Coronavirus und spanische Unfähigkeiten (2)

von peregraurovira

Die Presse in allen Ländern unterstreicht die Schwere der Lage in Spanien, mit einem exponentiellen Wachstum der Zahl der Infektionen und der Toten wegen Coronavirus. Man sollte doch meinen, das angesichts dieser Entwicklung die Entscheidungen der spanischen Regierung rationeller werden würden. Aber weit gefehlt. Es gibt weiterhin notwendige Maßnahmen, die nicht nur nicht beschlossen werden, sondern sogar den regionalen Regierungen verboten werden wenn sie die anwenden wollen.

In den Fall von Katalonien, hat Ministerpräsident Torra mehrmals ohne Erfolg gebeten, die totale Sperrung der Region zu gestatten. Jetzt  kommt noch weiterer Ärger. Schon seit ein paar Wochen hatte de katalanische Regierung die Sperrung des Gebiets der Stadt Igualada und Umgebung angeordnet. Das ist das Epizentrum der Infektion in Katalonien, mit einer Todesrate, die höher ist als in Madrid oder in der Lombardei. Jetzt hat Torra eine Verschärfung der Isolierung der Zone verfügt, aber Madrid hat sich dagegen ausgesprochen. Das ist umso gravierender und unverständlicher, weil es geschehen ist kurz nachdem die spanische Regierung, am 20.03. einen Bericht bekommen hat den eine Kommission von renommierten Wissenschaftlern verfasst hat. Dieser Bericht war in Auftrag gegeben von Fernando Simon, dem Direktor des Koordinationszentrums für Gesundheitliche Notfälle der spanischen Regierung. In dem Bericht werden härtere Maßnahmen als die jetzigen verlangt, wie die Sperrung von besonders betroffenen Gebieten und die Schließung aller Betriebe, die keine lebensnotwendigen Produkte herstellen oder betreiben (alles Maßnahmen, die in Deutschland schon ergreift wurden), um die Massenmobilität zu verkleinern. Der Bericht enthält folgende Warnung: wenn die angemahnten Maßnahmen schon eine Woche früher in Kraft getreten wären, hätte die Zahl der Toten auf 4.000 beschränkt werden können. Wenn es in dieser Woche sofort nachgeholt wird, kann es trotzdem bis 20.000 Tote geben. Und wenn weiter nichts geschieht, kann man nicht ausschließen, dass bis 200.000 Tote geben kann.  ( https://www.vilaweb.cat/noticies/el-govern-espanyol-te-un-informe-que-preveu-200-000-morts-corona-virus/ )

Aber Ministerpräsident Sánchez hatte bei der Ankündigung den „Alarmzustand“ zwei Wochen zu verlängern keine neue weitergehenden Maßnahmen angekündigt und jetzt wird es auch noch verhindert, dass die Regionen (nicht nur Katalonien) von selbst diese Maßnahmen ergreifen.

Und sehr viele Spanier (wiederum: bei weitem nicht nur in Katalonien) fragen sich, wieso tut ihre Regierung so vieles zu spät und so unvollständig. Man fragt sich ob es nur reine Inkompetenz ist oder Ignoranz im Spiel steht, oder aber ob private Interessen der Wirtschaftsmächtigen (welche die wirkliche Macht in Spanien ausüben) die geheime Kraft sind, welche die Maßnahmen der Regierung entscheiden beeinflussen.

Und inzwischen wird der katalanische Ministerpräsident – von manchen spanischen Politikern und Medien – weiter als unsolidarisch und illoyal verleumdet und beschimpft. Wieso wundert man sich noch, dass die Katalanen lieber heute als morgen von diesem Staat weg wollen?

Über weitere unsägliche Einzelheiten der Lage in Spanien berichtet akkurat dieser Artikel von Ralf Streck:  https://www.heise.de/tp/features/Danteske-Szenen-in-Spanien-Alte-Menschen-zum-Sterben-zurueckgelassen-4689706.html

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