China, und nicht nur der Iran, wird von den USA ins Visier genommen

von Manlio Dinucci (voltairenet)

Unabhängig von den Fragen, die den Iran direkt betreffen, sind die Vereinigten Staaten besorgt über die Beziehungen, die der Iran mit China unterhält. Zunehmend verlässt sich Peking auf Teheran, um sein gigantisches Projekt für die neue Seidenstraße in Asien zu verwirklichen.

Die von Präsident Donald Trump autorisierte Ermordung des iranischen Generals Qassem Soleimani hat eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die sich über die Region des Nahen Ostens hinaus ausbreitet. Dies lag in der Absicht desjenigen, der die Entscheidung getroffen hat. Soleimani stand lange Zeit im Fadenkreuz der USA, aber die Präsidenten Bush und Obama haben seine Ermordung nie autorisiert. Warum traf Präsident Trump diese Entscheidung? Aus mehreren Gründen, unter anderem aus dem persönlichen Interesse des Präsidenten, seiner Not zu entgehen, indem er sich als glühender Verteidiger „Amerikas“ gegenüber einem gefährlichen Feind präsentiert. Der Hauptgrund für die Entscheidung zur Ermordung Soleimanis, die vom Deep State getroffen wurde, bevor sie vom Weißen Haus getroffen wurde, muss in einem Umstand gesucht werden, der erst in den letzten Jahren für die Interessen der USA kritisch geworden ist – die wachsende wirtschaftliche Präsenz Chinas im Iran.

Der Iran spielt eine wesentliche Rolle in der Neuen Seidenstraße, die Peking 2013 ins Leben gerufen hat und die derzeit in vollem Gange ist – sie besteht aus einem Straßen- und Schienennetz zwischen China und Europa durch Zentralasien, den Nahen Osten und Russland, kombiniert mit einem Seeweg über den Indischen Ozean, das Rote Meer und das Mittelmeer. Investitionen von mehr als 1.000 Milliarden Dollar sind für die gesamte Straßen-, Schienen- und Seeverkehrsinfrastruktur in mehr als 60 Ländern geplant. In diesem Rahmen investiert China etwa 400 Milliarden Dollar – 280 in die Öl-, Gas- und petrochemische Industrie und 120 in die Verkehrsinfrastruktur, einschließlich Öl- und Gaspipelines. Es ist geplant, dass diese Investitionen, die über einen Zeitraum von fünf Jahren genutzt werden sollen, später erneuert werden.





Im Energiesektor erhielt die China National Petroleum Corporation, ein staatliches Unternehmen, von der iranischen Regierung einen Auftrag für die Entwicklung von Offshore-Bohrungen im South Pars/North Dome Feld im Persischen Golf, der größten Erdgasreserve der Welt. Darüber hinaus ist der Iran mit einem anderen chinesischen Unternehmen, Sinopec (75% Staatseigentum), an der Entwicklung der Förderung der Ölfelder von West-Karoun beteiligt. Unter Missachtung des US-Embargos erhöht China die Einfuhr von iranischem Öl. Noch gravierender für die Vereinigten Staaten ist die Tatsache, dass in diesen – und anderen – Handelsabkommen zwischen China und dem Iran zunehmend chinesische Renminbi (Yuan) und andere Währungen verwendet werden sollen, wobei der Dollar zunehmend ausgeschlossen wird.

Im Verkehrssektor hat China einen Vertrag über die Elektrifizierung von 900 Kilometern iranischer Eisenbahnen im Rahmen eines Projekts unterzeichnet, das die Elektrifizierung des gesamten Eisenbahnnetzes bis 2025 vorsieht, und wird wahrscheinlich auch einen Vertrag über eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von mehr als 400 Kilometern unterzeichnen. Die iranische Eisenbahn ist an die 2.300 Kilometer lange Strecke angebunden, die bereits China und den Iran verbindet, wodurch sich die Transportzeit für Waren auf 15 Tage statt 45 Tage im Seeverkehr verkürzt. Über Täbris, eine große Industriestadt im Nordwesten des Iran – dem Ausgangspunkt einer 2.500 Kilometer langen Gaspipeline, die im türkischen Ankara ankommt – könnten so die Transportinfrastrukturen der neuen Seidenstraße mit Europa verbunden werden.

Die Abkommen zwischen China und dem Iran sehen keine militärischen Komponenten vor, aber laut einer iranischen Quelle sind zur Bewachung der Standorte etwa 5.000 chinesische Wachen vorgesehen, die von den Baufirmen für den Sicherheitsdienst beschäftigt werden. Bezeichnend ist auch, dass Ende Dezember die erste Marineübung zwischen dem Iran, China und Russland im Golf von Oman und im Indischen Ozean stattgefunden haben wird.

Unter Berücksichtigung dieser Tatsachen ist es nicht schwer zu verstehen, warum die Ermordung Soleimanis in Washington beschlossen wurde – sie war geplant, um eine militärische Gegenreaktion Teherans zu provozieren, um den Würgegriff auf den Iran zu verstärken und einen Angriff zu rechtfertigen, und auch, um das chinesische Projekt der Neuen Seidenstraße zu treffen, bei dem die USA nicht die Mittel haben, diesem im wirtschaftlichen Bereich etwas entgegenzusetzen. Die durch die Ermordung von Soleimani ausgelöste Kettenreaktion wird auch China und Russland mit einbeziehen und eine immer gefährlicher werdende Situation schaffen.

Manlio Dinucci

Übersetzung
K. R.

Quelle
Il Manifesto (Italien)

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