Anleger zwischen Medien, Mainstream und Manipulation

von Manfred Gburek

Wenn in diesen Tagen von Medien, von ihrer vermeintlichen Macht und dann doch wieder Ohnmacht die Rede ist, kommt das Gespräch schnell auf das Internet, auf die mehr oder weniger nützlichen iPads und Smartphones, hin und wieder auch auf das Zeitungssterben, wie zuletzt in den Fällen Frankfurter Rundschau und Financial Times Deutschland, kurz FTD. Welchen Nutzen Anleger wie aus welchen Medien ziehen, bleibt dabei ein Randthema. Deshalb ist es kaum verwunderlich, wenn sie zunehmend alternative Medien wie etwa goldseiten.de oder anlegerfernsehen.de nutzen, weil sie dort bekommen, was sie suchen: ungefilterte Informationen aus erster Hand, Anregungen und Denkanstöße. Das folgende Beispiel erscheint da besonders interessant:

Auch wenn Sie des Themas Griechenland ebenso müde sein dürften wie ich, sollten Sie sich mit diesem Gedanken anfreunden: „Wir brauchen einen massiven starken Schuldenschnitt. Dann wäre das Land wieder in der Lage, sich selber zu finanzieren und ohne fremde Gelder über die Runden zu kommen.“ Das Zitat stammt ausnahmsweise nicht von einem der Redner aus Anlass der Bundestagsdebatte am Freitag, sondern von keinem Geringeren als dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger, entnommen einem von Andreas Scholz geführten Interview im Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), siehe oben.

Warum ich die Quelle betone? Weil dieser Spartensender, den Sie im Internet empfangen können, sich nach dem pfiffigen Wirtschaftsjournalisten Bernhard Jünemann (vorher Börse Online) eben auch Andreas Scholz geangelt hat. Der bekam dank seiner Kompetenz früher bei Bloomberg, einem weiteren Spartensender (Sendungen in deutscher Sprache inzwischen eingestellt), nach Belieben alle wichtigen Finanzleute vor das Mikrofon und auf die Mattscheibe. Das gelingt ihm an seinem neuen Arbeitsplatz auch immer häufiger. Und während jetzt in den nach Quote führenden Fernsehkanälen beim Thema Griechenland weiter um den heißen Brei herumlaviert wird, reden die Interviewpartner beim DAF Tacheles.

Pikante Note: Bernd Förtsch, ein ehemaliger Aktienspekulant aus Kulmbach, bekannt und berüchtigt unter anderem durch seine früheren Auftritte in der öffentlich-rechtlichen 3Sat Börse, kauft sich mit Bernhard Jünemann und Andreas Scholz Kompetenz und zeigt so den anderen Sendern einschließlich n-tv und N24 eine lange Nase. Oder um einen ehemaligen Slogan des öffentlich-rechtlichen Fernsehens abzuwandeln: Bei ARD und ZDF schlafen sie in der ersten Reihe, jedenfalls sofern es um die Wirtschafts- und Börsenberichterstattung geht. Und das, obwohl beide Kanäle auch kompetente Wirtschaftsjournalisten beschäftigen – nur kommen die viel zu selten zu Wort, und wenn doch, dann müssen sie sich mit ihrer eigenen Meinung extrem zurückhalten, wie mir einer von ihnen geflüstert hat.

Bei den Medien ist mittlerweile noch viel mehr in Bewegung geraten, am markantesten in den Fällen FTD, Börse Online, Impulse und Capital. Diese Blätter sind nur noch Schatten ihrer selbst. Der Ableger der englischen Financial Times wird nach vielen Verlustjahren sogar eingestellt. Kräftige Seitenhiebe der FAZ und vor allem des Handelsblatts gegen die FTD belegen, dass die Branche der Print-Wirtschaftsmedien zeitweise mehr mit sich selbst als mit ihren Lesern beschäftigt war und weiter ist. Derweil reißen, ausgehend vom Internet, die neuen Software- und Hardwaremedien von Google, Apple, Samsung, HTC, Amazon, Facebook und anderen immer größere Marktanteile an sich.

Es gibt, zumal in einer solchen Gemengelage, kein Patentrezept, wie Sie welche Medien zu nutzen haben. Im Zweifel möglichst viele, ergänzt um Diskussionen mit kompetenten Gesprächspartnern. Doch eines sollten Sie auf jeden Fall beachten: Wenn Sie finanziell erfolgreich sein wollen, muss der Ausgangspunkt aller Ihrer Anlageentscheidungen, wie an dieser Stelle schon häufiger betont, Ihre ganz persönliche Finanzplanung sein. Lassen Sie sich also nicht verleiten, irgendwelche Finanzprodukte zu kaufen, die sogenannte Anlageberater oder Versicherungsvermittler Ihnen empfehlen. Denn es handelt sich dann fast immer um Anlagen, an denen die Finanzhäuser mehr verdienen als Sie.

Welche Rolle die Medien dabei spielen, ist am vergangenen Montag wieder einmal in der ARD-Sendung „ Hart, aber fair“ deutlich geworden. Da durfte sich neben der Ministerin Ursula von der Leyen ausgerechnet Oskar Lafontaine zum Thema Altersvorsorge äußern. Er brach, kaum verwunderlich, eine Lanze für die umlagefinanzierte Rentenversicherung. Die Diskussion rankte sich ansonsten immer wieder ausgerechnet um vorgefertigte Finanzprodukte, an denen Banken, Sparkassen, Versicherer und Fondsgesellschaften das meiste Geld verdienen. Da konnte der Grazer Professor Max Otte das eine oder andere Mal noch so sehr versuchen, die Anlage in Aktien als günstige Altersvorsorge zu propagieren, Gehör fand er dennoch kaum.

Haben Sie in den gängigen Fernsehkanälen schon einmal zur besten Sendezeit etwas von finanzieller Repression gehört? Wahrscheinlich nicht, denn tagsüber folgt eine Seifenoper nach der anderen, und wer sie konsumiert, läuft Gefahr abzustumpfen. Abends kommen dann die vermeintlich staatstragenden Nachrichten so zur Geltung, als seien die Sender im Dienst der Politiker verkappte PR-Agenturen, die proportional für alle Parteien Schleichwerbung betreiben. Wer geduldig bis Mitternacht vor dem Fernseher verharrt, erfährt schließlich mit etwas Glück in einer Diskussionsrunde mit minimaler Zuschauerquote, dass die finanzielle Repression dazu dient, den Staat zu entschulden und die Bürger bei dieser Gelegenheit gleich teilweise zu enteignen.

Kein Wunder also, dass immer mehr weitsichtige Anleger zu alternativen Medien abwandern. Hierbei hat das Internet eine stark wachsende Bedeutung, auch wenn die darin verbreiteten Inhalte stets einer strengen Auswahl bedürfen. Und nun kommt der Clou: Nachdem die führenden deutschen Medienkonzerne mit Werbebannern nicht den gewünschten Erfolg erzielt haben, setzen sie zunehmend auf bezahlte Inhalte. Das heißt, was zum Beispiel Börsen-Zeitung und Immobilien Zeitung vormachen, soll bald auch für die Bild-Zeitung gelten.

Es handelt sich um ein Experiment, dessen Ausgang alles andere als sicher ist. Eines lässt sich indes schon jetzt vorhersagen: Was den Fernsehsendern heute die Quote ist, wird für die bezahlten Internetmedien in Zukunft die Zahl der Abrufe sein. Das heißt, im Zweifel verlagert sich der sogenannte Mainstream nur von einem Medium zum nächsten. Aus Anlegersicht spricht also viel dafür, weiterhin vor allem spezialisierte Internetseiten jenseits des Mainstreams anzuklicken, wie goldseiten.de, wenn es um Edelmetalle und Rohstoffe geht, oder eben auch anlegerfernsehen.de, wenn die große Wirtschaftspolitik zur Debatte steht. Apropos Edelmetalle: Messen Sie dem Auf und Ab des Goldpreises während der vergangenen Wochen und dem Rücksetzer am Freitag keine besondere Bedeutung bei, es handelt sich lediglich um die Fortsetzung der seit 15 Monaten anhaltenden Wellenbewegungen, denen später ein Ausbruch nach oben folgen wird.

Quelle: gburek

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