Der Petro-Yuan: Das Ende des US-Dollars als Weltwährung rückt näher

China und Saudi-Arabien dürften in Zukunft Öl gegen in chinesischer Währung handeln. Die Rede ist bereits vom Petro-Yuan, allerdings findet sich in deutschen Medien darüber kaum ein Bericht.

Quelle: anti-spiegel

Die Macht der USA beruht auf dem Petrodollar, denn solange alle wichtigen Rohstoffe – vor allem Öl – weltweit in Dollar gehandelt werden, besteht eine so große Nachfrage nach dem Dollar, dass die USA weiterhin jährlich Billionen Dollar Schulden machen können, um ihr Militär zu finanzieren, mit dem sie ihre Interessen weltweit notfalls gewaltsam durchsetzen können. Wenn der Dollar seinen Status als Weltwährung verliert, bedeutet das zwangsläufig, dass die USA zahlungsunfähig werden.

Der Dollar und die Sanktionen

Aus diesem Grund sind die USA gegen Libyen oder den Irak vorgegangen, weil diese Länder mit der Idee gespielt haben, ihr Öl nicht mehr für Dollar zu verkaufen. Und auch Russland ist vor einigen Jahren endgültig in Ungnade gefallen, als es an der St. Petersburger Börse angefangen hat, Öl und Gas in Rubel zu handeln.

Aus der Macht des Dollar als Weltwährung rührt auch der Wahn der USA, alle ungehorsamen Länder sanktionieren zu können, denn wenn sie ein Land vom Dollar abkoppeln, bekommt es massive Probleme, Rohstoffe – angefangen bei Lebensmitteln und Medikamenten – zu kaufen.

Aber da die USA inzwischen so viele Länder unter Sanktionen gestellt haben, dass man leicht den Überblick verlieren kann, haben diese Länder angefangen, untereinander eigene Abrechnungssysteme ohne den Dollar zu etablieren, was die Wirkung der Sanktionen untergräbt. Je mehr Länder die USA sanktionieren, desto größer wird die Gruppe der Länder, die Wege finden (müssen), damit ihre Wirtschaft ohne den Dollar funktioniert.

Und da viele, von den USA bisher nicht sanktionierte, Länder befürchten müssen, morgen ebenfalls unter US-Sanktionen gestellt zu werden, ist die Abkehr vom Dollar für immer mehr Länder eine attraktive Perspektive.

Der russische Präsident Putin hat diese Politik der USA 2018 bereits sehr treffend charakterisiert, als er auf einer Podiumsdiskussion danach gefragt wurde, warum Russland sich vom Dollar abwende. Putins Antwort begann wie folgt:

„Wir haben nicht das Ziel, uns vom Dollar abzuwenden, der Dollar wendet sich von uns ab. Und diejenigen, die die entsprechenden Entscheidungen treffen, schießen sich nicht nur ins Knie, sondern etwas höher. Denn eine solche Instabilität in den Abrechnungen in Dollar führt dazu, dass sehr viele Volkswirtschaften der Welt nach alternativen Reservewährungen suchen und vom Dollar unabhängige Zahlungssysteme schaffen.“

Die arabische Emanzipation

2022 hat gezeigt, dass die Araber dabei sind, sich von den USA zu emanzipieren. Das ist ein geopolitisches Beben, das in westlichen Medien kaum Beachtung findet, dabei steht möglicherweise eine echte Zeitenwende bevor.

Die USA haben den Petrodollar in den 1970er Jahren zusammen mit Saudi-Arabien geschaffen, als die Saudis sich im Gegenzug für militärischen Schutz und das Recht auf unbegrenzte Waffenkäufe in den USA bereit erklärt haben, ihr Öl nur noch in Dollar zu handeln.

Dass die Saudis und die anderen Golfmonarchien den USA und dem Westen 2022 demonstrativ die kalte Schulter gezeigt haben, als der Westen um eine Erhöhung der Öl- und Gasförderung gebettelt hat, war daher eine geopolitische Sensation: Die USA hatten ihren Einfluss auf die Araber, den sie in den letzten 50 Jahren als selbstverständlich angesehen haben, verloren.

Noch deutlicher wurde das, als der chinesische Präsident im Dezember 2022 Saudi-Arabien besuchte, denn er wurde – im Gegensatz zu US-Präsident Biden im Sommer 2022 – mit so pompösen Ehren empfangen, wie man es selten erlebt hat. Als Ergebnis wurde eine strategische Partnerschaft zwischen China und Saudi-Arabien beschlossen und es wurde beschlossen, dass Saudi-Arabien anfängt, sein Öl mit China in Yuan zu handeln.

China hat nämlich, das ist kaum bekannt, bereits 2018 einen „Petro-Yuan“ für den Handel mit Öl und Gas geschaffen. Einer der Gründe für die Einführung des Petro-Yuan war, dass Russland, Venezuela und der Iran so in der Lage sein könnten, die US-Sanktionen zu umgehen, und dass Länder wie Saudi-Arabien die Hegemonie des Dollars und Druck der USA vermeiden könnten.

Das Ende des Dollar als Weltwährung

Der Anteil des Dollar am weltweiten Handel und bei den weltweiten Devisenreserven ist aus den genannten Gründen seit Jahren rückläufig. Die Tatsache, dass die Araber nun bereit sind, Öl auch gegen andere Währungen als den Dollar zu verkaufen, wird die Position des Dollar weiter schwächen.

Natürlich bedeutet das nicht, dass die Ära des Dollar morgen vorbei ist, aber selbst westliche Analysten sehen das Ende des Dollar als Weltwährung zumindest mittelfristig kommen.

Ich habe daher zwei aktuelle Experteneinschätzungen zu der Entscheidung Saudi-Arabiens übersetzt, Öl künftig auch in der chinesischen Währung zu handeln. Der erste Bericht ist eine Analyse eines Experten der französischen Großbank BNP Paribas und der zweite Bericht ist von Marketinsider, einer Unterseite des Businessinsiders.

Kommen wir zunächst zu der Analyse von BNP Paribas.

Beginn der Übersetzung:

Internationalisierung des Renminbi – Der Petro-Yuan und die Rolle des Goldes

Wenn Saudi-Arabien beschließt, sein Öl mit China in Renminbi statt in US-Dollar zu handeln, würde das dem Petro-Yuan-Handel, der bereits zwischen China und Russland stattfindet, ein zusätzliches Momentum verleihen. Wenn sich mehr Akteure dafür entscheiden, Öl und andere Produkte mit China in Renminbi zu handeln, könnte die chinesische Währung mit der Zeit international eine kritische Masse erreichen.

Gold ist jedoch ein Schlüsselfaktor für die weitere Entwicklung eines Petro-Yuan-Systems. Ein mit Gold unterlegter Petro-Yuan erfordert keine vollständige Konvertierbarkeit des Renminbi, so dass China gleichzeitig die Kontrolle über seine Kapitalbilanz behalten und die Internationalisierung des Renminbi vorantreiben kann.

Dieses System würde es dem Renminbi ermöglichen, sich im Laufe der Zeit zu einer unabhängigen Anlageklasse zu entwickeln und sowohl die Internationalisierung des Renminbi als auch Chinas eigene Kapitalmärkte auszubauen. Es könnte auch das vom US-Dollar dominierte globale Zahlungssystem SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) stören.

Das Momentum des Petro-Yuan

Präsident Xi Jinping hat Saudi-Arabien im vergangenen Dezember anlässlich des ersten Gipfeltreffens zwischen China und den arabischen Staaten sowie des Gipfeltreffens zwischen China und dem Golf-Kooperationsrat besucht. China ist der weltweit größte Energieverbraucher, während Saudi-Arabien der zweitgrößte Ölproduzent und der größte Ölexporteur der Welt ist. Der Staatsbesuch förderte Chinas Initiative aus dem Jahr 2018, den Ölhandel stärker auf den Renminbi statt auf den US-Dollar umzustellen.

Nach den von den USA verhängten Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs war Russland bestrebt, seine Verwendung des Renminbi zu erhöhen, was der chinesischen Währung und dem bereits florierenden chinesisch-russischen Handel Auftrieb gab (siehe Abbildung 1 im verlinkten Artikel). Russland übernahm Chinas CIPS (Cross-Border Interbank Payment System) für den Ölhandel und umging damit SWIFT.

Wenn sowohl Saudi-Arabien als auch Russland weiter mit China zusammenarbeiten, könnte der Umfang des in Renminbi denominierten Ölhandels, der über die CIPS abgewickelt wird, stark ansteigen. Der viertgrößte russische Ölproduzent, Gazprom Neft, wickelt seit 2015 seine gesamten Rohölverkäufe mit China (ein Drittel seiner Gesamtverkäufe) in Renminbi ab. Länder wie Iran, Venezuela und Indonesien wickeln bereits einen Teil ihres Ölhandels mit China in Renminbi ab.

Das Handelsvolumen und der Spielraum für die Verwendung des Renminbi im internationalen Zahlungsverkehr könnten in dem Maße wachsen, wie mehr Länder das US-Dollar-Risiko diversifizieren. Diese Entwicklung könnte das auf dem US-Dollar basierende globale Finanzsystem mit der Zeit herausfordern, da der Status des Dollars als globale Reservewährung weitgehend auf seiner Bedeutung auf den Energie- und Rohstoffmärkten beruht.

Die schleichende Bedeutung des Renminbi

Einige Marktteilnehmer schätzten zunächst, dass durch die Umstellung des Ölhandels vom Dollar auf den Renminbi monatlich Transaktionen im Wert von 600 Mrd. USD bis 1 Billion USD aus dem Dollar herausgelöst werden könnten.

SWIFT-Daten zeigen, dass der Renminbi im November 2022 (letzte verfügbare Daten) mit einem Anteil von 2,37 % die am fünftmeisten verwendete Währung im weltweiten Zahlungsverkehr war. Das ist ein Anstieg von 2% gegenüber vor zwei Jahren, aber immer noch ein Bruchteil der Zahlungen in USD und EUR (siehe Abbildung 2 im verlinkten Artikel).

Bei einem monatlichen SWIFT-Zahlungsverkehr im Wert von rund 100 Billionen USD würde sich der Anteil des Renminbi derzeit auf etwa 2,37 Billionen USD belaufen. Rechnet man die 600 Mrd. bis 1 Billion USD des Ölhandels hinzu, die in Renminbi abgewickelt werden könnten, würde der Anteil des Renminbi am weltweiten Zahlungsverkehr im SWIFT-System auf 3 % oder mehr steigen. Damit wäre der Renminbi noch vor dem japanischen Yen die viertmeistgenutzte Währung weltweit.

Die Rolle des Goldes

Natürlich wird der Petro-Yuan den Petro-Dollar und das auf dem Dollar basierende Zahlungssystem nicht über Nacht verdrängen. Chinas Strategie, den Renminbi-Erdölhandel mit Gold zu unterlegen, ist jedoch entscheidend für den Aufbau des Petro-Yuan-Systems. Durch die Konvertierbarkeit des Renminbi in Gold wird die Währung für ausländische Renminbi-Besitzer zu einem weltweit investierbaren Vermögenswert, was ihr Vertrauen in und ihre Nachfrage nach der chinesischen Währung stärkt.

Wenn die Strategie, Saudi-Arabien und Russland für die Petro-Yuan-Initiative zu gewinnen, aufgeht, könnten andere Länder folgen. Das könnte tiefgreifende geopolitische und wirtschaftliche Auswirkungen haben, da es die Dynamik des Ölhandels verändern und das geopolitische Gleichgewicht in Richtung China verschieben könnte. Länder könnten in der Lage sein, Wirtschaftssanktionen, die im Rahmen des US-Dollarsystems verhängt wurden, zu umgehen, indem sie den Renminbi und die CIPS verwenden, und so die Fähigkeit der USA schwächen, den internationalen Handel und die Dollarströme zu überwachen und zu beeinflussen.

Eine Renminbi-Anlageklasse

China ist dabei, die Infrastruktur für die Internationalisierung des Renminbi zu schaffen. Das Petro-Yuan-System könnte es Peking ermöglichen, diesen Prozess zu beschleunigen und gleichzeitig die volle Kontrolle über seine Kapitalbilanz zu behalten.

Die Aufrechterhaltung und Ausweitung des Petro-Yuan-Netzwerks bedeutet auch, dass China mehr Gold für einen goldgedeckten Renminbi anhäufen müsste.

Im Laufe der Zeit wird China jedoch neben Gold auch mehr auf Yuan lautende investierbare Vermögenswerte schaffen müssen, um den Anreiz zur Verwendung der Währung zu erhöhen. Eine größere Nachfrage nach dem Renminbi außerhalb des Handels erfordert eine weitere Entwicklung der Onshore-Kapitalmärkte, einschließlich Renminbi-Absicherungsinstrumenten, um große ausländische Geldströme aufnehmen zu können.

Ende der Übersetzung

Nun der Artikel von Marketinsider.

Beginn der Übersetzung:

Während China den US-Dollar mit dem Petroyuan schwächen will, scharen sich die Ölproduzenten um Peking und ist Russland „zu einer asiatischen Nation geworden“, sagt ein Analyst

Während der Dollar in naher Zukunft wahrscheinlich die dominierende globale Währung bleiben wird, wird der Aufstieg des so genannten Petroyuan an Dynamik gewinnen, da China seinen Status als weltgrößter Ölimporteur ausnutzt, sagen Analysten.

Der Dollar ist nach wie vor die wichtigste Währung für den Handel und die Währungsreserven. Doch Peking setzt den Yuan zunehmend als Währung für Ölgeschäfte ein und fordert damit die Führung des Dollars auf den Rohstoffmärkten heraus.

Vor allem der Einmarsch Russlands in die Ukraine im vergangenen Jahr war der wichtigste Grund für die Abkehr vom Dollar, so Viktor Katona, leitender Rohölanalyst bei Kpler.

Als die westlichen Länder Russlands Währungsreserven einfroren und sein Öl mieden, nutzte Moskau Asien als alternativen Rohölmarkt und überholte letztes Jahr Saudi-Arabien als Chinas wichtigsten Öllieferanten.

Tatsächlich ist Russland „eine asiatische Nation geworden, die meiner Meinung nach den Yuan in den groß angelegten Ölhandel eingeführt hat“, so Katona gegenüber Insider.

Und obwohl die Befürworter des Dollars auf sein weit verbreitetes Vertrauen und seine Liquidität verweisen, sei es „naiv zu glauben, dass China nicht versuchen wird, den Ölpreis zu kontrollieren, dass es den Handel nicht in der von ihm kontrollierten Währung abwickeln möchte.“

Das gelte insbesondere, nachdem die aggressive geldpolitische Straffung der US-Notenbank den Dollar im vergangenen Jahr in die Höhe getrieben habe, fügte er hinzu. Da Ölgeschäfte größtenteils in Dollar abgerechnet werden, verteuert ein steigender Dollar die Ölverträge.

Und während der Yuan-basierte Handel mit Russland zunimmt, zielt China auch auf den Nahen Osten, um die Energiemärkte neu zu ordnen.

Während einer Reise nach Saudi-Arabien im vergangenen Monat forderte der chinesische Präsident Xi Jinping die Länder des Golf-Kooperationsrates (GCC) auf, die Shanghai Petroleum and National Gas Exchange zu nutzen, um Energiegeschäfte auf Yuan-Basis abzuschließen. Während des Besuchs unterzeichneten China und Saudi-Arabien außerdem Handelsverträge im Wert von über 30 Milliarden Dollar.

Diese Reise markierte „die Geburtsstunde des Petroyuan“, so Zoltan Pozsar, Analyst bei der Credit Suisse, der erklärte, China wolle Teile der Welt de-dollarisieren, nachdem die Vormachtstellung der Währung gegen Russland eingesetzt worden sei.

Pozsar wies auch darauf hin, dass 40 % der nachgewiesenen Ölreserven der OPEC+ auf Russland, den Iran und Venezuela und weitere 40 % auf den Golfkooperationsrat entfallen.

Letztendlich wird der Petroyuan auch auf regionaler Ebene an Bedeutung gewinnen und viele asiatische Länder dazu zwingen, „ihre Handelsroutinen zu überdenken“, so Katona von Kpler.

Einer der zentralen Grundsätze der chinesischen Rohstoffpolitik sei die strenge Überwachung selbst der banalsten Details des Rohöl- und Devisenhandels, die dazu beitragen könnten, den Einfluss des Landes auf die Energiemärkte zu stärken.

„Es [China] kontrolliert die staatlichen Ölgesellschaften streng und gibt vor, wie viel sie exportieren dürfen. Es begrenzt den Kohlepreis, wenn nötig, und zentralisiert den Kauf von Eisenerz, wenn es das Gefühl hat, dass seine Unternehmen anders behandelt werden“, so Katona.

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