ChatGPT auf dem Weg zum mächtigen Geheimdienst-Werkzeug

von Norbert Häring

Der Pionier bei der Anwendung von künstlicher Intelligenz, OpenAI, hat sich den erst vor kurzem abgetretenen Chef des US-Auslandsgeheimdienstes NSA in den Vorstand geholt. Dieser Geheimdienst hat den Anspruch, alles zu erfahren, was auf der Welt vorgeht. Dazu passt, dass Unternehmenschef Sam Altman einer globalen biometrisch-digitialen ID zum Durchbruch verhelfen will. Ein Gastbeitrag von Andreas Hansel.

Andreas Hansel. Ende 2015 wurde OpenAI mit der erklärten Vision gegründet, künstliche Intelligenz sicher und zum Wohle der Menschheit zu entwickeln. Gründer von OpenAI waren unter anderem Sam Altman(Loopt, Y-Combinator) Ilya Sutskever (Technischer Mastermind von OpenAI, zuvor KI-Experte bei Google) und Elon Musk (Tesla, SpaceX). Musk zog sich 2018 aus dem Unternehmen zurück und verkaufte seine Anteile an Microsoft. Microsoft investierte im Jahr 2019 eine Milliarde US-Dollar in OpenAI, weitere zwei Milliarden 2021 und weiter zehn Milliarden 2023.

Am 30. November 2022 stellte OpenAI seinen KI-basierten Chatbot „ChatGPT“ der Öffentlichkeit vor, der inzwischen eine sehr hohe Popularität erlangt hat und den aktuellen KI-Hype maßgeblich mit ausgelöst hat.

Diese Technologie hat in zahlreiche Microsoft Produkte Eingang gefunden. Unter dem Namen „Microsoft Copilot“ hilft sie beim Entwickeln von Software und wird demnächst auch in die Microsoft-Office-Produkte integriert sein. Die Testphase läuft seit März 2023. Als „Bing Chat“ hilft sie bei der Internetrecherche und offeriert weitere Funktionen wie einen Designer, der auf Zuruf Bilder erzeugt, einen Urlaubsplaner, Koch-Assistenten und einen virtuellen Fitness Trainer. Weitere werden folgen.

Apple hat auf seiner jüngsten Entwicklerkonferenz angekündigt, dass ChatGPT im Herbst 2024 mit der Einführung von „Apple Intelligence“ tief in die Apple Systeme integriert werden wird. Laut Bloomberg zahlt Apple dafür kein Geld an OpenAI.

Elon Musk klagte im Frühjahr gegen OpenAI, da er der Meinung ist, das Unternehmen sei von seiner ursprünglichen, gemeinnützigen Linie abgewichen und habe sich stattdessen der Profitorientierung verschrieben. Die Klage zog er kürzlich überraschend zurück. 2023 gründete Musk sein eigenes KI-Unternehmen „xAI“, mit dem er fortschrittliche KI-Systeme, unter anderem einen Supercomputer, bauen möchte, die – wie sollte es anders sein – „für die gesamte Menschheit von maximalem Nutzen sind“. 24 Milliarden US-Dollar Wagniskapital hat Musk inzwischen für dieses Unternehmen eingeworben.

Worldcoin für die Menschheit

Sam Altmann ist, ebenso wie Musk, auf weiteren „Baustellen“ aktiv. Gemeinsam mit dem deutschen Physiker Alex Blania gründete er 2019 das Unternehmen „Tools For Humanity“. Damit sammelten die beiden zügig 240 Millionen Dollar Wagniskapital ein, entwickelten die Kryptowährung Worldcoin (WLD) und eine futuristisch anmutende Hardware namens „Orb“ zum Scannen der Iris. Nach Angaben auf der Website besteht das Team inzwischen aus mehr als 200 Entwicklern, Wissenschaftlern, Kreativen und weiterem Personal.

Altman und Blania möchten damit „das größte Finanznetzwerk der Welt“ schaffen, und eine zuverlässige Möglichkeit, Menschen von KI-Systemen unterscheiden zu können. Der für diesen Zweck vorgesehene digitale Identitätsnachweis namens „World ID“ kommt nebst zugehöriger App ebenfalls aus dem Haus der „Werkzeuge für die Menschheit“. Anwender können sich die „World App“ installieren, ihre Iris an einem Orb in der Nähe scannen lassen und erhalten dafür Ihre digitale Identität sowie ein paar Worldcoins im Wert von etwa 100 Euro gratis. Etwa 5,5 Millionen Menschen, vorwiegend aus Entwicklungsländern, haben dies inzwischen getan.

Den Gründern schwebt vor, damit Dinge verwirklichen zu können, wie digitale Wahlen oder ein universelles Grundeinkommen, das aus der Wertschöpfung von künstlicher Intelligenz gespeist werden könne. Beim Umgang mit den sensiblen Daten wird seitens des Unternehmens maximale Sicherheit versprochen. Datenschutzbehörden sind diesbezüglich eher skeptisch. In Spanien wurden die Iris Scans behördlicherseits im März diesen Jahres gestoppt. Die Kontrollmöglichkeiten, die die digitale ID bietet, ziehen viel Kritik auf sich.

Krawall an der Spitze

Währenddessen rotiert es in der Führungsetage von OpenAI. Sam Altmann, der CEO, wurde entlassen, um kurz darauf wieder als CEO eingestellt zu werden, nachdem offenbar 500 bis 700 Mitarbeiter gedroht hatten, zusammen mit ihm zu Microsoft zu wechseln. Die beiden einzigen Frauen im Vorstand, Helen Toner und Tahs McCauley, haben ihre Posten verlassen. Im Mai 2024 verließen außerdem mehrere Mitarbeiter aus dem Bereich KI-Sicherheit das Unternehmen, darunter Ilya Sutskever, Mitbegründer und langjähriger Chefwissenschaftler. Sie kritisierten öffentlich, dass die Sicherheitskultur- und die internen Prozesse nicht mit der Popularität der Produkte von OpenAI Schritt hielten und die Führungsebene von Open AI nicht vertrauenswürdig sei.

Ex-NSA-Chef als neuer Vorstand

Mitte Juni 2024 schließlich wurde bekannt, dass Paul M. Nakasone in den Vorstand von OpenAI einzieht und maßgeblich im Sicherheitskomitee von OpenAI mitarbeiten wird. Er war von 2018 bis zum Februar dieses Jahres Leiter des US-Geheimdienstes NSA und langjähriger Leiter von USCYBERCOM, der obersten geheimem Datenüberwachungs-Organisation der Regierung.

Weiterhin wurde berichtet, dass OpenAI sein Lobbyteam zur Beeinflussung der Regierungen bei der Regulierung von KI-Technologien von drei Mitgliedern Anfang 2023 auf jetzt 35 Mitglieder massiv erweitert hat.

Diese Entwicklungen sind besorgniserregend. Sie deuten darauf hin, dass OpenAI zu einem wichtigen Baustein der allgegenwärtigen Datensammlung und Überwachung werden soll. OpenAI könnte eine bedeutende Rolle bei der Beeinflussung und Manipulation der Benutzer durch IT-Technologien spielen, da es durch seinen Aufbau als vermeintlicher „Gesprächspartner“ tiefe Einblicke in die Gedankenwelt und das Seelenleben seiner Anwender erhält. Eine harmonisierte digitale ID für die Weltbevölkerung unter der (indirekten) Kontrolle der US-Geheimdienste würde deren Möglichkeiten, zuverlässige Dossiers über alle Erdenbürger zu führen und zu füllen,erheblich verbessern.

Edward Snowden warnt…

Edward Snowden verdanken wir die Erkenntnis, dass die US-Geheimdienste seit Jahren Zugriff auf jedes Endgerät haben. Er warnt, dass es nur einen plausiblen Grund zur Berufung eines ehemaligen NSA-Direktors in den Vorstand von OpenAI gebe. Dieser sei ein vorsätzlicher, kalkulierter Verrat an den Rechten eines jeden Menschen auf der Erde.

Es ist schon sehr verwunderlich, dass die Multimillionäre und -milliardäre offenbar alle über eine ausgeprägte philanthropische Ader verfügen und sie uns deswegen kostenlos mit Ihren genialen Tools versorgen. Während man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen sollte, so ein altes Sprichwort, sollte man bei einem geschenkten Tool durchaus genau hinschauen wer auf welche Weise davon profitiert.

… und wird sehr schnell bestätigt

Wie um alle Kritiker zu bestätigen informierte Sam Altman laut Medienberichten vom 17. Juni  einige Aktionäre, dass das Unternehmen eine Änderung seiner Struktur zu einer gewinnorientierten Corporation in Betracht zieht. Dies könnte den Weg für einen Börsengang ebnen und Microsoft erlauben, die Kontrolle zu übernehmen. OpenAI wäre dann auch via Microsoft einer der weltweit tätigen Megakonzerne, die in enger Partnerschaft mit US-Militär und Geheimdiensten ausforschen und manipulieren, was in der Welt so vorgeht. Wir erinnern uns an den ursprünglichen Wahlspruch den die angeblich weltverbessernden Google-Gründer ihrem Unternehmen gaben:  „Do no evil“ (Tue nichts böses). Sobald Google richtig wichtig und mächtig wurde, war es vorbei damit.

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