Cannabis-Liberalisierung: auch in Indien?

Gastbeitrag von Malcolm X

In den letzten Jahren konnte man international verfolgen, wie immer mehr Menschen zu Anhängern der Liberalisierungsbewegung von Cannabis geworden sind. Nicht nur in Europa und in den USA wird Marihuana immer mehr zum Thema, auch in Indien fordern mittlerweile Politiker wie Tathagata Satpathy, Fraktionschef der indischen Regierungspartei, eine Aufhebung des Verbots. CBD Hanfsamen, Haschisch, Joints: die Produkte der Pflanze seien einem elitären Verbot unterworfen und das müsse sich alsbald ändern, so fordert er in den Sozialen Online-Netzwerken.

Das kommt als Überraschung für viele. Satpathy hat nicht nur die Forderung formuliert, sondern seinen Anhängern auch gebeichtet, selbst früher gekifft zu haben, und ihnen ausführlich erklärt, wie sie in seinem Wahlbezirk ganz legal an Marihuana kommen könnten. Dieser politische Umgang mit dem Thema ist ein großer Schritt für die voraus denkenden Bürger und gerade diejenigen, die sich als fortschrittlich sehen und eine Liberalisierung gut heißen. Satpathy will sich für ein Ende des Verbots einsetzen; dieser Aktivismus ist ungewöhnlich in einem Land, in dem die Droge sehr stigmatisiert ist und zu den Tabu-Themen gehört.

Dabei kann Indien auf eine sehr lange Geschichte mit der Droge zurückdenken. Vor allem aus religiösen Gründen war die Pflanze geschätzt. Erst mit dem angekündigten “War on Drugs”, herbeigeführt durch die USA und dem damit einher gehenden UN-Verbot, musste auch Indien seine Riten einschränken. Natürlich wird auch weiterhin Marihuana in Indien konsumiert, allerdings gilt die Pflanze nun als Rauschmittel für die unteren Kasten, während Alkohol von der Elite konsumiert wird. Genau das spricht Satpathy auch an, wenn er von einem “elitären Verbot” spricht, denn diese Art der Politik hat nicht mehr viel mit Vernunft, sondern lediglich mit unwissender Stigmatisierung und Vorurteilen zu tun.

Natürlich bleibt es schwer – auch für ranghohe Politiker wie Satpathy – eine Veränderung im Land voranzutreiben. Aber wie man überall sonst in der Welt sehen kann, werden die Diskussionen immer langlebiger und intensiver. Selbst, wenn nicht direkt von einer Legalisierung gesprochen werden kann, so sieht man aber auch gerade an den USA, wie eine schrittweise Öffnung auszusehen vermag. Cannabis für medizinische Zwecke oder prinzipiell eine Abänderung der scharfen Gesetze bzw. eine Entkriminalisierungs-Strategie wie in Portugal könnten realistische Ziele für das Land sein. Wenn Satpathy es schafft, seine Partei auf seine Seite zu ziehen, so könnte tatsächlich schon bald eine Reform anstehen – selbst wenn diese verhältnismäßig klein ausfällt, wäre das ein großer Schritt.

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