Bundesverfassungsrichter haben die Regel des Dorffußballs verinnerlicht

Tageskommentar

von Michael Winkler

Die EUdSSR überlegt Sanktionen gegen die Ukraine, falls dort die Gewalt nicht endet. Im Angebot sind Einreiseverbote und eingefrorene Konten für die Schuldigen. Das wird Dr. Klitsch-KO sicher nicht gefallen, wenn seine Konten eingefroren werden. Und wenn Obama nicht mehr in die Kolonien fliegen darf, wegen dieser Sanktionen… Am härtesten würde es natürlich die Konrad-Adenauer-Stiftung treffen, denn wenn deren Konten gesperrt werden, muß sie ihren Betrieb einstellen und ihre Angestellten freisetzen. Angela Merkel würde es weniger hart treffen, da ihr Ehemann gut bezahlt wird und sie durchfüttert.

Welch ein Wunder! Nach gefühlten Jahrhunderten wurde die bunte Kanzlerin von der Spitze der Beliebtheitsskala verdrängt. Diese führt jetzt Frank-Walter Steinmeier an. Als bester Außenminister nach und vor Westerwelle steht ihm das vermutlich zu. Ganz davon abgesehen, in einer Regierung aus Unsympathen ist der Einäugige König, wie es im Sprichwort heißt. Für Vizekanzler Gabriel gibt es einen Trostpreis: er steht fast an der Spitze der Beleibtheitsskala, unmittelbar nach Kanzleramtsminister Altmaier.

Ist „Fuck the EU“ wirklich inakzeptabel? Die US-Diplomatin Victoria Nuland hat das schließlich unter annährend vier Ohren gesagt, also mit der gleichen Annäherung, mit der alle Telephonate in Merkeldeutschland privat sind. Irgendein Abhördienst hat das Gespräch veröffentlicht, was die NSA normalerweise nicht macht. Die Amerikanerin war ehrlich, sie hat nur das gesagt, was ohnehin Millionen denken, ob in Europa oder sonstwo auf der Welt. Und verglichen mit dem, was deutsche Stammtische über die Drecksäcke in Brüssel sagen, war sie sogar ausgesprochen höflich.

Das Bundesverfassungsgericht wird so gerne als höchste Instanz angesehen, als die Wächter von Tugend, Freiheit und Gerechtigkeit schlechthin. Wer dort Richter ist, hat den Höhepunkt seiner Karriere erreicht und sollte eigentlich über den Niederungen des Alltags stehen. Aber nun hat das Bundesverfassungsgericht das erste Mal gekniffen. Es sollte darüber urteilen, ob es mit dem merkeldeutschen Grundgesetz vereinbar ist, daß die EZB in unbegrenzter Zahl Anleihen der europäischen Bankrott-Staaten aufkauft, um so die Esperanto-Währung zu retten. Die Richter meinten nun „nein, aber…“ Wäre es ein Nein, so bedeutete dies das Ende des Euro, vermutlich sogar das Ende der EU. Deshalb soll jetzt Luxemburg entscheiden.

Die Situation gleicht jener auf einem Dorffußballplatz. Der Schiedsrichter pfeift Elfmeter, dann fällt ihm ein, daß die Anhänger der Heimmannschaft wissen, wo sein Auto steht. Folglich blickt er voll bestens gespielter Unsicherheit zu seinem Linienrichter. Der zeigt mit der Fahne eindeutig auf den Elfmeterpunkt und lädt damit die Dankbarkeit der Zuschauer auf sich. Ja, ja, die Bundesverfassungsrichter haben die Regel des Dorffußballs verinnerlicht.

 

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