A.A. – Trump – das ist Krieg

Haben Sie schon mal etwas von Alexej Anpilogow gehört? Ich bislang nicht. Sein folgender Artikel zeigt auf, das der US-Hegemon China auf gar keinen Fall unterschätzen sollte. Ich könnte das Thema noch ausweiten, aber Anpilogows Artikel sagt bereits eine Menge aus.

Übersetzung eines Textes von Alexej Anpilogow (Quelle) durch T. Roth (vineyardsaker)

Wobei es ein moderner Krieg werden kann, ein heißer, oder sogar ein thermonuklearer.
Ich werde das begründen und bin bereit, mich konstruktiver Kritik zu stellen.

Die einstige Strategie der Angelsachsen – und später auch der Nordamerikaner – bestand darin, mit verschiedensten Mitteln, die Blockade Eurasiens zu gewährleisten.
– Von den Zeiten des „Großen Spiels“ zwischen Großbritannien und Russland in Mittelasien im XIX. Jahrhundert;
– ab Datum der wissenschaftlichen Artikulation des Herangehens an die „Blockade von Mittelerde“,
– es informierte schon ab 1904 Sir John Halford Mackinder;
– über die Containment-Konstruktion Spykmans,
– bis zu den Konstruktionen Huntingtons im „Krieg der Zivilisationen“,
– es besagten diese Konzeptionen über das riesige und unermessliche Eurasien alle dasselbe: das mit den verschiedensten Kulturen und mit befeindenden Staaten angefüllte Eurasien sollte geschlossen in sich verbleiben, obwohl es die reichsten Naturschätze und unbestreitbar auch historische und zivilisatorische Ambitionen hatte.

Eine beliebige neue Expansion der euroasiatischen Kultur wird die Hegemonie des kollektiven „Ozeans“ unvermeidlich verderben, die auf der Hartland-Theorie (von Mackinder) beruht und die wesentlicher Nutznießer der weltweiten Ordnung im XX. Jahrhundert und noch zu Beginn des XXI. Jahrhunderts war.

Als Hauptmethode der Kontrolle von Eurasien im XX. Jahrhundert wurde das Herangehen von Nicholas J. Spykman gesehen, das jegliche Unterstützung seitens der USA für die Länder „der Bogenerde“ (die das Hartland einrahmen) einbezog: die Masse der kleinen und abhängigen Staaten, die das Hauptterritorium Eurasiens sperren würden, den kontinentalen Ländern den Ausgang zum Seehandel und zur Seehegemonie verschließend.

„Der Gürtel der Sicherheit“ erstreckte sich Zehntausende Kilometer lang um das ganze Eurasien – von Norwegen und Island im Nordwesten, über Großbritannien und Westeuropa im Westen, durch die Türkei und die Monarchien des Persischen Golfs im Süden, durch die Straße von Malakka, Thailand, die Philippinen, Taiwan, Südkorea im Südosten – bis hin nach Japan und das amerikanische Alaska im Osten und Nordosten.

Auf der Karte ist es leicht zu erkennen, dass im letzten Drittel des XX. Jahrhunderts im Territorium „der Bogenerde“ zwei große Breschen geschlagen wurden: die Islamische Republik Iran und die Volksrepublik China. Diese zwei großen Länder unterbrachen schon allein durch die Tatsache ihrer Existenz die totale Abhängigkeit „der Bogenerde“ von den äußeren Machtzentren (in erster Linie – von den nach 1945 die volle Hegemonie in der westlichen Welt übernehmenden USA). Und nach der kommunistischen Revolution 1949 in China und nach der islamischen Revolution 1979 im Iran stellte man den Einfluss der USA im Iran schon sehr stark in Frage und in China war er niedriger als jede beliebige zu beobachtende Grenze.

Jedoch die UdSSR, die ein wesentlicher Nutznießer eines solchen Loches in der Konzeption der westlichen Blockade Eurasiens hätte sein können, konnte die Vorteile in keiner Weise ausnutzen, die ihr von diesen zwei fundamentalen Veränderungen des Gleichgewichts der Kräfte in der Welt sozusagen in den Schoß fielen.

Schon ein halbes Jahr nach der Islamischen Revolution im Iran, im Dezember 1979, sind die sowjetischen Truppen auf dem Territorium des angrenzenden Afghanistans einmarschiert. Die Möglichkeit der geopolitischen Annäherung zum Iran wurde nicht realisiert und der Einfall der sowjetischen Truppen in Afghanistan trägt in der westlichen Literatur bis heute den Titel „Das Bärenfangeisen“, so offenbar verlor die UdSSR ihren Einfluss auf die arabische und islamische Welt mit dem Beginn dieser Operation.
Nach den Erinnerungen Zbigniew Brzezinskis stießen die USA „die Russen nicht, sich einzumischen, aber… von Tag zu Tag vergrößerte sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie es machen würden“.

Unklar ist, was geschehen wäre, wenn die Geschichte der UdSSR einen anderen Weg gegangen wäre, aber in unserer Realität wurde die Chance, die Eurasien infolge der Islamischen Revolution im Iran gegeben worden ist, nicht realisiert. Und auch heute noch ist sie nur teilweise verwirklicht durch die gemeinsamen Handlungen Russlands und des Irans in Syrien.

Die Situation der Amerikaner war im Falle Chinas noch komplizierter. Seit 1949 haben die USA den Einfluss auf die Volksrepublik China tatsächlich verloren und schon ab der Mitte der 1960er Jahre sind sie außerdem überall in der Welt mit dem Export der chinesischen Revolution (in Form des Maoismus) zusammengestoßen. Da bis zum Ende der 1980er Jahre die ideologischen Unterschiede zwischen der UdSSR und der Volksrepublik China nur minimal waren, mußte sich die USA der Gefahr der endgültigen Annäherung zweier euroasiatischer Supermächte immer bewusst sein. Und schon ab den 70er Jahren waren sie tatsächlich gezwungen, die direkte und offene Unterstützung Chinas zu beginnen. Da, wie wir uns erinnern, es nicht einmal Krieg auf der Insel Damanski (am Ussuri) gab.

China, das gelitten hat unter dem Jahrhundert der Erniedrigungen (Mitte XIX – bis Mitte des XX. Jahrhunderts), hat sich als einer der hauptsächlichen Nutznießer der neuen Weltordnung erwiesen, die in der Mitte der 1970er Jahre seitens der USA – während eines Besuches von Richard Nixon in die Volksrepublik China – bekannt gemacht und angeboten wurde. Washington, daß in Peking ein ernstes Gegengewicht zu Moskau sah, begann mit dem Aufbau von sehr aktiven Wirtschaftsbeziehungen mit China, was sich in einigen Jahrzehnten ununterbrochenen und schnellen Wirtschaftswachstums in der Volksrepublik China niederschlug. Das wurde unterstützt von den Technologien und Investitionen aus den USA. Aus einem rückschrittlichen Dritte-Welt-Land hat sich China buchstäblich über ein bis zwei Generationen in eine Weltwirtschaft entwickelt, die über eine unglaublich entwickelte Industrie verfügt und über die notwendige Infrastruktur, sowie wachsendes militärisches und wissenschaftliches Potential.

Im Grunde genommen haben die USA sich den Konkurrenten im Kampf um die weltweite Herrschaft selbst herangezüchtet, obwohl sie es nicht wegen des guten Lebens gemacht haben. Die chinesische Marionette hat dann die Fädchen zerrissen – und hat ihre Selbstständigkeit erklärt.

Ein zusätzlicher Anstoß wurde dabei auch, dass im Laufe des stürmischen Wirtschaftswachstums von 1970 bis 2010 China sich schon ein Transport- und Infrastruktursystem aufgebaut hatte, das alternativ zu dem amerikanischen System des Seehandels funktionierte.
Heute sehen wir tatsächlich das Schlussstadium des Aufbaus des einheitlichen euroasiatischen Landtransportnetzes – in dieser Woche ist der erste direkte Lastzug aus Peking in London angekommen.

Es handelt sich um gigantische Infrastrukturprojekte nach typisch chinesischen Maßstäben auf dem Kontinent, die von China eingeleitet worden sind und oft auch mit chinesischem Geld finanziert wurden Damit will man die historischen Mängel der Landkommunikation im Vergleich mit der See – die Ineffektivität, die Komplexität, die Teuerung und die niedrige Geschwindigkeit der Fortbewegung der Menschen – liquidieren und die Waren, die Dienstleistungen und die Ressourcen zu Lande effektiver befördern. Innerhalb des Landes hat Peking schon das Netz der Hochgeschwindigkeitshauptstrecken geschaffen, das nach der Ausdehnung ähnliche Linien in der ganzen übrigen Welt übertrifft. Die Geschwindigkeit des Baues der chinesischen Autobahnen ist nur mit dem Programm des Baues der amerikanischen Hauptstraßen in den 1950er Jahren oder der Autobahnen Hitlerdeutschlands in den 1930er Jahren vergleichbar.

In unseren Augen wird die Vollendung der Schaffung der Reinkarnation der „Seidenstrasse“ die Volksrepublik China endgültig unabhängig vom Seehandel machen.

In so einer Situation wurde China für die USA immer mehr zum geostrategischen Konkurrenten und das im Kampf erst mit der UdSSR und dann mit Russland.

Bis in die letzte Zeit wurde diese Lage der Dinge dadurch wenigstens teilweise ausgeglichen, dass China „den Wirtschaftsriesen“ und gleichzeitig „den Militärzwerg“ darstellte, aber die letzten Initiativen der Volksbefreiungsarmee im Bereich Nuklearraketen und Seewaffen zwingen, darüber nachzudenken, dass sich auch die Militärdoktrin Chinas plötzlich und in allernächster Zeit vollkommen ändern kann.

Solche Veränderung in der Politik Chinas kamen folgerichtig, nachdem sich die USA noch am Anfang der 90er Jahre in der sehr strittigen Richtung der Region des „Großen Nahen Ostens“ konzentrierte und die dichte Kontrolle über Südostasien verlor.

Die amerikanischen Präsidenten, seit George Bush dem Älteren, der auf die Aggression des Iraks in Bezug auf Kuweit großzügig geantwortet hatte, beteiligten sich einer nach dem anderen immer intensiver an dem nahöstlichen Schaffen, gaben dabei für die Kriege in der arabischen und islamischen Welt Billionen Dollar aus, verloren ihre Autorität und was das kostbarste ist – verbrauchten die historische Zeit. Höhepunkt des Ganzen war, dass das alles ohne irgendwelche sichtbaren Erfolge geschah. Besonders hat sich darin der andere George Bush (der Jüngere) hervorgetan, der als Antwort auf die Terrorakte 9-11 die Amerikaner in das „Bärenfangeisen“ Afghanistan führte, aus dem sie bis heute nicht ganz wieder herausgekommen sind. Später führte er sie noch in den ganz unnützen und unmotivierten Krieg der USA und einer ganzen Koalition von westlichen Ländern gegen den gänzlich unbeteiligten Irak.

Übrigens, sehr interessant ist, dass der erste amerikanische Politiker, der sich entschieden hatte, den lasterhaften Kreis der nahöstlichen Politik der USA zu zerreißen, Hillary Clinton war, die „die Kurve nach Asien“ (Рivot to Asia) als neuen Kurs der USA in Eurasien offiziell ausgerufen hatte. Es sollte sich in Asien, nach den damaligen Erklärungen Clintons, das Schicksal der Welt und der weltweiten Hegemonie im XXI. Jahrhundert entscheiden. So haben noch im Jahr 2009 die USA de facto anerkannt, dass sie in den 1990er bis 2000er Jahren das Erscheinen des Landes verschlafen haben, das vom amerikanischen Einfluss her strategisch wichtig für den weltweiten Status quo der Bogenerde ist und von innen potentiell befreit werden könnte. Wobei die gegebene Befreiung nicht nur die Bogenerde zerstören würde, sondern auch China zur weltweiten Hauptkraft in nächster Zukunft machen würde: mit dem Ausfall Chinas aus dem für die USA wichtigen Bogen, verlor Amerika seinen ganzen Einfluss in der südöstlichen Richtung und Mittelasien und … auf Russland.

Wobei die Gefahr, die China immanent ist, nicht darin besteht, dass es gut ausgerüstet ist oder die Politik einer militärischen Expansion durchführt, sondern darin, dass die USA in der neuen Welt des XXI. Jahrhunderts die Größe der chinesischen Infrastruktur, des Wirtschafts- und technologischen Potentials nicht mehr vollständig kontrollieren konnten und die chinesischen Versorgungswege und Verkaufsplätze der Waren auf keine Weise bestimmen konnten. Die Flugzeugträger haben sich somit als unnütz erwiesen in einer Welt, in der China schon das System der euroasiatischen Kommunikationen und der Bündnisse tatsächlich aufgebaut hat.

Heute befinden sich die Wechselbeziehungen Chinas und der USA noch in einem brüchigen Gleichgewicht. Jedoch muß man konstatieren, dass Donald Trump den Weg der Konfrontation mit der Volksrepublik China schon deutlich betreten hat.
Aber Trump hat Peking erst einmal einige wichtige politische „Geschenke“ dargebracht.
Das erste davon ist eine Aufhebung von TTP, der Trans-Pazifik-Partnerschaft, die ein Teil des „Blockadeplanes“ der Verwaltung Obama war. Von meinem Standpunkt aus, war dieser Plan ohne Einschränkung von Beginn an schlecht und unerfüllbar – wenn man die riesigen geopolitischen und Geowirtschaftskräfte Chinas mit der Blockade Eurasiens mit Hilfe Vietnams, der Philippinen, Japans und Südkoreas aufhalten will. China war ursprünglich selbstzufrieden. Um so mehr, da es für die Umsetzung von TTP viele Fragen der Wirtschaftsregulierung und der Staatshoheit gibt, die in die Hände der Gesellschaften zurückzugeben sind, und damit in noch größerem Maß jenen Gürtel von Staaten geschwächt hätte, der jetzt schon zu schwach war, China aufzuhalten.

Jedoch ein weiteres Geschenk hat noch mehr am Fundament der amerikanisch-chinesischen Beziehungen gerüttelt – das ist die Aufhebung der Anerkennung der Ein-China-Politik. Das Wesen dieser Politik ist einfach: die Amerikaner erkennen Taiwan als den Teil des einheitlichen chinesischen Staates an, dessen legitime Regierung sich in Peking befindet. Diese Anerkennung ermöglicht der Volksrepublik China, Taiwan in einer politischen Situation zu vernachlässigen, da in diesem Fall eine beliebige Zusammenarbeit des Westens mit Taiwan gezwungenermaßen auf das wirtschaftliche Gebiet begrenzt bleibt. Das bedeutet auch, dass China keine besonderen militärischen und politischen Einflüsse durch „das Trojanische Taiwanpferd“ erwarten muß.

Jetzt hat Trump öffentlich erklärt, dass die USA auf die Politik des „einen Chinas“ verzichten können, was das Niveau der amerikanisch-chinesischen Beziehungen sofort in bisher noch nicht erfahrene Tiefen, vergleichbar mit der Konfrontation in der Periode der 1950er bis zu den 1960er Jahren absenken wird.

Nach ersten Überlegungen wird das zur Kürzung des amerikanisch-chinesischen Handelsvolumens führen (wonach aller Wahrscheinlichkeit Trump strebt) und übrigens auch zur noch schnelleren Integration Chinas in Eurasien. Außerdem hat der neue Außenminister der USA, Rex Tillerson, schon erklärt, dass die USA in der aktivsten Weise (einschließlich dem Einsatz des Militärs!) den chinesischen Projekten der Meeresexpansion entgegenwirken will, der allmählichen Annexion der Wasserfläche des Südchinesischen Meers. Jetzt führt die Volksrepublik China im Südchinesischen Meer einen riesenhaften Bau durch, der aus künstlichen Inseln besteht, auf denen Militärstützpunkte errichtet werden, die man dann zu souveränem chinesischen Territorium erklärt. Tillerson hat den Gedanken öffentlich ausgesprochen, dass die amerikanische Flotte den Zugang zu diesen „Inseln“ für die Chinesen schließen kann, wenn sie die Arbeiten nicht einstellen sollten.

Eigentlich sind das der endgültige Bankrott der Politik von „Bogenerde“ und der Versuch, die Blockade Eurasiens seitens der USA direkt fortzusetzen, sich dabei ausschließlich auf die militärische Kraft und auf die damit verbundenen sehr begrenzten Möglichkeiten stützend.

Deshalb glaube ich das folgende und das ist geschrieben, nachdem bekannt wurde, dass China seine Raketen nördlich von Harbin aufstellen wird. Nur der Grund dafür ist nicht, einen Schlag gegen Russland führen zu wollen. Um nach Moskau zu schlagen, sollten die Raketen in Xinjiang stehen, näher heran an Alaska und nicht an die Halbinsel Kola – das ist eine Dummheit.

Und warum sie in der Provinz Heilongjiang aufstellen – das ist auf der Karte anschaulich sichtbar. Da die Erde bei uns rund ist, werden die Chinesen auf den Kernwaffenschlag der USA mit dem Start der Raketen über den Nordpol antworten. Viel zu breit ist bei uns auf der Erde der große Pazifische Ozean.
Deshalb, wie auch immer ich es drehe: Trump bedeutet Krieg.
Wobei am ehesten ein heißer Krieg zu erwarten ist – sogar ein thermonuklearer ist möglich.

—–

Abschließend dazu noch ein Zitat von einem Kriegsverbrecher:

Amerika hat keine dauerhaften Freunde oder Feinde, nur Interessen.“ 

Dürfte nicht schwer sein, zu erraten, wer das gesagt hat.

A.A. – Trump – das ist Krieg
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