Auftragseingang +7,8 %

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Auftragseingang +7,8 %Das war in der letzten Woche eine wichtige Nachricht.

Die Statistiker hatten herausgefunden, dass der Auftragseingang (AE) im Dezember um 7,8 Prozent höher ausgefallen ist als noch im November, und im Vergleich zum Dezember 2024 sei der AE sogar um 13 Prozent gestiegen. Jedenfalls im verarbeitenden Gewerbe, also im Wesentlichen in der Industrie.

Grund zum Jubel?

Eher nicht.

Aber zuerst zum Grundsätzlichen. Weitaus wichtiger als der Auftragseingang ist eine andere Kennzahl, nämlich der Auftragsbestand, und die Reichweite des Auftragsbestandes.

Der Auftragsbestand umfasst alle eingegangenen Aufträge der Vergangenheit, die noch nicht erledigt, also nicht zu Umsatz geworden sind. Die Reichweite in Monaten ergibt sich, wenn der Auftragsbestand durch den durchschnittlichen monatlichen Umsatz dividiert wird.

Ein Rechenbeispiel zur Verdeutlichung:

Ein Unternehmen des Maschinenbaus hatte Ende November 2025 einen Auftragsbestand von 120 Millionen Euro. Bei einem monatlichen Umsatz von 20 Millionen ergibt sich daraus eine Reichweite von 6 Monaten. So lange ist die Auslastung gewährleistet, wenn keine neuen Aufträge eingehen.

Der durchschnittliche monatliche Auftragseingang entsprach ungefähr dem monatlichen Umsatz. Im November waren es exakt diese durchschnittlichen 20 Millionen gewesen. Im Dezember wurden Aufräge in Höhe von 21,56 Millionen (+7,8%) hereingenommen. Der Umsatz blieb noch bei 20 Millionen, so dass sich ein neuer Auftragsbestand von 121,56 Millionen ergab.

Neue Reichweite: 6,078 Monate.  Bei durchschnittlich 21 Arbeitstagen pro Monat ist die Auslastung nun für 6 Monate 1 Tag und 5 Stunden gesichert. Der Auftragsbestand ist um 1,3 Prozent gestiegen.

Das ist zwar immer noch erfreulich, aber im Grunde kaum noch von Belang. Jetzt kommt es darauf an, um welche Art von Auftrag es sich handelt, will man sich von der gestiegenen Reichweite nicht täuschen lassen.

Die Statistiker haben erwähnt, dass der gestiegene AE hauptsächlich auf Großaufträge zurückzuführen ist, und – das wurde auch erwähnt – dass er vor allem aus Rüstungsaufträgen besteht.

Bei kleinerem Knallzeugs, das praktisch serienmäßig hergestellt werden kann, würde die Sache mit der Reichweite noch stimmen, käme nicht eine weitere Bedingung hinzu, die zu beachten ist. Bei Gewehren, Maschinenpiststolen, Panzerfäuste, Minen, usw. werden zwar gerne Großaufträge vergeben, schon wegen der Preisverhandlungen, doch aus diesen Großaufträgen werden dann einzelne Lose abgerufen. Da können also Aufräge eingehen über 100.000 Panzerminen, doch eben in fünf Losen á 20.000 in 2026, 2027, 2028, 2029 und 2030. Das ergibt dann zwar eine sichere Auslastung eines Teils der Kapazität, aber wenn nicht immer weiter auch andere Aufträge dazukommen, dann wird das Unternehmen nicht überleben können.

Bei größerem Knallzeugs ist die Situation leichter zu erkennen. Von der Auftragserteilung für eine neue Fregatte der Marine bis zur Auslieferung vergehen Jahre, und wenn gleich vier neue Fregatten bestellt werden, die aber nacheinander auf Kiel gelegt werden, dann sind 10 Jahre bis zur Indienststellung des letzten Neubaus eher eine kurze Zeit.

Die spannende Frage lautet daher: Wie sieht der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe über das Jahr 2026 insgesamt aus? Rutschen wir im Januar schon wieder deutlich unter den AE vom Dezember 25 – oder wird sich da etwas auf höherem Niveau stabilisieren.

Die Statistiker haben erwähnt, dass der gestiegene AE hauptsächlich auf Großaufträge zurückzuführen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass bis zum nächsten Großauftrag mit einer längeren Durststrecke zu rechnen ist, ist hoch.

Handelt es sich beim sprunghaften Anwachsen des Auftragseingangs also nur um eine Scheinblüte?

Michael Grömling hat für das Institut der deutschen Wirtschaft errechnet, dass die deutsche Wirtschaft seit 2020 einen Wertschöpfungsverlust von knapp einer Billion Euro (940 Mrd.) hinnehmen musste und sich heute praktisch unverändert auf dem Niveau von 2019 bewegt. Allein ein Viertel dieses Wertschöpfungsverlustes (235 Mrd.) entfällt auf das Jahr 2025, sagt Herr Grömling – und ich sehe keinen Grund, daran zu zweifeln.

Nicht ganz einverstanden bin ich allerdings mit den Ursachen dieses Stillstands in der wirtschaftlichen Entwicklung, die Grömling benennt. Pandemie, Ukraine-Krieg, geopolitische Unsicherheit, Trump. Der „Energiepreisschock“ kommt nur als Folge des Ukraine-Krieges vor, als hätten Deutschland und die EU nicht von sich aus alles dafür getan, Energie unsicher und teuer zu machen. In seinem abschließenden Appell steht die Energie allerdings wieder an erster Stelle:

Der geopolitische Umbruch und die Energiewende stellen Wirtschaft und Gesellschaft jedoch vor große Herausforderungen. „Um wirtschaftlich wieder führend zu werden, muss Deutschland strukturelle Defizite beheben: hohe Energiepreise, steigende Sozialabgaben und wachsende Bürokratie.“

Von mir abschließend:

Der industrielle Sektor schlägt im BIP gerade noch mit 19,7 Prozent zu Buche. Selbst wenn der Zuwachs im Auftragseingang ein Indikator für gesamtwirtschaftliches Wachstum wäre, könnte man nur von einem Wachstumsimpuls von 1,56 Prozent sprechen. Die Bundesregierung selbst hat allerdings die Erwartungen für das Jahr 2026 schon auf 1,0 Prozent gesenkt – 1,0 Prozent, das sind genau jene 2,5 Feiertage, die 2026 nicht auf Arbeitstage fallen.

„Kalenderbereinigt“ – wie es die Statistiker nennen – eine glatte Nullnummer.

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