Asymmetrische Kriegsführung

Asymmetrische KriegsführungVon Hans-Jürgen Geese (anderwelt)

Der Zweite Weltkrieg begann nicht mit dem Angriff Deutschlands auf Polen am 1. September 1939. Der Zweite Weltkrieg begann am 20. August 1939 um 5.45 Uhr mit dem Angriff der Sowjetunion auf japanische Stellungen bei dem Ort „Khalkin Gol“ in der Mongolei.

Die Führung der Schlacht auf sowjetischer Seite lag bei einem gewissen Georgi Schukow, der an dem Tage, zum ersten Mal in der Weltgeschichte, einen im Detail geplanten, koordinierten Angriff von Artillerie, Panzern, Flugzeugen und Infanterie gegen einen Feind entfesselte. Die Japaner hatten keine Chance.

Hätten die Japaner diese Schlacht gewonnen, wäre für sie der Weg nach Norden in die Sowjetunion offen gewesen. Der Zweite Weltkrieg hätte wahrscheinlich einen völlig anderen Verlauf genommen.

Erstaunlich ist, dass der deutsche Generalstab angeblich keine Details von dieser Schlacht im Jahre 1941, vor dem Angriff auf die Sowjetunion, zur Verfügung hatte. Die Herren vom Generalstab hätten doch nur die mit ihnen verbündeten Japaner zu befragen brauchen. Dann hätten sie erfahren wozu die Russen in der Lage waren. Vor allem hätten die Japaner ihnen verraten können, dass die Russen stets mit überwältigender Übermacht angreifen und bereit sind, größere Verluste als ihr Gegner zu akzeptieren. Ein asymmetrischer Krieg beim Personal und beim Material als Formel für ihre Unbesiegbarkeit.

Ein asymmetrischer Krieg ist eine militärische Auseinandersetzung zwischen Armeen, die waffentechnisch, organisatorisch und strategisch stark unterschiedlich ausgerichtet sind.

Die Japaner lernten aus ihrer Unterlegenheit, dass sie sich auf keinen Fall auf einen Krieg mit der Sowjetunion einlassen sollten. Sie würden also nicht bereit sein, die Deutschen im Zweiten Weltkrieg zu unterstützen.

Noch schlimmer: Sie mussten sich ihre Rohstoffe jetzt woanders besorgen, in einer Region in Südasien, die sie letztendlich in einen Krieg mit Amerika verwickeln würde. Es hätte also alles ganz anders kommen können, wenn die Japaner die Schlacht am 20. August 1939 gegen die Sowjetunion gewonnen hätten.

Hitlers größter Fehler

Die Deutschen unterschätzten die Sowjetunion. Aus der Schlacht am Khalkhin Gol hätte der deutsche Generalstab lernen müssen, dass ein Krieg gegen die Sowjetunion in einer Niederlage für die Deutschen enden würde. Ein Krieg gegen die Sowjetunion wäre ein asymmetrischer Krieg, bei dem die Russen die Vorteile auf ihrer Seite haben würden. Und so kam es dann ja auch.

Die deutsche Armee war auf den Blitzkrieg spezialisiert. Sie konnte nur kurze Kriege führen. Sie hatte nicht die Mittel, einen langfristigen Krieg durchzustehen. Das hatte bereits der Erste Weltkrieg gezeigt.

Die Armee der Sowjetunion war bereit, einen Zermürbungskrieg zu führen, der Jahre dauern würde, bei dem man bereit war, Mensch und Material zu opfern, um den Gegner langsam und allmählich in den Weiten des Landes auszubluten.

Die deutsche Armee konnte unmöglich bis nach Asien marschieren, um letztendlich doch noch die Sowjetunion zu besiegen. Sie hätte sich mit der Ukraine zufrieden geben sollen, um dann dort defensive Stellungen aufzubauen.

Aber die deutsche Armee war auch auf der Jagd nach Rohstoffen, vor allem nach Öl, ohne das die ohnehin mäßig motorisierte Armee nicht kämpfen konnte in den unendlichen Weiten des Feindeslandes.

Was für ein Wahnsinn daher, Millionen von Menschen in einem völlig aussichtslosen Unternehmen zu verheizen. Die Hybris spielte wohl wieder mal eine große Rolle, die Überzeugung, wie sie auch in der japanischen Armee herrschte, dass man dem Gegner als Mensch ohnehin überlegen sei.

Die Wiederholung vergangener Kriege

Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, dass einst erfolgreiche Armeen versuchen, die Siege der Vergangenheit zu wiederholen, wobei sie die gleiche, jene erfolgreiche Strategie der Vergangenheit kopieren. So kommt es dann zu einer bestimmten starren Verhaltensweise.

Sie sehen das an den militärischen Konflikten heute. Die Amerikaner kämpfen eben anders als die Russen. Die Amerikaner glauben an die Macht ihrer Kriegsspielzeuge, wie im II. Weltkrieg. Die Israelis kämpfen anders als die Iraner. Auch die Israelis glauben an die Macht der amerikanischen Kriegsspielzeuge.

Amerika und Israel, relativ junge Staaten, haben sich jetzt mit Staaten angelegt, deren Historie tausende von Jahre zurückgeht. Das Erbe derer Geschichten, derer Vorfahren, deren Volkes wird ihnen niemals erlauben, sich zu ergeben.

Das bedeutet, dass für den Iran und dass für Russland jeder Krieg gegen sie ein existentieller Krieg ist. Ein Überlebenskampf. Sie können Russland und den Iran nicht besiegen. Sie können Russland und den Iran nur vernichten. Total.

Die Philosophie vom Überlebenskampf ist eine Denkart, die den Amerikanern völlig fremd ist. Sie sind nicht in der Lage, sich in die Lebensweise solcher Menschen hinein zu versetzen. Sie halten sich selbst und ihre sogenannte Zivilisation als überlegen und kämpfen in der Erwartung, den ihnen angeblich zivilisatorisch unterlegenen Gegner mit ihren technisch hoch gezüchteten Waffen zu besiegen.

Der asymmetrische Krieg der U.S.A. gegen den Iran

Die Iraner werden sich also nicht ergeben. Niemals. Noch einmal: Die Amerikaner können den Iran nicht besiegen. Sie können den Iran und die Iraner nur vernichten. Und das tun sie. In ihrer Frustration, in ihrer Tollwut zerstören sie Schulen, Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen. Denn es gibt nur wenige militärische Ziele. Sie töten also vor allem Zivilisten, viele Frauen und Kinder.

Die Amerikaner haben längst die Grenze zum Kriegsverbrecher überschritten. Vor allem aus Wut und Frustration. Sie haben diese tollen Bomber und Kampfflugzeuge. Die müssen doch bomben. Also bomben sie. Wenn es keine militärischen Ziele gibt, dann bomben sie eben zivile Ziele. Sogar Brücken zerbomben sie jetzt, Brücken über Täler, die nur sehr schwer wieder repariert werden können.

Die Amerikaner wissen nicht, dass das Wort „Zivilisation“ sich von dem lateinischen Wort „civilitas“ ableitet, welches Beschränkung, Mäßigung und politisches Wohlverhalten verlangt, alles Eigenschaften, die den größenwahnsinnigen Amerikanern völlig abgehen.

In ihrer Furie begehen die Amerikaner Kriegsverbrechen ohne Ende, brechen alle internationalen Gesetze der Völker und toben sich, ohne Rücksicht auf die Opfer, gnadenlos rachesüchtig aus. Und werden trotzdem nicht gewinnen.

Die Iraner haben sich viele Jahre auf diesen absehbaren Krieg vorbereitet, absehbar deswegen, weil die Amerikaner immer und immer wieder davon gesprochen und ihnen immer und immer wieder gedroht haben.

Warum ist der Iran in diesem Krieg der Sieger?

Die Iraner haben keine Panzer, keine Kriegsschiffe, keine Luftwaffe. Das alles können sie sich einfach nicht leisten. Sie mussten in ihrer Beschränkung also eine Art von Kriegsführung entwickeln, die sie sich leisten konnten und die sie als den Sieger hervorbringen wird. Und das ist ihnen gelungen.

Die Iraner verfügen über eine große Anzahl der besten Ingenieure und Wissenschaftler auf Erden. Das ist wenig bekannt. Diese iranische Elite war in der Lage, ein Raketensystem unterirdisch aufzubauen, das jedes Ziel in der Region präzise treffen kann. Gegen ihre Hyperschallraketen gibt es keine Verteidigung.

Nachdem sie die Technologie gemeistert hatten, brauchten sie nur noch eine ausreichende Anzahl von diesen Raketen herzustellen. Und auch das haben sie geschafft. Nebst viele tausende von Drohnen zu bauen. Amerika und Israel wird die Munition ausgehen, bevor das im Iran der Fall sein wird.

Da die militärischen Ziele der Amerikaner tief in den Bergen verborgen liegen, die militärischen Ziele der Iraner sich aber auf der Oberfläche befinden ist doch wohl leicht vorhersehbar, wie dieser Krieg letztendlich ausgehen wird.

Dazu kommt noch, dass der Iran von Russland und von China unterstützt wird, zwei Länder, die gemeinsam über quasi unbegrenzte Mengen an Rohstoffen und Fertigteilen für die Raketen der Iraner verfügen. Und sie liefern die Zieldaten mit Hilfe ihrer Satellitensysteme.

Auch der Ukrainekonflikt ist ein asymmetrischer Krieg

Der Ukrainekonflikt ist ein Stellvertreterkrieg der NATO gegen Russland. Es ist die Strategie Russlands, die NATO in diesem Krieg langsam ausbluten zu lassen, menschlich und materiell. Landgewinn ist dabei momentan nebensächlich.

Die Tragödie für die Ukrainer ist offensichtlich. Die Ukrainer haben sich für die schmutzigen Geschäftsmethoden der Amerikaner geopfert, viele hunderttausende von jungen Menschen, weit über eine Million, eine ganze Generation.

Die NATO kann unmöglich diesen Krieg gewinnen. Denn Kriege heute werden nicht mehr mit Panzern und Kanonen gewonnen. Was die NATO-Länder produzieren ist auf dem Schlachtfeld nicht von entscheidender Bedeutung. Die ganze schöne Technologie, meist teuer gekauft in Amerika, kann verschrottet werden.

Und sollte die NATO hunderttausende von Soldaten in die Ukraine schicken, dann werden die genauso sinnlos verheizt werden wie die ukrainischen Soldaten. Stellen Sie sich vor, wie frustriert die da in dem NATO Hauptquartier in Belgien hocken und nichts weiter zu tun wissen als weiterhin viele Milliarden Dollar in Richtung Osten zu schicken, nebst dem drittklassigen Kriegsmaterial, das sie noch irgendwo in einer Ecke in den Kasernen aufgefunden haben.

Die Tragödie für Europa

Europa führt einen Krieg, den es unmöglich gewinnen kann. Aber es führt ihn dennoch. Auf Befehl aus den U.S.A. oder aufgrund von ideologischen Verwirrungen, die den Kampf gegen Russland fordern. Obwohl es auf Selbstmord hinausläuft. Diese drittklassigen Politiker sind nicht in der Lage, Konsequenzen aus Fakten zu ziehen und die eigenen Interessen über Ideologien zu stellen.

Die Europäer vernichten sich also selbst. Sie versuchen, ein Land zu bekämpfen, das ihnen doch als Partner eine vielversprechende Zukunft bieten kann. Als Partner. Aber das können oder dürfen sie so nicht sehen. Daher nimmt der Wahnsinn auch hier seinen Lauf.

Die Drohung der Amerikaner, sich aus der NATO zu verabschieden, kann natürlich nicht ernst genommen werden. Denn die NATO ist ihr Herrschaftsinstrument für ihre Kontrolle über Europa. Sollten sie es dennoch ernst meinen, dann wäre das ein Glücksfall für Europa, sich endlich von der amerikanischen Vormundschaft zu befreien und wieder ein Eigenleben zu entwickeln.

Die Zeichen der Zeit weisen allerdings darauf hin, dass noch viel zerstört werden muss, bevor wieder aufgebaut werden kann. Europa soll auf der Müllhalde der Geschichte abgelagert werden. Das ist die Vorgabe an diese europäischen Politiker. Verräter der schlimmsten Art sind sie allesamt. Mörder an ihrem eigenen Volk.

Die Lektion für Deutschland

Asymmetrische Kriegsführung lehrt, dass man eben nicht lediglich kopieren muss, was andere Länder in ihre Verteidigung investieren.

Panzer und große Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge braucht man nicht mehr beim Militär. All diese hübschen und teuren Waffen sind obsolet. Also können alle Bestellungen nach Amerika storniert werden.

Wir in Deutschland befinden uns in einer ähnlichen Situation wie der Iran, sollten wir dereinst wirklich wieder frei als Deutsche leben wollen, gegen den Widerstand der kapitalistischen Verbrecher: Wir haben eine große Anzahl der besten Ingenieure und Wissenschaftler auf Erden. Deren Aufgabe muss es sein, Waffensysteme zu entwickeln, die ausreichend Abschreckung bieten, um keinen potentiellen Feind auf dumme Gedanken kommen zu lassen.

Darauf allein kommt es an: Abschreckung. Glaubhafte Abschreckung, die hoffentlich nie eingesetzt werden muss. Darum geht es ja letzten Endes auch bei den Atomwaffen.

Diese Abschreckung ist zu einem günstigen Preis zu haben. Und mehr braucht es nicht hinsichtlich Verteidigung. Man darf eben nur keine Angriffskriege führen. Dann wird es teuer. Sehr teuer. Fragen Sie Amerika. Amerika ist der schlimmste Verbrecherstaat, der sich je auf Erden ausgetobt hat. Die stellen selbst Rom in den Schatten. Die Niederlage Amerikas wird ein Segen für die Welt sein.

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