Deutsche Bank und Postbank vernichten weitere 6000 Stellen

Von Marianne Arens (wsws)

Bis Ende 2021 soll im Privat- und Firmenkundengeschäft von Postbank und Deutscher Bank jede fünfte Stelle wegfallen. Dies ist Teil der Fusionspläne von Deutscher Bank und Postbank, ließ der Konzern am Wochenende über die Welt am Sonntag bekanntmachen.

Von derzeit rund 30.000 Stellen im Privat- und Firmenkundengeschäft sollen vier Jahre lang jährlich 1500 Stellen abgebaut werden, bis Ende 2021 also 6000 Stellen. Noch in diesem Jahr werden von insgesamt 723 Filialen 188 geschlossen, das ist mehr als jede vierte.

Die Gewerkschaften sind in die Pläne eingeweiht und tragen sie mit. Das geht klar aus der Aussage des stellvertretenden Vorstandschefs Christian Sewing hervor: „Konkrete Maßnahmen zum Mitarbeiterabbau kommunizieren wir immer dann, wenn wir ein Etappenziel erreicht und es mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt haben.“

Die größte und einflussreichste Bankengewerkschaft ist Verdi. Doch sie als „Arbeitnehmervertreterin“ zu bezeichnen, ist blanker Hohn. Die Dienstleistungsgewerkschaft ist fester Bestandteil des Managements und hat die Aufgabe, die Beschlüsse durch Täuschung, Gegeneinander-Ausspielen und Einschüchterung in der Belegschaft durchzusetzen. Die Gewerkschaftsfunktionäre sind über hohe Gehälter, Sitzungsgelder und sonstige Vergütungen eng in das Bankensystem eingebunden.

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske sitzt mit neun weiteren angeblichen „Arbeitnehmervertretern“ im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Er ist gleichzeitig stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Postbank, sowie Mitglied weiterer wichtiger Führungsgremien, zum Beispiel des Verwaltungsrats der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW und des Aufsichtsrats der RWE.

Verdi organisiert nicht nur den Arbeitsplatzabbau, sie unterstützt auch die Auszahlung von Milliarden-Boni an die Investmentbanker. So meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Sonntag, dass die Deutsche Bank „trotz des dritten Jahresverlusts in Folge für 2017 mehr als 2 Milliarden Euro Boni zahlen“ wird. Etwa die Hälfte davon solle an die Investmentbanker ausgeschüttet werden.

„Die Gewerkschaft Verdi, die früher gerne gegen die Millionengehälter der Banker gepoltert hat, stellt sich hinter die Entscheidung des Vorstands,“ berichtet die F.A.Z. weiter und zitiert Jan Duscheck, der bei Verdi für Banken zuständig ist und im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt: „Die Bonus-Zahlungen für die Beschäftigten sind an vertragliche Vereinbarungen gebunden. Wenn diese erfüllt werden, steht ihnen die variable Vergütung rechtlich zu.“

Die Deutsche Bank, das älteste und größte deutsche Finanzhaus mit Niederlassungen rund um den Globus, reagiert mit der Fusion auf eine mehrfache Krisensituation. Ihre Schwierigkeiten gehen auf die Spekulationsgeschäfte vor der Finanzkrise 2008 zurück und sind auch potentielle Vorboten eines neuen drohenden Börsencrashs. Mit dem Handelskrieg und den Spannungen zwischen den USA und Europa werden sich die Probleme noch verschärfen.

Die Deutsche Bank hat die Postbank vor zehn Jahren, im Krisenjahr 2008, aufgekauft. Im März 2015 gab sie bekannt, die Postbank wieder verkaufen zu wollen. Im März 2017, also vor genau einem Jahr, kam die Deutsche Bank dann zum Schluss, dass es für die Postbank keine Käufer gebe. So beschloss sie, die Postbank komplett in ihr eigenes Kleinkundengeschäft zu integrieren und dieses radikal zu dezimieren.

In den vergangenen fünf Jahren sind schon 9000 Stellen abgebaut worden. Im Dezember 2017 sagte Vorstandschef John Cryan der Financial Times, seiner Ansicht nach seien bei der Deutschen Bank die Hälfte der 97.000 Arbeitsplätze „überflüssig“.

Kurz darauf gab der Konzern das erste „Freiwilligenprogramm“ bekannt, in dessen Rahmen tausend Mitarbeiter im Verwaltungsbereich über Vorruhestandsregelungen und Abfindungen „freiwillig“ gehen sollten. Mit dem jüngsten Fusionsbeschluss wird der Arbeitsplatzabbau nun systematisch ausgeweitet.

In einem Interview mit der F.A.Z. räumten im Oktober 2017 die zwei Chefs des Kundengeschäfts, Christian Sewing und Frank Strauß, offen ein, dass ab 2022 mit noch weit größeren Einschnitten zu rechnen sei. Ab 2022 sind betriebsbedingte Kündigungen möglich, denn Mitte 2021 läuft der vertraglich vereinbarte Kündigungsschutz aus.



Auf die Frage, wie viele Arbeitsplätze der Zusammenschluss kosten werde, sagt Sewing der F.A.Z.: „Dazu haben wir einen detaillierten Plan, richtig, wir werden ab 2022 jährlich 900 Millionen Kosten einsparen.“

Die Stellenstreichungen bei der Deutschen Bank und der Postbank kommen mit Entlassungen im gesamten Bankensektor zusammen: Auch die Commerzbank hat den Abbau von 10.000 Stellen angekündigt.

Auch sind Arbeiter in allen Wirtschaftsbereichen – im öffentlichen Dienst, beim Paketdienst, auf den Flughäfen, in der Autoindustrie, bei Siemens, Bombardier, etc., um nur einige zu nennen – von Entlassungen und Lohnsenkungen bedroht.

Sie alle sind bereit, den Kampf dagegen aufzunehmen, wie schon die Warnstreiks im Metallbereich und im öffentlichen Dienst gezeigt haben. Doch der erste Schritt dazu muss der Bruch mit Verdi und den anderen Gewerkschaften sein.

Die Gewerkschaften mit Verdi an der Spitze betrachten die Geschicke der Deutschen Bank und der Postbank vollkommen aus der Perspektive der Aktionäre. Sie stehen im Kampf um Profite, Absatzmärkte und strategischen Einfluss auf der Seite des Unternehmertums und seiner Politiker in der Großen Koalition – und nicht auf der Seite der Arbeiterklasse.

Im selben F.A.Z.-Interview machte Frank Strauß, Chef des Kundengeschäfts der Deutschen Bank, sehr klar, wie unmittelbar die Gewerkschaften in den Stellenabbau einbezogen sind. Sie haben gemeinsam mit dem Vorstand ein sogenanntes „Eckpunktepapier“ ausgearbeitet. Strauß sagte: „Unser Eckpunktepapier mit den Gewerkschaften sieht jedenfalls auch unser Bekenntnis zum sozialverträglichen Stellenabbau und die Möglichkeit für die zügige Umsetzung der von uns geplanten Veränderungen vor.“

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