Der Fall BER: Mahnmal der Unfähigkeit der Eliten

Mit über zweijähriger Verzögerung soll ein Teil des neuen internationalen Flughafen der Bundeshauptstadt BER im April 2014 endlich in Betrieb gehen –mit zunächst nur drei Abflügen pro Tag, deren Zahl dann gesteigert werden soll. Nun, fürs erste wird es dann einen Flug in die USA und zwei nach Asien geben, vielleicht sogar einen in den Nahen Osten oder nach Indien und einen nach Brasilien. Ermöglicht hat dies fragwürdige „Schönefelder Wunder“ der neue Chef des Flughafens Hartmut Mehdorn.

Das ist aber derselbe Mann, der die Deutsche Bahn in zehn Jahren Vorstandstätigkeit 1999 bis 2009 durch drastische Einspar- und Abbauprogramme in genau den Zustand versetzt hat, den wir derzeit u.a. am Mainzer Hauptbahnhof erleben. Zum Glück, kann man da fast sagen, verhinderte der Ausbruch der globalen Finanzkrise im Juli 2007 den Börsengang der Bahn, den Mehdorn für 2008 geplant hatte. Ob der Berliner Flughafen am Ende der Vorstandzeit Mehdorns besser davonkommt als die Bahn, ist also ungewiß.

Dies ganze Berliner Drama, das genug Stoff für mehrere abendfüllende Fernsehkrimis liefert, hätte vermieden werden können, wäre die politische Führung, die sich für das Projekt BER in Schönefeld entschied, nach der deutschen Wiedervereinigung dem Vorschlag der BüSo gefolgt, nämlich den neuen internationalen Flughafen in Sperenberg auf dem nach Abzug der Russen ungenutzten Gelände des Militärflughafens zu errichten. Die BüSo schlug zudem die Anbindung durch eine Magnetbahnstrecke vor, so daß Passagiere zwischen der Stadt und dem Flughafen in gerade einmal 30 Minuten hätten an- und abreisen können.

Dies wäre ein Teil des ebenfalls von der BüSo geforderten nationalen Magnetbahnnetzes gewesen, das alle größeren deutschen Städte verbinden sollte. In den 90er Jahren war schon die Transrapid-Strecke Hamburg-Berlin in der Diskussion. Dies allerdings gehörte zu den Projekten, die Mehdorn gleich nach Amtsantritt bei der Deutschen Bahn absagte und damit deren revolutionär-technologischen Sprung in das 21. Jahrhundert blockierte. Stattdessen entschied man sich für den Einsatz einer Bahntechnik des 20. Jahrhunderts, die lediglich eine Modernisierung der Technik des 19. Jahrhunderts darstellte.

Mehdorn handelte allerdings nicht im Alleingang, sondern stand immer im vollen Konsens mit kurzsichtigen Pfennigfuchsern in der Regierung und bei den Banken – den politischen und finanziellen Eliten, die schon andere wesentliche Zukunftstechnologien in Deutschland abgewürgt haben: Hochtemperaturreaktor, Schneller Brüter, Sänger-Raumfähre und andere. Ob dies aus reiner Korruption und Dummheit geschah oder weil Deutschland außenpolitisch enorm unter Druck gesetzt wurde, als Preis für die Wiedervereinigung nicht nur den Euro einzuführen, sondern auch sein eigenes technologisch-wissenschaftliches Potential zu zerstören, macht letztlich keinen Unterschied.

Was den Flughafen betrifft, so wäre seine Errichtung in Sperenberg zusammen mit einer Transrapid-Anbindung immer noch möglich, und erst recht – nach der Kette von Schönefelder Desastern – auch immer noch sinnvoll. Aber um wieder als Industrienation vom Boden zu kommen und in eine neue Zukunft „abheben“ zu können, brauchen wir vor allem zuerst die Glass-Steagall-Bankentrennung und dann ein Kreditsystem realwirtschaftlich orientierter Banken und produktiven Staatskredit, so daß langfristige Infrastrukturprojekte wie der internationale Großflughafen einer Bundeshauptstadt gezielt und kalkulierbar durchgeführt werden können.

Was wir hingegen nicht mehr brauchen, sind „Universal“-Banken wie die Deutsche Bank, die mit ihrer Derivateblase von 72 Billionen Dollar – dem 20-fachen des jährlichen Bruttoinlandsprodukts – ein wahrhaft universelles Risiko darstellen.

Quelle: bueso

 

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