Der faule Rückzug aus Afghanistan

Eric S. Margolis (antikrieg)

Wer sich wundert, wie es in Afghanistan weitergehen wird, braucht nur zu schauen, wie das britische Empire in den 1920ern über den Irak herrschte. Shakespeare schrieb: „was vergangen ist, ist die Einleitung.“ 

Das imperiale Britannien schuf den Staat Irak nach dem Ersten Weltkrieg, um Mesopotamiens riesige Ölvorkommen zu sichern, die für die Marine ihrer Majestät lebenswichtig geworden waren. Um dieses künstliche Land zu kontrollieren, das vor Unruhe brodelte, setzte Britannien den Marionettenkönig Faisal ein und baute eine einheimische Armee auf, die unter dem Befehl britischer Offiziere stand.

Britanniens koloniale Herrschaft wurde durch das anglo-irakische Abkommen 1930 formalisiert, eine Vereinbarung zwischen Marionette und Herr. 

Die wirkliche Macht im Irak lag jedoch bei der königlichen Luftwaffe, der die beiden ständigen Basen in Habbaniyah und Basra „zugestanden“ wurden. Die RAF herrschte unangefochten über die öden Gebiete des Irak. 

Winston Churchill, der Schutzheilige der heutigen kriegslüsternen Neokonservativen, gestattete der RAF den Einsatz von Giftgas gegen „renitente“ Stammesleute im Irak und in Afghanistan. Britannien schuf öffentliche Einrichtungen und politische Scheinparteien, die überhaupt keine Verbindung hatten zur irakischen Bevölkerung, die zum größten Teil ihre britischen Herrscher hasste.

Der britische Irak war der Prolog zum heutigen Afghanistan. Der Erbe des britischen Empire, das amerikanische Imperium, plant den Irakus Britannicus in Afghanistan zu kopieren. 

Der derzeitige von den Vereinigten Staaten von Amerika eingesetzte Herrscher Afghanistans, Hamid Karzai, ein ehemaliger „Aktivposten” der CIA, darf vielleicht nach 2014 bleiben oder wird ausgetauscht gegen einen anderen von den Vereinigten Staaten von Amerika ausgesuchten Präsidenten. Ändert man den Titel Präsident auf König, dann, voila!, haben wir Faisal, den irakischen Hampelkönig. 

Washington sagt, dass es alle Kampftruppen der Vereinigten Staaten von Amerika 2014 abziehen will. Aber lesen wir das Kleingedruckte. Laut heutigem Stand werden 14.000 – 16.000 Soldaten der Vereinigten Staaten von Amerika im Rahmen von sogenannten „Antiterrorismus“-Missionen und zur „Ausbildung“ bleiben – obwohl Washington zugibt, dass es in Afghanistan nicht mehr als 50 Mitglieder von al-Qaida gibt.

Anders gesagt, das alte britische System weißer Offiziere, die einheimische Soldaten kommandieren. Gute $4-5 Milliarden jährlich von den Vereinigten Staaten von Amerika und ihren Alliierten werden gebraucht, um bis zu 400.000 (unter dem Befehl der Vereinigten Staaten von Amerika stehende) pro-Regierungs-Soldaten anzuheuern. 

Diese Söldner werden halbherzig für den Yankee-Dollar kämpfen, nicht für eine Ideologie. Die CIA wird eine weitere Söldnertruppe von rund 2.000 Mann betreiben und eine Flotte von Killer-Drohnen. Dazu kommen noch Sonderkommandos des schattenhaften Special Ops Joint Command (JSOC) der Vereinigten Staaten von Amerika, eine Kopie der Killerkommandos ihrer Majestät, Britanniens verrufenen SAS.

Die anhaltende verborgene Okkupation Afghanistans durch die Vereinigten Staaten von Amerika wird niedergelegt sein in einem neuen Sicherheitsvertrag zwischen Afghanistan und den Vereinigten Staaten von Amerika (siehe den anglo-irakischen Vertrag 1930), einem weiteren Abkommen zwischen Marionette und Fädenzieher, respektabel aufgemotzt durch gefälschte Wahlen und geschmierte Stammesfürsten und eine große Dosis Drogengeld. 

Die Sowjets machten das Gleiche, nachdem sie in Afghanistan einmarschiert waren. Es ist guter alter Imperialismus 2.0.  

Werbefirmen in den Vereinigten Staaten von Amerika werden für einen ständigen Trommelwirbel guter Nachrichten über den Bau von Mädchenschulen und die Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens durch die von den Vereinigten Staaten von Amerika betriebene Regierung sorgen.

Kein Pieps wird zu hören sein über die von den Vereinigten Staaten von Amerika gestützten und bezahlten Stammes- und Regierungschefs, die Afghanistans ständig wachsendes Geschäft mit Morphium und Heroin betreiben. Unter der Kontrolle der Vereinigten Staaten von Amerika ist Afghanistan zum führenden Exporteur der Welt für Heroin und Opium geworden. Die Drogenproduktion stieg im vergangenen Jahr laut UNO um 50%. Drogengeld und Geldwäsche haben die gesamte afghanische Regierung korrumpiert und bilden die größte Einnahme Kabuls, abgesehen von Zuteilungen der Vereinigten Staaten von Amerika. 

Sehr wichtig ist, dass die Vereinigten Staaten von Amerika gerade so wie die Briten im Irak 2-4 Schlüssel-Luftwaffenstützpunkte behalten werden. Bagram, errichtet von den Sowjets, wird das Nervenzentrum der Kontrolle der Vereinigten Staaten von Amerika über Afghanistan bilden. In Afghanistans wasserarmem baumlosen Terrain ist die Luftmacht entscheidend. Ohne ihre totale 24/7-Überwachung des Luftraums wären die Vereinigten Staaten von Amerika nicht imstande, Basen in Afghanistan zu betreiben. Die Luftwaffe der Vereinigten Staaten von Amerika, das Hauptwerkzeug der globalen Herrschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, wird die Himmel über Südasien überwachen und das Hampelregime in Kabul beschützen. Es wird erwartet, dass Indien die laufende Okkupation Afghanistans durch die Vereinigten Staaten von Amerika diskret unterstützt. 

Das ist Plan A. Afghanistan jedoch, zu Recht bekannt als der „Friedhof der Weltreiche,“ hat eine eigene Art, große imperiale Entwürfe zu enttäuschen. Die wilden paschtunischen Stammeskämpfer, mit denen ich in den 1980ern im Kampf gegen die Sowjets unterwegs war, haben der vollen Stärke der militärischen Kraft der Vereinigten Staaten von Amerika und deren Palette von HiTech-Waffen widerstanden, selbst bewaffnet mit nichts als AK-47 Gewehren und einem unerschrockenen Mut. 

Das britische Empire, das vier Mal in Afghanistan einmarschierte, versuchte auch Garnisonen dort aufrecht zu halten – und scheiterte damit völlig. Die laufende Okkupation durch die Vereinigten Staaten von Amerika, neu etikettiert als „Wiederaufbau,“ wird wahrscheinlich genauso scheitern. Bis jetzt hat Amerikas längster Krieg – etwa 12 Jahre – fast $1 Billion, 2.000 tote, 17.000 verwundete Amerikaner und zahllose Tote und Verwundete Afghanen gekostet.

Die Taliban – eine Koalition von Paschtunenstämmen – werden weiter kämpfen, wie sie es immer getan haben. Amerika steht vor einem weiteren Jahrzehnt Krieg, wenn es sich nicht endlich entscheidet, die Niederlage einzugestehen und abzuziehen. 

Warum werden denn die Vereinigten Staaten von Amerika weiterhin Afghanistan besetzen und betreiben? Geopolitik. Basen der Vereinigten Staaten von Amerika tief in Afghanistan werden das lebenswichtige energiereiche Kaspische Becken überwachen. Öl hat auf amerikanische Politiker den selben Effekt wie Katzenminze auf Katzen. 

Washington kann sich nicht dazu aufraffen zuzugeben, dass es in Afghanistan geschlagen wurde – noch dazu von leicht bewaffneten Stammesleuten. Besser weiter bleiben und Sieg vortäuschen, obwohl der Betrieb einer Okkupationsgarnison der Vereinigten Staaten von Amerika in Afghanistan jährlich Milliarden verschlingt. 

Dazu kommt noch, dass westliche Politiker nicht vor ihre Wähler hintreten und zugeben können, dass der Krieg gegen Afghanistan eine idiotische Narretei war, eine Verschwendung von einer Billion Dollars und den Leben ihrer Soldaten. Oder zugeben, dass Taliban nie etwas mit den Attacken des 9/11 zu tun hatten, die von Europa aus vorbereitet worden sind, und nichts davon wussten. Die Wahrheit ist zu schmerzhaft und gefährlich. 

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