Bilder sagen mehr als tausend Worte – und können richtig lügen

Christian Müller (infosperber)

Eine Invasion russischer Truppen in die Ostukraine hat es nie gegeben. Die gezeigten Fotos waren falsch. Fälschen ist ganz einfach.

Der deutsche IT-Spezialist Jens Bernert hat die Fotos in den Medien, die den Einmarsch russischer Panzer in der Ostukraine zu zeigen vorgaben, genau untersucht. Es waren in Wirklichkeit Bilder von anderen Orten und anderen Anlässen, teils bis zu fünf Jahren zurückliegend. Der durch diese falschen Bilder erzeugte Glaube an die Invasion russischer Panzer aber ist bis heute geblieben.

Ein offizielles Bild vom 20. März 2013 aus Russland (rechts) wird politisch missbraucht (links). © Rubikon

Jens Bernerts sehr informativer Artikel mit etlichen Beispielen von gefälschten Fotos in westlichen Medien ist letzte Woche auf der deutschen Online-Plattform Rubikon erschienen:

«Die gefälschte Invasion
Propaganda ließ einen Krieg, der de facto nie stattfand, zur Wirklichkeit werden.
Russland ist nicht in die Ukraine einmarschiert. Deutsche Medien, Politiker und Aktivisten behaupten jedoch bis heute standhaft das Gegenteil, obwohl es nicht einmal Videos oder Fotos von einfallenden russischen Truppen oder wilden Kriegsszenen zwischen russischen und ukrainischen Verbänden gibt. Die Propagandisten versuchen, die Unwahrheit durch endlose Wiederholungen als Tatsache in den Köpfen zu verankern. Im jetzigen Stadium geht es nicht mehr nur darum, dass die eine oder andere Lüge verbreitet wird — es wird eine komplett veränderte Realität erschaffen. Dies ist brandgefährlich, weil die Manipulationen offensichtlich auf eine Verschärfung der Spannungen zu Russland abzielen.»

Man sehe das Aufmacherbild oben. Durch das Bild von Panzern als Hintergrund der Headline «Russische Panzer dringen in die Ukraine ein» wird dem Leser suggeriert, das Bild bestätige die Meldung. In Wirklichkeit stammt das Bild von einer öffentlichen Demonstration von russischen Rüstungsgütern im Jahr 2013, war also bereits zwei Jahre alt.

Ein weiteres Beispiel:

Auch hier: Eine aktuelle Meldung im Jahr 2014 (im Bild links) wird mit einem Bild von Panzern optisch unterstützt. Das Bild stammt aber aus dem Jahr 2009 und aus Georgien (Bild rechts). Montage: Rubikon

Jens Bernert zitiert zum Tatbestand eine amtliche Quelle aus Frankreich:

«Am 25. März 2015 wurde General Christophe Gomart, Chef des französischen Militärgeheimdienstes DRM, in der Französischen Nationalversammlung befragt. Als Beispiel für die Notwendigkeit vermehrter französischer Militäraufklärung erwähnte Gomart den Ukraine-Konflikt, bei dem die NATO und die USA von einer russischen Invasion und Besetzung der Ostukraine gesprochen hätten, die aber nie stattgefunden habe. General Gomart sagte vor der Nationalversammlung: ‹Die wirkliche Schwierigkeit mit der NATO besteht darin, dass der amerikanische Geheimdienst dort massgebend ist, während der französische Geheimdienst nur mal mehr und mal weniger beigezogen wird. Daher ist es für uns wichtig, genügend Kommandeure der NATO mit Informationen französischer Herkunft zu versorgen. Die NATO hatte zur Situation in der Ukraine gemeldet, dass die Russen in die Ukraine eingedrungen seien, wogegen nach Informationen des französischen Geheimdienstes nichts vorlag, das diese These hätte stützen können. [ ] In der Folge zeigte sich, dass wir recht hatten.›»***

Und auch hier: Eine aktuelle Meldung im Jahr 2014 (im Bild rechts) wird mit einem alten Bild aus dem Jahr 2009 illustriert (im Bild links), um der Meldung Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Man muss wirklich den ganzen Artikel auf Rubikon lesen, nicht nur weil er den Konflikt in der Ukraine betrifft, über den die westlichen Medien fast grundsätzlich falsch informieren, sondern vor allem auch, weil er zeigt, wie die Medien die öffentliche Meinung zu manipulieren versuchen – und manipulieren können, leider. Nicht zuletzt eben mit Bildern.

Fotos fälschen, heute einfacher denn je

Fotos, bewusst am falschen Ort eingesetzt, das ist das eine. Aber Fotos können im Zeitalter der digitalisierten Bilder auch verändert werden.

Im Civico Museo in Maccagno am Lago Maggiore in Italien werden gegenwärtig etliche – gemalte – Bilder gezeigt, in denen Leonardo da Vincis berühmtes Bild Mona Lisa – in Italien ist das La Gioconda – abgekupfert, aufgefrischt, verklärt, verunstaltet oder auf andere Art modifiziert und verfälscht wurde und wird. «Die vielen geheimen Gesichter der Mona Lisa», so der deutsche Name der Ausstellung:

«Die vielen geheimen Gesichter der Mona Lisa», eine Ausstellung in Maccagno, mit Dutzenden von Bildern. Der Hinweis auf die Ausstellung im Internet (deutsche Version).

Die sich beim Besuch der Ausstellung spontan aufdrängende Frage: Wie könnte die Mona Lisa digital modifiziert werden, als anschauliches Beispiel für eine Fälschung? Wäre das schwierig?

Gedacht getan: Schon wenige Stunden nach Auftragsvergabe an einen Spezialisten war das neue Bild zurück. Mona Lisa – oder eben La Gioconda – hat sich verwandelt, hat sich in eine neue Persönlichkeit hinein begeben, ist zeitgenössisch geworden, eine neue Lichtgestalt: Aus Mona Lisa ist Mona Greta geworden.

So hat Leonardo da Vinci ums Jahr 1500 herum Mona Lisa gemalt …

… und so hat man es im Jahr 2020 in wenigen Stunden «modifizieren» können: Mona Greta

Das Beispiel zeigt: Fotos in den Medien als Wahrheitsbeweis haben weitgehend ausgedient. Selbst Persönlichkeiten können über Nacht verwandelt und ausgetauscht werden. Zumindest der Spruch: «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte» gehört in den Schredder. Wo grosse Medien schon jetzt falsche Bilder von Panzern einsetzen, um ihren (falschen) Berichten mehr «Wahrheit» zu verpassen, können Bilder heute auch inhaltlich richtiggehend verfälscht werden. Auch zu politischen Propagandazwecken.

Wir gehen – medial – schwierigen Zeiten entgegen.

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Zum Artikel von Jens Bernert hier anklicken.

* Im Protokoll jener Sitzung der Französischen Nationalversammlung steht französisch: «La vraie difficulté avec l’OTAN, c’est que le renseignement américain y est prépondérant, tandis que le renseignement français y est plus ou moins pris en compte – d’où l’importance pour nous d’alimenter suffisamment les commanders de l’OTAN en renseignements d’origine française. L’OTAN avait annoncé que les Russes allaient envahir l’Ukraine alors que, selon les renseignements de la DRM, rien ne venait étayer cette hypothèse – nous avions en effet constaté que les Russes n’avaient pas déployé de commandement ni de moyens logistiques, notamment d’hôpitaux de campagne, permettant d’envisager une invasion militaire et les unités de deuxième échelon n’avaient effectué aucun mouvement. La suite a montré que nous avions raison.»

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„Wir gehen – medial – schwierigen Zeiten entgegen.“

Absolut richtig, Herr Müller, aber nicht nur medial. Die Schweizer hatten im letzten Jahr die Möglichkeit, den zwangsfinanzierten Staatsfunk abzuschaffen. Sie haben sich leider dagegen entschieden. In dem US-Vasallenstaat D wäre es wahrscheinlich nicht anders.

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Bilder sagen mehr als tausend Worte – und können richtig lügen
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5 Kommentare

  1. Fake News von den Erfindern der Fake News.
    Ging ja sogar soweit,
    daß sie (ZDF) ukrainische Arbeitslose BEZAHLT haben,
    um russische Soldaten zu mimen.

    Aufgrund solcher Sonderausgaben zu “authentischer Berichterstattung”
    sollten schleunigst bald die Gebühren “angepasst werden”,
    empfiehlt die “unabhängige Kommission”.

  2. Es ist nicht nur möglich Bilder zu fälschen, sondern gezeigten Sprechern auch Wörter und Sätze in den Mund zu legen.  Man kann also Menschen zeigen die Dinge sagen, welche sie eigentlich nie gesagt haben, indem man ihnen anhand von Computerprogrammen sogar die passende Mimik und Mundbewegung dazu auferlegen kann.

    Von gefälschten Bildern, die der Manipulation dienen, gibt es viele Beweise im Netz. Deswegen sollte man das TV einfach aus lassen.

    • Unzerstörbares ZDF-Flaggschiff Thomas Gottschalk hat (schon wieder!) gesagt,
      er macht nochmal "Wetten, dass..?". Nur einmal noch!
      War das nun der Echte oder ein Cyborg?

  3. Laut Schopenhauer wirkt das Anschauliche, – also die Bilder -, hauptsächlich auf die Jugend, weniger auf das Alter (Aphorismen)!

    "Im männlichen Alter schwindet die Langeweile mehr und mehr: Greisen wird die Zeit stets zu kurz und die Tage fliegen pfeilschnell vorüber. Versteht sich, daß ich von Menschen, nicht von altgewordenem Vieh rede. Durch diese Beschleunigung des Laufens der Zeit, fällt also in späteren Jahren meistens die Langeweile weg, und da andererseits auch die Leidenschaften, mit ihrer Qual, verstummen; so ist, wenn nur die Gesundheit sich erhalten hat, im ganzen genommen, die Last des Lebens wirklich geringer, als in der Jugend: daher nennt man den Zeitraum, welcher dem Eintritt der Schwäche und der Beschwerden des höheren Alters vorhergeht, „die besten Jahre“. In Hinsicht auf unser Wohlbehagen mögen sie es wirklich sein: hingegen bleibt den Jugendjahren, als wo alles Eindruck macht und jedes lebhaft ins Bewußtsein tritt, der Vorzug, die befruchtende Zeit für den Geist, der Blüten ansetzende Frühling desselben zu sein. Tiefe Wahrheiten nämlich lassen sich nur erschauen, nicht errechnen, d. h. ihre erste Erkenntnis ist eine unmittelbare und wird durch den momentanen Eindruck hervorgerufen: sie kann folglich nur eintreten, so lange dieser stark, lebhaft und tief ist. Demnach hängt, in dieser Hinsicht, alles von der Benutzung der Jugendjahre ab. In den späteren können wir mehr auf andere, ja, auf die Welt einwirken: weil wir selbst vollendet und abgeschlossen sind und nicht mehr dem Eindruck angehören: aber die Welt wirkt weniger auf uns. Diese Jahre sind daher die Zeit des Tuns und Leistens; jene aber die des ursprünglichen Auffassens und Erkennens.

    In der Jugend herrscht die Anschauung, im Alter das Denken vor: daher ist jene die Zeit für Poesie; dieses mehr für, Philosophie. Auch praktisch läßt man sich in der Jugend durch das Angeschaute und dessen Eindruck, im Alter nur durch das Denken bestimmen.

    Zum Teil beruht dies darauf, daß erst im Alter anschauliche Fälle in hinlänglicher Anzahl dagewesen und den Begriffen subsumiert worden sind, um diesen volle Bedeutung, Gehalt und Kredit zu verschaffen und zugleich den Eindruck der Anschauung, durch die Gewohnheit, zu mäßigen. Hingegen ist in der Jugend, besonders auf lebhafte und phantasiereiche Köpfe, der Eindruck des Anschaulichen, mithin auch der Außenseite der Dinge, so überwiegend, daß sie die Welt ansehen als ein Bild; daher ihnen hauptsächlich angelegen ist, wie sie darauf figurieren und sich ausnehmen – mehr, als wie ihnen innerlich dabei zumute sei. Dies zeigt sich schon in der persönlichen Eitelkeit und Putzsucht der Jünglinge."

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