Amerikas kleine Mitschnüffler in Australien sorgen für einen Eklat

Eric S. Margolis  (antikrieg)

Jakarta, Indonesien – Die Indonesier sind üblicherweise ein lockeres, liebenswürdiges Volk.

Diese Woche jedoch kochen sie vor Zorn und Empörung über den Vertrauensbruch nach Enthüllungen darüber, dass Australiens Signals Directorate die Telefone hoher indonesischer Regierungsfunktionäre abgehört hat, darunter das von Präsident Susilo Bambang Yudhoyono und, am schlimmsten von allem, das seiner Gattin, First Lady Ani Yudhoyono.

Der Aussie-Geheimdienst bespitzelte ausgerechnet die indonesischen Kabinettsmitglieder, welche wie der Präsident als zuverlässige Alliierte der Vereinigten Staaten von Amerika und Australiens betrachtet werden. Dieses elektronische Schnüffeln bewegte sich im Rahmen der neuerdings berüchtigten streng geheimen Five Eyes (Fünf Augen) – Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika, dem Vereinigten Königreich, Kanada, Australien und Neuseeland – auch bekannt als „die Spionageagentur des Weissen Mannes.“

Five Eyes wird betrieben von der Nationalen Sicherheits Agentur der Vereinigten Staaten von Amerika, ihre anderen anglosächsischen Mitglieder handeln als loyale Juniorpartner, die ihre Nachbarn und oft auch ihre eigenen Leute bespitzeln. Wieviele ihrer lokalen Daten nach Washington weitergeleitet werden, ist nicht bekannt, aber es handelt sich wahrscheinlich um bedeutende Mengen. Beunruhigenderweise wurde vor kurzem bekannt, dass die NSA Informationen über Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika an einen weiteren Alliierten, nämlich Israel, weiterleitet.

Die Indonesier fragen, warum Australien – angeblich ein freundlicher Nachbar – sie bespitzelt hat, und schlimmer noch, ihren bewunderten Präsidenten und die First Lady. Interessanterweise fühlen sich Indonesier, mit denen ich gesprochen habe, darunter der sehr gescheite Chefredakteur der Jakarta Post Meidyatama Suryodiningrat, zutiefst beleidigt und persönlich angegriffen. Indonesien und Australien haben die letzten 20 Jahre hindurch versucht, ihre Beziehungen zu verbessern. Sie haben eng in einer Reihe von Regierungs-, Militär-, Umwelt- und Gesundheitsprogrammen zusammengearbeitet.

Indonesien ist mit seinen 248 Millionen Einwohnern der nächstliegende größere Nachbar des 23 Millionen Einwohner zählenden Australien, eine Tatsache, die die hochgradig xenophoben Aussies nervös gemacht hat, obwohl ihre Verteidigung von Washington garantiert wird. Marinesoldaten der Vereinigten Staaten von Amerika sollen demnächst in Nordaustralien, in der Nähe von Indonesien stationiert werden. Diese militärisch nutzlose Aktion hat Indonesien und China verärgert.

Australiens neuer konservativer Premierminister Tony Abbot spielte den Skandal arrogant herunter als Sturm im Wasserglas und äußerte die selbe lahme Entschuldigung wie die anderen in flagranti beim Bespitzeln erwischten westlichen Regierungen: „jeder tut es.“ Diese Entschuldigung nützt vielleicht auf Schulhöfen, aber nicht bei den Indonesiern – oder bei vielen Amerikanern, weil wir gerade dabei sind.

Präsident Yudhoyono bewies mehr Mut als Frankreich oder Deutschland, beorderte seinen Botschafter in Australien nachhause und strich viele gemeinsame Projekte mit den Aussies. Besonders zu erwähnen ist, dass Australien an Indonesien US$608,7 Millionen im Jahr als „Hilfe“ bezahlt hat, um Schiffsladungen von desperaten Asylsuchenden aus dem Mittleren Osten und Afghanistan davon abzuhalten, dass sie nach Australien gelangten. Diese Hilfe scheint zur Zeit eingestellt zu sein.

Australien war von der Außenwelt getadelt worden wegen seiner herzlosen Politik gegenüber nicht-weißen Flüchtlingen.

Ich habe schon lange geschrieben, dass Australien schon immer ein Apartheidsstaat gewesen ist. Das ist nur wenigen aufgefallen. Während Südafrika scharf für den Versuch kritisiert wurde, die weiße Herrschaft aufrecht zu halten, betrieb Australien immer eine Immigrationspolitik, die nur Weiße ins Land ließ und nur kleine Gruppen von Asiaten akzeptierte. Haben Sie jemals schwarze Australier gesehen außer seinen Ureinwohnern?

Australiens Rechtsaußen-Hardliner haben immer davor gewarnt, dass dunkelhäutige Indonesier planen, eines Tages in das lilienweiße Australien einzumarschieren. In den Tagen des verstorbenen indonesischen Präsidenten Sukarno krachten australische und indonesische Soldaten oft in „confrontasi“ zusammen, wie „Bung Karno“ das nannte. Australien intervenierte, um Osttimor der indonesischen Kontrolle zu entreissen. Die Aussies intrigieren im mineralreichen indonesischen Papua.

Viele, besonders ältere Aussies betrachten Indonesien als einen bedrohlichen, chaotischen, gewalttätigen Nachbarn voller aufgebrachter Moslems. Auf Jakartas mörderischen Straßenverkehr mag diese Beschreibung zutreffen, aber der Rest ist das selbe rassistische Gejammer, das wir von unwissenden antimuslimischen amerikanischen Konservativen hören.

Bisher waren die Reaktionen des Aussie-Premiers Abbot ungeschickt und unangebracht. Er sollte von seinem hohen Ross steigen, sich entschuldigen und die Kröte schlucken für die dummen Missetaten seiner Spione. Gute Politik erfordert, dass er – und Präsident Obama – die Spitzenbeamten in den beleidigenden Schnüffelbehörden hinauswerfen sollte, als eine Warnung und ein politisches Opfer. Spionen muss wie Kindern beigebracht werden, dass es Grenzen gibt.

Inzwischen wird den Vereinigten Staaten von Amerika von vielen Indonesiern die Schuld an AussieGate zugeschoben. Amerika hat große Investitionen im ressourcenreichen Indonesien, dem einwohnermäßig viertgrößten Land und größten Moslem-Land der Erde. Wie töricht und kontraproduktiv ist es, einen derart wichtigen Verbündeten und eine wachsende wirtschaftliche Großmacht vor den Kopf zu stoßen und zu beleidigen.

Und das, um herauszufinden, dass der Präsident Kreuzschmerzen hat und seine Frau eine Auseinandersetzung mit der Tochter – wenn man glaubt, dass das wirkliche Ziel nicht das Sammeln von Material für Erpressung ist.

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