Alle sollen Rentenbeiträge bezahlen!

Tageskommentar 03. 11. 2013: fortunato,
Alle sollen Rentenbeiträge bezahlen!

von fortunato (fortunanetz)

‚Die Renndee ist sischä!‘ An diesen Herrn erinnern sie sich doch sicherlich noch, oder? Norbert Blüm tingelte für die Regierung Kohl durch die Lande und versicherte jedem, der es gerne hören wollte, dass die Rente sicher ist. Und wenn ein Arbeitsminister ein solches Versprechen abgibt, ist das so gültig wie das Versprechen, dass unsere Sparbücher sicher sein sollen! Jedenfalls haben wir das so lernen müssen.

Die letzten Jahre über war die Inflation höher als die Rentenerhöhung, was faktisch auf eine Kürzung der Rentenbezüge hinaus läuft. Das ist hinlänglich bekannt. Aber: ‚Die Renndee ist sischä‘, gellt es noch in meinen Ohren. Norbert Blüm scheut sich sogar heute nicht, im Fernsehen aufzutreten, Und er zuckt dabei nicht einmal mit der Wimper, denn: Die Renndee ist sischä. Das weiß er genau. Sie ist zwar immer weniger wert, aber sie ist zumindest sicher weniger wert, also sicher. Oder?

Und dann erfuhren wir kürzlich, dass ca. 500.000 Rentner Sozialhilfe benötigen. Wir wissen also: Die Renndeee ist sischä… um es nochmals mit Norbert Blüm auszudrücken. Reicht die Rente nicht mehr? Kein Problem! Es gibt trotzdem Rente, oder war es Sozialhilfe? Na auf jeden Fall ist das alles sicher. Diesem Staat können sie vertrauen, oder?

Besonders niedlich sind die Zahlenspiele der Bundesregierung und der Rentenanstalt… Ich frage mich immer, ob diese Leute, welche diese lustigen Briefchen versenden, wirklich an das glauben was sie da schreiben, oder ob es einfach bewusste Lügner sind? Wenn beispielsweise heute einem Deutschen, der zur Rentenzahlung verpflichtet ist, im jährlich Briefchen bescheinigt wird, dass er als sichere Rente bei gleichbleibender Zahlung einen Betrag zwischen 1.000 und 2.000 Euro bekommt. Das hört sich natürlich toll an. Aber wenn man eine solche Rente erst in 20 Jahren bekommt, sollte man bedenken, dass natürlich eine Inflationsrate von durchschnittlich 2 bis 3 Prozent im Jahr den nominalen Geldbetrag entwertet. Und damit sind 1.000 bis 1.500 Euro in 20 Jahren heutiges Hartz IV Niveau und 1.500 bis 2.000 Euro sind nahe daran. Dabei ist natürlich nicht mitbedacht, dass die Preissteigerungen im Lebensmittelsektor viel höher sind und dass Rentner nicht jedes Jahr einen neuen Fernseher kaufen oder eine Weltreise machen…. Das bedeutet, dass sich Rentner in 20 Jahren – und zwar in der großen Mehrheit schon jetzt auch als gutverdienende Personen – darauf einstellen müssen, dass sie sich von ihrer ’sicheren Rente‘ nicht viel werden kaufen können…
Und womöglich müssen sich dann auch heute ganz normal verdienende Rentenzahler darauf einstellen, dass sie zum Zeitpunkt der ersten Rentenauszahlungen auf die Sozialhilfe werden zurück greifen müssen. Dabei hilft es nichts, dass Riester, Rürup und Co. mit einer privaten Rente argumentieren, die man sich ja noch zulegen kann. Wie man gesehen hat, sind alle diese Modelle eben ‚Erfolgsmodelle’… ich habe noch keinen gesehen, der sich nicht beschwert dass sein sauer verdientes Geld nicht gut angelegt ist. Es ist insbesondere in ach so sichere Staatsanleihen angelegt… von Gesetzes wegen!

Was die Damen und Herren Rentenbrief-Versender ebenfalls nicht berücksichtigen ist der Umstand, dass die Eurokrise unabsehbare Risiken enthält, die sich natürlich auch auf die Rentenzahlungen der Zukunft auswirken können. In vielen Ländern der Eurozone steigen die Arbeitslosenzahlen und natürlich möchten unsere Freunde in Euroland gerne eine europäische Arbeitslosenversicherung, damit aus Deutschland schön brav Geld in die Krisenregionen transferiert wird. Im Endergebnis fehlt dieses Geld dann in der Arbeitslosenversicherung in Deutschland und damit über kurz oder lang eben auch in der Staatskasse. Eine mögliche Bankenunion tut dann ebenfalls gute Dienste. Damit wird dann das private Sparvermögen transferiert und ist dann ebenfalls weg. Und so kommen dann die fleißigen Menschen in Deutschland immer weniger in die Lage, dass sie fürs Alter Rücklagen bilden können oder wollen. Und da sie jetzt schon entspart werden (die Zinsen sind niedriger als die Inflationsrate), kommen sie schon jetzt ins Angstsparen, mit den allfälligen Folgen eines schwachen Konsums und einer derzeit stagnierenden, und zukünftig womöglich rezessiven Binnenkonjunktur. Da bleibt dann vielleicht keine Zeit mehr, selbst vorzusorgen.

Dabei ist jetzt schon klar, dass die Rentenfinanzierung auf wackeligen Füßen steht. Denn sonst käme man bei den derzeitigen Koalitionsverhandlungen nicht auf die Idee, die Mini-jobber in die Rente einzahlen zu lassen. Da geht es darum, dass dieser Staat versucht, einem Geringverdiener im Monat nun weitere 18 Euro(!) aus der Tasche zu ziehen, indem er einfach eine weitere Zwangsregelung erlässt, gegen die sich diese Leute nicht wehren können. Das Geld wird einfach eingezogen und ist dann weg – auf nimmer Wiedersehen!

Man kann an diesem Verhalten der politischen Klasse sehen: Es geht ihnen wirklich darum, Geld in jedweder Form von irgendwoher zu bekommen und den Bürgern aus der Tasche zu ziehen. Und man kann an diesen Bestrebungen deutlichst sehen: Das gesamte ‚System BRD‘ ist auf den Tod krank! Wer solche Modelle diskutiert, weiß um die Not, mit irgendwelchen Hilfsmaßnahmen das bestehende System noch notdürftig zu stabilisieren. Eine gesunde Politik ist das alles aber nicht mehr.

Das ist das traurige Schicksal dieses Geldes. Es wird weg sein, hilft aber unseren Politikdarstellern, noch ein paar Jahre auf Staatskosten durchs Land zu tingeln und zu plärren: ‚Die Renndeee ist sischä!‘ Und dabei schämt sich Norbert Blüm bis heute kein bisschen. Klar, solange man weitere Potemkinsche Dörfer aufbauen kann um Zeit zu gewinnen, sollte es doch möglich sein, noch ein paar Jahre als Märchenerzähler in der Öffentlichkeit zu brillieren, oder? Und mit der letzten Bundestagswahl scheint ja für eine solche Politik angeblich noch die Legitimation im Volk da zu sein,

meint
fortunato

 

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