„Ab in den Gully“ – Die Zombifizierung Amerikas durch die Fed wird ernste Folgen haben

von Sven Henrich (theblogcat) (leicht gekürzt)

https://northmantrader.com/2020/06/16/circling-the-drain/

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Nebenwerte (Anm.d.Ü.: die kleinen Börsenwerte) sind in vier Tagen um 15% gefallen, nur um innerhalb von 24 Stunden um 10% nach oben zu schießen. Nach so einem steilen und schnellen Fall war eine Rally keine Überraschung. Was wahrscheinlich keine Überraschung sein sollte, aber doch eine war: die Fed fühlte sich genötigt, die umgehende Einführung ihres Programms für Firmenanleihen anzukündigen (was vor einigen Monaten angekündigt wurde), aber nun haben sie es tatsächlich umgesetzt. Das Timing ist offensichtlich. Sie können und werden keine Abwärtsbewegung der Märkte tolerieren, so voll haben sie die Hosen vor einem Verlust der Kontrolle über die Vermögensblase, die sie geschaffen haben. Was die Frage aufwirft: Wie viel Schiss haben sie vor diesen Märkten, dass sie bei jeder Delle intervenieren müssen?

Die Menge an Geld, die auf dieses ganze Konstrukt geworfen wird, ist obszön. Was während der Finanzkrise Hunderte von Milliarden benötigte, braucht jetzt Tausende von Milliarden, allgemein bekannt als Billionen. Die Dauer und das Ausmaß ihrer indirekten Interventionen an den Aktienmärkten, indem sie direkt hoch verzinste Staatsanleihen und jetzt auch Firmenanleihen aufkaufen, das ist eine Perversion des Finanzsystems. Vor keiner roten Linie wird zurückgeschreckt. Neben der Monetarisierung der Staatsschulden ist die Fed jetzt im Grunde das Sparschweinchen der Nation.

Aber es ist nicht nur die Fed. Die Ankündigung von gestern war anscheinend nicht genug, denn die Trump-Administration schmeißt plötzlich noch zusätzlich ein Billionen schweres Infrastrukturprogramm auf das Liquiditätsfeuer. Und das nach der 10%-Korrektur. Wie praktisch. Ob sich dieser Plan am Ende verwirklicht oder nicht, das spielt keine Rolle. Die Futures haben reagiert und sind steil nach oben geschossen. Was für ein Zirkus. Das ist kein stabiler Markt. Und mein Mantra, dass die Extreme immer extremer werden, gilt weiterhin.

Die Rally von 2017, die im Januar 2018 ihren Höhepunkt erreichte, wurde durch kostenloses Geld in Form der Steuersenkungen angetrieben. Das Versprechen war ein BIP-Wachstum von 4-5%. Dieses Wachstum kam nie. Es gab ein Wachstum beim BIP in einem Quartal und das war’s. Warum? Weil der Großteil des Geldes in Akteinrückkäufe und Finanzprodukte ging, und nicht in Kapitalinvestitionen mit der Erwartung auf ein kommendes Wachstum. Das hat 2018 die Börsenpreise angetrieben (bevor die Realität zuschlug).

Nein, die Wahrheit ist: Die Steuersenkungen für die Konzerne haben gar nichts für das Wirtschaftswachstum getan, null. Die Einnahmen bei den Gewerbesteuern sind gefallen und das reale BIP-Wachstum dümpelt vor sich hin:

Das BIP erreichte nicht einmal den Höchststand von 2015. Aber es wurden weitere $1,5 Billionen versenkt.

Die Fed versuchte im Rückenwind dieser Steuersenkungen ihre Bilanz zu normalisieren. Sie nannten das „Autopilot roll-off“. Es war ein Rohrkrepierer und die Märkte stürzten im 4. Quartal 2018 fast um 20% ab, bevor die Fed gezwungen war, wieder mal den Kurs zu wechseln.

Das BIP-Wachstum von 4-5% hat sich nicht materialisiert.

Dann kam das Versprechen von Gewinnzuwächsen 2019, weil die Steuersenkungen und Aktienrückkäufe zumindest die Illusion eines Wachstums lieferten. Es kam kein Gewinnwachstum. Nichts. Trotzdem stiegen die Märkte 2019 um 30%, ohne Gewinnwachstum. Warum? Weil die Fed im 4. Quartal 2019 ihr größtes Liquiditätsprogramm seit 2009 auflegte. Um über $400 Milliarden wurde die Bilanz erweitert, um mit der Repo-Krise umzugehen, die im September 2019 auftauchte.

(Anm.d.Ü.: kurz gesagt sind Repos kurzfristige Rückkaufvereinbarungen einer Zentralbank, um Banken Liquidität bereitzustellen)

Die Fed nannte es „Nicht QE“. Eine Lüge. Die Märkte betrachteten es als QE und trieben die Marktwerte auf einen Höchststand: Ein Börsenwert von 157% zum BIP. Kein Problem, sagten sie, 2020 wird es einen Gewinnzuwachs von 5-8% geben, und das würde die Bewertungen rechtfertigen.

(Anm.d.Ü.: QE steht für „quantitative Lockerung“, bei der EZB heißt es „Anleihenkaufprogramm“)

Diese Gewinnzuwächse haben sich nicht materialisiert, da Covid-19 die Weltwirtschaft in eine Rezession getrieben hat. Das sind drei Jahre in Folge gebrochene Versprechen über ein Wachstum der Wirtschaft und der Gewinne. Und jetzt diese Rally, die $3 Billionen an Interventionen der Zentralbank benötigte, und ein US-Defizit von $4 Billionen um das zu bewerkstelligen.

Viele pochen darauf, dass es eine V-förmige Erholung geben wird (Anm.d.Ü.: auch unser FinMin Scholz). Viele der selben Leute haben auch während der letzten drei Jahre die kühnen Vorhersagen über Gewinn- und Wirtschaftswachstum gemacht, was nie eingetreten ist. Tatsache ist, dass die Arbeitslosigkeit über Jahre hinweg hoch bleiben wird. Deshalb besteht die Fed darauf, die Zinsen bis 2022 bei Null zu belassen.

Nein, meine größere Sorge ist, dass wir den Bach hinunter gehen.





Sollen wir uns ein bisschen mit der Realität beschäftigen? Diese Wirtschaft war nicht in der Lage, über viele Jahre ein Wachstum über dem des BIP zu produzieren. Sie haben das mit 10 Jahren billigem Geld nicht geschafft, sie haben es mit einer Steuersenkung von $1,5 Billionen nicht geschafft, sie haben es mit drei Zinssenkungen und einer Ausweitung ihrer Bilanz von mehr als $400 Milliarden nicht geschafft und sie schaffen es jetzt mit einer gemeinsamen Intervention von $7 Billionen in diesem Jahr nicht.

Warum? Weil wir uns in einer strukturellen Depression befinden. Sämtliches Wachstum wird durch Schulden finanziert. Alles. Dieser Markt und die Wirtschaft wurden bis zum Anschlag mit künstlichen Anreizen und Liquidität vollgepumpt, und was hat das gebracht? Die USA werden vielleicht schon im nächsten Jahr $30 Billionen Schulden haben.

Wir befinden uns in einer Depression. Warum? Weil sich eine Wirtschaft, die $7 Billionen an Interventionen benötigt, in einer Depression befindet, macht euch nichts vor. Eine Wirtschaft, die mit einer Steuersenkung von $1,5 Billionen nicht wachsen kann, mit Zinsen von null Prozent und ständigen Interventionen, die befindet sich in einer Depression.

Jetzt ist die Frage, wie wir da rauskommen und welche Bedingungen wir für ein zukünftiges Wachstum haben.

In früherer Zeit entstand Wachstum, weil sich das System selbst reinigen konnte und neue Geschäftsmodelle aus den alten Trümmern entstanden. Unwirtschaftliche Geschäfte gingen Pleite, neue Geschäfte sind entstanden. Die Schulden der Firmen wurden reduziert. Das nannte sich Reinigung und neue Innovation.

Aber das geschieht heute nicht. Es geschieht das Gegenteil. Die Schulden explodieren und nächstes Jahr wird die Staatsschuld der USA im Vergleich zum BIP 135-140% betragen und die Schuld der Firmen jenseits von 50% des BIP liegen:

Eine zombifizierte Wirtschaft:

Um das klarzustellen: Billiges Geld, niedrige Zinsen und QE haben die langsamste Erholung in der Geschichte bewirkt. Die Märkte und die Wirtschaft können nicht die kleinste Störung ohne Intervention überstehen, beide sind völlig von Schulden abhängig und bis heute waren sie nicht imstande, ein organisches Wachstum zu erzeugen oder ohne künstliche Hilfe auf eigen Beinen zu stehen.

Und beachtet: Die Größe der benötigten Interventionen nimmt ständig zu. Es braucht immer mehr Geld, um die Dinge über Wasser zu halten. Und währenddessen hat sich jede große Rally in den letzten Jahren, die der Öffentlichkeit als Versprechen eines „guten Ausblicks“ und „Optimismus“ verkauft wurde (Zinssenkungen, Steuersenkungen, Trade Deals, bla, bla, bla), als falsch erwiesen.

Kein BIP-Wachstum von 4-5%, kein Gewinnwachstum 2019, kein Gewinnwachstum 2020. Aber die größte Vermögensblase jemals in einer Rezession, eine Rezession, aus der wir nicht gereinigt und verjüngt hervorgehen werden, sondern zombifiziert, noch mehr verschuldet, mit dem größten Unterschied beim Reichtum aller Zeiten. Und wenn vor diesem Hintergrund ein Börsenwert von 150% gegenüber dem BIP nicht gerechtfertigt ist, dann weiß ich nicht was sonst.

Die Fed hat ein echtes Spielcasino erschaffen und die Zocker sind da und ziehen ohne Unterlass an den Kauf-Hebeln. Die Fed rettet nicht die Wirtschaft, sie zombifiziert sie und indem sie sich immer tiefer in die Märkte wirft, wird die Fed selbst zu einem „Too Big to Fail“. Eine Fed, die die Kontrolle über die Vermögensblase verliert, ist jetzt der größte Risikofaktor für die Wirtschaft.

Ein Rettungsmodell, das sich allein auf immer höhere Aktienkurse stützt, die immer weiter von der zugrunde liegenden Wirtschaft abweichen und dabei ein immer größeres Wohlstandsgefälle schaffen. Es ist eine außer Kontrolle geratene Spirale, die verschleiert, was wirklich vor sich geht: Die strukturelle Wirtschaft wirbelt in den Abfluss, und die Zombifizierung der Wirtschaft wird den Gully nur mit schrecklichen Folgen verstopfen, die noch kommen werden. Konsequenzen, die für den Augenblick maskiert werden, da die Märkte immer noch damit beschäftigt sind, jeder Überschrift mit dem Wort Liquidität hinterherzujagen.

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