Bitte noch zwei, drei Jahre an Sanktionen!

Erst kein Hemd! Jetzt, keine Hosen! Karikatur: Hättet Ihr wohl gerne gehabt!

Yurasumy (vineyardsaker)

Übersetzt von James B. nach der englischen Fassung von Julia Rakhmetova und Rhod Mackenzie vom 13.04.2016 auf Russia Insider

Nur billiges Öl ist nutzbringender für die russische Moral und die Wiedergeburt seiner Wirtschaft

Als die USA, Kanada, die EU und sogar Japan Sanktionen gegen Rußland verhängten, als sie es aus den G8 ausschlossen und »Schwarze Listen« gegen personae non gratae veröffentlichten, als sie die Weltpreise von Öl und Gas heruntermanipulierten, erwarteten »unsere westlichen Partner« ganz andere Ergebnisse.

Die Bevölkerung der Russischen Föderation sollte in ein bis zwei Jahren aufstehen, gegen fallende Lebensstandards und das Leiden, das hereinbrechen sollte, als Folge der Ukraine. Massenproteste im ganzen Land würden auch den wirtschaftlichen Druck auf den Kreml erhöhen, denn auch die Einkommen der oberen 1 % sollten unter den Sanktionen leiden.

Dies war zu erwarten, in einem Land mit Freier Marktwirtschaft, wo Seine Majestät, der US-Dollar regiert. Nach vielen Jahren eines Dollar-Rubel-Kurses von 30 auf über 70 in nur zwei Jahren, sollte er verdammt sein, die 100er-Marke zu durchbrechen. Viele Russen mit Krediten in Auslandswährung mußten denn auch wirklich leiden, viele konnten sich keinen Auslandsurlaub mehr leisten und andere spürten auch einen deutlichen Rückgang ihres Lebensstandards. Und?

Und gar nichts. Selbst der 15jährige »Aufbau des Kapitalismus« konnte nicht das Wesen dieses barbarischen Volkes ändern. Es hat gelernt, nach kapitalistischen Regeln zu leben — und es hat sich daran erinnert, russisch zu sein. Ein Volk der Russen, ungeachtet ihrer genotypischen Ethnie, Muttersprache oder ihres Wohnorts. (Und sie erinnerten sich daran, daß es Russen in der Ukraine gibt.)

Am Rande noch eine Information: Der letzten Volkszählung zufolge nennen sich 81 % der in Rußland lebenden »Russen«. Einer Gallup-Erhebung zufolge sehen sich 83 % der Ukrainer als Russen. Und Rußland erinnerte sich daran, nach dem Putsch in Kiew.

Über die letzten beiden Jahre stieg die Zahl der Befürworter einer allgemeinen Wehrpflicht um das Anderthalbfache. Zwei Drittel der Bevölkerung sind sich sicher, daß gegen Rußland ein verdeckter Krieg geführt wird und das Mutterland in Gefahr ist. Eine absolute Mehrheit stützte die Regierung nicht nur in ihrem Kurs bezüglich des Ukraine-Konflikts — Tausende von Russen waren Mitglieder der Miliz im Donbaß, nahmen an Kundgebungen und friedlichen Protesten teil, in Charkow, Odessa und anderen Städten, und unterstützten nicht-militärische Hilfe in den Volksrepubliken von Donezk und Lugansk. Millionen Russen spendeten den Ukrainern Geld, Arzneimittel und Kleidung.

Für den Westen am Bittersten war, daß die Mehrheit der Bevölkerung nicht mit Worten, sondern mit Taten bewies: Wir werden uns mit den ökonomischen Schwierigkeiten arrangieren, statt unseren Präsidenten auf Knien zu sehen, um die USA um Vergebung zu bitten. Als Rußland nicht nur »unseren Partnern« eins aufs Auge gab, sondern auch den Terroristen, die sie in Syrien unterstützt hatten, war unsere Entzückung grenzenlos. Zum ersten Mal nach so vielen Jahren verspürten die Menschen ein Aufstehen; nach den verfluchten 1990ern können wir nun alles schaffen!

Rußland kann ein echter souveräner Staat sein, unabhängig von westlicher Hegemonie. Es kann seine eigenen Probleme selbst lösen. Es kann seine eigenen Freunde und Alliierten aussuchen und seine eigene Zukunft aufbauen. Es gab nur eins, das dies in der Vergangenheit verhinderte: die weltweite Großwetterlage.

Energiepreise schossen hoch, kurz vor und kurz nach der Krise von 2008. Hunderte von Milliarden an Petrodollarn flossen nach Rußland, Geld machte Geld, und Mahnungen, für schlechte Zeiten zu sparen, wurden nur aus dem Kreml vernommen. Und trotz der wachsenden Opposition und Trägern von weißen Schleifchen investierte er in Modernisierung und in eine Armee eines neuen Typus.

Geld sparen ist das eine, aber ein Neuaufbau der Wirtschaft in einem neuen Stil ist das andere. Ja, staatliche Förderprogramme wurden seit den 2000ern modernisiert. Ja, wir hatten damit begonnen, wichtige Industrien aus der Ukraine heimzuholen, als dort der erste Staatsstreich stattfand. Aber es ging sehr langsam, denn die private Wirtschaft machte Gewinne und hatte kein Interesse an völliger Autonomie. Das war sogar ein Ding der Unmöglichkeit – jeder träumte davon, sein Zeug im Ausland zu verkaufen, zu exportieren.

Dann verhängten sie die Sanktionen. Jeder spürte sie und gewöhnte sich an die negativen Folgen. Aber diesen Winter stellte sich plötzlich heraus: Der Preis für Schweinefleisch ist gefallen! Unglaublich, aber wahr. Der Autor dieser Zeilen war entsetzt, als er nach einem Jahr nach Rußland zurückkam und statt 320 nur noch 260 Rubel für knochenloses Hähnchenbein. Es stellte sich raus: Rußland kann Landwirtschaft!

Nicht nur war es in der Lage, Schweine zu züchten, sondern seine Wirtschaft nahezu vollständig auf Selbstversorgung umzustellen, was den Westen zu Tode erschreckt. Natürlich sind komplexe High-Tech-Industrien nicht das gleiche wie Schweinezucht — sie kann nicht in einem oder in zwei Jahren entstehen. Nichtsdestotrotz sind es nicht wir, sondern die Amis, die gezwungen sind, ihre Sanktionen schrittweise zurückzufahren. Das 180er Raketentriebwerk etwa, das die USA brauchen, ehe sie in der Lage sein werden, selbst eins zu bauen, ist nur ein Beispiel.

Sanktionen und Rubelabwertung hatten noch eine andere unerwartete Folge. China verstand, daß es profitabel ist, die Produktion in den Fernen Osten Rußlands auszulagern, näher an günstigen Rohstoffen und günstiger Energie. Eine ganze Reihe von Staaten, die die verschiedenen Märkte Rußlands dominierten, machte Platz für neue Marktteilnehmer, als die USA und ihre Vasallen das Feld räumten.

Zwei Jahre Sanktionen und billiges Öl stellten sich als ein Vorteil heraus, von dem zuvor nur geträumt werden konnte. Wäre es nicht so gekommen, Rußland steckte in für 20 Jahre in den westlichen Märkten fest, mit teurem Öl und 30 Rubel/Dollar, wobei Selbstversorgung und wirtschaftliche Unabhängigkeit außer Frage stünden.

Wir haben’s fast geschafft. Obwohl es hart wird (wann war es denn jemals leicht für die Russen?), können wir noch ein paar Jahre an Sanktionen gut gebrauchen. Ein paar Jahre, die Rußland braucht, nicht um absolute Autarkie herzustellen, sondern für eine sinnvolle Begrenzung des Außenhandels auf nicht-kritische Güter. Bananen, zum Beispiel. Oder andere exotische Produkte, die nicht in Rußland wachsen.

Inzwischen wurde es profitabler, Automobile in Rußland zu fertigen, ebenso, Hochtechnologie anzusiedeln. Die Zeit wird kommen, wo die EU Rußland nach gegenseitig nützlicher Kooperation fragen wird. Aber für jetzt ist es besser, wenn jeder bleibt, wo er ist. Laßt die EU Millionen von Moslems aus Asien und Afrika aufnehmen, Milliarden für die »europäische Einheit« ausgeben und ihren Kampf gegen den Übersee-Verbündeten um ein paar unabhängige Entscheidungen.

Rußland wird mit und unter dem Sanktionsregime leben und sich an seine neue Rolle in der Welt gewöhnen, aus sich selbst erschaffen, nach seinem eigenen Geschmack.

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