Das US-Militär schwärmt über ganz Afrika aus

Von Glen Ford

Mit der Entsendung der 2. Brigade wird ganz Afrika zur Bühne für US-Militäreinsätze.

Anfang dieses Jahres habt die USA mit der Besetzung des ganzen afrikanischen Kontinents begonnen. Diese Entwicklung sollte niemand überraschen, denn die Army Times  berichtete bereits im Juni 2012, daß 2013 eine US-Brigade mit mindestens 3.000 Soldaten dauerhaft in Afrika präsent sein werde. Am Weihnachtsabend gab das Pentagon bekannt, daß 3.500 Soldaten der in Fort Riley in Kansas stationierten 2. Brigade der 1. Infanteriedivision nach Afrika entsandt würden: Angeblich, um die Bedrohung Malis durch Al-Qaida abzuwenden; da die nördlichen Gebiete des Staates Mali von Islamisten beherrscht würden. Diese 2. Brigade soll aber eigentlich die Truppen von insgesamt 35 afrikanischen Staaten trainieren, von denen die meisten bisher keine Probleme mit Al-Qaida hatten. Die USA will zweifellos militärisch in den Konflikt in Mali eingreifen, mit der Entsendung der 2. Brigade wird aber noch eine ganz andere Absicht verfolgt: Ganz Afrika soll zur Bühne für US-Militäreinsätze gemacht werden. Die Situation in Mali ist ein willkommener Anlaß für die schon lange geplante Verstärkung der US-Militärpräsenz in Afrika. Das Pentagon verfolgt das Ziel, die Truppenkommandeure afrikanischer Staaten durch eine umherziehende Brigade der US-Army auf die in Zukunft zu erwartende größere US-Militärpräsenz vorzubereiten.

Das ist eine ganz andere Art der Invasioneher eine Infiltration 
Die Strategie des Pentagons besteht darin, die Beziehungen zu den Streitkräften afrikanischer  Staaten auszubauen, die das in Stuttgart beheimatete AFRICOM, das U.S. Africa Command seit seiner Errichtung im letzten Amtsjahr von Präsident George W. Bush geknüpft hat. Mit seinen Infiltrationsbemühungen hatte das AFRICOM einen phänomenaler Erfolg. Militärisch gesehen ist die Afrikanische Union, die AU, zu einem Anhängsel des Pentagons geworden. Die bisher größte Operation der AU in Somalia wird von der USA finanziert, mit US-Waffen durchgeführt und vom US-Militär und der CIA geleitet. Die 17.000 afrikanischen Soldaten der sogenannten Friedenstruppe in Somalia sind eigentlich sehr schlecht bezahlte US-Söldner. Die in Somalia eingesetzten Äthiopier und Kenianer handeln im Auftrag der USA. Die U.S. Special Forces, die sich in der Demokratischen Republik Kongo, in Uganda, im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik herumtreiben: angeblich auf der Suche nach dem flüchtigen Warlord Joseph Kony, errichten in Wirklichkeit im Zentrum des Kontinents ein Infrastruktur-Netz für das US-Militär. Uganda und Ruanda im Osten des mineralreichen Kongo-Beckens sichern den Konzernen der USA und Europas den Zugriff auf dessen Bodenschätze – auf Kosten von 6 Millionen Kongolesen. Ihre Militärs stehen auf der Lohnliste des Pentagons. Die 16 Staaten der Wirtschaftsgemeinschaft in Nordwestafrika warten darauf, daß die Vereinten Nationen – sprich die USA und Frankreich – die islamistischen Kräfte aus Mali vertreiben. Militärisch sind die westafrikanischen Staaten völlig abhängig. Was aber noch wichtiger ist, nach der Beseitigung Muammar Gaddafis in Libyen fehlt ihnen auch der politische Wille, sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien. Die Soldaten der 2. Brigade der 1. Infanteriedivision, die sich als US-Expeditionskorps einschleichen, werden sich bald als Gäste und nicht als Eindringlinge auf Militärbasen in ganz Afrika eingenistet haben. Diese Gäste werden [zunächst] für ihre Unterbringung bezahlen und US-Waffen für die Armeen afrikanischer Staaten beschaffen, die aber sicher nicht zur Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung dieser Staaten eingesetzt werden.

Drei Generationen nach dem Beginn der Entkolonialisierung werden afrikanische Soldaten wieder unter dem Kommando von Ausländern stehen.  [1]

Wie den Deutschen WirtschaftsNachrichten vom 21. Januar zu entnehmen war, sind die Amerikaner schon seit 2009 in Mali aktiv. Der offizielle Grund wird mit dem Schutz der Botschaft angegeben. Klammheimlich jedoch hat die USA schon seit längerem verschiedene Operationen in Mali gestartet. Die Eskalation durch Frankreich spielt ihnen nun in die Karten. Die US-Truppen hatten demnach das Land nach der Anfang 2012 offiziell beendeten militärischen Zusammenarbeit mit Mali nicht verlassen, sondern haben ununterbrochen geheim im Land operiert. Einem Bericht der Washington Post vom 9. Juli 2012 zufolge ist die USA schon seit Jahren in Mali präsent. Im April 2012 war ein Geländewagen von einer Brücke ins Wasser des Niger gestürzt, in dem die Leichen dreier US-Soldaten gefunden wurden; dies einen Monat nachdem die USA ihre Militärbeziehungen zu Mali offiziell beendet hatte. Die Soldaten gehörten einer geheimen Spezialtruppe der US-Armee an. Das Afrikakommando des US-Militärs sagte, die drei Soldaten gehörten zu der kleinen Zahl von Soldaten, die der malischen Regierung geholfen hatten, bevor diese im März 2012 von einem Militärführer gestürzt wurde, der in den USA ausgebildet worden war. Die US-Soldaten seien dann jedoch im Land geblieben, um die US-Botschaft zu schützen. Die Regierung von Präsident Barack Obama hat zwar den Einsatz in Mali nicht bestätigt, gibt aber zu, weltweit Spezialoperationen zur Bekämpfung des Terrorismus durchzuführen. Bereits 2009 gab es im Pentagon Geheimpläne zu einem militärischen Engagement in Mali. Soldaten von US-Spezialeinheiten sollten in die malische Armee eingebunden werden. Der US-Botschafter, so zitiert ihn die Washington Post, verhinderte jedoch die offizielle Umsetzung dieser Pläne, weil sie bei den afrikanischen Nachbarn zu Empörung führen könnten. Sie geht jedoch davon aus, dass es bereits seit einiger Zeit unabgesprochene Aktivitäten der US-Militärs gibt. Zum Teil arbeiten die US-Truppen auch offen, etwa bei der Ausbildung einheimischer Truppen.  [2]

Scharf mit dem Westen ins Gericht  
geht Strategic Alert in seiner Ausgabe Nr. 5 vom 30. Januar: »Seit Jahren haben es die westlichen Länder zugelassen, daß Nordafrika zunehmend für den illegalen Handel mit Waffen und Drogen und für Entführungen zur Erpressung von Lösegeldern mißbraucht wurde, weil diese Aktivitäten dazu beitrugen, das verrottete internationale Finanzsystem am Leben zu erhalten. Ein Bericht des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2012 weist darauf hin, daß Mali und seine Nachbarstaaten wichtige Durchgangsländer für den Transport von Kokain aus Südamerika nach Europa geworden sind. Berichten zufolge haben Terrorzellen in Nordafrika  jährlich etwa 10 bis 15 Mio. $ an Lösegeldern erpreßt.« Was Russland angeht, so ist man dort besorgt, da sich unter den Dschihadis, die in Afrika im Einsatz sind und dabei Geld mit Kokain und Waffen verdienen, auch tschetschenische Separatisten befinden. Jacques Cheminade, der die LaRouche-Bewegung in Frankreich anführt, betonte in seiner Erklärung zur französischen Intervention in Mali, daß eine vollständige Änderung der Politik notwendig sei. »Man kann Terrorismus ebensowenig wie den Drogenhandel mit Waffen beseitigen, aber man kann letztere von ihrer Finanzierung abschneiden. Und das bedeutet u.a., daß man aufhören muß, mit Katar und Saudi-Arabien zusammenzuarbeiten, anstatt um ihre Investitionen zu buhlen, und daß man die internationalen Banken säubern muß, die das schmutzige Geld waschen. Und vor allem muß man den Frieden dadurch gewinnen, daß man ein Grand Design für die gemeinsame wirtschaftliche Entwicklung in ganz Afrika und im Nahen Osten startet.«

Eine Feststellung, die in krassem Gegensatz zu den eingangs dargelegten Zielen der USA steht und die es somit entsprechend schwer haben wird, im Dickicht der Interessenkonflikte einen Pfad für sich herauszuarbeiten.

Der Westen, schreibt die BüSo nicht umsonst, erntet, was er gesät hat, »denn die von den Saudis und von Katar gestützte Al-Kaida im Maghreb ist inzwischen zur vorherrschenden Kraft innerhalb der Rebellion, die sich nach dem Putsch in Bamako ausweitete, geworden, während der militärische Widerstand der Regierung geschwächt wurde. All dies deutet auf eine Steuerung von außen hin. Die salafistischen und wahabitischen Extremisten, die den harten Kern der Dschihadisten im Norden von Mali bilden, werden von Saudi-Arabien und Katar ausgesandt und bezahlt – und das mit Wissen und Duldung westlicher Institutionen und Strippenzieher wie Ex-Premier Tony Blair. Das endlose Blutvergießen kann nur gestoppt werden, wenn die Kriegsfraktion in Großbritannien und den USA [nkl. ihrer Anhängsel in der NATO]entmachtet und die finanzielle und logistische Unterstützung der Dschihadisten durch Saudi-Arabien und Katar unterbunden wird.«  [3]

Nicht so sieht das offensichtlich Bundeskanzlerin Merkel. Anlässlich der Feier zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags mutierte die Versammlung zur deutsch-französischen Freundschaft zum Kriegsgipfel, wie Rüdiger Göbel notierte. Merkel würdigte ausdrücklich die Militärintervention in Mali und behauptete an der Seite des französischen Präsidenten François Hollande, mit dem sie sich fortan duzt: Wir wissen, daß das eine schwierige militärische Mission ist, die Frankreich im Augenblick für uns alle erfüllt. Der Kampf gegen die Islamisten in dem westafrikanischen Land sei ein sehr schwieriger Kampf, und wir wünschen allen erdenklichen Erfolg, so Merkel.«  [4]  Auch der Bundespräsident der Deutschen, Joachim Gauck, hat, wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung online zu entnehmen war, »das militärische Vorgehen Frankreichs in Mali als Initiative gegen den islamistischen Terror gutgeheißen: Zu verhindern, daß sich Terroristen Rückzugsgebiete erobern, liegt im Interesse Deutschlands und Frankreichs, im Interesse Europas und im Interesse Afrikas. Gauck fügte an: Deshalb dürfen wir bei aller berechtigten Debatte über Art und Umfang unseres Engagements nicht aus den Augen verlieren, was verteidigt werden soll: ein friedliches und sicheres Europa, ein Ort der Freiheit und der Herrschaft des Rechts. Es liegt im nationalen Interesse, unsere Sicherheit, unseren Wohlstand, unseren Frieden supranational zu sichern. Dafür braucht es nicht nur Solidarität im Geiste, sondern auch Gemeinsamkeit im Handeln.«   [5]

Anmerkung d.a.: Gewiss, ganz im Sinne des Friedensnobelpreises: Im Innern den Frieden, nach draussen den Krieg, und letzterer wird noch unter Heranziehung von Argumenten verteidigt, die jeder, der die Vorgänge kennt, als erbärmliche Begründungen erkennen muss, die von Halbwahrheiten bis zur dreisten Lüge reichen. Auch das ist die Werte-Insel EU.

Siehe hierzu
Das »Gespenst« Al Qaida in Afrika: Deckmantel für die Neueroberung des Kontinents durch den Westen  –  Von Finian Cunningham auf
http://www.politonline.ch/?content=news&newsid=1933    15. 4. 12

[1]  http://www.globalresearch.ca/the-u-s-military-swarms-over-africa/5318560   11. 1. 13
The U.S. Military Swarms Over Africa –  by Glen Ford
Glen Ford ist verantwortlicher Redakteur des US-Rundfunksenders Black Agenda Radio, dessen Website unter http://www.blackagendareport.com/ aufzurufen ist;
er ist über Glen.-Ford@BlackAgendaReport.com zu erreichen
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP00813_140113.pdf  11. 1. 13
Glen Ford  – Das US-Militär schwärmt über ganz Afrika aus; die Übersetzung des Origianls verdanken wir diesen Friedenspolitischen Mitteilungen aus Karlsruhe

[2]  http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/01/21/geheimoperation-us-truppen-sind-seit-jahren-in-mali-aktiv/   21. 1. 13  Die Amerikaner sind schon seit 2009 in geheimen Aktionen in Mali aktiv
[3]  http://www.bueso.de/node/6265  21. 1. 13  Bürgerrechtsbewwegung Solidarität
Von Afghanistan bis Mali: Der Westen erntet, was er gesät hat
[4]  http://www.jungewelt.de/2013/01-23/059.php  
Auf du und du: Merkel würdigt Mali-Mission – Bundeskanzlerin sagt Frankreich bei Feierstunde in Berlin weitere Kriegshilfe zu  –  Von Rüdiger Göbel
[5]  http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/feierlichkeiten-zum-elysee-vertrag-merkel-und-gauck-loben-hollande-fuer-mali-einsatz-12034636.html  22. 1. 13

Quelle: politonline

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