euro sind alle Südländer nicht wettbewerbsfähig, d.h. die Krise wird sich noch verstärken. Bei Minuswachstum wachsen die Schulden so lange bis die Eurozone auseinanderfällt.

Hätte man vor zwei Jahren die Südländer aus dem Euro entlassen, stünden sie heute besser da. Das ist der wahre Preis der „Eurorettung.“ Summa summarum kommt allein für dieses Jahr noch ein hübsches Sümmchen zusammen. Daran wir sich aus 2013 nichts ändern.

Bleibt noch die Analyse der Hedgefonds, wobei hier weitestgehend eine Fehlinformation in der Bevölkerung vorliegt. Man muss dazu wissen, dass die Hedgefonds staatliche Papiere irgendwann zu einem Kurs zwischen 80 und 20 (von ehemals 100) gekauft haben. Wie ist das jetzt mit den Gewinnen und Verlusten in dieser Branche? Hier gilt zunächst der Satz:

An der Börse hat das Geld hat immer ein anderer (Hedgefonds):

Tja die halbe Milliarde war diesmal relativ leicht verdient. Das muss aber nicht immer so sein. Es kommt immer darauf an, wie leicht man es den Hedgefonds macht. Die halbe Milliarde ist zwiespältig zu bewerten: Es war eine Wette, ob die Politik das Fass ohne Boden tatsächlich rettet oder nicht. Hierbei betrug die Rettungswahrscheinlichkeit gemessen an der Dummheit der Politiker 100%.

Es konnten Schuldtitel zu 30 zurückgegeben werden.

Tatsächlich ist es aber so, dass der Gewinner-Hedgefonds die Papiere günstiger gekauft hat. Das bedeutet, dass andere Banken oder Anleihebesitzer vorher eine halbe Milliarde mehr Verlust eingefahren haben. Unter dem Strich handelt es sich vom status quo betrachtet um ein Nullsummenspiel. Was der eine gewinnt, hat der andere verloren. Verloren haben die, die auf ein Scheitern der Rettungspolitik gesetzt haben. Es waren also die klugen Köpfe, die abgestraft wurden. Denn Sie haben zu Kursen um die 20 verkauft und kapituliert. Es ist eben ein riskantes Spiel im Bereich zwischen 40 und 20 gewesen. Wer mit vierzig noch ausgestiegen ist, war der Glückliche, das war die letzte Chance. Dann ging es weiter runter. Wenn ein Hedgefonds zu 30 gekauf hat und jetzt zu 30 angedient hat, ist leer ausgegangen. Nur die mit den eisernen Nerven, die sich gesagt haben, dass eine Rettungsmaßnahme kommen würde und bei 20 eingestiegen sind, waren die Gewinner.

Alle anderen waren looser. Es war ein loose – loose Situation. Wenn der ganze Markt von 80 auf 30 fällt, haben alle 50 eingebüßt, zumindest im Schnitt. Wer es da schafft einen Gewinn zu machen ist also nicht anzuprangern. In allen nicht zurückgekauften Papieren geht die Zockerei weiter. Und wenn eine Währungsreform mit 40% Abwertung kommt, hat man eben von den behaltenen 30 nur noch 18 (40% weniger).

Langer Rede kurzer Sinn: Die Hedgefonds sind im Schnitt die Dummen, genauso wie die Banken, weil die noch immer auf den Papieren sitzen. Und solange man deren Papiere nicht ankauft. Da dies aber jetzt im Kurs eingepreist ist, könnte man gleich einen Schuldenschnitt machen, und natürlich gleichzeitig aus dem Euro aussteigen.

Das wäre ehrlich. Aber die Politik scheut davor zurück. Es wäre das Eingeständnis, dass quasi alle 9 Billionen Staastpapiere irgendwie faul sind (eben mehr oder weniger) und die Einführung des Euro ein Fehler war.

Ein Ende mit Schrecken ist die einzige Option, die langfristig den geringsten Schaden bringt.

Wir sagen: Je länger man wartet, desto länger dauert die Krise! Die Rettung über die nächste Bundestagswahl wird die teuereste Bundestagswahl aller Zeiten.

Quellen:

Spaniens Banken erhalten 39 Milliarden Euro (FAZ)

IWF fordert Schuldenschnitt für Zypern (FAZ)

Retter der Hedgefonds (FAZ)

Quelle: fortunanetz

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