Aus einer Pentagon-Studie geht hervor, dass die Gewalt in Afrika seit der Gründung des U.S. AFRICOM signifikant zugenommen hat

Der investigative US-Journalist Nick Turse hat für The Intercept die Ergebnisse einer Pen-tagon-Studie über die Zunahme der Gewalt in Afrika durch die Aktivitäten des in Stuttgart residierenden U.S. Africa Command untersucht.

Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein
LP 096/19 – 28.08.19 ( Original mit Grafiken bei luftpost)

 

Von Nick Turse
The Intercept, 29.07.19
( https://theintercept.com/2019/07/29/pentagon-study-africom-africa-violence/ )

Seit das U.S. Africa Command (AFRICOM in Stuttgart, s. https://www.africom.mil/ ) 2008 seine Tätigkeit aufgenommen hat, ist die Anzahl der US-Soldaten auf dem afrikanischen Kontinent um 170 Prozent von 2.600 [s. https://www.huffpost.com/entry/us-milita-ry-africa_b_1705669 ] auf 7.000 angestiegen [s. https://www.armed-services.senate.gov/ imo/media/doc/Waldhauser_02-07-19.pdf ]. Die Anzahl der US-Militäroperationen, der sonstigen Aktivitäten und der Trainings- und sonstigen Programme hat sich um 1.900 Prozent von 172 auf 3.500 erhöht [s. https://news.vice.com/en_us/article/bjddq8/ everything-we-know-about-u-s-special-ops-are-doing-in-33-african-nations ]. Auch die An-zahl der Drohnenangriffe [s. dazu auch https://theintercept.com/2018/06/20/libya-us-dro-ne-strikes/ ] und Kommandoeinsätze hat mit der Ausweitung des AFRICOM-Basen-netzes [s. https://theintercept.com/2018/12/01/u-s-military-says-it-has-a-light-footprint-in-africa-these-documents-show-a-vast-network-of-bases/ (und http://www.luftpost-kl.de/luft-post-archiv/LP_19/LP00619_140119.pdf )] sprunghaft zugenommen.

Die US-Streitkräfte haben zugegeben, in letzter Zeit 36 Operationen und Aktivitäten in Afrika durchgeführt zu haben [weitere Infos dazu unter https://news.yahoo.com/revealed-the-us-militarys-36-codenamed-operations-in-africa-090000841.html ] – mehr als in allen anderen Regionen der Welt, einschließlich des Nahen und Mittleren Ostens [s. dazu htt-ps://news.vice.com/en_us/article/a3my38/ex-clusive-the-us-has-more-military-operations-in-africa-than-the-middle-east ]. US-Truppen sind über ganz Afrika zerstreut, beraten und trainieren einheimische Soldaten, bil-den lokale Partnerschaften, sammeln ge-heimdienstliche Erkenntnisse, führen

Überwachungsaktionen und Angriffe aus der Luft sowie Kommandoeinsätze am Boden durch – zur „Bekämpfung gewalttätiger Terroristen auf dem afrikanischen Kontinent“ [s. dazu auch https://www.armed-services.senate.gov/imo/media/doc/19-31_04-02-19.pdf ].

Das AFRICOM hat den Auftrag, „transnationale Bedrohungen aufzuspüren und zu beseiti-gen und für regionale Sicherheit, Stabilität und Wohlstand zu sorgen“ [s. https://www.africom.mil/about-the-command ]. Nach einer Studie des Africa Centers for Strategic Stu-dies, einer Forschungseinrichtung des Pentagons [s. https://africacenter.org/spotlight/ fronts-fluctuate-in-battle -against-african-militant-islamist-groups/ ], haben sich die Sicher-heit und die Stabilität in Afrika allerdings signifikant verschlechtert, seit das AFRI-COM seine Tätigkeit aufgenommen hat. „Die Aktivitäten militanter Islamisten in Afrika haben sich seit 2012 verdoppelt,“ ist der Analyse der Africa Centers zu entnehmen.

Nach der Pentagon-Studie gab es 2010 in ganz Afrika nur 5 militante islamistische Gruppierungen, jetzt sind es 24. Derzeit finden in 13 afrikanischen Staaten Angriffe islamistischer Kämpfer statt, die Anzahl der betroffenen Staaten ist in dieser Zeit-spanne also um 160 Prozent angewachsen. Die Anzahl der „gewaltsamen Ereignis-se“ auf dem gesamten afrikanischen Kontinent hat sogar um 960 Prozent zugenom-men, denn nach der Studie ist sie von 288 im Jahr 2009 auf 3.050 im Jahr 2018 ange-stiegen.

Der Anstieg der Gewalt hat sicher mehrere Ursachen, trotzdem halten es einige Ex-perten nicht für einen Zufall, dass die Zunahme der Gewalt mit der Einrichtung des AFRICOM begonnen hat.





„Die deutliche Steigerung terroristischer Aktivitäten ist ein Beleg dafür, dass der vom Pen-tagon forcierte Einsatz militärischer Gewalt als Misserfolg zu werten ist,“ stellte William Hartung, der Direktor des Projektes Waffen und Sicherheit des Centers for International Policy (s. https://en.wikipedia.org/wiki/Center_for_International_Policy ) fest.“Der Versuch, den Terrorismus mit militärischer Gewalt auszurotten, führt den Ter-roristen allenfalls neue „Rekruten“ zu und macht sie stärker.“

In Somalia hat das AFRICOM im letzten Jahrzehnt zum Beispiel Hunderte von Luftangrif-fen und Kommandounternehmen am Boden durchgeführt und dabei nach eigenen Anga-ben rund 800 Terroristen getötet, die hauptsächlich der Al-Shabaab (s. https://de.wikipe-dia.org/wiki/Al-Shabaab_(Miliz) ) angehört haben sollen. Die Anzahl der US-Luftangriffe ist vor allem in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen: Im Jahr 2016 – noch unter dem Präsidenten Barack Obama – gab es „nur“ 14 Luftangriffe, unter der Trump-Regierung sind sie im Jahr 2018 auf 47 angestiegen. Nach der Pentagon-Studie entfallen auf Al-Sha-baab rund 50 Prozent sämtlicher Gewaltakte aller militanten Islamisten in ganz Afrika, und dieser Prozentsatz hat sich seit zehn Jahren nicht mehr verändert.

Im Oktober 2017 haben Kämpfer des Islamic State in the Greater Sahara (ISGS, s. https:// www.ecfr.eu/mena/sahel _mapping/isgs ) in der Nähe der Grenze zwischen den beiden Sahel-Staaten Mali und Niger einen US-Kommandotrupp in einen Hinterhalt gelockt [s. dazu auch https://news.yahoo.com/revealed-the-us-militarys-36-codenamed-operations-in-africa-090000841.html ], bei dem vier US-Soldaten getötet und zwei weitere verwundet wurden [s. https://theintercept.com/2017/12/10/la-david -johnson-niger-africom/ ]. Nach dem Überfall hatte das AFRICOM zunächst behauptetet, dieser US-Kommandotrupp hätte nigerianischen Truppen „mit Rat und Tat zur Seite stehen sollen“. Später wurde zugege – ben, dass er einen zweiten US-Kommandotrupp treffen und gemeinsam mit diesem Doun-doun Cheffou (s. https://www.nytimes.com/2018/04/16/world/africa/niger-ambush-doun-doun-cheffou.html ), den Anführer einer islamistischen Gruppe, festnehmen oder töten sollte. Wegen schlechten Wetters war dieses Treffen aber misslungen.

Aus der Studie des Africa Centers geht außerdem hervor, dass trotz dieser und anderer US-Militäraktionen in der Sahelzone die Überfälle der dort agierenden militanten Islamis-ten noch zahlreicher geworden sind. Insgesamt haben sich die „gewaltsamen Aktivitäten der Al-Qaida im Islamic Maghreb (AQIM, s. https://www.dw.com/de/aqim-rivale-f %C3%BCr-den-islamischen-staat/a -18988020 ) oder dem ISGS nahestehender Gruppie-rungen von 192 im Jahr 2017 auf 464 im Jahr 2018 erhöht. Die Zahl der von islamisti – schen Kämpfern getöteten Personen hat sich im gleichen Zeitraum von 529 auf 1.112 mehr als verdoppelt.

Die Pentagon-Studie unterscheidet sich deutlich von einem Report [s. https://publications-
.armywarcollege.edu/pubs/1509.pdf ] aus dem Jahr 2000, der vom Strategic Studies Insti-tute des War College der U.S. Army in Auftrag gegeben wurde und sich mit der „Sicher-heitslage in Afrika“ befasste. In diesem Report wurden zwar „interne Bewegungen von Se-paratisten und Aufständischen in schwachen Staaten“ und „Milizen und Armeen von War-lords“ erwähnt, transnational agierende islamistische Extremisten kamen aber nicht darin vor. In der aktuellen Studie des Africa Centers werden 24 militante islamistische Gruppie – rungen genannt, die in ganz Afrika agieren; in anderen Veröffentlichungen wurden sogar fast 50 Terrororganisationen oder „illegale Gruppierungen“ erfasst [s. https://theintercep-t.com/2015/11/20/in-mali-and-rest-of-africa-the-u-s-military-fights-a-hidden-war/ ].

Weder das Pentagon noch das AFRICOM haben Fragen beantwortet, die ihnen The Intercept zu der Studie des Africa Centers und zur Verantwortung des AFRICOM für die wachsende Gewalt auf dem afrikanischen Kontinent gestellt hat.

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klam-mern versehen. Die Links in eckigen Klammern waren bereits im Originaltext enthalten, den wir nachfolgend abdrucken. Der Bundestag und die Bundesregierung in Berlin und der Landtag und die Landesregierung von Baden-Württemberg hätten dem

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Aus einer Pentagon-Studie geht hervor, dass die Gewalt in Afrika seit der Gründung des U.S. AFRICOM signifikant zugenommen hat
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6 Kommentare

  1. Das Überleben des kaputten und bankrotten US Staates, beherrscht von einem Psychopathen,

    ist nur möglich wenn die Weltbodenschätze durch das US Militär kontrolliert werden.

     

    • Cato,

      von welchem Psychopathen sprichst Du eigentlich. Meinst Du den, der keine Kriege anfängt, die private Rothschild-FED zerstören will,  und den Goldstandard wieder einführen will? Dann war Kennedy auch ein Psychopath und wurde deswegen umgebracht?

      Meinst Du den, der gegen eine unipolare Welt und damit gegen die NWO ist? Meinst Du den, der gegen Kommunismus ist? Meinst Du den, der national denkt? Meinst Du den, der nicht den Iran angegriffen hat? Meinst Du den, der gerade die Pädophilen und Menschenhändler ausräuchert? Meinst Du den, der mit Putin zusammenarbeitet und ihn wieder 2020 zum G7 in den USA einladen will? Meinst Du den, der gerade gegen die kommunistischen Chinesen Breitseite fährt? Meinst Du den, der gerade weltweit gegen den Deep State im Hintergrund arbeitet?

      Oder von wem sprichst Du hier?

    • Ja. Aber Menschen als strategische Waffe zu benutzen
      ist so in diesem Umfang noch nie vorgekommen, oder?
      Das ist einfach nur noch pervers.

      Westliche Werte.

      • Ja das ist pervers. Es ist ein Albtraum was vor sich geht. Anders kann man es nicht mehr nennen. Sieh Dir nur an, wie sie Salvini ausgebotet haben. Conte wird bleiben und eine neue Regierung mit den Demokraten bilden. Es sieht ganz danach aus. Dann macht er die Häfen in Italien wieder auf und das Spiel kann ungehindert weitergehen. Und wenn das so weitergeht, werden wir bald die ganzen Terrorgruppen hier haben. Sie benutzen so wie es aussieht diese Menschen tatsächlich als Waffe gegen uns. Was soll man dazu noch sagen?

  2. Die verdammten Ami´s! Die bomben die Menschen aus Zentral-Afrika hier hoch! Ist doch logisch!
    "Beratung und Ausbildung", darum fliegt man auch Luftangriffe. Is klar. Erstes Lehrjahr.
    Hab´s zwar mal revidiert, aber doch, ich hasse sie. Die größte Pest des Planeten.

    Dumm wie Schipperscheiße und Land Of The Free. Haha, freue mich schon wenn Trump kommt. Merkel sitzt, damit sie nicht zittern muß und Donald aufrecht daneben steht. Man kann sehr gut nachlesen was in in Mali, Nigeria, Sudan, Somalia und anderswo alles abgeht, AUCH mit dumm-deutscher Vasallen-Treue.
    Vor allem aber die Franzosen mischen ordentlich mit.

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