Das versteckte Streitobjekt bei der Wiederherstellung von Notre-Dame

Doch eine geplante Handlung für die Tourismus-Branche und die Olympischen Spiele 2024?

von Thierry Meyssan (voltairenet)

Der Elysee-Palast hat das Feuer von Notre Dame de Paris benutzt, um ein Projekt zu vollenden, das in den Akten schlummerte. Er hat neue Regeln aufgestellt, außerhalb der normalen Verfahren für die Angebotsabgabe und des Respektes für das Erbe, nicht um die Kathedrale zu restaurieren, sondern um die [Ile de la Cité]- Insel in den ersten touristischen Ort Europas am Vorabend der Olympischen Spiele im Jahr 2024 zu verwandeln. Um die rechtlichen Einschränkungen zu vermeiden, hat er willkürlich die Hypothese eines Baustellenunfalls durchgesetzt.

Das Feuer der Kathedrale Notre Dame

Als das Feuer von Notre Dame abends am 15. April 2019 begann, haben sich alle französischen und viele ausländische Medien auf die in Brand stehende Kathedrale fokussiert. Viele ausländische Fernseher begannen ihre Nachrichtensendung mit dieser Nachricht, aber nicht France2.

Der öffentlich-rechtliche Sender hatte geplant, seine Nachrichten der angekündigten Rede des Präsidenten Macron zu widmen, welche die „große nationale Debatte“ abschließen sollte. Die Redaktion, die durch diese unvorhersehbare Tragödie und die ausgelöste Bestürzung vollkommen betroffen war, widmete ihre Sendung diesem Ereignis, nicht ohne aber vorher bedauert zu haben, dass der Präsident seine Rede auf unbestimmte Zeit vertagen würde; in den Augen der Redaktion eine viel wichtigere Sache.

Die Gefühlskälte der meisten Journalisten und die Dummheit der ad hoc Kommentare der Politiker haben plötzlich den klaffenden Abgrund gezeigt, der zwischen ihrem geistigen Universum und dem der Franzosen herrscht. Für die herrschende Klasse könnte die Schönheit von Notre-Dame nicht Anlass sein zu vergessen, dass sie ein Denkmal des christlichen Aberglaubens ist. Im Gegenteil, für die Öffentlichkeit ist dies der Ort, wo die Franzosen als Volk zusammen kommen, um sich in stillem Gedenken zu versammeln oder Gott zu huldigen.

In Sachen Kommunikation wird es wahrscheinlich ein Vor und ein Nach dem Brand geben: eine Mehrheit der Franzosen war durch die Katastrophe schockiert und empört über die arrogante Gleichgültigkeit ihrer herrschenden Klasse.

L’île de la Cité und die Tourismus-Branche

Sofort entschied der Präsident der Republik, Emmanuel Macron, Notre-Dame nicht zu restaurieren, sondern ein schwieriges Projekt, das seit zweieinhalb Jahren in der Schublade wartete, durchzuführen.

Im Dezember 2015 war eine Mission durch den damaligen Präsidenten der Republik, François Hollande und die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, finanziell auf den Weg gebracht worden. Sie dauerte ein ganzes Jahr, während Emmanuel Macron Minister für Wirtschaft, Industrie und Informatik war.

Viele Personalitäten haben daran teilgenommen, darunter Audrey Azoulay, damals Minister für Kultur und heute Direktorin der UNESCO [1], oder der Präfekt Patrick Strzoda, damals Kabinettdirektor des Innen-Ministers und heute von Emmanuel Macron.

Sie wurde vom Präsidenten des Zentrums der Nationaldenkmäler, Philippe Bélaval und dem Architekt Dominique Perrault geleitet.

Mit der Feststellung, dass die ’île de la Cité seit ihrer Umgestaltung durch Baron Haussmann im 19. Jahrhundert, ein für die Öffentlichkeit geschlossener Verwaltungskomplex ist, der die Sainte-Chapelle und die Kathedrale Notre Dame de Paris beherbergt, schlug die Mission vor, sie in ein „Insel-Denkmal“ umzuwandeln. Die Gelegenheit dazu kommt durch die Übersiedlung des Gerichtsgebäudes [Palais de Justice], die Reorganisation der Polizeipräfektur und des Hotel-Dieu-Krankenhauses. In der Tat wird möglich werden, alles zu reorganisieren.

Die Mission hat somit 35 koordinierte Projekte aufgestellt, einschließlich der Schaffung von einem unterirdischem Verkehr und der Glasüberdachung von vielen Höfen, um aus der Insel einen obligatorischen Wanderweg für 14 Millionen jährliche Touristen und gegebenenfalls Franzosen zu machen.





Der Bericht der Mission [2] betont den unglaublichen Geschäftswert dieses Projekts, aber sagt kein Wort von dem Wert des Erbes, vor allem dem geistigen, der Sainte-Chapelle und von Notre Dame, den er ausschließlich als touristische Sehenswürdigkeiten, mögliche Einkommensquellen, betrachtet.

Leider konnte dieses ehrgeizige Projekt nach Ansicht seiner Autoren nicht schnell verwirklicht werden, nicht so sehr wegen des Mangels an Finanzierung und komplizierten administrativen Gepflogenheiten und enormen rechtlichen Einschränkungen. Obwohl es nur wenige Einwohner auf der Insel gibt, kann die geringste Enteignung Jahrzehnte dauern. Noch überraschender war, dass der Direktor des Zentrums der nationalen Denkmäler die Unmöglichkeit, einen Teil des Erbes zu zerstören, um einen anderen Teil hervorzuheben, zu bedauern schien. Usw.

Das Projekt der Mission Bélaval/Perrault

Die Wahl des Elysee-Palastes

In den Stunden, die folgten, war es offensichtlich, dass sehr erhebliche Mittel von Spendern, von normalen Bürgern bis hin zu den großen Vermögen, verfügbar sein würden. Das Ziel des Elysees war daher, eine Behörde einzurichten, die sowohl die Rekonstruktion von Notre Dame als auch die Umwandlung der Île de la Cité durchführen könnte.

Am nächsten Tag, am 16. April, während eines TV-Auftritts, erklärte Präsident Macron: „Ja, wir werden die Kathedrale Notre Dame wiederaufbauen, noch schöner, und ich will, dass dies innerhalb von 5 Jahren abgeschlossen wird“. [3]. Übergehen wir das „ich will“, das typische Merkmal, nicht eines gewählten republikanischen Beamten, sondern eines Industriekapitäns. 5 Jahre ist sehr kurz, vor allem im Vergleich zu den 150 langen Jahren des Baus der Kathedrale. Es ist jedoch der für die rechtzeitige Fertigstellung nötige Zeitaufwand für die Touristen der Olympischen Spiele von 2024. Das war das vorhergesehene Datum der Mission Bélaval-Perrault.

Zwei Tage später, am 17. April, wurde die Sitzung des Ministerrats vollends den Folgen des Feuers gewidmet. Drei wichtige Entscheidungen wurden getroffen:
- Den ehemaligen Stabschef der Streitkräfte, General Jean-Louis Georgelin, zu ernennen, um vom Elysee-Palast aus eine speziale repräsentative Mission zu führen, um die „Weiterführung der Verfahren und der Arbeiten, die unternommen werden, zu überwachen „;
- Ein Gesetz vom Parlament verabschieden zu lassen [4], das die Verwaltung der Geldspenden erlaubt, das die Ernennung von General Georgelin, der die Altersgrenze erreicht hat, regelt, und vor allem, das seine Mission von allen üblichen Verfahrens-Geboten, Denkmalschutz-Gesetzen und allen möglichen Abhängigkeiten, die entstehen könnten, befreit;
- Einen internationalen Architekturwettbewerb zu starten, um Notre Dame wieder aufzubauen. Ein weiterer Beschluss wurde gefasst: jegliche Debatte über die Ursache des Feuers zu ersticken, um zu vermeiden, dass eine gerichtliche Untersuchung dieses schöne Projekt stört.

Die Lüge des Staates

Sofort sorgt der neue, durch persönliches Eingreifen von Emmanuel Macron ernannte Staatsanwalt von Paris, Remy Heitz, dafür, dass die kriminelle Spur nicht bevorzugt behandelt wird und, dass das Feuer mit einem Bau-Unfall zusammenhängt.

Diese Zusicherung bewirkt einen Aufruhr unter den Experten des Denkmals, der Feuerwehr, Handwerker und Architekten, für die kein Element der Konstruktion zu solch einem Feuer an diesem Ort und mit dieser Geschwindigkeit hätte führen können.

Das Beharren des Staatsanwaltes und des Polizei-Präfekten, Didier Lallement, zu einem Zeitpunkt Stellung zu nehmen, zu dem noch kein Ermittler vor Ort den Brand untersuchen konnte, zeugt von der Erstellung einer offiziellen Version, die nicht zu langen, den Ort blockierenden Untersuchungen Anlass geben sollte. Es nährt auch die Fragen über die willkürlich beseitigte Spur, einer anti-christlichen oder anti-religiösen Tat, besonders im Zusammenhang mit dem Vandalismus gegen die Kirchen (878 Schändungen in 2017), der Brandstiftung der Kirche Saint-Sulpice am 17. März oder sogar des Brandes der Moschee Al-Marwani auf der Esplanade von Al-Aqsa in Jerusalem.

Da man weiß, dass die meisten großen Brände Teil von Immobilienprojekten sind, muss darüber hinaus die Hypothese einer gewollten Handlung zur Ermöglichung der Umwandlung der Ile de la Cité geprüft werden.

Diese Fragen sind alle legitim, aber in Ermangelung einer Untersuchung ist keine definitive Antwort legitim.

Das Ziel von Präsident Macron ist sicherlich lobenswert, aber seine Methode ist wirklich seltsam. Sicherlich ist es nicht möglich, ein solches Projekt zu starten, ohne die Regeln des Rechts zu ändern, aber wenn die Ernennung eines General-Offiziers von hohem Rang eine Garantie für Effizienz ist, ist sie keine Garantie für das Recht.

Thierry Meyssan

Übersetzung
Horst Frohlich
Korrekturlesen : Werner Leuthäusser

[1] Audrey Azoulay wurde durch Lobbyarbeit von Frankreich gewählt, während die Tradition gebietet, dass ein Land nicht gleichzeitig Gastgeber einer internationalen Institution und ihr Präsident ist, und weil dieser Posten einer arabischen Persönlichkeit versprochen wurde. Mit dem Titel des Direktors hat sie eine Anweisung veröffentlicht, die die Kandidatur der UNESCO erklärt:« Communiqué de l’Unesco sur l’incendie de Notre-Dame de Paris », Réseau Voltaire, 16 avril 2019.

[2] Mission île de la Cité. Le cœur du cœur, Philippe Bélaval et Dominique Perrault, La Documentation française, 2016.

[3] « Discours d’Emmanuel Macron sur la reconstruction de Notre-Dame de Paris », par Emmanuel Macron, Réseau Voltaire, 16 avril 2019.

[4] «Projet de loi pour la restauration et la conservation de la cathédrale Notre-Dame de Paris et instituant une souscription nationale à cet effet», Assemblée nationale, N° 1881, enregistré le 24 avril 2019.[Gesetzentwurf für die Restauration und Konservation der Kathedrale Notre Dame de Paris und Schaffung einer nationalen Spendenaktion]

Das versteckte Streitobjekt bei der Wiederherstellung von Notre-Dame
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7 Kommentare

  1.  Es ist schon erstaunlich wie der Herr Meyssan, quasi im Minutentakt, immer neue Theorien unter das Volk streut!
     Davon abgesehen, daß diesmal auch die Übersetzung geradezu katastrophofurchterbar ist, muß man sich ernsthaft Gedanken über solche, den mainstream dominierende, Gesellen machen!
     Halten solche uns eigentlich für, samt und sonders, dämlich? Frei nach dem Motto, "Was geht mich mein Geschwaätz von gestern an?"

  2. Aha, ein warmer Abruch? Jetzt ist auch plausibel, warum Macron das Zeitziel von 5 Jahren betont hat. Er hätte ja auch sagen können, so schnell als möglich. Da lagen schon Pläne in der Schublade und wahrscheinlich war schon vorher ausgerechnet, wieviel das Projekt kosten würde. Schnell kamen dann enorme Geldspenden zusammen. Vielleicht liegen ja die Bauaufträge an irgendwelche "befreundeten" Unternehmen auch schon in der Schublade? Und da die Restaurierungsarbeiten angeblich noch gar nicht angefangen wurden, macht das auch Sinn. Denn so ist es einfacher einen "Bauunfall" zu deklarieren. Da kann man mal sehen, mit wieviel Dreck diese Leute gewaschen sind. Zum Glück sind keine Menschen zu Schaden gekommen. Sollte die obige Ausführung den Tatsachen entsprechen, bin ich mal gespannt, wie die Franzosen darauf reagieren werden.

    • Angsthase, hast Du zufällig irgendwo gelesen, daß der Papst auch nur einen Euro gespendet hätte? Ich bisher nicht, was auch sehr schäbig, entlarvend und bezeichnend für die Gangster wäre.

      • Das Einzige was ich davon gelesen habe war, dass er wohl nichts spendet, weil die ND französisches Staatseigentum ist. Diese Haltung finde ich mehr als schäbig, es sei denn, er wußte von Macrons Plan, so er denn stimmt.

        • Hmm, okay. Ja, den Zusammenhang meinte ich. Der Vatikan hätte bestimmt genug Geld, zumal es doch um (s)ein "Gotteshaus" geht, dazu noch ein so bedeutendes?

          Nöö, rührt sich nicht. Lieber Musels die Füße küssen und neue, frische Libyer gratis einfliegen lassen wollen! Auch zu den 1000 Kirchenschändungen hat der Pope bisher nichts gesagt, oder? Bei uns werden auch Kirchen besudelt, Weg- und Gipfelkreuze umgekloppt. Das interessiert die alles nicht! Arme Gläubige.

          • Zulu, man könnte es auch anders verstehen. Vielleicht will er das Christentum gar nicht unterstützen. Der Typ ist mir sowieso sehr suspekt. Mein Papst ist der eh nicht mehr, weil ich aus diesem Fischerverein ausgetreten bin.

            • Einen anderen Schluß lässt das auch gar nicht zu, oder. Genau wie der Marx (allein schon der Name) die Schlepper-NGO´s finanziert und die pigmentierten Christenhasser/und Schlächter so emsig ins Land transferiert. Die wollen das so!
              Ist doch offensichtlich. Christen & Moslems rotten sich gegenseitig aus.
              Wer profitiert? Mal wieder der Jud.
              Religion dienen nur zur Lenkung von Massen. Auch nix für mich.

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